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Planspiele in der Ausbildung: Spielerisch lehren und lernen im Betrieb

Planspiele
© Pro-DEENLA

Wie kann mit Planspielen eine nachhaltig ausgerichtete betriebliche Ausbildungsarbeit unterstützt werden? Diese Frage wurde mit Ausbilder/innen der Transport- und Logistikbranche am Beispiel des Pro-DEENLA-Planspiels „Kombinierter Verkehr: Transport und Logistik der Zukunft!?“ diskutiert.

Berufliches Handeln zeichnet sich zunehmend durch Komplexität aus. Vor diesem Hintergrund sind unter anderem die Fähigkeiten des systemischen, vernetzten Denkens und der Anwendung (berufs-)übergreifenden Wissens in konkreten Situationen gefordert – kurz: die Fähigkeit zur situationsgerechten Auseinandersetzung mit komplexen Zusammenhängen. So gilt es, mehrperspektivische Anforderungen der unternehmerischen Umwelt sinnvoll in Entscheidungsprozesse integrieren zu können, um konkreten beruflichen Problemstellungen kompetent begegnen zu können. Im Kontext des nachhaltig ausgerichteten Wirtschaftens verlangt dies von beruflich Lernenden, mit Widersprüchen umgehen zu können, die im beruflichen Handeln zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Anforderungen entstehen.

Die Frage, wie diese Fähigkeiten im Rahmen von betrieblichen Lernprozessen gefördert werden können, stand im Mittelpunkt des vierten Qualifizierungsworkshops des BIBB-Modellversuchs Pro-DEENLA. Gemeinsam mit Ausbilder/innen und Auszubildenden der Pro-DEENLA-Partnerbetriebe wurde diese Fragestellung am Beispiel des Pro-DEENLA-Planspiels „Kombinierter Verkehr: Transport und Logistik der Zukunft!?“ diskutiert – einer „spielerischen“ Lernaufgabe, mit der die komplexen und teils widersprüchlichen Standpunkte zur Gestaltung eines zukunftsorientierten Straßen-, Schienen- und Wasserwegenetzes simuliert werden können.

Idealtypischer Ablauf eines „Planspiels“:

  1. Einführung in das Planspiel-Szenario.
  2. Verteilung der Rollen, die im Rahmen des Planspiels eingenommen werden.
  3. Einarbeitung in das Thema des Planspiels und in die rollenspezifischen Anforderungen.
  4. Festlegung einer rollenspezifischen Argumentationsstrategie.
  5. Interaktion mit anderen Teilnehmer/innen in Form von informellen und formellen Verhandlungen.
  6. Abschluss durch Abstimmung oder Einigung zum Thema des Planspiels. Achtung: Da Planspiele ergebnisoffen gestaltet sind, ist auch ein weiterhin bestehender Diskussionsbedarf ein mögliches Ergebnis.
  7. Auswertung und Reflexion des Planspiels. In dieser Phase werden sowohl die Rollen als auch das Handeln innerhalb der Rollen reflektiert.

Konkret geht es im Rahmen des Pro-DEENLA-Planspiels „Kombinierter Verkehr: Transport und Logistik der Zukunft!?“ darum, die zukünftige Infrastrukturpolitik Deutschlands zu gestalten. Für den zukunftsorientierten Aus- und Umbau des Straßen-, Schienen- und Wasserwegenetzes hat die Bundesregierung in diesem Szenario für die nächsten fünf Jahre insgesamt 50 Mrd. Euro in zwei Fördertöpfen bereitgestellt. Der erste Fördertopf beinhaltet Mittel für den Aus- und Umbau der Infrastruktur, der zweite Fördertopf stellt finanzielle Mittel für umweltbewusste Innovationen (z.B. Verkehrsleitsysteme oder Neuentwicklungen von Antriebssystemen) zur Verfügung. Um zu entscheiden, wie das Geld verwendet wird, laden das Verkehrsministerium und das Umweltministerium verschiedene Interessengruppen der Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasser zu Anhörungen ein, in denen die einzelnen Interessengruppen Vorzüge des von ihnen vertretenen Verkehrsträgers möglichst überzeugend vortragen sollen. Durch diese Verhandlungssimulation steht im Zentrum des Planspiels somit letztlich die (selbst-)reflexive Frage, wie Transport- und Logistiknetze (der Zukunft) gestaltet sein könnten. In der individuellen Auseinandersetzung mit dieser Frage ist jeder Akteur im Rahmen des Planspiels dazu aufgefordert, sich berufsbezogene Gedanken über die Möglichkeiten der (alternativen) Gestaltung von Logistiknetzen zu machen und vor diesem Hintergrund eigene Ansichten, Meinungen, Visionen, Utopien etc. zu entwickeln sowie zu reflektieren.

In der anschließenden Reflexion der Erprobung dieses Planspiels betonten die Teilnehmer/innen des Qualifizierungsworkshops, dass Planspiele durch die Verknüpfung von betrieblichen Routinen mit (zunächst) utopischen Ideen ein großes Potenzial zur Unterstützung einer nachhaltig ausgerichteten betrieblichen Ausbildungsarbeit entfalten können. Daran anknüpfend wurde weiterhin argumentiert, dass mit Hilfe von Planspielen Räume geschaffen werden, in denen Auszubildende betriebliche Abläufe aus einer übergeordneten Perspektive reflektieren können. Daneben wurde ein weiterer Vorteil des Einsatzes von Planspielen in der betrieblichen Ausbildungsarbeit aufgezeigt. Dieser besteht darin, dass im Verlauf des Spiels mehrere Kompetenzen gleichzeitig gefördert werden. So wird nicht nur der individuelle Umgang mit Widersprüchen, sondern auch eine Kommunikations- und Beratungskompetenz zur Gestaltung von Netzwerken sowie die Fähigkeit zum konstruktiven Umgang mit Konflikten gefördert. Aufgrund dieser Rückmeldung verwundert es nicht, dass zahlreiche Ausbilder/innen angaben, das Pro-DEENLA-Planspiel „Kombinierter Verkehr: Transport und Logistik der Zukunft!?“ zukünftig im Rahmen ihrer betrieblichen Ausbildungsarbeit einsetzen zu wollen – unter anderem, um ihre Auszubildenden auf ihre Abschlussprüfungen vorzubereiten.

Das Pro-DEENLA-Planspiel „Kombinierter Verkehr: Transport und Logistik der Zukunft!?“ wird zurzeit noch in Betrieben der Transport- und Logistikbranche erprobt und kann voraussichtlich ab September 2018 auf folgender Internetseite kostenfrei heruntergeladen werden: http://bwp-schriften.univera.de

Weitere Informationen

www.leuphana.de/institute/bwp/forschung-projekte/pro-deenla-spedition-und-logistik.html