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Vielfalt in der Ausbildung - Ein Methodenkoffer für das Bildungspersonal

Cover Methodenkoffer "Vielfalt in der Ausbildung"
© f-bb

Im Modellprojekt „Methodenkoffer ‚Demokratie leben!‘ in der Berufsausbildung“ wurde vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) in enger Zusammenarbeit mit Praktikern der beruflichen Bildung aus dem Land Brandenburg ein Methodenkoffer entwickelt, um das Bildungspersonal beim Umgang mit diskriminierenden Verhaltensweisen und Denkmustern innerhalb der Ausbildung zu unterstützen.

Der Erfolg der Berufsausbildung, ob am Lernort Schule oder im Betrieb, hängt maßgeblich von der Interaktion zwischen Berufsbildungspersonal und Auszubildenden ab. Damit macht die Berufsbildung einen wesentlichen Bestandteil von Lernen und Persönlichkeitsbildung in der Entwicklung junger Menschen aus. In der täglichen Arbeit mit Auszubildenden vermittelt das Berufsbildungspersonal gesellschaftliche Normen und Werte sowie individuelle Einstellungen und Verhaltensweisen sowohl bewusst als auch unbewusst, was eine Sensibilisierung und Professionalisierung des Berufsbildungspersonals in diesem Bereich notwendig macht.

Im Modellprojekt „Methodenkoffer ‚Demokratie leben!‘ in der Berufsausbildung“ wurde vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) in enger Zusammenarbeit mit Praktikern der beruflichen Bildung aus Brandenburg ein Methodenkoffer entwickelt. Ausgangspunkt für die Erstellung des Methodenkoffers war die Beobachtung, dass diskriminierendes Verhalten im Alltag und somit auch in der Schule und im Betrieb bislang noch nicht ausreichend in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt ist. „Berufsschullehrkräfte und Ausbilder dürfen damit aber nicht allein gelassen werden“, so Dr. Barbara Kiepenheuer-Drechsler, die das Projekt geleitet hat. „Junge Erwachsene in einem für die Persönlichkeitsentwicklung entscheidenden Moment zu erreichen ist das Ziel des Methodenkoffers. Gerade zu diesem Zeitpunkt kann positiv auf sie eingewirkt und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegnet werden. Damit leistet der Methodenkoffer nicht nur einen Beitrag zum Erhalt des Betriebsfriedens, sondern kann sich darüber hinaus auf ein toleranteres gesellschaftliches Miteinander auswirken.“

In einer vom f-bb mit Berufsbildungspersonal der betrieblichen, schulischen und außerbetrieblichen Lernorte durchgeführten Schulungsreihe wurden Praxiserfahrungen der Teilnehmenden aufgegriffen und Selbstreflexionsprozesse initiiert. Die Erfahrungen flossen in die Entwicklung des Methodenkoffers ein. Anhand von vier Schulungseinheiten zu Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Sexismus und Handlungsoptionen wird mit dem als Online-Tool konzipierten Methodenkoffer ein im Modellversuch erprobtes Gesamtkonzept angeboten. Das Berufsbildungspersonal erhält ein Instrument, um Probleme wie Diskriminierung, Rassismus und Sexismus zu thematisieren und diesbezügliche Konflikte zu entschärfen. Die einzelnen Methoden innerhalb der Schulungseinheiten sind für die Arbeit mit Multiplikatoren und jungen Erwachsenen in der beruflichen Bildung geeignet. Der Methodenkoffer richtet sich an das Berufsbildungspersonal selbst und darüber hinaus an Akteure, die mitverantwortlich für die Professionalisierung des Berufsbildungspersonals sind. Dazu zählen etwa Personalabteilungen, Betriebsräte und Geschäftsführer sowie Kammern, Gewerkschaften und Unternehmensverbände.

Der Methodenkoffer stellt vier einzelne Schulungseinheiten, verschiedene thematische Hintergrundinformationen und eine Darstellung relevanter Akteure im Feld der Antidiskriminierungsarbeit in Brandenburg bereit. Die erste Schulungseinheit ist eine Einführung in das Feld der Diskriminierung und gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Die Teilnehmenden werden für die verschiedenen Diskriminierungsebenen und Formen menschenverachtender Einstellungen sensibilisiert und aufgefordert, Problemfelder innerhalb der eigenen Organisation zu identifizieren. In den Schulungseinheiten II und III wird ein thematischer Fokus auf Rassismus und Sexismus gelegt. Die hier dargestellten Methoden lassen sich zum Teil auch an andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wie Antisemitismus oder antimuslimischer Rassismus anpassen. Die Schulungseinheit IV löst sich von der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Themen Diskriminierung, Rassismus und Sexismus und motiviert die Teilnehmenden, ihre Erkenntnisse in konkrete Handlungen innerhalb der eigenen Organisation zu übersetzen. In Form einer Mini-Zukunftswerkstatt können so Ideen entwickelt werden, die bei der eigenen praktischen Arbeit zur Anwendung kommen.

Weitere Informationen

Der Methodenkoffer steht ab sofort auf der Homepage des f-bb unter http://methodenkoffer-vielfalt.f-bb.de/ zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Das Modellprojekt wurde durch das f-bb im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" umgesetzt und durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) gefördert.