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Führung und Kommunikation in der Ausbildung

Ausbilder erläutert drei Auszubildenden die Arbeitsaufgaben
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Im Arbeitsalltag kann es zu Situationen kommen, in welchen Auszubildende nicht das tun, was ihnen gesagt wurde, dass sie sich Anweisungen widersetzen oder diese nicht richtig verstanden haben. Als Ausbilder oder Ausbilderin vermitteln Sie nicht nur Fachkompetenz, sondern sind auch eine Führungskraft für die Auszubildenden. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, benötigen Sie neben Ihrem Fachwissen auch Führungskompetenzen.

Dazu sollten Ausbilderinnen und Ausbilder wissen, welchen Stellenwert soziale Kompetenzen und Kommunikationsstärke beim Thema Führung im Kontext der Ausbildung haben, wie sich diese Kompetenzen in verschiedenen Führungsstilen verwirklichen lassen und wie Sie diese durch tiefere Kenntnisse über Ebenen der Kommunikation steigern können.

Laut der Führungs-Studie 2016 der Initiative Zukunftsfähige Führung (izf) wird neben der fachlichen Kompetenz, Kommunikationsstärke, Flexibilität und Teamfähigkeit ein großer Wert auf allgemeine Sozialkompetenz bei zukünftigen Führungskräften gelegt.1

Um die Rolle der Führungsperson im Kontext der Ausbildung bestmöglich erfüllen zu können, gilt es, sich zu überlegen, was eigentlich eine „gute Führung“ ausmacht. Hierbei können die folgenden Fragen helfen:

Wenn Sie selbst schon einmal gute Führung erlebt haben, können Sie sich überlegen, was genau diese Person zu einer guten Führungskraft gemacht hat. Dabei werden Ihnen vermutlich verschiedene fachliche und soziale Kompetenzen einfallen, die Sie als besonders relevant bewerten.

Ausbilder erläutert Auszubildenden eine Arbeitsaufgabe
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Nicht selten sind dabei auch Aspekte, die sich auf das Zwischenmenschliche beziehen, bedeutsam. Im Gegensatz dazu wird die Rolle der Ausbilder und Ausbilderinnen oft sehr fachspezifisch definiert. So heißt es im Berufsbildungsgesetz § 14 Absatz 1: „Ausbildende haben dafür zu sorgen, dass den Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, und die Berufsausbildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht werden kann“. Hinsichtlich einer Vorbildfunktion und Führungsaufgabe heißt es in Absatz 5: „Ausbildende haben dafür zu sorgen, dass Auszubildende charakterlich gefördert (...) werden“. 

Führungsstile

Soziale Kompetenzen spielen eine wesentliche Rolle für die Führung, was sich in der Vielzahl an Führungstheorien spiegelt, die beschreiben, wie sich Führungspersonen im Umgang mit Ihren Mitarbeitenden verhalten können. Um einen Überblick darüber zu bekommen, welche Arten von Führung überhaupt möglich sind, können die Führungsstile von dem Psychologen Daniel Goleman helfen. Er identifizierte die folgenden sechs Führungsstile2:

Befehlend

Befehlend – Der befehlende Führungsstil bedient sich der direkten Anweisung bestimmter Aufgaben. Es wird etwas Bestimmtes gefordert, was nicht zur Diskussion steht. Geeignet ist dieser Führungsstil besonders in Extremsituationen, wenn z.B. Gefahr in Verzug ist bzw. schnell gehandelt werden muss. Kontinuierlich angewendet kann dieser Führungsstil von Auszubildenden allerdings als autoritär empfunden werden, was die Eigeninitiative und Motivation der Azubis (siehe auch: Auszubildende motivieren) einschränken kann. Es kann aber auch passieren, dass es Auszubildende gibt, die besonders zu Beginn der Ausbildung viel Anleitung und Unterstützung benötigen und sich daher möglicherweise durch klare Anweisungen am Anfang sicherer fühlen. Trotzdem sollte man hier darauf achten, dass man sie dadurch nicht in eine Unselbstständigkeit führt.

Tipp: Es ist sinnvoll, den Auszubildenden zu erklären, warum Sie diesen Führungsstil in bestimmten Situationen anwenden und dass Sie sie darum bitten, in diesen Situationen ohne Nachfragen zu reagieren.

Gefühlsorientiert

Gefühlsorientiert – Bei diesem Führungsstil steht der Mensch im Fokus. Es geht darum, eine Beziehung zu den Auszubildenden aufzubauen und auf deren Bedürfnisse und Wünsche einzugehen. Dementsprechend ist dieser Stil vor allen Dingen kommunikativ und basiert auf Verständnis und Harmonie. Dieser Stil kann besonders dann sinnvoll sein, wenn man bemerkt, dass ein Problem bestehen könnte, welches sich negativ auf den Arbeitsalltag auswirkt. Sie sollten in solchen Fällen als unterstützender Kommunikationspartner für Ihre Auszubildenden agieren.

Tipp: Seien Sie empathisch und tragen Sie somit zu einem wertschätzenden Gefühl Ihrer Auszubildenden bei.

Beratend

Beratend – In der beratenden Position können Sie Ihre Auszubildenden dabei unterstützen, sich weiterzuentwickeln. Schauen Sie, wo Ihre Auszubildenden Stärken und Schwächen haben und helfen Sie Ihnen, selbst auf die Lösung bestimmter Fragestellungen zu kommen. Als Ausbilder oder Ausbilderin sind Sie bei Anwendung dieses Stils mehr in der Rolle eines Coaches bzw. Experten, Sie teilen also Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen, die Auszubildenden haben jedoch in diesem Fall die Entscheidungsmacht.

Tipp: Eine sinnvolle Umsetzung dieses Stils ist bspw. ein regelmäßiges Feedbackgespräch, bei welchem auf Stärken und Schwächen eingegangen sowie entsprechende Weiterentwicklungsmöglichkeiten besprochen werden können.

Visionär

Visionär – Dieser Stil dient dazu, eine Vision zu vermitteln und Mitarbeitende für diese zu gewinnen und zu motivieren. Machen Sie deutlich, dass Sie hinter den Werten und Zielen Ihres Unternehmens stehen. Gehen Sie als gutes Beispiel bei der Umsetzung der Unternehmensziele voran.
Wenn Auszubildenden die Motivation fehlt und sie den Sinn ihrer Arbeit nicht verstehen, kann dieser Führungsstil förderlich sein. Es gilt, die Auszubildenden wieder für Ihr Unternehmen und dessen Vision zu gewinnen.

Tipp: Beschäftigen Sie sich einmal damit, warum Sie Ausbilder bzw. Ausbilderin geworden sind und was Ihre Motivation ist, Ihre Kenntnisse an junge Menschen weiterzugeben. Dabei kann sich möglicherweise Ihre eigene Vision finden lassen, die Sie dann authentisch an Ihre Auszubildenden weitergeben können.

Leistungsorientiert

Leistungsorientiert – Wie der Begriff deutlich macht, handelt es sich hierbei um einen Stil, der eine hohe Leistung der Auszubildenden anstrebt. Hierzu gehört aber auch, dass man selbst ein gutes Vorbild ist und die eigenen Leistungsstandards hoch ansetzt.
Wenn Sie einen leistungsstarken Azubi vor sich haben, kann es sinnvoll sein, diesen Stil anzuwenden, um ihn dabei zu unterstützen, sein Potential voll auszuschöpfen.

Tipp: Glauben Sie an Ihre Auszubildenden und holen Sie das Beste aus ihnen heraus, indem Sie als gutes Vorbild vorangehen.

Demokratisch

Demokratisch – Dieser Stil punktet durch die aktive Beteiligung der Auszubildenden an dem Prozess der Ausbildung, fördert also Eigeninitiative, Motivation und damit auch eine positive, partizipative Arbeitsatmosphäre. Zusätzlich wird eine hohe Selbstständigkeit und damit das Verantwortungsbewusstsein der Auszubildenden gestärkt.
Sinnvoll ist dieser Führungsstil, wenn man die oben genannten Eigenschaften fördern will und gegenseitiges Verständnis und Kooperationsbereitschaft im Unternehmen hoch angesehen werden. Es geht darum, Ziele gemeinsam zu setzen und zu erreichen.

Tipp: Begegnen Sie Ihren Auszubildenden auf Augenhöhe, damit sie sich ernst genommen fühlen und sich wirklich in die Ausbildung einbringen können. Versuchen Sie, ihnen Freiräume zu geben, um ihre eigenen Ideen umzusetzen und unterstützen Sie sie dabei! Lassen Sie sie über Dinge abstimmen, die noch nicht festgelegt sind.

Nun können Sie sich fragen: In welchen Führungsstilen liegen meine Stärken?

Es ist wichtig zu beachten, dass es nicht den einen „guten“ Führungsstil gibt, sondern für bestimmte Situationen einer oder mehrere der oben genannten Führungsstile zu wünschenswerteren Ergebnissen führen können. Die Eignung der verschiedenen Stile hängt also von der Situation und den Eigenschaften sowie Bedürfnissen Ihrer Auszubildenden ab. Es ist also sinnvoll, den Charakter der jeweiligen Auszubildenden einzuschätzen, um sich für den zielführendsten Führungsstil zu entscheiden.
Ob man einen bestimmten Führungsstil anwendet, hängt aber auch stark von der eigenen Persönlichkeit ab. Meist gibt es bestimmte Stile, mit welchen man sich besonders wohl fühlt und dementsprechend auch andere, in welchen man sich selbst noch weiterentwickeln könnte.

Überlegen Sie sich, mit welchem Führungsstil Sie sich am wohlsten fühlen, warum das so sein könnte und in welchen Stilen Sie noch Entwicklungspotenzial besitzen.

Um in Ihrer Position als Führungsperson glaubwürdig zu sein, kann es helfen, sich Ihrer Stärken bewusst zu werden, um selbstsicherer auftreten zu können. Aber auch das Wissen über die eigenen Defizite ist wichtig, denn nur durch das Bewusstsein für die eigenen Schwächen kann man auch an ihnen arbeiten. Trauen Sie sich, auch einmal einen Führungsstil auszuprobieren, der außerhalb Ihrer Komfortzone liegt, denn Übung macht den Meister! Dies wollen Sie schließlich auch Ihren Auszubildenden vermitteln.
Um sich in Bezug auf die eigene Führung weiterzuentwickeln, können Trainings und Fachliteratur zur Führungskräfteentwicklung helfen. Hierfür gibt es viele private Anbieter, aber auch die zuständigen Kammern bieten immer wieder Seminarangebote zu dem Themengebiet an.

Kommunikation

Zu den sozialen Kompetenzen zählen besonders auch die kommunikativen Fähigkeiten, welche eine Führungskraft in ihrem Alltag anwenden muss. Hierbei ist es sinnvoll, Kenntnis über verschiedene Ebenen von Kommunikation zu haben, denn was wir ausdrücken wollen, ist nicht immer das, was eine andere Person auch wahrnimmt. Doch warum ist das so?

Der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun hat dazu ein Kommunikationsquadrat entwickelt, welches vier verschiedene Ebenen einer Aussage bzw. „Botschaft“ betrachtet3:

Sachebene: Hier geht es um Daten, Fakten und Sachverhalte, die sachliche Information der Botschaft steht also im Vordergrund.

Beziehungsebene: Dieser Teil der Botschaft bezieht sich auf die Beziehung, die die Gesprächspartner zueinander haben und was sie voneinander halten.

Selbstoffenbarung: Eine Botschaft enthält auch immer eine gewollte oder ungewollte Nachricht über die sprechende Person, die sogenannte Selbstoffenbarung. Man gibt also durch Kommunikation immer etwas über sich preis, bspw. Erwartungen, Ansichten etc.

Appell: Botschaften enthalten meist auch eine direkte oder indirekte Aufforderung oder etwas, was die Person bei der anderen Person erreichen möchte.

Diese vier Komponenten sind in jeder Nachricht enthalten. Je nachdem, welche Nachricht man sendet und auf welcher Ebene sie gehört wird, kann es zu einem unterschiedlichen Verständnis kommen. Im Folgenden soll näher auf ein Beispiel aus dem Ausbildungsalltag eingegangen werden:

Wie in dem Beispiel beschrieben, kann es passieren, dass der/die Auszubildende bspw. vor allem mit dem „Beziehungsohr“ zuhört, sich also vor allem auf die eigene Beziehung zum/zur Gesprächspartner/in konzentriert, wohingegen Sie als Ausbilder/in womöglich vor allem auf der Sachebene kommunizieren. Deswegen ist es wichtig zu wissen, dass die Ebene, die man eigentlich ansprechen will, nicht die Ebene sein muss, die auch von dem/der Gesprächspartner/in wahrgenommen wird.

Auch die verschiedenen Führungsstile von Coleman haben verschiedene Ebenen, die unterschiedlich verstanden werden und daher auch Konfliktpotenzial mit sich bringen können:

Führungsstil  Haupt-Kommunikations-
Ebene und Konfliktpotenzial 
Beispiel für Missverständnisse
Befehlend Sachebene & Appell:
Wenn dieser Stil auf der Beziehungsebene wahrgenommen wird, kann es schnell zu Konflikten kommen.
Nachricht: „Räum schnell deinen Tisch auf, gleich kommt ein wichtiger Kunde.“
Mögliche Wahrnehmung: „Der hält mich wohl für unordentlich!“
Gefühls-
orientiert
Beziehungsebene & Selbstoffenbarung:
Wird dieser Stil bspw. als Appell wahrgenommen, kann es zu Missverständnissen kommen.
Nachricht: „Ich habe bemerkt, dass du in letzter Zeit traurig zu sein scheinst.“
Mögliche Wahrnehmung: „Sei nicht so traurig, du ziehst ja das ganze Team runter!“
Beratend Sachebene & Beziehungsebene:
Falls der Stil als Appell verstanden wird, kann er bspw. überfordern.
Nachricht: „Lass uns doch mal zusammen schauen, welche Zusatzqualifikationen dich interessieren könnten.“
Mögliche Wahrnehmung: „Du solltest eine Zusatzqualifikation wahrnehmen!“
Visionär Selbstoffenbarung & Appell:
Wird dieser Stil auf der Sachebene wahrgenommen, geht wahrscheinlich seine motivationssteigernde Wirkung verloren.
Nachricht: „Für die Umwelt und das Unternehmen ist es wichtig, dass wir daran denken, abends das Licht und die Geräte auszuschalten!“
Mögliche Wahrnehmung: „Das Licht und die Geräte sollen ausgeschaltet werden.“
Leistungs-
orientiert
Sachebene & Appell:
Wenn dieser Stil auf der Selbstoffenbarungsebene wahrgenommen wird, kann es bspw. dazu kommen, dass die Leistungsorientierung überschätzt wird.
Nachricht: „Wir sind ein Hochleistungsteam und daran wollen wir festhalten.“
Mögliche Wahrnehmung: „Der Betrieb interessiert sich doch nur für Leistung, sonst nichts.“
Demokratisch Beziehungsebene & Sachebene:
Falls dieser Stil als Appell wahrgenommen wird, kann er das Team unter Druck setzen und zu noch mehr Spannungen führen, anstatt diese zu lösen.
Nachricht: „Setzt euch einmal zusammen und trefft gemeinsam eine Entscheidung.“
Mögliche Wahrnehmung: „Ihr müsst schnell eine Entscheidung treffen!“

 

Es wird deutlich, dass es auch im Arbeitsalltag wichtig ist, darauf zu achten, dass das Gesagte auf der richtigen Ebene ankommt bzw. verstanden wird. Falls sich zwei Gesprächspartner/innen auf unterschiedlichen Ebenen verstehen, kann es immer zu Konflikten kommen. Es ist daher wichtig, Ihre Auszubildenden besser kennenzulernen, da unterschiedliche Menschen unterschiedliche Neigungen haben, Botschaften auf den jeweiligen Ebenen der Kommunikation zu hören. Wenn Ihre Auszubildenden also nicht das hören, was Sie eigentlich sagen wollen, könnten Sie auch Ihren Führungs- und Kommunikationsstil überdenken und gegebenenfalls variieren.

Zusammenfassung

Ausbilder lässt sich von Auszubildender Arbeitsprobe zeigen
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Als Ausbilder oder Ausbilderin brauchen Sie nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern benötigen auch Führungskompetenzen, um den Umgang mit Ihren Auszubildenden zu meistern. Die sechs Führungsstile von Coleman (befehlend, gefühlsorientiert, beratend, visionär, leistungsorientiert und demokratisch) können Sie dabei unterstützen, einen an die Bedürfnisse der Auszubildenden und die Situation angepasste Führungsstil zu wählen. Wichtig hierbei sind auch die Kenntnisse über die vier Seiten einer Nachricht (Sachebene, Beziehungsebene, Appell und Selbstoffenbarung), um effektiv im Arbeitsalltag zu kommunizieren und Auszubildende zielgerichtet zu führen.