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Was erwarten Jugendliche heute von einem Ausbildungsbetrieb?

Ergebnisse einer BA/BIBB-Bewerberbefragung

Zur Situation von Ausbildungsstellenbewerbern und -bewerberinnen
© BIBB

Das BIBB hat von November 2016 bis Januar 2017 zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) eine Befragung von rund 2.300 Jugendlichen durchgeführt, die bei der BA als Ausbildungsstellenbewerber bzw. -bewerberinnen gemeldet waren. Die Ergebnisse der Analysen zeichnen ein umfassendes Bild der Bewerber/-innen für Ausbildungsstellen für das Ausbildungsjahr 2016. Zugleich liefern sie Hinweise, wie Rekrutierungsprobleme von Ausbildungsbetrieben reduziert werden können.

Wie der konstant hohe Anteil von bei der BA gemeldeten Bewerber/-innen belegt, denen der Übergang in eine Ausbildung bei gleichzeitig steigendem Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen nicht gelingt, gestaltet sich die Passung zwischen Ausbildungsangebot und Ausbildungsnachfrage zunehmend schwieriger. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) beklagen Beitriebe nicht nur, dass es schwieriger geworden sei, geeignete Auszubildende zu finden, sondern auch, dass immer mehr Betriebe überhaupt keine Bewerbungen mehr erhielten. Dies betrifft insbesondere kleine und mittlere Betriebe.

Für Ausbildungsbetriebe wird es zunehmend wichtiger, ihre Bekanntheit und Attraktivität für potentielle Auszubildende durch gutes Ausbildungsmarketing zu erhöhen

Die Analysen der Ergebnisse der BA/BIBB-Bewerberbefragung zeigen, dass für jugendliche Ausbildungsinteressierte ein gutes Betriebsklima, Übernahmechancen nach der Ausbildung und langfristige Beschäftigungsperspektiven eine entscheidende Rolle spielen. Weniger wichtig sind hingegen finanzielle bzw. materielle Anreize wie z. B. ein Smartphone zu Beginn der Ausbildung oder ein Dienstwagen. Auch Aspekte, die vor allem Großbetriebe kennzeichnen, wie Zusatzangebote oder viele Auszubildende im Betrieb, sind nicht unbedingt ausschlaggebend. Wichtiger sind die Bezahlung von Überstunden, die Vereinbarkeit von Freizeit und Ausbildung und eine gute Anbindung des Betriebs an den öffentlichen Personennahverkehr.

Die Umfrageergebnisse zu den Ansprüchen von Ausbildungsstellenbewerbern und -bewerberinnen verdeutlichen, dass kleinere und mittlere Betriebe bei der Rekrutierung von Auszubildenden nicht gegenüber Großbetrieben benachteiligt sein müssen. Was den Jugendlichen wichtig ist, kann durchaus auch von kleineren Betrieben erfüllt werden. Wie eine Befragung des BIBB von ausbildenden Klein- und Mittelbetrieben zeigt, besteht bei den Betrieben jedoch noch ein erhebliches Verbesserungspotential hinsichtlich einer attraktiven Selbstdarstellung als Ausbildungsbetrieb. Bisher wirbt nur ein Teil der Betriebe aktiv mit guten Ausbildungsbedingungen.

Die betriebliche Realität kann die Ansprüche der jungen Menschen an Ausbildungsbetriebe oft nicht erfüllen

Junge Menschen, die sich zum Befragungszeitpunkt in einer Ausbildung befanden, sehen die für sie besonders wichtigen Aspekte wie ein gutes Betriebsklima oder gute Übernahmechancen meist als gegeben. Dieses Ergebnis gilt unabhängig von der Betriebsgröße, obwohl Großbetriebe diese Ansprüche tendenziell eher erfüllen als kleinere Betriebe. Dennoch zeigen die Analysen, dass die Ansprüche der Auszubildenden in der Realität oftmals nicht in dem Ausmaß erfüllt werden, wie sie es sich wünschten. Dies ist jedoch auch den teils sehr hohen Ansprüchen der Jugendlichen geschuldet.

Obwohl fast alle Jugendlichen großes Engagement bei der Ausbildungsstellensuche zeigten, berichteten die meisten über Schwierigkeiten. Nur ein Viertel der Bewerber/-innen sagte, sie hätten ohne große Probleme einen interessanten Ausbildungsplatz gefunden. Dies deutet auf die – trotz zunehmender Besetzungsprobleme – immer noch schwierige Versorgungslage der Jugendlichen in weiten Teilen Deutschlands hin. Zudem berichteten viele der Jugendlichen von fehlenden Rückmeldungen seitens der Betriebe.
In Gebieten mit einer eher ungünstigen Ausbildungsmarktlage empfanden die Bewerber/-innen die Einstellungsvoraussetzungen der Betriebe oft als zu hoch. Insgesamt machten Bewerber/-innen häufiger negative Erfahrungen, wenn sie in Regionen lebten, in denen die Ausbildungsmarktlage eher angespannt war.

Weitere Informationen

Die Publikation "Zur Situation von Ausbildungsstellenbewerbern und -bewerberinnen" aus der BIBB-Reihe "Fachbeiträge im Internet" steht als kostenloser Download zur Verfügung unter www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/9403.

Eine praxisorientierte Einführung in das Thema "Ausbildungmarketing" finden Sie hier:
Mit Ausbildungsmarketing Auszubildende gewinnen