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Bildungsbericht 2018 erschienen: Viele Herausforderungen für die berufliche Ausbildung

© DIPF

Der nunmehr siebte Bildungsbericht beschreibt die Gesamtentwicklung des deutschen Bildungswesens und widmet sich in seinem diesjährigen Schwerpunkt den Wirkungen und Erträgen von Bildung. Der Bericht bildet Bildungsprozesse in der Perspektive des Lebenslaufs ab und zeichnet indikatorengestützt die Leistungen der verschiedenen Bereiche des deutschen Bildungswesens nach.

Im Bereich der beruflichen Bildung konzentriert sich die aktuelle Aufmerksamkeit laut dem vorliegendem Bericht auf die Sicherung der Leistungsfähigkeit des dualen Systems und die Verbesserung der Integration bestimmter sozialer Gruppen. Mit Blick auf die Leistungsfähigkeit geraten wachsende Passungs- und Arbeitskräftesicherungsprobleme auf regionaler und berufsstruktureller Ebene in den Blick. Dazu gehören auch sich verschärfende Herausforderungen der Arbeitskräftesicherung in den personenbezogenen Dienstleistungsberufen, die durch eine wachsende Digitalisierung der Arbeitswelt verursachten Veränderungen in den beruflichen Qualifikationsprofilen sowie deren Einfluss auf Ausbildungsprozesse.

Ein wichtiges Thema ist auch die Qualität der Ausbildung vor dem Hintergrund einer großen Heterogenität betrieblicher Rahmenbedingungen und der Erschließung von Beschäftigungspotenzialen bei Personen ohne oder mit niedrigen Abschlüssen. Insbesondere könnte der Ausbildungsmarkt für Berufe mit einem erhöhten Anteil an Routinetätigkeiten durch die Digitalisierung unter Druck geraten. So ist davon auszugehen, dass stark regelgeleitete Tätigkeiten durch Algorithmen abgelöst werden und es zu Verschiebungen von Tätigkeitsprofilen hin zu nicht routinemäßigen Aufgaben kommt. Damit können Ausbildungsvoraussetzungen in den stark von diesen Entwicklungen betroffenen Ausbildungsberufen sich zu höheren Anforderungen verschieben.

Soziale Integration

Bei der sozialen Integration schreiben sich die bestehenden Herausforderungen fort. Wiederholt nennen die Autoren die unzureichende Ausbildungsintegration von Jugendlichen, die maximal über einen Hauptschulabschluss verfügen. Enorme Kraftanstrengungen werden in den nächsten Jahren zudem für die Ausbildungsintegration ausländischer Jugendlichen erforderlich sein. Dies betrifft vor allem die zwischen 2014 und 2016 zugewanderten schutz- und asylsuchenden Personen, die sich in großer Zahl aktuell noch im Übergangssektor befinden. Vor dem Hintergrund der hohen Ausbildungshürden, die ausländische Jugendliche bislang überwinden müssen, und der nach wie vor fortdauernden Anschlussschwierigkeiten nach Verlassen des Übergangssektors dürfte dies keine leichte Aufgabe werden. 

Rückzug der Betriebe aus der Ausbildung

Darüber hinaus wird ein Auseinanderdriften von Beschäftigungs- und Ausbildungsentwicklung beobachtet, welches sich nicht allein aus gestiegenen Qualifikationsanforderungen und einer Erhöhung des Qualifikationsniveaus der Beschäftigten erklären lässt. Der Abbau des Ausbildungsplatzangebots, insbesondere in den Klein- und Kleinstunternehmen und in Ostdeutschland, wird als Rückzug der Betriebe aus der Ausbildung interpretiert, welcher negative Verstärkereffekte durch den mittelfristigen Verlust an Ausbildungsinfrastruktur nach sich ziehen könnte. Dies fordert die duale Ausbildung in besonderer Weise heraus. Gehören doch kleine und mittelgroße Unternehmen zum Rückgrat der dualen Ausbildung und sind gerade sie offener für sozial benachteiligte Gruppen, da die als attraktiver geltenden Ausbildungsplätze in Großunternehmen einem stärkeren Wettbewerb von Ausbildungsinteressierten ausgesetzt sind, bei dem leistungsschwächere Jugendliche oftmals unterliegen.

Quelle: Bildungsbericht 2018, Kapitel E: Berufliche Ausbildung

Weitere Informationen

Den seit 2006 alle zwei Jahre erscheinenden Bildungsbericht hat eine unabhängige Wissenschaftlergruppe unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erarbeitet. Beteiligt sind das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie das Statistische Bundesamt (Destatis) und die Statistischen Ämter der Länder (StLÄ). Die besondere Bedeutung des indikatorengestützten Bildungsberichts liegt darin, die verschiedenen Bildungsbereiche in ihrem Zusammenhang darzustellen und übergreifende Herausforderungen im deutschen Bildungssystem sichtbar zu machen.

Download des Bildungsberichts 2018 als PDF-Datei

Kurzfassung des Bildungsberichts 2018 als PDF-Datei