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Positionen zum Berufsbildungsbericht 2018

Kollage verschiedener Ausbildungssituationen
© Industrieblick - Fotolia.com

Mehr neu abgeschlossene Ausbildungsverträge, aber auch mehr unbesetzte Ausbildungsstellen: das sind Kernergebnisse des Berufsbildungsberichts 2018. Erfreulich für Jugendliche: Ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben sich vergrößert. Foraus.de hat Einschätzungen und Stellungnahmen zum Berufsbildungsbericht 2018 gesammelt.

Stellungnahme des BIBB-Hauptausschusses 

Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat die gesetzliche Aufgabe, die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Berufsbildung zu beraten. Dazu gehört laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) auch die Stellungnahme zum Entwurf des jährlichen Berufsbildungsberichts. Der Ausschuss ist zu gleichen Teilen mit Vertretern von Bund, Ländern sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen besetzt.

Der Hauptausschuss hat auf seiner Sitzung am 15. März 2018 in Bonn den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgelegten Entwurf des Berufsbildungsberichts 2018 beraten und eine Stellungnahme zum Entwurf des Berichts verabschiedet. Darin heißt es, der Berufsbildungsbericht zeige sowohl leichte Erfolge als auch einige Problemfelder und die noch immer vorhandenen Aufgaben für alle Beteiligten auf dem Ausbildungsmarkt.

Ausführliche Stellungnahme des BIBB-Hauptausschusses 

Bundesvereinigung der Arbeitgeber (BDA): Wir brauchen praxisorientierte Berufsorientierung an den Schulen

Zum Berufsbildungsbericht 2018 erklärt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer: Über die Hälfte der Vertragslösungen sind keine endgültigen Ausbildungsabbrüche, sondern gehen mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebes oder des Ausbildungsberufs einher. Die Auszubildenden verbleiben also weiter im Qualifizierungsprozess als berufliche Fachkräfte.

Die Abbruchquote liegt somit mit rund 12 Prozent deutlich niedriger als im Hochschulbereich mit 29 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Quote um einen Prozentpunkt gestiegen. Dies hat auch mit der guten Lage auf dem Ausbildungsmarkt zu tun: Bei einem größeren Angebot an Ausbildungsstellen lösen junge Menschen eher den Ausbildungsvertrag und wechseln in ein anderes Ausbildungsverhältnis.

Pressemitteilung mit der Position des BDA

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB): Brauchen deutlich mehr Maßnahmen gegen Ausbildungslosigkeit

Zum Berufsbildungsbericht 2018 sagte Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende am 18. April 2018  in Berlin: „Die Spannungen auf dem Ausbildungsmarkt bleiben bestehen, denn alle Jugendlichen, die in Ersatzmaßnahmen oder Bewerbungstrainings fest hängen, werden als versorgt gezählt. Vor allem Wohnort, Schulabschluss und Staatsangehörigkeit entscheiden über die Ausbildungschancen junger Menschen.

Migranten und Hauptschüler haben oft schlechte Chancen auf eine Ausbildung. Die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss ist auf 2,13 Millionen gestiegen – ein Plus von 180.000 im Vergleich zum Vorjahr. Diesen Jugendlichen droht ein Leben in prekärer Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit. Die sozialen Spannungen werden weiter wachsen, wenn immer mehr Jugendliche keinen Ausbildungsplatz finden.

Pressemitteilung mit der Einschätzung des DGB

Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK): Duale Ausbildung wieder im Trend

Mit einem Minus von 33.100 ist die Zahl der Schulabgänger 2017 deutlich gesunken. Dennoch konnte immerhin die Zahl der Jugendlichen stabil gehalten werden, die sich um einen Ausbildungsplatz bewarben; darauf hat jetzt Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), hingewiesen. 

Mit Blick auf den Berufsbildungsbericht 2018 betonte Wansleben gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung", das Werben der Unternehmen sei noch nie so groß gewesen: Blogs, Online-Werbung, Azubi-Speed-Datings oder gute inhaltliche Angebote trügen "erste Früchte". Das Interesse an einer dualen Ausbildung nehme wieder zu, sagte er.

Pressemitteilung mit der Position des DIHK

WAP - Das Berufsbildungsportal der IG Metall: Wer qualifizierte Fachkräfte will, muss gut ausbilden, faire Löhne zahlen und Aufstiegschancen eröffnen

Die gute Botschaft, es gibt erstmals seit Jahren ein leichtes Plus von 4.689 betrieblichen Ausbildungsverträgen, überwiegend im Handwerk. Im Bereich Industrie und Handel gab es keine Zugewinne. Gleichzeitig bleiben aber erneut viele Jugendliche ohne Ausbildung, rund 300.000 Jugendliche befinden sich im Übergangsbereich. Auch die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe geht weiter zurück.

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, sagt anlässlich der Veröffentlichung des Berichtes: "Die Situation ist geradezu paradox: Einerseits dominiert die Sorge um Fachkräfte die Debatte. Anderseits stagniert in den Metall- und Elektroberufen die duale Berufsausbildung. Das ist inakzeptabel! Nicht jammern, machen - lautet die Botschaft an die Unternehmen. Wer qualifizierte Fachkräfte will, muss gut ausbilden, faire Löhne zahlen und Aufstiegschancen eröffnen. Bei allem ist noch Luft nach oben."

Webseite der IG-Metall zum Berufsbildungsbericht

Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): Handwerk zum Berufsbildungsbericht 2018

Zum Berufsbildungsbericht 2018 erklärt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): „Der Berufsbildungsbericht weist aus: Der bereits seit 2015 zu beobachtende leichte Positivtrend bei den neuen Ausbildungsverträgen im Handwerk hat sich 2017 nicht nur verfestigt, sondern verstärkt. Das zeigt: Berufliche Bildung und Handwerk gehören weiter untrennbar zusammen. Das gilt gerade auch in Zeiten von demografischem Wandel, Globalisierung und Digitalisierung.

Allerdings blieben abermals viele Ausbildungsstellen unbesetzt – allein im Handwerk knapp 15.300. Wenn ausbildungswillige Betriebe aufgrund ausbleibender Bewerbungen nicht ausbilden können, ist das ein Alarmsignal. Der in vielen Gewerken bereits jetzt spürbare Fachkräftemangel verschärft sich, wenn der Fachkräftenachwuchs ausbleibt. Daher beobachten wir die rückläufige Ausbildungsbetriebsquote mit Sorge."

Pressemitteilung mit der Stellungnahme des ZDH