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Gestaltung einer nachhaltigeren Lebensmittelproduktion mit Hilfe von „Design-Thinking“?

Zwei Mitarbeiter in weißen Kitteln in einem Labor
© dusanpetkovic1 - Fotolia.com

„Wie lassen sich Arbeits- und Lernprozesse nachhaltig gestalten?“ Diese Frage haben sich Ausbilder/-innen und Auszubildende aus der Lebensmittelindustrie gestellt. Mittels „Design-Thinking“ wurden entlang der Wertschöpfungskette fünf Korridore zur nachhaltigen Lebensmittelproduktion identifiziert.

„Nachhaltigkeit ist in aller Munde“. In Anbetracht der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Debatten hört man diesen Satz immer öfter – erst recht in der Lebensmittelbranche. Denn die Nachfrage von Verbraucherinnen und Verbrauchern nach nachhaltig produzierten Lebensmitteln steigt stetig. Unternehmen der Lebensmittelindustrie sind dementsprechend zunehmend gefordert, ihre Produkte auf ökologische, ökonomische und sozialverträgliche Weise zu produzieren. In diesem Zuge wird auf der Managementebene oft über innovative Geschäftsmodelle oder die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit von nachhaltigen Produkten diskutiert. Hierbei sind die Unternehmen auf die fachliche Expertise und das Erfahrungswissen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen. So sind es beispielsweise Fachkräfte für Lebensmitteltechnik, die durch ihre tägliche Arbeit tiefe Einblicke in Produktions- und Verpackungsprozesse sowie das Qualitätsmanagement haben. Auszubildende sind hierbei besonders in den Fokus zu nehmen, da sie als angehende Fachkräfte in der Lebensmittelindustrie die eigene Zukunft – nicht nur im Arbeitsprozess – mitgestalten.

Im Rahmen des Modellversuchs „NaReLe“ (Nachhaltige Resonanzräume in der Lebensmittelindustrie) wurden deshalb 80 Auszubildende der Lebensmittelindustrie unter anderem zu ihrem individuellen Nachhaltigkeitsverständnis befragt. Hierbei kam heraus, dass die meisten Auszubildenden vor allem Begriffe aus dem Bereich der so genannten Öko-Effizienz mit Nachhaltigkeit in Verbindung bringen. Nachhaltigkeitsfördernde Maßnahmen wie Recycling oder Wasser- und Stromeinsparungen haben einen wichtigen Anteil daran, wenn es darum geht ökologisch und ökonomisch verträglich zu produzieren. Orientiert man sich an der Agenda 2030 und ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, sind allerdings auch soziale Faktoren wie zum Beispiel Anbaubedingungen von Inhaltsstoffen der Produkte in den Blick zu nehmen. Wenn es also um die Frage geht, wie sich betriebliche Arbeits- und Lernprozesse in der Lebensmittelindustrie nachhaltig gestalten lassen, sollten nicht nur die betriebsinternen Perspektiven, sondern die gesamte Wertschöpfungskette der Produktion betrachtet werden.

Der BIBB-Modellversuch NaReLe auf einem Blick:

  • Ziel: Kom­pe­ten­zförderung für ein nach­hal­tig aus­ge­rich­te­tes be­ruf­li­ches Han­deln in der Lebensmittelindustrie.
  • Zielgruppe: Be­trieb­li­ches Be­rufs­bil­dungs­per­so­nal und Aus­zu­bil­den­de.
  • Vorgehen: Konzeption, Erprobung und Verbreitung von nach­hal­tig aus­ge­rich­te­ten Lernmodulen – so genannten Resonanzräumen – für den Ein­satz in der be­trieb­li­chen Aus­bil­dung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik.
  • Kooperationsbetriebe: Kleine und mittelständische Unternehmen der Lebensmittelbranche.
  • Verbundpartner: Leuphana Universität Lüneburg und Sustainable Food Academy, Berlin
  • Projektlaufzeit: 01.05.2018 - 30.04.2021
  • Förderung: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Abbildung 1: Ausbilder/-innen und Ausbilder im NaReLe-Workshop
Abbildung 1: Ausbilder/-innen und Ausbilder im NaReLe-Workshop

Vor diesem Hintergrund haben Auszubildende gemeinsam mit Ausbilderinnen und Ausbildern der Lebensmittelindustrie in einem überregionalen Workshop Ende März 2019 „Wassereinsatz“, Regionalität“, „Personal“, „Verpackung“ und „Abfall- Kreislaufwirtschaft“ als relevante Korridore für eine ganzheitliche nachhaltige Lebensmittelproduktion entlang der Wertschöpfungskette identifiziert. Hierbei wurde mit „Design-Thinking“ gearbeitet, einer kreativen Methode, die hilft, Probleme zu lösen und neue Ideen zu entwickeln (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Design-Thinking-Prozess (eigene Darstellung)
Abbildung 3: Ergebnisse des Workshops
Abbildung 3: Ergebnisse des Workshops

Für jeden der identifizierten Korridore wurden „Expertengruppen“ gebildet, die sich zunächst mit dem Status Quo des jeweiligen Korridors auseinandergesetzt haben. Dazu haben sie in den ersten drei Design-Thinking-Phasen das Feld der jeweiligen Herausforderung abgesteckt, sich in die Lebenswelten der Zielgruppe hineinversetzt und auf dieser Basis eine gemeinsame Sichtweise definiert. Die Gruppe „Regionalität“ befasste sich zum Beispiel mit produktbezogenen CO2-Fußabdrücken, die sowohl für die Zielgruppe der Konsumenten als auch für die Zielgruppe der Produzenten relevant sind, wenn es darum geht, nachhaltigere Lebensmittel herzustellen bzw. zu erwerben. In den darauffolgenden zwei Design-Thinking-Phasen setzten sich die Expertengruppen dann mit möglichen Zukunftsszenarien ihres jeweiligen Korridors auseinander, indem sie im Hinblick auf die Gestaltung von Arbeits- und Lernprozessen zum identifizierten Korridor Lösungsansätze entwickelten und konkretisierten. Auf dieser Basis werden derzeit unter anderem Lernaufgaben zum Thema „Regionalität“ entwickelt und mit Auszubildenden und Ausbilderinnen und Ausbildern der „NaReLe“-Partnerunternehmen erprobt. Die Erprobung markiert den Abschluss des Design-Thinking-Prozesses. Im Herbst dieses Jahres werden die dabei gewonnenen Erfahrungen gemeinsam in einem weiteren überregionalen Workshop reflektiert.

Weitere Informationen:

www.leuphana.de/institute/bwp/forschungsprojekte/narele.html

Ansprechpartner:
Harald Hantke
harald.hantke@leuphana.de

Jan Pranger
jan.pranger@leuphana.de