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Fachkraft Ausbildung für nachhaltige Entwicklung: IHK-Zertifikate nach erfolgreicher Weiterbildung übergeben

Gruppenbild mit Zertifikaten
© comkomm

Die Weiterbildung des BiBB-Modellversuchs „Integration nachhaltiger Entwicklung in die Berufsbildung (INEBB)“ hat die Kompetenzentwicklung in kaufmännischen Berufen zum Ziel und orientiert sich inhaltlich am Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Ausbilder und Ausbilderinnen aus großen und kleineren Unternehmen absolvierten das umfangreiche Seminarprogramm an sechs Präsenztagen und in diversen Selbstlernphasen.

Nach der ersten Pilotphase 2017 nahmen weitere Firmen aus Sachsen-Anhalt an den INEBB-Seminaren teil. Kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres wurde den teilnehmenden Ausbildern und Ausbilderinnen das IHK-Zertifikat „Fachkraft Ausbildung für nachhaltige Entwicklung IHK“ in der IHK Magdeburg feierlich übergeben. Die Teilnehmenden berichteten im Anschluss, wie sie das erworbene Wissen bereits in der Praxis mit ihren Azubis umgesetzt haben bzw. was sie sich für die Zukunft vornehmen.

Projekttag mit Azubis

Auszubildende stehen um ein Modell herum
© Hermes Fulfilment

Ein Beispiel: Bei der Hermes Fulfilment GmbH in Haldensleben veranstalteten Auszubildende des zweiten und dritten Ausbildungsjahres im August einen Tag der Nachhaltigkeit. Im Mittelpunkt standen Themen wie effizienter Einsatz von Ressourcen, Klima, Energie und Umwelt. Bis 2020 will das Unternehmen seinen CO2-Ausstoß halbieren. Die Auszubildenden wollen dazu einen konkreten Beitrag leisten. Sie spürten Einsparpotenziale in allen Unternehmensbereichen auf und dokumentierten ihre Ergebnisse. Sogar Nistkästen brachten sie auf dem Betriebsgelände an.

Betriebliche Ausbilder und Ausbilderinnen kleiner und großer Firmen haben unterschiedliche Bedürfnisse

Auszubildender mit Vogelkasten
© Hermes Fulfilment

Die Evaluation des Modellprojekts beinhaltete neben den schriftlichen Feedbacks der Teilnehmenden auch einen Wissenstransfer in verschiedenen Ebenen sowie einen Abschlusstest im Multiple-Choice-Format. So konnte gemessen werden, welches Wissen erworben wurde und ob die Teilnehmenden dieses Wissen im Ausbildungsprozess und in betrieblichen Abläufen umsetzen können.

Zusammenfassend wird die zweite Staffel wie folgt eingeschätzt:

Im Gegensatz zur ersten Seminar-Staffel war die Teilnehmerstruktur vielschichtiger. So interessierten sich nicht nur inhabergeführte Firmen für das Seminar, sondern vor allem große Unternehmen, die zum Teil über fünfzig junge Leute ausbilden und ihr Ausbildungspersonal mit einer nachhaltigkeitsorientierten Weiterbildung qualifizieren wollten. Die unterschiedlichen Bedürfnise und Erwartungen der Teilnehmenden wurden nach dem allgemeinen Einführungsteil deutlich: Die hauptberuflichen Ausbilder und Ausbilderinnen wünschten sich vor allem praxisbezogene Handlungsanleitungen und Methodenkompetenz, die sie im beruflichen Alltag mit ihren Auszubildenden einsetzen können. Denn ihre Einflussmöglichkeiten auf strategische Entscheidungen sind begrenzt und stehen deshalb nicht an erster Stelle. Im Gegensatz dazu zeigten die Ausbilder und Ausbilderinnen inhabergeführter Firmen Interesse an allen 20 Themen des DNK, da sie durchaus einen gewissen Einfluss auf strategische Entscheidungen haben.

Da die betrieblichen Prozessabläufe in den beteiligten Unternehmen sehr unterschiedlich sind, wurde das jeweilige Problem der Modellfamilie Baumann so oft als möglich in die reale Situation der anwesenden Firmen verlegt. Im Plenum diskutierten die Teilnehmenden die Konfliktsituation und suchten nach alternativen nachhaltigen Lösungen. Aufgrund der eingesetzten Methodenvielfalt, der vielen Best-Practice-Beispiele und der Interaktionen gelang es, allen Teilnehmenden gerecht zu werden.
Ein gemeinsamer Nenner war z. B., sich als Ausbilder oder Ausbilderin als Multiplikator und Vorbild zu positionieren und ein Bewusstsein für eine nachhaltige Wirtschaftsweise in die Unternehmen zu tragen und nachhaltiges Handeln im Kleinen wie im Großen zu fördern. Auch das Modul Gesellschaft – was macht einen guten Arbeitgeber aus – bewegte alle Teilnehmenden gleichermaßen. Denn Auszubildende zu gewinnen, nachhaltig auszubilden und an das Unternehmen zu binden, ist eine große Herausforderung. Die Evaluation spiegelte dies auch wider. Denn dort, wo bereits eine wertschätzende und offene Ausbildungskultur herrscht, waren die Auszubildenden auch sehr zufrieden mit ihren Ausbildern und Ausbilderinnen.

Fazit und Empfehlungen

Nach jedem Seminartag hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit zu einem Feedback. Wünsche und Anregungen für den nächsten Seminartag wurden diskutiert und von den Dozentinnen rege aufgenommen. Nach Auswertung der Evaluationsergebnisse und dem Erfahrungsaustausch mit allen Akteuren nach der Zertifikatsübergabe wird folgendes Fazit gezogen:

  • Zusammensetzung der Seminargruppe wichtig
    Eine heterogene Zusammensetzung der Teilnehmenden aus KMU-Vertretern und hauptberuflichen Ausbildern/Ausbilderinnen großer Firmen sollte weitestgehend vermieden werden. Die beiden Gruppen haben zu unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen, die nicht immer unter einen Hut zu bringen sind. Eine homogene Gruppe hingegen lässt sich effektiver und konstruktiver führen. Auch Inhouse-Schulungen sind sehr zu empfehlen, weil so der Teilnehmerkreis intern erweitert werden kann (Personalabteilung, verantwortliche aus Fachabteilungen, die Auszubildende durchlaufen usw.)
  • Bedürfnisse und Rahmenbedingungen vorher mittels Fragebogen erfassen
    Das modulare Weiterbildungskonzept mit seinen sechs Präsenztagen lässt nur eine bestimmte Inhaltstiefe der Themen zu, so dass Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Als hilfreich erwies es sich, die Teilnehmenden mittels Fragebogen über ihre betriebliche Situation zu befragen. So kann besser auf ihre Bedürfnisse und die betrieblichen Bedarfe eingegangen werden. Die Dozenten/Dozentinnen erkennen, wo ein Unternehmen schon Stärken und Voraussetzungen mitbringt und wo noch Lücken bestehen. Dies sollte bereits mit der Anmeldung zum Seminar erfolgen.
  • Hauptberufliche Ausbilder und Ausbilderinnen versus inhabergeführte Firmen
    Während für Ausbilder und Ausbilderinnen von inhabergeführten Unternehmen alle strategischen Themen von großem Interesse sind, interessieren sich hauptberufliche Ausbilder/Ausbilderinnen vor allem für konkrete Handreichungen und Methoden, die sie in der Praxis mit Azubis anwenden können. Denn ihre Aufgabe ist es vor allem, die Auszubildenden im gesamten Ausbildungszeitraum beim Durchlauf durch die Abteilungen zu begleiten und in allen Fragen zu unterstützen. Sie erhalten so viele Einblicke und können eine wichtige Mittlerfunktion zur Geschäftsführung einnehmen und somit auch Einfluss auf die Integration nachhaltiger Themen nehmen.
  • Arbeitsaufgaben für Selbstlernphasen stellen und abfragen
    Die Teilnehmenden reagierten positiv auf konkrete Hausaufgaben, in die sie gleich ihre Auszubildenden aktiv einbeziehen konnten. Sehr hilfreich waren dabei die Arbeitsmaterialien mit vielen Arbeitsblättern speziell für Azubis. Sehr gut angenommen wurde z. B. die Auseinandersetzung mit den persönlichen Werten und den Unternehmenswerten als wichtigen Aspekten der Unternehmenskultur. Methoden wie das Ermitteln der Werte per Wordcloud mit digitalen Tools boten gute Anknüpfungspunkte für nachhaltiges Handeln. Die Bedeutung des Leitbildes für eine nachhaltige Entwicklung wurde deutlich.
  • Gruppendynamik erzeugen – Teilnehmende berichten lassen
    Die Teilnehmenden sollten zum Auftakt des Seminars Gelegenheit bekommen, ihren Alltag und ihre Anliegen zu schildern. Diese Einblicke fördern den Erfahrungsaustausch und erlauben wertvolle Anregungen. Die Vernetzung unter den Teilnehmenden wird verstärkt und wirkt über das Seminar hinaus.
  • Erfahrungsaustausch gemeinsam mit der IHK
    Das Engagement der IHK-Vertreter während der Seminare und der Abschlussveranstaltung war ausgesprochen positiv. Die Ausbilder und Ausbilderinnen erhielten nicht nur Informationen aus erster Hand, sie konnten auch Wünsche und Anregungen äußern.

INEBB wird gefördert durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Weitere Informationen

www.inebb.org
Video informiert über die Weiterbildung „Fachkraft Ausbildung für nachhaltige Entwicklung (IHK)“

Ansprechpartnerin:
Ursula Voßwinkel
comkomm Unternehmenskommunikation und Markenführung GmbH
Telefon: 030 40003352
vosswinkel@comkomm-berlin.de