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34 Prozent der Unternehmen konnten 2017 ihre Lehrstellen nicht besetzen

Schild: Azubis gesucht!
© Daniel Berkmann - Fotolia.com

Einen Negativrekord verzeichnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seiner neuen Ausbildungsumfrage: 34 Prozent der Unternehmen konnten 2017 ihre Lehrstellen nicht besetzen – nach Worten von DIHK-Präsident Eric Schweitzer der "höchste jemals in unserer Ausbildungsumfrage ermittelte Wert".

Schweitzer stellte die aktuelle Befragung gemeinsam mit dem stellvertretenden DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks in Berlin vor. Dabei betonte er, dass im vergangenen Jahr 17.000 Betriebe auf ihre ausgeschriebenen Ausbildungsplätze überhaupt keine Bewerbung erhalten hätten; 2016 habe das für insgesamt 15.500 Unternehmen gegolten.

"Damit steht fast jeder zehnte Betrieb ohne Bewerber da", sagte der DIHK-Präsident. "Ich sehe darin eine gefährliche Entwicklung." Er warnte, Deutschland gingen die Fachkräfte aus. "Wir engagieren uns gemeinsam mit den Unternehmen für eine Trendumkehr." Es gelte, einen höheren Anteil der Schulabgänger für die Berufliche Bildung zu gewinnen.

Immerhin sei es 2017 nicht nur gelungen, trotz rückläufiger Schülerzahlen wieder mehr Ausbildungsverhältnisse zu schließen, sondern auch, mehr Studienabbrecher und mehr Abiturienten für eine duale Ausbildung zu gewinnen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Für Unternehmen wird es immer schwieriger, offene Ausbildungsplätze zu besetzen
    In mehr als jedem dritten Betrieb (34 Prozent) blieben Ausbildungsplätze unbesetzt. Damit wird es für die Unternehmen eine immer größere Herausforderung, ihre Fachkräfte über die Ausbildung von eigenem Nachwuchs zu sichern.
  • Mehr und mehr Unternehmen erhalten gar keine Bewerbungen mehr
    17.000 Unternehmen erhielten gar keine Bewerbungen mehr. Das sind noch einmal rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt bekam damit jedes vierte Unternehmen mit unbesetzten Ausbildungsstellen überhaupt keine Bewerbung. Mehr als zwei Drittel der Betriebe, die Plätze nicht besetzen konnten (70 Prozent), erhielten keine geeigneten Bewerbungen.
  • Digitalisierung schreitet voran: Wo Planbarkeit sinkt, muss die Beweglichkeit zunehmen
    Für 72 Prozent der Betriebe sind IT-Kenntnisse der Jugendlichen in Zukunft ein wichtiges Einstellungsstellungskriterium. Auch Kommunikationsfertigkeiten, strukturiertes Arbeiten und selbständiges Handeln gewinnen bei der Einstellung von Azubis an Bedeutung. Deshalb fördert bereits mehr als jeder zweite Betrieb interdisziplinäres Arbeiten, z.B. durch Azubi-Projekte.
  • Immer bessere Chancen auch für lernschwächere Jugendliche und für Flüchtlinge
    Nahezu 80 Prozent der Betriebe geben lernschwächeren Jugendlichen Ausbildungschancen. Diese Bereitschaft erfordert von den Unternehmen immer mehr eigene Nachhilfeanstrengungen, um diese Jugendlichen zum Berufsabschluss zu führen. Rund 14 Prozent der Unternehmen bilden derzeit Flüchtlinge aus und 16 Prozent bieten Angebote für Einstiegsqualifizierungen oder Praktika.
  • Mehrheit der Betriebe sind mit Berufsschulen zufrieden, Verbesserungsbedarf gibt es dennoch
    87 Prozent der Betriebe sind mit ihrem dualen Partner, den Berufsschulen, zufrieden oder sehr zufrieden. Sechs von zehn Unternehmen wünschen sich aber eine verbesserte Kommunikation zwischen Betrieb und Berufsschule. Zunehmend stufen die Unternehmen wachsende Entfernungen zwischen Betrieb und Schule als Problem ein.
  • Unklare Berufsvorstellungen bleiben größtes Ausbildungshemmnis: Berufsorientierung stärken!
    Ein Viertel aller Umfrageteilnehmer (entspricht 84 Prozent der Unternehmen, die Ausbildungshemmnisse haben), bemängeln die unklaren Vorstellungen vieler Schulabgänger über Berufsbilder und die Anforderungen an eine Ausbildung. Die Berufsorientierung muss daher ausgebaut und praxisorientierter werden, Beschäftigungsperspektiven, Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen der akademischen sowie der Beruflichen Bildung aufzeigen– insbesondere an den Gymnasien.
  • Unternehmen werben um neue Bewerbergruppen wie Studienabbrecher und schaffen neue Anreize
    Fachkräfte werden benötigt. Die Baby-Boomer-Generation nähert sich der Rente, so dass perspektivisch viele erfahrene Mitarbeiter in den Betrieben ersetzt werden müssen. Um qualifizierte Bewerber zu finden, erweitern Unternehmen ihren Suchradius. Sie werben aktiv um neue Bewerbergruppen, wie Studienabbrecher. Mit kombinierten Aus- und Weiterbildungen sowie dem Angebot von Zusatzqualifikationen oder Auslandsaufenthalten machen Betriebe auf ihre guten Perspektiven aufmerksam. 16 Prozent der Unternehmen schaffen neue materielle oder finanzielle Anreize für eigene Ausbildung. Diese „Goodies für Azubis“ können beispielsweise zusätzliche Urlaubstage, eine höhere Ausbildungsvergütung oder Unterstützung der Mobilität sein.

Weitere Informationen

DIHK-Ausbildungsumfrage 2018 PDF-Datei

Quelle: Pressemitteilung des DIHK vom 18.07.2018