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Nachhaltigkeit und Audits in der technischen Ausbildung

Frau mit Clipboard
© photon_photo - Fotolia.com

Nachhaltigkeit im Betrieb erkennen und erleben – Auszubildende im Projekt NAUZUBI führen Nachhaltigkeitsaudits im eigenen Betrieb durch und finden Ansatzpunkte, um in der täglichen Arbeit Nachhaltigkeit zu leben.

Unternehmen, die sich heute für die Herausforderungen der Zukunft aufstellen wollen, kommen an der Leitidee einer nachhaltigen Wirtschafts- und Handlungsweise nicht mehr vorbei. In Zeiten knapper werdender Ressourcen gilt es immer mehr, einen bewussten Umgang mit den täglichen Arbeitsmitteln zu forcieren. Dies betrifft generell alle Mitarbeitenden, insbesondere aber die Auszubildenden mit ihrem noch unbefangenen Blick auf zentrale Zukunftsthemen und Ihrem Bestreben, sich in die betrieblichen Belange und Prozesse zu involvieren. An dieser Stelle setzt das Modellvorhaben NAUZUBI an: Auszubildende identifizieren in ihren Ausbildungsbetrieben Anlässe, an denen sie Einspar- oder Optimierungspotenziale vermuten. In sog. Nachhaltigkeitsaudits erfassen sie zu den erkannten Auditanlässen spezifische Kennzahlen, schlagen Kriterien zur Messbarkeit von Verbesserungsansätzen vor und setzen Maßnahmen unmittelbar in ihrem betrieblichen Umfeld um. In weiteren Auditierungsschleifen werden die eingeführten Schritte bezüglich ihrer Wirksamkeit überprüft und ggf. angepasst. Die Nachhaltigkeitsaudits orientieren sich an QM-Ansätzen und den diesbezüglichen Normen - und Regelwerken.

Das Projekt NAUZUBI

NAUZUBI ist einer von zwölf durch das BIBB aus Mitteln des BMBF geförderten Modellversuche zur "Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung“ die 2015 bis 2019 durchgeführt werden. Im Fokus des Projekts stehen gleichermaßen Auszubildende und Ausbildungspersonal der fünf teilnehmenden Betriebe des gewerblich-technischen Bereichs. Die Qualifizierungs- und Umsetzungsansätze der Betriebe werden durch Kooperationen mit Beruflichen Schulen bzw. Berufskollegs vor Ort flankiert. Das Projekt wird durch die Universität Siegen (Prof. Pittich und Prof. Diezemann) und die TU Darmstadt (Prof. Tenberg) wissenschaftlich begleitet.

Zentrales Ziel des Modellversuchs sind zum einen die Entwicklung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsaudits durch und mit den Auszubildenden in ihren Betrieben und zum anderen die Positionierung der Betriebe als „Nachhaltige Lernorte“. Das Thema Nachhaltigkeit wird dazu in und über die Ausbildungsstrukturen hinweg in einem Bottom-Up-Ansatz in die betrieblichen Organisationsstrukturen integriert, mit dem Ziel es dort langfristig zu verankern.
Nach Erfassung der unterschiedlichen betrieblichen Entwicklungsstände und -strukturen wurden die Begriffe „Nachhaltigkeit, Auditierung und Kennzahlen“ aufgearbeitet. Hierzu wurden für das Ausbildungspersonal Train-the-Trainer-Workshops und für die Auszubildenden angepasste Lernszenarien konzipiert, in denen neben der Vermittlung projektrelevanter Hintergründe ebenfalls die Konkretisierung der Auditanlässe erfolgte. Betriebsübergreifend identifizierten die Auszubildenden Potentiale für Ressourceneinsparungen beim Thema Energieverbrauch, teilweise differenziert in Heizung, Kühlschränke, Licht oder Maschinen. Andere fanden Einsparpotentiale bei Alltagsprodukten wie Kaffeebechern, dem Papier-, Frischwasser- oder dem Papierhandtuchverbrauch in den Ausbildungsabteilungen. Eine weitere Gruppe von Auszubildenden widmete sich der Müll- und Entsorgungsthematik im Betrieb und nahm – ergänzend zu den ökologisch orientieren Auditanlässen – die Mitarbeitergesundheit (u.a. das ergonomische Arbeiten) als Anlass zur Auditierung und Optimierung sozialer Nachhaltigkeitsaspekte in den Blick.

In Bezug auf die Anlässe formulierten die Auszubildenden selbstständig Auditkriterien, die sie dann in der betrieblichen Realität überprüften. Ein Auditkriterium, um den Papierverbrauch zu reduzieren lautete z.B. „In der Prüfungsvorbereitung sollen die Prüfungsbögen nur doppelseitig gedruckt werden.“ Durch Messungen, Beobachtungen und Befragungen wurden die Kriterien in regelmäßigen Abständen auditiert.

Nach der Identifizierung der Auditanlässe und der Festlegung auditspezifischer Kriterien standen die Auszubildenden vor der Frage, mit welchen Mitteln die ausstehenden Kennzahlen erfasst werden könnten. Den Gesamtstromverbrauch ablesen – eine Möglichkeit, aber woher wissen, was der Kühlschrank im Aufenthaltsraum verbraucht? In den Workshops erarbeiteten die Auszubildenden Lösungen für die Erfassung der Kennzahlen – wie z.B. das Zwischenschalten von Strommessgeräten – und dokumentierten diese. Weitere Kennzahlen wurden tlw. über Gespräche mit anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermittelt. So konnte beispielsweise die Zahl der wöchentlich benötigten Papierhandtücher auf den Toiletten durch die unterstützende Dokumentation der Reinigungskräfte erfasst werden. Auskunft über den Verbrauch von Papier im Büro erhielten die Auszubildenden eines anderen Betriebs durch Nachfrage in der Einkaufsabteilung oder mit Hilfe der Zählfunktion des Druckers.

Die Ergebnisse der Audits sowie die gemessenen Kennzahlen werden zum einen im Auditbericht verschriftlicht und von den Auszubildenden gegenübergestellt und interpretiert. Zum anderen werden sie in den regelmäßig stattfindenden Auszubildendenrunden den Mitauszubildenden und dem Ausbildungspersonal kommuniziert. Ausgehend von diesen Gesprächen werden Optimierungsvorschläge und ggf. auch weiterführende Auditkriterien für die Folgeaudits im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses formuliert. Die praktische Auseinandersetzung sowie die Reflexionsprozesse machen das Audit damit zu einem didaktischen Instrument, welches die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit am Lernort Betrieb ermöglicht.

NAUZUBI soll nicht mit dem Modellversuch enden, daher wird intendiert, über das Projektende hinaus strukturelle Verankerungen der betriebsinternen Auditierungen im Ausbildungssegment zu etablieren. Zudem wird versucht, die Nachhaltigkeits-Audits über die Ausbildung hinaus betriebsintern zu verstetigen, damit auch kommende Generationen von Auszubildenden von Beginn an nachhaltiges Handeln als selbstverständlichen Wert im Unternehmen proaktiv erfahren. Da Nachhaltigkeit und der bewusste Umgang mit Ressourcen in allen Segmenten eines Betriebes bedeutsam sind, wird u.a. in der Verstetigungsphase versucht, die entwickelten Grundideen und Konzepte auf die angrenzenden Bereiche der betrieblichen Organisation auszurollen.

Neben diesen Verstetigungsbemühungen soll das Konzept des NAUZUBI-Projekts über das Konsortium nutzbar gemacht werden. Hier erhofft man sich auch von den strategischen Partnern wie der IHK oder dem DGB, mit ihren vielfältigen Netzwerken aus Betrieben oder schulischen Einrichtungen, vielfältiges Engagement. Um auch hier adäquat zu unterstützen, wurde in NAUZUBI ein „Prämissenkatalog“ aus Anleitungen zur Konzipierung, Umsetzung und Auswertung eines Nachhaltigkeitsaudits entwickelt und online bereitgestellt.

Weitere Informationen

www.nauzubi.de