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WZB-Studie zur dualen Ausbildung: Anachronismus oder Erfolgsmodell?

Ausbilder mit Azubi bei der Metallbearbeitung
© auremar - Fotolia.com

Die aktuelle Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) belegt, dass die duale Ausbildung auch unter den veränderten Rahmenbedingungen des 21. Jahrhunderts gelungene Erwerbseinstiege garantiert. Durch eine Auswertung von 15.000 Datensätzen von Arbeitsagenturen zeigt WZB-Forscher Christian Brzinsky-Fay, dass der Erfolg des Modells ungebrochen ist, auch wenn inzwischen die Bindung an den jeweiligen Ausbildungsbetrieb weniger zählt als die erworbenen Qualifikationen.

Um die Zukunftsfähigkeit des deutschen dualen Systems beurteilen zu können, untersuchte Christian Brzinsky-Fay, ob und wie sich die Erwerbseinstiege von Ausbildungsabsolventen in Deutschland über Jahrzehnte hinweg verändert haben. Dabei stand die Frage im Vordergrund, welche Typen von Erwerbseinstiegen überhaupt vorkommen und wie diese sich über die Zeit anpassen. Dabei zeigte sich, dass das duale System der Berufsausbildung in Deutschland auch unter sich verändernden strukturellen Bedingungen – Flexibilisierung, Globalisierung etc. – seine Funktion erfüllen kann, nämlich einen möglichst reibungsfreien Übergang in die Erwerbstätigkeit zu gewährleisten.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Das deutsche Modell der dualen Ausbildung gewährleistet nach wie vor für viele Absolventen und Absolventinnen einen erfolgreichen Erwerbseinstieg.
  • Der Erwerb von Qualifikationen bekommt mehr Bedeutung im Vergleich zur Bindung an den Ausbildungsbetrieb.
  • Erwerbseinstiege sind heutzutage stärker durch Teilzeit und Diskontinuität gekennzeichnet.

Zwar spielt die Betriebsbindung, die das duale System ursprünglich stärkte, eine immer geringere Rolle, dafür gewinnt die Übertragbarkeit der erworbenen Qualifikationen an Bedeutung. Beide Faktoren gehören zu den Stärken des dualen Systems. Die Rede von der Krise des dualen Systems ist im Angesicht dieser Ergebnisse nicht gerechtfertigt. Allerdings besteht die Notwendigkeit, der Benachteiligung für bestimmte Gruppen innerhalb der dualen Berufsausbildung entgegenzuwirken. Das duale System der Berufsausbildung ist nach Ansicht des WZB-Forschers alles andere als ein starrer Anachronismus, sondern vielmehr eine Institution, die sich den veränderten strukturellen Rahmenbedingungen am Anfang des 21. Jahrhunderts anpassen kann.

Weitere Informationen

Die Ergebnisse sind im WZBrief Bildung "Anachronismus oder Erfolgsmodell? Die duale Berufsausbildung im 21. Jahrhundert" ausführlich nachzulesen.