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Geflüchtete ausbilden

Geflüchteter und Ausbilderin
© nd3000 - Fotolia.com

38.300 junge Menschen mit Fluchthintergrund interessierten sich im Ausbildungsjahr 2017/2018 für eine Berufsausbildung, so ist es nachzulesen im Berufsbildungsbericht 2019. Durch die Bereitschaft der Betriebe ihnen eine Chance zu geben, konnten immerhin 14.000 junge Geflüchtete eine Ausbildung im dualen System beginnen. Die Zahlen zeigen, dass immer mehr Menschen mit Fluchthintergrund eine Berufsausbildung als Zukunftschance sehen. Betriebe können dieses Potenzial für sich entdecken und nutzen, denn gleichzeitig haben insbesondere kleinere Betriebe zunehmend Probleme ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Häufig führen jedoch Unsicherheiten über die Besonderheiten der Beschäftigung junger Menschen aus anderen Kulturkreisen dazu, dass das Thema „Geflüchtete ausbilden“ nicht nur als Zugewinn, sondern auch als große Herausforderung für das Unternehmen betrachtet wird.

Nach dem Bericht Arbeitsmarkt kompakt–Fluchtmigration, Nürnberg, November 2018 haben deutlich mehr geflüchtete junge Menschen als im Vorjahreszeitraum von Oktober 2017 bis September 2018 mit Unterstützung einer Arbeitsagentur oder eines Jobcenters eine duale Ausbildung gesucht.

Der Weg zur Ausbildung von Menschen mit Fluchtgeschichte

Auf dem Weg bis hin zur Ausbildung eines Menschen mit Fluchtgeschichte gibt es einige wichtige Dinge, die zu beachten sind. Fragen wie: „Schafft sie/er die Ausbildung überhaupt ohne Unterstützung?“, „Werden die kulturellen Unterschiede und das Rollenverständnis im Betrieb Probleme bereiten?“ und „Wie lange kann sie/er noch in Deutschland bleiben?“ beeinflussen die Entscheidung, einen Menschen mit Fluchthintergrund als Auszubildenden einzustellen. Die folgende Zusammenstellung kann Ihnen vor Ausbildungsbeginn helfen, einen Überblick darüber zu gewinnen, wie eine Planung aussehen kann.

Circa ein halbes Jahr vor Ausbildungsbeginn

Rechtliche Rahmenbedingungen mit der Ausländerbehörde abklären (Aufenthaltsstatus)

Nach Stellung des Asylantrags entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zwischen den vier Schutzarten:

  • Asylberechtigung
  • Flüchtlingsschutz
  • Subsidiärer Schutz
  • Abschiebungsverbot

Bei einer der ersten drei Schutzarten erhalten Personen eine Aufenthaltserlaubnis (§ 7 und in § 8 AufenthG) mit einer Dauer von 1 bis 3 Jahren und der Möglichkeit einer Verlängerung bzw. dem Übergang in einen Daueraufenthalt. Alle Personen mit positivem Bescheid dürfen grundsätzlich uneingeschränkt als Beschäftigte arbeiten und auch einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen, demnach also auch eine Berufsausbildung absolvieren.

Ist lediglich ein Abschiebungsverbot festgestellt worden, entscheidet die zuständige Ausländerbehörde (ABH) im jeweiligen Einzelfall, ob eine Genehmigung zur Ausübung einer Beschäftigung erteilt wird.

Asylsuchenden, die sich noch im Asylverfahren befinden, erteilt das BAMF eine Aufenthaltsgestattung (§ 55 Abs. 1 AsylG). Diese berechtigt sie bis zum Abschluss des Asylverfahrens, das heißt bis zur Entscheidung über den Asylantrag, in Deutschland zu leben und unter bestimmten Bedingungen zu arbeiten.

Personen im laufenden Asylverfahren können frühestens ab dem vierten Monat (nach Antragsstellung) eine Ausbildung beginnen. Die Ausländerbehörde muss zustimmen. Diese wiederum braucht die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit.1 Manche Ausbildungen sind zustimmungsfrei, dies kann bei der zuständigen Ausländerbehörde erfragt werden.2

abgelehnter Asylantrag mit Stempel
© Zerbor - Fotolia.com

Wenn der Asylantrag rechtskräftig abgelehnt wurde bzw. die Aufenthaltsgestattung oder ein anderer Duldungsgrund erloschen ist, kann ein Antrag auf Ausbildungsduldung bei der ABH gestellt werden. Voraussetzungen hierfür sind neben dem abgelehnten Asylantrag:

  • dass es sich bei der Ausbildung um eine staatlich anerkannte qualifizierte Berufsausbildung handelt
  • dass keine aufenthaltsbeendenden Maßnahmen eingeleitet wurden
  • dass keine Versagensgründe bestehen
  • dass keine Verurteilung wegen einer vorsätzlichen Straftat vorliegt

In dem Fall der Ausbildungsduldung verschiebt sich die Ausreisepflicht i.d.R. für die gesamte Ausbildungsdauer von zwei bis dreieinhalb Jahren.

„3+2 Regelung“

Wenn Menschen mit Fluchthintergrund im Anschluss an die jeweilige Berufsausbildung weiterhin im Ausbildungsberuf beschäftigt sind, kann eine weitere Aufenthaltserlaubnis für zwei Jahre beantragt werden. Falls Sie den Azubi nicht übernehmen sollten, hat er sechs Monate Zeit, nach einer Beschäftigung in demselben Ausbildungsberuf in einem alternativen Unternehmen zu suchen. Nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Deutschland (3+2) kann dann unter bestimmten Bedingungen eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erteilt werden.

KopfWohnbedingungen geflüchteter Menschen

Je nachdem welchen Aufenthaltsstatus Ihr Azubi besitzt, gelten unterschiedliche Bestimmungen für den Wohnort und die Art der Unterkunft. Zwischen verschiedenen Ländern und Kommunen ergeben sich dabei Unterschiede. Dabei ist vom Flüchtlingslager über Sammelunterkünfte mit mehr als 30 Personen pro Haus (bei geduldeten und asylsuchenden Personen) bis zu einer Einzelwohnung vom Prinzip her alles möglich (eher bei bereits anerkannten Geflüchteten). Sollten die rechtlichen Bedingungen es erlauben, ist die Wohnsituation gerade in großen Städten trotzdem sehr angespannt und gerade für Personen ausländischer Herkunft mit geringen finanziellen Mitteln stark eingeschränkt.

Geflüchteter beim Lernen
© auremar - Fotolia.com

Sollte Ihr Azubi in der Schule Schwierigkeiten haben, öfter später zur Arbeit erscheinen oder generell den Anschein erwecken, sich in der aktuellen Situation nicht ganz wohl zu fühlen, könnte dies auch seine Gründe in der Art der bewohnten Unterkunft haben. Zu bedenken ist dabei beispielsweise, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass immer ein ruhiger Raum zur Erledigung der Hausaufgaben oder zum Lernen zur Verfügung steht. Auch erhebliche Lärmbelästigung bis hin zu körperlichen und seelischen Problemen sind leider durch mangelnde Privatsphäre möglich. Wichtig ist es dann, zunächst auf den Azubi zuzugehen und ihn in ruhiger Atmosphäre auf das Thema anzusprechen. Auch wenn das Lösen des Problems sicher nicht allein in Ihrer Hand liegt und zu Ihren primären Aufgaben als Ausbilder/in zählt: Sollte sich tatsächlich die Wohnsituation als Ursache eines Problems herausstellen, könnten z. B. folgende Schritte die Situation verbessern:

  • Ein Telefonat mit dem Sozialarbeiter der Stadtverwaltung oder der jeweiligen Unterkunft und Schilderung der Situation und der Wichtigkeit der geeigneten Unterbringung
  • Das Anbieten von Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung/Wohngemeinschaft (Internet, Zeitung etc.) z. B. durch den Ausbildungslotsen

 

Interkulturelles Training für Mitarbeitende und Schulung für Ausbildungscoach planen

Der Ausbildungscoach als zentraler Ansprechpartner

Dem jungen Geflüchteten sollte jederzeit eine Kollegin oder ein Kollege im Unternehmen zur Verfügung stehen, um Fragen rund um die Ausbildung zu beantworten und regelmäßig Feedback an den Azubi geben zu können. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene aus dem arabischen Kulturraum sind meist sehr beziehungsorientiert aufgewachsen und werden diese Art des Kontaktes zu schätzen wissen. Sowohl für Ihr Unternehmen, als auch für den Azubi hat es deshalb Vorteile, eine oder max. zwei Bezugspersonen zu haben. Für diese Mitarbeiter bietet es sich an, vor Ausbildungsbeginn ein interkulturelles Training zu absolvieren, um die Sorgen und Wünsche sowie die Beweggründe für manches Verhalten des Auszubildenden besser nachvollziehen und die eigenen Steuerungsmöglichkeiten besser einschätzen zu können. Auch die Ausbildungsberater/innen und Willkommenslotsen der einzelnen Kammern (z.B. der IHK) können hier Unterstützung bieten und ausbildungsbegleitend kontaktiert werden.3 Für Fragen an Ausbilder/innen anderer Betriebe (auch anonym) bzw. einen Meinungsaustausch bietet sich das foraus.de-Diskussionsforum an.

Circa acht bis sechs Wochen vor Ausbildungsbeginn

Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) sollten bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden.

Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH)

Im Rahmen dieser Maßnahme erhält der Auszubildende die Möglichkeit, in Gruppen oder in einzelnen Nachhilfe- und Sprachstunden das schulische Wissen zu festigen und individuelle Lernschwierigkeiten gezielt angehen zu können. Zusätzlich ist eine Unterstützung bei privaten Problemen durch sozialpädagogische Beratung möglich.
Dieses Angebot kann für Ihr Unternehmen sehr wertvoll sein, da diese Aufgaben aus zeitlichen und auch personaltechnischen Gründen nicht von jeder/m Ausbilder/in übernommen werden können. Eine Teilnahme ist kostenlos. Die Antragsformulare und nötigen Unterlagen sollten einige Wochen vor Ausbildungsbeginn bereits bei der Agentur für Arbeit eingereicht werden, um einen rechtzeitigen Start garantieren zu können.4 Einzureichen sind:

  • Der unterschriebene Ausbildungsvertrag (Kopie)
  • Bisheriges letztes Schulzeugnis (Kopie)
  • Arbeitserlaubnis oder Aufenthaltserlaubnis

 

Einladung des Azubis ggf. mit Eltern oder Vormund in den Betrieb

Sobald aussagekräftige Bewerbungsunterlagen Jugendlicher oder junger Erwachsener mit Fluchthintergrund vorliegen oder der Kontakt auf einer Messe oder durch andere Kontaktadressen aufgebaut wurde, gilt es, das Bewerbungsgespräch für die Zielgruppe passend vorzubereiten, um auch Personen mit anderem kulturellen Hintergrund und Sprachniveau eine realistische Chance einräumen zu können. Folgende Punkte sollten Sie bei der Gestaltung dieses Bewerbungsgespräches beachten:

  • Stellen Sie am Anfang vor allem Fragen, auf welche sie/er viel antworten kann, um ihr/ihm die Aufregung zu nehmen (z.B. das Lieblingsfach in der Schule oder ein Hobby).
  • Vermeiden Sie direkte Fragen zum Fluchthintergrund.
  • Geben Sie ihr/ihm Gelegenheit, eine Vertrauensperson oder einen Dolmetscher mitzubringen.
  • Lebenslauf und Bewerbungsanschreiben wurden wahrscheinlich mit Unterstützung einer helfenden Person geschrieben. Setzen Sie das dortige Niveau nicht als tatsächlichen Stand der Deutschkenntnisse voraus.
    Tipp: Durch ein Telefonat vorab können Sie sich einen realistischen Eindruck über das tatsächlich vorhandene Sprachniveau machen.

Circa zwei Wochen vor Ausbildungsbeginn

Interkulturelles Training
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Es ist sinnvoll, frühzeitig ein interkulturelles Training zu planen oder extern zu beauftragen, welches Sie ca. zwei Wochen vor Ausbildungsbeginn durchführen sollten. Alternativ können Sie auch zunächst eigenständig Informationen zum Thema „Interkulturelle Kompetenz“ recherchieren. Beispielsweise bietet foraus.de einen kompakten Einstieg dazu an: Interkulturelle Kompetenz entwickeln.

 

In der Woche vor Ausbildungsbeginn

Kontakt zur Berufsschule herstellen

Da die Auszubildenden nicht durchgehend im Unternehmen sind, sondern auch einen großen Teil der Berufsausbildung in der Berufsschule absolvieren, kann ein guter Kontakt zur Schule Vorteile mit sich bringen. Sollten Sie das Gefühl haben, dem Azubi fällt es gerade besonders schwer, sich zu integrieren, die Motivation lässt nach oder auch, dass es im Moment besonders gut läuft, wäre z. B. ein Telefonat mit der Lehrkraft in den meisten Fällen förderlich. So können Sie sich eine zweite Meinung über eventuelle Gründe für das Verhalten des Auszubildenden einholen, machen sich ein differenziertes Bild und können eventuellen Problemen frühzeitig begegnen.

 

Arbeitsmappe mit den wichtigsten Vokabeln und Hinweisen zusammenstellen

Die Inhalte der Ausbildung stellen ein völlig neues Themengebiet für Ihren Azubi dar. Gerade die Fachbegriffe, aber auch die teilweise Abweichung von Berufssprache zur Alltagssprache können gerade zu Beginn der Ausbildung sehr herausfordernd sein.

Ausbilder erklärt Azubi mit Fluchthintergrund Fachbegriffe
© auremar - Fotolia.com

Sinnvoll ist daher auf jeden Fall, im Rahmen von ausbildungsbegleitender Hilfe (abH) Sprachunterricht wahrzunehmen. Aber auch Sie als Ausbilder/in können Ihrem Auszubildenden den Einstieg in den Unternehmensalltag erleichtern, indem Sie einige Hilfestellungen vorbereiten:

  • Räume und Arbeitsutensilien deutlich lesbar beschriften, so bleiben die Wörter im Kopf
  • Arbeitsmappe zusammenstellen: Listen mit themensortierten Fachbegriffen, Bilder von Werkzeugen/Büromaterialien plus Namen etc.
  • Sicherheitshinweise in einfacher Sprache halten und in den ersten Tagen die wichtigsten Regeln auch noch einmal mündlich erklären

Lassen Sie den Azubi hierbei gerne mithelfen! So kann er bereits beim Vorbereiten die wichtigsten Vokabeln kennenlernen und ist sich umso mehr bewusst, dass eine Beherrschung der Sprache zur erfolgreichen Absolvierung der Ausbildung dazugehört. Sollten Sie mehrere Azubis gleichzeitig ausbilden, wäre dies auch eine geeignete Teamaufgabe. Bei der Übersetzung der Wörter in mehrere Sprachen wechselt jeder einmal in die Rolle des Experten.

KopfWillkommenskultur als Wohlfühlfaktor

Oftmals sind junge Geflüchtete in ihrem näheren Umfeld die einzige Person, die eine Berufsausbildung absolviert, sodass der Austausch in der Familie oder im Freundeskreis über Ausbildungsinhalte und -ablauf fehlt. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, dass sie/er sich in Ihrem Unternehmen gut aufgehoben fühlt. Neben der Offenheit aller Kollegen/innen gegenüber dem neuen Auszubildenden spielt dabei vor allem eine positive und wertschätzende Wahrnehmung der kulturellen Unterschiede als Mehrwert eine entscheidende Rolle. Beispiele für gelungene Maßnahmen für eine Willkommenskultur finden Sie hier:

  • Das Anlegen eines Vielfaltskalenders, in dem verschiedene Feiertage oder bedeutende Daten für z. B. alle Mitarbeitenden einer Abteilung eingetragen werden können.
  • Das gemeinsame Nutzen interkultureller Trainingsangebote mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder einzelnen Abteilungen, um deutlich zu machen, dass das Gemeinschaftsgefühl - auch über verschiedene Kulturen hinweg - von allen getragen wird.

 

Während der Ausbildung

KopfDer Bezug zur deutschen Arbeitskultur

Einige Aspekte, die die westliche Arbeitswelt ausmachen, werden meist erst dann bewusst wahrgenommen, wenn man sich mit Unterschieden zu anderen (Arbeits-)Kulturen befasst.

Junger Mann sitzt an seinem Schreibtisch im Büro und schaut auf die Uhr
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Verhaltensweisen wie eine verbindliche Zeitplanung, Pünktlichkeit, Genauigkeit bei der Aufgabenerledigung oder ein hierarchieübergreifendes respektvolles Miteinander, erscheinen deutschen Arbeitnehmenden und -gebenden oft als selbstverständlich für einen erfolgreichen Arbeitsalltag und sind tief in der Kultur verankert.

Für junge Geflüchtete jedoch gilt es, diese Verhaltensweisen erst einmal kennenzulernen und einzuordnen, um sie anschließend selbst übernehmen zu können.

Für mehr Informationen zu Kulturmerkmalen, welche einen Einfluss auf die Zusammenarbeit mit Menschen mit Fluchthintergrund haben können siehe Ausbildungspraxis kompakt „Interkulturelle Kompetenz entwickeln“.

 

KopfFeedback ist wichtig

Gerade für junge Menschen ist eine regelmäßige Rückmeldung zu ihrer Arbeitsweise und ihrem Sozialverhalten einer der wichtigsten Orientierungspunkte. Dabei sollten für junge Geflüchtete (gerade im ersten Ausbildungsjahr) noch einige Extras beachtet werden:

  • Da Zeitplanung und Zeitverständnis eine andere Bedeutung haben können, ist es wichtig, das Feedback unmittelbar zu geben.
  • Sollten schriftliche Vereinbarungen getroffen werden, ist dem Auszubildenden deren Verbindlichkeit noch einmal besonders deutlich zu machen.
  • Sarkasmus und Ironie können in einer Fremdsprache erst ab einem sehr hohen Sprachniveau richtig interpretiert werden.

Weitere Tipps zur Kommunikation mit Ihren Auszubildenden finden Sie in Ausbildungspraxis kompakt "Führung und Kommunikation in der Ausbildung".

Geflüchtete stammen oft aus kollektivistischen Kulturen, in denen das Formulieren von Eigenlob wenig verbreitet ist und deshalb schwerfällt. Hier ist es dann hilfreich, zirkuläre Fragen zu stellen, wie z. B. „Was würde deine Mutter/dein bester Freund sagen, was du besonders gut kannst?“.

Geflüchteter und Ausbilderin
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Neben Feedbackgesprächen gibt es viele weitere Methoden zur Stärkung der Motivation Ihres Azubis. Schauen Sie dazu in Ausbildungspraxis kompakt „Auszubildende motivieren“.

Zusammenfassung

Geflüchtete Menschen einzustellen kann anfangs aufgrund der sprachlichen Hindernisse und kulturellen Unterschiede einen Mehraufwand für Ihr Unternehmen und den Auszubildenden selbst bedeuten. Durch wenige gezielte Maßnahmen, wie z.B. die Sensibilisierung Ihrer Mitarbeitenden durch ein interkulturelles Training oder die Unterstützung durch Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) kann die auf den ersten Blick schwer zu bewältigende Herausforderung gemeistert und langfristig zu einer großen Bereicherung für Ihr Unternehmen werden.

Bilden sich Ausbilder bspw. durch ein interkulturelles Training fort, kann dies für den ganzen Betrieb einen positiven Einfluss haben. Wichtig ist es, jederzeit die besondere Situation des Geflüchteten im Blick zu behalten und regelmäßig Feedback an den Auszubildenden zu geben, sodass ein erfolgreicher Ausbildungsverlauf sichergestellt wird. Durch eine Willkommenskultur Ihres Unternehmens für den Azubi können Sie schnell eine Vertrauensbasis schaffen, die sich sehr positiv auf den Start und das Arbeitsklima insgesamt auswirken kann. Diese Art von Mehraufwand lohnt sich, denn mit einer Beschäftigung des Auszubildenden nach der Ausbildung im erfolgreich abgeschlossenen Ausbildungsberuf (3+2 Regelung), stehen die Chancen sehr gut, eine längere Aufenthaltserlaubnis und damit eine neue Fachkraft für Ihr Unternehmen zu gewinnen.

Weiterführende Informationen

Bericht: Arbeitsmarkt kompakt der Arbeitsagentur für Arbeit vom November 2018 (PDF, 433 KB)

Nützliche Links zum Thema