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Weiterbildung für überbetriebliche Ausbilder im Bäckerhandwerk

Bäcker-Azubis
© ikonoklast_hh - Fotolia.com

Nachhaltigkeit ist auch im Bäckerhandwerk ein wichtiges Thema. In der Ausbildung von Bäckerinnen und Bäckern besteht in dieser Hinsicht jedoch noch Entwicklungspotenzial. Der Modellversuch NIB Scout (Nachhaltigkeit im Bäckerhandwerk) schult deswegen zunächst das Ausbildungspersonal in einer eigenen Weiterbildung.

Die Generation Z sorgt für Wirbel und einen Umbruch im Bäckerhandwerk. Sie zwingt selbst alteingesessenes Ausbildungspersonal langsam zum Umdenken. Aktuelle Statistiken sind alarmierend. Viele Auszubildende verlassen das Bäckerhandwerk während bzw. ein Jahr nach ihrer Ausbildung. Veraltete Lehr- Lernmethoden sorgen für Unzufriedenheit der Auszubildenden im Bäckerhandwerk. Im Zuge des Modellversuchs NiB Scout wurden die aktuellen überbetrieblichen Unterweisungspläne für Bäckerinnen und Bäcker methodisch wie didaktisch angepasst und zusätzlich mit Nachhaltigkeitsthemen bedacht. In Kooperation mit dem Heinz Piest Institut ist die Weiterbildung für überbetriebliche Ausbilderinnen und Ausbilder im Bäckerhandwerk entstanden.

Am 20.03.2019 war es soweit: Die dreitägige, insgesamt 16 Stunden umfassende Weiterbildung der überbetrieblichen Ausbilderinnen und Ausbilder (WÜA) hatte ihren Startschuss. Ziel ist es, dass die Ausbilderinnen und Ausbilder erkennen, wie wichtig es ist, dass die Auszubildenden Handlungskompetenzen entwickeln, die sie in die Lage versetzen, fachliche Anforderungen mit nachhaltigen Aspekten zu verknüpfen. Ein kompetenzorientierter Unterricht zur Nachhaltigkeit im Bäckerhandwerk, das heißt, was wird darunter verstanden, und welche Ideen zur Umsetzung gibt es, ist ein weiterer, wichtiger Aspekt der Weiterbildung der überbetrieblichen Ausbilderinnen und Ausbilder. Ein weiterer Themenschwerpunkt ist die zukünftige nachhaltige Ausbildungsumgebung für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung. Die überbetrieblichen Ausbilderinnen und Ausbilder lernen, wie man diese Art des Unterrichts plant, strukturiert und durchführt. Des Weiteren wird vermittelt, wie wertvoll und sinnvoll diese Art des Unterrichts ist. Zudem werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vertraut gemacht mit den Unterweisungsplänen und der Durchführung der Grundstufenlehrgänge für Bäcker. Schon jetzt findet die Weiterbildung einen großen Anklang. Ausbildungspersonal aus der gesamten Bundesrepublik hat sich bereits verbindlich angemeldet und zeigt großes Interesse an neuen Lehr- und Lernmethoden. Durchgeführt wird diese zertifizierte Weiterbildung von der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Nord gGmbH an ihrem Standort in Hannover.

In Zusammenarbeit mit der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Nord gGmbH, der Uni Potsdam und der k.o.s GmbH wurden den Teilnehmenden grundlegende, jedoch modernisierte Unterrichtsmethoden an die Hand gegeben, mit denen sie ihren Unterricht aktiver gestalten können. Des Weiteren wurden die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer gezielt in der Methodenvielfalt geschult. In vielen fachpraktischen Übungen, wie beispielsweise dem Planen und Umsetzen einer nachhaltig geführten Bäckerei durch Auszubildende, konnten die Lehrkräfte neue Ansätze entdecken, zukünftig noch individueller auf ihre Auszubildenden einzugehen und ihre Selbstständigkeit fordern und fördern zu können. Dabei spielen besonders handlungsorientierte Unterrichtsmethoden eine große Rolle. Die Auszubildenden werden hierbei vor ein Problem gestellt und sollen hierfür selbstständig einen Lösungsweg erarbeiten. Zudem wurde das Thema Nachhaltigkeit im Bäckerhandwerk anhand des ökologischen Fußabdrucks thematisiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten sich gezielt mit diesem Thema auseinandersetzen und gemeinsam erarbeiten, wo Bäckereibetriebe und überbetriebliche Ausbildungsstätten bereits nachhaltig denken und handeln, und wo noch weiterer Entwicklungsbedarf besteht.

„Ich habe meinen Unterricht nochmal aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten und viele Ideen für mich mitnehmen können“, sagt Ausbilder Marcel Engelke.

Die Weiterbildung der überbetrieblichen Ausbilderinnen und Ausbilder wird in diesem Jahr ausschließlich für die überbetriebliche Ausbildung im ersten Lehrjahr der Bäcker angeboten. In den darauffolgenden Jahren wird es eine aufeinander aufbauende Staffelung aller Lehrjahre geben, wobei der Basiskurs des ersten Lehrjahres Voraussetzung sein wird.

„Die Qualität unserer Ausbildung muss verbessert werden. Durch die Schulung der Ausbilder erhoffen wir uns natürlich, dass ein Umdenken stattfindet, und der Unterricht für unsere Auszubildenden interessanter und moderner wird“, sagt Michael Rothe, Initiator der Weiterbildung. „Die erfolgreiche Umsetzung und das durchweg positive Feedback zur ersten Weiterbildung zeigen uns, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind.“