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Lernen im Arbeitsprozess

Gestaltungsansätze prozessorientierter überbetrieblicher Ausbildung

Lernen im Prozess der Arbeit
© Überbetriebliches Bildungszentrum in Ostbayern

Die Anforderungen der Unternehmen an künftige Fachkräfte sind geprägt durch höher werdende Spezialisierungsgrade, zunehmende Flexibilität und steigende Kenntnisse hinsichtlich Digitalisierung und Prozessmanagement. Vor allem KMU sind oftmals kaum noch in der Lage, das Fachwissen und die Technik zur Fertigung, Installation, Wartung und Instandhaltung komplexer technischer Systeme in der Ausbildung vorzuhalten. Hier finden sie in den überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) Partner, um die betriebliche Ausbildung mit spezifischen Lehrgängen zu ergänzen. Im Überbetrieblichen Bildungszentrum in Ostbayern (ÜBZO) erfolgt dies, im dem die Lernprozesse nach dem Prinzip des Lernens im Prozess der Arbeit ausgerichtet werden.

Arbeitsprozessorientierte Berufsausbildung

Arbeitsprozessorientierte Berufsausbildung zielt darauf ab, vor- und nachgelagerte Abläufe im betrieblichen Gesamtzusammenhang zu berücksichtigen. Die Auszubildenden sollen befähigt werden, neuartige und komplexe Problemsituationen im Arbeitsumfeld unter Anwendung geeigneter Handlungsstrategien selbstständig bzw. im Team zu lösen. Hierfür können sie neben ihrem erworbenen Fachwissen auch persönliche Erfahrungen aus dem beruflichen Alltag und privatem Umfeld nutzen. So können Wissen und Erfahrungen für den Kompetenzerwerb verbunden werden.

Neue Ausbildungsberufe, wie z. B. der/die Produktionstechnologe/in, sind nicht mehr rein statisch, sondern dynamisch und breit ausgelegt. Die Ausbildungsordnung sieht fachliche Inhalte mit gestaltungsoffenen Aufgaben – je nach betrieblicher Spezialisierung – vor. Ausbildungsinhalte sind somit anwendungsorientiert und praxisbezogen definiert. Wichtiger als die Vermittlung von Fachwissen ist hierbei die Entwicklung der Fähigkeit, in realen Arbeitssituationen situationsadäquat zu handeln.

Im ÜBZO wurde in der überbetrieblichen ergänzenden Ausbildung (ÜBA) zum/zur Produktionstechnologe/in das Lernen im Arbeitsprozess in der ÜBA verankert und dabei auf die Rahmenbedingungen, Ausprägungen und die Herangehensweise dieses Konzeptes eingegangen.

Konzept zum Lernen im Prozess der Arbeit (PDF-Datei)

Lernen im Arbeitsprozess in der ÜBA

Die Förderung des Lernens in Arbeitsprozessen ist Kern der methodisch-didaktischen Konzeption der ÜBA. Hierbei werden Aufgabenstellungen prozessorientiert und problemorientiert aufbereitet sowie die Nutzung eines Lernmanagementsystems (LMS) zur Lösung aktueller Probleme im Arbeitsprozess bereitgestellt. Über die Ermittlung des Qualifizierungsbedarfs in ausbildenden Betrieben sowie über die Anwendung der Ausbildungsordnungen und Ausbildungsrahmenpläne werden die Inhalte für einzelne Lernmodule des LMS entwickelt. Diese stehen dann sowohl innerbetrieblich für die betriebliche berufliche Erstausbildung als auch für die ÜBA zur Verfügung.

Lern- und kompetenzförderliche Arbeitsgestaltung

Um den Auszubildenden ein qualitatives Lernen im Arbeitsprozess zu ermöglichen, ist eine lern- und kompetenzförderliche Arbeitsgestaltung unerlässlich. Diese Voraussetzungen können im Rahmen der derzeitigen Ausbildung im ÜBZO für die gewerblich-technische Ausbildung nicht durch reines Anleiten und Unterweisen geschaffen werden. Vielmehr sind Methoden anzuwenden, die die Selbständigkeit von Auszubildenden fördern und ein motivationales Lernklima begünstigen. Ausbildende geben hierzu den Rahmen vor und tragen letztendlich die Verantwortung für den Ausbildungserfolg. Ihnen kommt dabei eine beratende, begleitende bzw. unterstützende Rolle zu.

Schaubild: Lernen im Arbeitsprozess
Lernen im Arbeitsprozess in der Berufsausbildung im ÜBZO© Überbetriebliches Bildungszentrum in Ostbayern

Für die ÜBA stellen Präsenzveranstaltungen in Kombination mit dem LMS den Hauptbestandteil der netzbasierten Ausbildung dar. Mit dem LMS, ergänzt durch ein „Virtuelles Klassenzimmer“, konnte das ÜBZO das Lernen im Arbeitsprozess in den gesamten Bildungsprozess integrieren.

Digitales Lernsetting

Das virtuelle Lernen stellt das Kernstück des Lernsettings in der ÜBA im ÜBZO dar. Es unterstützt über unterschiedliche Funktionen weiterhin die Interaktion zwischen den Lernenden und dem Ausbildungspersonal sowie zwischen den Lernenden selber.

Stundenplan
Screenshot exemplarisch für Übersicht© Überbetriebliches Bildungszentrum in Ostbayern

Die Auszubildenden erhalten zu Beginn ihrer ÜBA eine genaue Übersicht, welche Kenntnisse sie sich in den Präsenzphasen sowie in den virtuellen Lernphasen aneignen. Die Übersicht wird in Form eines Wochenplans erstellt, in dem die unterschiedlichen Lerneinheiten, Lernmethoden und Lernzeiten angegeben sind. Die Übersicht dient der Strukturierung des Lernens und der Orientierung.

Das digitale Lernsetting sieht zur Lernunterstützung ein differenziertes Lernszenario vor. Präsenzlernen wird durch digitales Lernen mithilfe des LMS ergänzt. Kleinere digitale Lerneinheiten werden im Lernsetting zur Vermittlung von fest definierten Lerninhalten mit der Möglichkeit der Selbstüberprüfung des Lernfortschritts, der Bearbeitung von Problemstellungen und der Erarbeitung von Problemlösungen eingesetzt. Schließlich spielen geeignete Lern- und Arbeitsaufgaben in virtuellen Lernsituationen zum Erwerb ganzheitlicher Handlungskompetenzen eine zentrale Rolle. Lern- und Arbeitsaufgaben werden in diesem Zusammenhang nicht als Testaufgaben verstanden, sondern sie übernehmen die Funktion der Veranschaulichung des Lerngegenstandes, der Anregung der Lernaktivität und der Förderung von Lernmotivation.

Bearbeitung von Problemstellungen

Die Bearbeitung von Problemstellungen dient der Aktivierung der Lernenden auf kognitiver und/oder emotionaler Ebene und der Sicherung des Lernerfolgs durch Übung oder Anwendung. Es ist Kernstück einer arbeitsprozessintegrierenden Didaktik. Im ÜBZO handelt es sich weitgehend um Problemstellungen aus der betrieblichen Praxis der Partnerunternehmen. Die entsendenden Betriebe stellen ihre individuellen Problemstellungen zur Verfügung, welche die Auszubildenden zu bearbeiten haben. Über einen Qualitätssicherungsprozess wird durch die Ausbildenden gewährleistet, dass die zugelieferten Problemstellungen fachlich korrekt und lernförderlich sind sowie einen Lernerfolg im Kontext der Berufsbildpositionen der Ausbildungsordnung verheißen lassen.

Die LMS-Struktur ermöglicht es, Prozesse zur Erstellung von Problemlösungen durch die Auszubildenden, beispielsweise per Videoclip in den Upload-Bereich, einzustellen. Die Ausbilder können entscheiden, ob diese Visualisierung fachlich richtig und hilfreich zur Unterstützung des Lernens in den einzelnen Einheiten ist. Die besten Videos werden dann als verifizierte Problemlösung für die Lernenden zur Verfügung gestellt.

Als Best-Practice-Beispiel wird das Modul „QIP - Qualität im Produktionsprozess“ des im ÜBZO entwickelten LMS vorgestellt. Diese beinhalteten Bestandteile des Qualitätsmanagements im Produktionsprozess. 

 

Weitere Informationen

Das Konzept zum Lernen im Arbeitsprozess und das Lernmanagementsystem wurden im Rahmen der Weiterentwicklung des ÜBZO zum Kompetenzzentrum für Produktionstechnologie mit Schwerpunkt Wellpappe umgesetzt, gefördert durch das BIBB aus Mitteln des BMBF.

Link zur Webseite: https://www.kompetenzdurchbildung.de

Link zum Lernmanagementsystem: https://uebzo.lms-plattform.de

Herr Wolfgang Siebert
E-Mail: wsiebert@uebzo.de
Tel.: 9605 919-9346

Überbetriebliches Bildungszentrum in Ostbayern gemeinnützige GmbH
Paul-Engel-Straße 1
92729 Weiherhammer
Internet: https://www.uebzo.de
E-Mail: info@uebzo.de