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Auszubildende motivieren

Motivierter Auszubildender zum KFZ-Mechaniker
© Wellnhofer Designs - Fotolia.com

Im Ausbildungsalltag kann es passieren, dass Sie bei Auszubildenden verringerte Produktivität, Verzögerungen im Arbeitsablauf und Konflikte mit Kolleginnen und Kollegen, Kundschaft oder Vorgesetzten feststellen. Das Verhalten der Auszubildenden hat somit einen negativen Einfluss auf Ihr Unternehmen. Was aber tun, wenn ein solches Verhalten von Auszubildenden gezeigt wird?

Ein Grund für dieses Verhalten kann mangelnde Motivation sein. Im Extremfall kann diese sogar zu Ausbildungsabbrüchen führen. Leider ist mangelnde Motivation aber keine Seltenheit. Die Folgen haben beide Seiten zu tragen: Bei den Auszubildenden kann es zu dauerhafter Unzufriedenheit kommen und für das ausbildende Unternehmen bedeutet ein solches Motivationstief einen Verlust, weil die Auszubildenden wesentlich weniger Leistung erbringen und das Betriebsklima leidet. Die Motivation Ihrer Auszubildenden gezielt zu fördern, ist daher eine wichtige Aufgabe für die betrieblichen Ausbilder und Ausbilderinnen. 

Anzeichen für fehlende Motivation

Azubi mit strengem Ausbilder
© auremar - Fotolia.com

Bevor Sie die Umsetzung von motivationssteigernden Methoden beginnen, sollten Sie sich überlegen, ob und warum ihre Auszubildenden demotiviert sind. Möglicherweise kann ein Gespräch helfen, die Ursachen zu verstehen, um gezielter darauf eingehen zu können. Entstehen kann mangelnde Motivation z.B. dadurch, dass die Auszubildenden im Betriebsalltag in den Hintergrund geraten und ihre Wünsche und Anliegen nicht mehr wahrgenommen werden. Es kommt vor, dass sie Herausforderungen nicht meistern und demzufolge Misserfolge erleben, sie jedoch nicht genügend Unterstützung bekommen, diese zu überwinden. Es kann auch sein, dass die Motivation im Team bzw. aller Mitarbeitenden sehr gering ist und viele Beschwerden aufkommen, was sich wiederum auch auf Auszubildende auswirken kann.

Anzeichen für fehlende Motivation könnten unter anderem sein:

  • Beschränkung der Arbeitsleistung auf ein notwendiges Mindestmaß
  • Beschwerden durch Kundschaft über die/den Auszubildenden
  • Lange Bearbeitungszeiten
  • Verweigerung von Eigeninitiative
  • Hohe Fehlerquoten
  • Vermehrte Fehlzeiten und Verspätungen
  • Fehlende Kommunikation
  • Überdurchschnittlich hoher Krankenstand
  • Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit

Im Gegensatz dazu zahlt sich hohe Motivation aus, denn sie fördert unter anderem:

  • Bereitschaft, zu lernen und sich weiterzuentwickeln
  • Produktivität und Leistung
  • Zufriedenheit
  • Positive Auswirkungen auf das Team oder die Abteilung

Was braucht ein Mensch, um motiviert zu sein?

Der Übergang von der Schule in die Berufsausbildung ist eine besonders herausfordernde Zeit. Ausbilderinnen und Ausbilder sind gefragt, im Berufsstart zu motivieren und zu fördern.

Doch was brauchen Auszubildende, um motiviert zu sein?

Der Psychologe Frederick Herzberg hat Arbeitnehmerinnen und -nehmer nach Situationen gefragt, in denen sie eine hohe Zufriedenheit und Motivation oder eine hohe Unzufriedenheit empfanden. Das Ergebnis war überraschend: Zufriedenheit und Unzufriedenheit bilden zwei voneinander unabhängige Dimensionen1: Das bedeutet, nach Herzberg ist das Gegenteil von Zufriedenheit nicht Unzufriedenheit, sondern „Nicht-Zufriedenheit“. Umgekehrt ist auch das Gegenteil von Unzufriedenheit nicht Zufriedenheit, sondern „Nicht-Unzufriedenheit“. Der Theorie zufolge gibt es demnach Faktoren, die dazu führen, dass Auszubildende mehr oder weniger unzufrieden an ihrem Arbeitsplatz sind, die sogenannte Hygienefaktoren und Faktoren, die zu einer gesteigerten Zufriedenheit oder Motivation Auszubildender führen, die Motivatoren. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über diese zwei Faktoren:

Unzufriedenheit vermeiden

Unternehmen, die ausbilden, sollten zuerst sicherstellen, dass die Hygienefaktoren gegeben sind, um so Unzufriedenheit bei Auszubildenden zu vermeiden. Hygienefaktoren beziehen sich insbesondere auf das Arbeitsumfeld. Eine Gestaltung dieser Faktoren kann somit in vielen Fällen allen Auszubildenden zugutekommen. Ein guter Beitrag zur Vermeidung von Unzufriedenheit kann schon vor dem Ausbildungsbeginn geleistet werden. Machen Sie keine falschen Versprechungen in der Bewerbungsphase und versuchen Sie so realistisch und ehrlich wie möglich darzustellen, unter welchen Konditionen Ihre Ausbildung stattfindet und wie der Unternehmensalltag gestaltet ist (siehe Lernbaustein: „Ausbildungsmarketing“).
Die folgende Grafik beschreibt vier Bereiche, an denen man während der Ausbildung ansetzen kann, um Unzufriedenheit vorzubeugen:

Motivation in der Ausbildung steigern

Nachdem Sie durch Berücksichtigung der Hygienefaktoren sichergestellt haben, dass keine Unzufriedenheit besteht, können Sie nun dazu übergehen, die Motivation Ihrer Auszubildenden zu steigern. Es müssen die Motivatoren in den Fokus gerückt werden: Hierbei handelt es sich, wie oben aufgeführt, um Faktoren, die sich insbesondere auf den Inhalt der Arbeit und die persönliche Entwicklung beziehen. Fehlen diese Faktoren, führt dies zwar nicht zu Unzufriedenheit – die gewünschte Motivation bleibt jedoch auch aus. Die Motivatoren erfordern meist eine individuelle Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der einzelnen Auszubildenden und sind somit relativ zeitaufwändig. Es lohnt sich aber, sich die notwendige Zeit zu nehmen, denn die positiven Effekte einer gesteigerten Motivation sind enorm. Im Folgenden werden verschiedene motivationsfördernde Bereiche angesprochen:

Die passende Aufgabe geben

Auszubildende haben verschiedene Interessen und Fähigkeiten. Auch in dem Feld der eigenen Ausbildung kann es Aufgaben geben, die einer/einem Auszubildenden mehr oder weniger liegen.

Checkliste „Die passende Aufgabe geben“

  • Sowohl Überforderung als auch Unterforderung vermeiden
  • Erfolgserlebnisse ermöglichen
  • Abwechslungsreiche Aufgaben geben
  • Ausbildungsordnung beachten
  • Alle relevanten Inhalte abdecken (Eigeninteresse der Firma vs. Interesse des Auszubildenden)
Aufgaben richtig anleiten

Das Vermeiden von Aufgaben oder die fehlerhafte Ausführung kann sehr stark von der Informationsvermittlung abhängen. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Auszubildenden die Aufgabe richtig verstanden haben und mögliche Fragen vor und während der Ausführung der Aufgabe geklärt werden können.

Anerkennung und Wertschätzung zeigen

Damit Auszubildende sich im Unternehmen wohlfühlen, ist es wichtig, dass man ihnen Wertschätzung für ihre Arbeit und ihre Person entgegenbringt. Hier kommt es darauf an, ehrliches Interesse an ihnen zu zeigen und sie auch gezielt für Aufgaben zu loben.

Individuell auf jeden Auszubildenden eingehen
Jeder Auszubildende hat eigene Stärken und auch Schwächen, was in der Art des Feedbacks sichtbar werden sollte. Standardfloskeln wie „gut gemacht“, die keine Aussage über die individuelle Leistung des Auszubildenden geben, sollten nicht zu häufig genutzt werden. Besonders wenn mehrere Auszubildende in Ihrem Unternehmen beschäftigt sind, sollten Sie die Dinge loben, die ihn vielleicht von den anderen Azubis positiv hervorheben. Natürlich sollte dieses gesonderte Lob in einem Ausmaß stattfinden, in dem sich kein Auszubildender unfair behandelt fühlt. Lob für ein bestimmtes Verhalten kann dann auch die anderen Auszubildenden anspornen, in diesem Bereich noch etwas an sich zu arbeiten. Im Einzelgespräch können Sie bspw. sagen:

Zeitnah bestätigen und loben
Wenn eine Aufgabe besonders gut gelungen ist, sollte direkt am selben Tag oder bei nächster Gelegenheit noch ein kurzer Zuspruch erfolgen, da es dann am ehrlichsten wirkt und die Auszubildenden dadurch am meisten motiviert werden, ähnlich weiterzuarbeiten. Bei wenig Zeit ist eine kurze E-Mail dann trotzdem besser, als die positive Leistung erst Wochen später im Feedbackgespräch nur kurz zu erwähnen.

Anerkennung ist eine Grundhaltung
Kurzes spontanes Lob tut gut und sollte auch unbedingt gegeben werden, wichtiger jedoch ist eine generell wertschätzende Grundhaltung. Damit der Auszubildende nicht in Stress oder Verunsicherung gerät, ist es deutlich wichtiger, dass ein: „Wir sind froh, dass du da bist und dich in unser Unternehmen gewinnbringend einbringst. Bei Fragen kannst du jederzeit auf uns zukommen.“ dauerhaft im Hinterkopf des Auszubildenden ist, anstatt ein „gut gemacht“ bei kleinen Erfolgen.

Konstruktives Feedback geben

Auch kritisches Feedback ist nötig, da es der Weiterentwicklung dient. Es sollte aber immer konstruktiv und wertschätzend formuliert werden. Gerade junge Auszubildende müssen erst noch lernen, mit kritischem Feedback umzugehen und sind entsprechend häufig sensibler als Erwachsene.

Checkliste „Kritisches Feedback geben“

  1. Schaffen Sie einen guten Rahmen für das Feedback-Gespräch.
    Vereinbaren Sie den Termin rechtzeitig, planen Sie ausreichend Zeit ein und führen Sie das Gespräch an einem ruhigen Ort.
  2. Melden Sie zunächst positive, dann negative Beobachtungen zurück und enden Sie wieder mit einer positiven Rückmeldung („Sandwich-Feedback“).
    So vermeiden Sie Abwehrhaltungen. Das positive Feedback sollte so ehrlich und authentisch sein wie das negative Feedback.
  3. Beschreiben Sie Ihre Eindrücke auf der Ebene konkreter Situationen und Verhaltensweisen.
    Vermeiden Sie Sätze wie „Du machst immer…“ und nutzen eher z. B. „Heute beim Kundenkontakt mit Frau XY ist mir positiv aufgefallen, dass…“
  4. Formulieren Sie Feedback subjektiv.
    (z. B. „ich hatte den Eindruck …“ / „Mir ist aufgefallen …“).
  5. Vermeiden Sie eigene Interpretationen („Ich weiß, dass Sie …“) und Verallgemeinerungen („Sie sind immer ...). Machen Sie bei der Rückmeldung negativer Beobachtungen konstruktive Verbesserungsvorschläge.
Eigenverantwortung fördern

Auszubildende sollten frühzeitig dazu befähigt werden, Aufgaben eigenverantwortlich durchzuführen. Dies können Sie fördern durch:

  • Mitwirkungsmöglichkeiten und Freiräume schaffen
  • Verantwortung in angemessenem Ausmaß bieten

Haben Sie Vertrauen in ihre Auszubildenden! Hierbei kann es auch helfen, wenn Sie ihren Auszubildenden passende Aufgaben geben.

Perspektiven schaffen

Auszubildende wollen nicht nur die Ausbildung im Unternehmen ihrer Wahl absolvieren, sondern oft auch danach übernommen werden. Zusätzlich ist es ein menschliches Bedürfnis, eigenen Interessen nachzugehen und sich weiterzubilden. Auszubildende wollen nicht als „billige Arbeitskraft“ gesehen werden, sondern einen hohen Lernanteil für sich selber verzeichnen können. Hier können Sie Auszubildenden Möglichkeiten aufzeigen und dadurch deren Motivation steigern.

  • Weiterbildungsmöglichkeiten schaffen: Dies kann z.B. in einem monatlichen persönlichen Gespräch geschehen, bei welchem die Arbeitsaufgaben sowie Weiterentwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten besprochen werden
  • Ggf. Übernahmemöglichkeiten frühzeitig kommunizieren und Transparenz über die Bedingungen für eine Übernahme schaffen

Zusammenfassung

Zwei motivierte Auszubildende
© ehrenberg-bilder - Fotolia.com

Um im Unternehmensalltag zu erreichen, dass Auszubildende motiviert sind und bleiben, sollten Sie erst für die Abwesenheit von Unzufriedenheit (durch Hygienefaktoren) und im Anschluss für die Steigerung der Motivation von Auszubildenden (durch Motivatoren) sorgen. Zu Anfang müssen Sie sich also fragen, was Sie bereits bieten und an welchen Stellen Ihr Unternehmen Faktoren und Angebote, welche Auszubildende gezielt motivieren, noch ausbauen kann. Falls Sie nicht genau wissen, welche Gründe der Unzufriedenheit Ihrer Auszubildenden oder Ihres Auszubildenden zugrunde liegen, legen Sie am besten einen Gesprächstermin fest und fragen Sie nach. Anschließend können Sie, angepasst an die Bedürfnisse Ihrer Auszubildenden oder Ihres Auszubildenden und den Ressourcen Ihres Unternehmens Möglichkeiten finden, an Hygienefaktoren und Motivatoren zu arbeiten.

Weiterführende Informationen

Albs, N. (2005). Wie man Mitarbeiter motiviert. Motivation und Motivationsförderung im Führungsalltag. Berlin, Deutschland: Cornelsen Verlag Scriptor.

Buckert, A., & Kluge, M. (2008). Der Ausbilder als Coach. Motivierte Auszubildende am Arbeitsplatz (4. Aufl.). Köln, Deutschland: Hermann Luchterhand Verlag.

Laufer, H. (2015). Praxis erfolgreicher Mitarbeitermotivation: Techniken, Instrumente, Arbeitshilfen (2. Aufl.). Offenbach, Deutschland: GABAL.

Müller, P. S. (2014). 21 Tipps für Ausbilder: Selbstmotivation & intrinsische Motivation für Auszubildende. Berlin, Deutschland: Kindle Edition.

  • 1 Quelle: Becker, F. (o.D.-b). Herzbergs Zwei-Faktoren-Theorie der Motivation: Hygienefaktoren und Motivatoren. Abgerufen am 10. August 2018 von https://wpgs.de/fachtexte/motivation/herzbergs-zwei-faktoren-theorie-der-motivation-hygienefaktoren-und-motivatoren/