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Digitale Prozesskette im Tischlerhandwerk

Mann vor einem Bildschirm

Ausbilderinnen und Ausbilder erhalten mit diesen fünf Videosequenzen einen Überblick über Inhalte und Struktur eines einwöchigen Modellprojekts zur digitalen Prozesskette im Tischlerhandwerk. Im Zentrum der Videos steht die Vermittlung wesentlicher Aspekte und Herausforderungen, die bei der Einbeziehung von Digitaltechnik für die Bearbeitung eines vollständigen Kundenauftrags wichtig und zu beachten sind. Wie eine digitale Prozesskette im Tischlerhandwerk aussehen kann, wird am Beispiel der Planung und Fertigung eines Steckhockers als Outdoor-Sitzmöbel für den Balkon veranschaulicht.

Im Tischlerhandwerk bietet sich, bezogen auf den Grad der Durchdringung mit Digitaltechnik, ein uneinheitliches Bild. Während im kaufmännischen und arbeitsvorbereitenden Bereich die Anwendung von ERP-Software zur Ressourcenplanung in den Betrieben zum Standard gehört, sind in der Werkstatt oder auf der Baustelle viele Varianten der Einstellungen oder Nutzung von Digitalisierung anzutreffen – vom Robotereinsatz bis zur eindeutigen Abwehr jeglicher Digitaltechnik.

In den Ansichten der Auszubildenden besitzt die Digitaltechnik beim Tischlernachwuchs ein deutlich positiveres Image. Es wird von vielen erwartet, dass in der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) die Arbeit mit Branchensoftware, digitalem Aufmaßgerät, Lasermessgerät, CAD- und CNC-Bearbeitungszentrum thematisiert wird.

Für die Durchführung der ÜBA ist jedoch zu berücksichtigen, dass die aktuell verfügbare Zeit nicht ausreicht, um tiefergehende digitaltechnische Elemente und Aspekte der Medienkompetenzentwicklung unterzubringen. Für die Vermittlung digitaler Techniken sind vor diesem Hintergrund drei Varianten der curricularen Gestaltung denkbar:

  • Themen der Digitalisierung und Medienkompetenzentwicklung können im Rahmen der bisher angebotenen ÜBAs eingebaut werden, wofür jedoch eine Abstimmung mit den Ausbildungsbetrieben und der Berufsgenossenschaft (BGHM) erforderlich ist.
  • Es wird eine Lernortkooperation angestrebt, in der die ÜBA sich insbesondere auf die technisch-praktischen Fragen der Entwicklung von Digitalkompetenz konzentriert. Dafür braucht es eine Abstimmung mit der Berufsschule, die sich primär mit den theoretischen Inhalten der Digitalisierung befasst.
  • Es wird ein Kurs mit dem expliziten Schwerpunkt „Digitalisierung in der Produktionsprozesskette einer Tischlerei“ angeboten, welcher jedoch zusätzlich zu anderen Kursen für Freiwillige anzubieten ist.

Letztere Variante wurde innerhalb des Projekts DiQua der HWK Berlin als einwöchiges Modellprojekt erprobt.

Vorbereitung der überbetrieblichen Ausbildung

Im Rahmen der Projektwoche soll der Kundenauftrag „Fertigung eines Steckhocker“ bearbeitet werden. Im Video vorgestellt werden das zugrunde gelegte didaktische Konzept des projektorientierten Handlungslernens und die für die Bearbeitung einzusetzenden digitalen Werkzeuge, Apparate und Maschinen.

Digitales Aufmaß nehmen

Zur Erstellung eines Angebots werden Raummaße benötigt, die mit einem digitalen Aufmaßsystem beim Kunden erfasst werden. Funktionsweise und Bedienung der Aufmaß-App werden erklärt und am praktischen Beispiel illustriert. Der vollständige Grundriss wird abschließend als E-Mail an den Rechner des Betriebes übertragen.

Auftragsplanung

Die Planung des Kundenauftrags wird technisch umgesetzt. Dafür geht die mit CAD erstellte Zeichnung als Vorlage in die Fertigung. Die Planungsdaten werden in das CNC-Fertigungssystem eingelesen und die Fertigung anschließend am Bildschirm simuliert.

Durchführung – Die CNC-Maschine im Einsatz

Die Fertigung des Steckhockers wird an der CNC Maschine – im Anschluss an eine sogenannte Referenzfahrt der Anlage – begleitet. Arbeitsschutz und -sicherheit haben dabei höchste Priorität. Die Werkstücke werden abschließend überprüft, zusammengesetzt und können dem Kunden übergeben werden.

Auswertung des Auftrags

Der Kundenauftrag endet mit der Auftragsauswertung, unterstützt durch eine entsprechende Branchensoftware. Dieses Tool dient unter anderem der Dokumentation und Auswertung von Abläufen, der Erfassung der Kundenzufriedenheit sowie der Bewertung des Auftrags aus wirtschaftlicher Sicht.

Weitere Informationen

Handwerkskammer Berlin
Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Berlin
Mehringdamm 14
10961 Berlin
www.hwk-berlin.de
www.facebook.com/hwkberlin

Kontakt:
Dr.-Ing. Jost-Peter Kania
Tel.: 030 259 03-444
kania@hwk-berlin.de