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Berufsausbildung ist kein Auslaufmodell

Schreinerin mit Bohrmaschine
© Tyler Olson - Fotolia.com

Auch wenn heute über 50 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ein Studium beginnen, bleibt eine betriebliche Berufsausbildung für Jugendliche eine vielversprechende Alternative. Zu diesem Schluss kommt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung, die von den Sozialforschern Uwe Elsholz, Roman Jaich und Ariane Neu durchgeführt wurde.

Anhand von 18 Fallstudien in der Metall- und Elektrobranche sowie im Einzelhandel und der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) haben die Forschenden sich ein Bild der aktuellen Situation in den Betrieben gemacht. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass die Berufsausbildung keineswegs obsolet ist – auch wenn sie insbesondere in Form des dualen Studiums Konkurrenz bekommen hat.

Der Studie zufolge sind es weniger die Unternehmen, die zur Akademisierung drängen. Vielmehr streben die Jugendlichen selbst, vor allem die leistungsstärkeren mit Abitur, einen höheren Abschluss an. Um für diese Gruppe weiterhin attraktiv zu bleiben, bieten inzwischen viele Unternehmen duale Studiengänge an, obwohl sie manchmal nicht genau wissen, ob sie künftig wirklich Bedarf an akademisch geschulten Fachkräften haben.

Die klassische Berufsausbildung mit ihrem ausgewogenen Theorie-Praxis-Verhältnis sowie die umfassende berufliche Handlungskompetenz, die sie vermittelt, erfreut sich seitens der Betriebe nach wie vor höchster Wertschätzung. Für alle drei untersuchten Branchen gilt außerdem, dass sie die betriebsinterne Qualifizierung dem Anwerben von Fachkräften auf dem externen Arbeitsmarkt vorziehen.

Das duale Studium bietet sich Unternehmen als Lösung an, um einerseits dem eigenen Interesse an einer Ausbildung im Betrieb nachzukommen und andererseits dem Wunsch junger Leute mit guten Schulabschlüssen nach höherer Bildung gerecht zu werden. Das wirft die Frage auf, ob nicht Fachkräfte mit einer Berufsausbildung gegenüber Absolventinnen und Absolventen eines dualen Studiums zunehmend schlechtere Karrierechancen haben. Darauf gibt es laut Elsholz, Jaich und Neu keine eindeutige Antwort, weil die Befunde je nach Branche und Betrieb zu unterschiedlich sind. Im Einzelhandel wurden beispielsweise keine Verdrängungseffekte gefunden. Hier ergänzen sich die verschiedenen Ausbildungswege eher: In den Filialen dominiert weiter die betriebliche Ausbildung, in den Unternehmenszentralen gewinnt die akademische Ausbildung an Gewicht. Erst auf höheren Stufen der Karriereleiter könnten sich beide Gruppen in die Quere kommen. So dürfte der Aufstieg zum Filialleiter weiterhin mit Berufsausbildung möglich bleiben, bei der Bewerbung zum Regionalleiter werden die Studierten aber im Vorteil sein.

Stärkere Verdrängungseffekte haben die Forscher in großen Unternehmen der Metall- und Elektro- sowie der IKT-Branche identifiziert. Hier geht das Angebot dualer Studiengänge teilweise zulasten der Berufsausbildung. Im Einzelfall spielen dabei ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle. So halten Unternehmen mit deutschen Eigentümern eher an der Berufsausbildung fest, Amerikaner setzen hingegen stärker auf Akademisierung. Auch die Unternehmensstrategie ist entscheidend: Wo der Schwerpunkt auf heimischer Qualitätsproduktion liegt, wird die nicht-akademische Ausbildung oft favorisiert; geht die Tendenz allerdings dahin, sich in Deutschland auf Forschung und Entwicklung zu konzentrieren und die Fertigung ins Ausland zu verlagern, kommen eher duale Studienangebote zum Zuge.

Weitere Informationen

Uwe Elsholz, Roman Jaich, Ariane Neu: Folgen der Akademisierung der Arbeitswelt, Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 401, September 2018 (PDF, 538 KB)

Quelle: Böckler Impuls 18/2018