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Kooperation als Erfolgsfaktor bei der Entwicklung computerbasierter Lernaufgaben

Hände stapeln Bauklötze
© Gajus - Fotolia.com

Nachhaltigkeitsbezogene Lernaufgaben für Auszubildende sollen einen Bezug zu betrieblichen Handlungssituationen, den Lernvoraussetzungen sowie den institutionellen Rahmenbedingungen aufweisen. Der Austausch mit Betrieben und Berufsschulen ist für die Entwickler/-innen der Lernaufgaben sehr wichtig.

Das InnoLA-Projekt zielt darauf ab, ein computerbasiertes Lern- und Assessmentmodul für kaufmännisches Ausbildungspersonal und Auszubildende zu konzipieren. Inhaltlich stehen nachhaltigkeitsbezogene Fragestellungen im Bereich von Spedition und Logistik im Vordergrund, aber auch berufsübergreifend relevante kaufmännische Handlungsfelder wie nachhaltige Beschaffungs- und Absatzprozesse sind Gegenstand der Module. Nach dem Einsatz des Tools im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen wird das Modul den teilnehmenden sowie weiteren interessierten Betrieben und Berufsschulen zu Aus- und Weiterbildungszwecken zur Verfügung gestellt. Die systematische Ausrichtung auf relevante kaufmännische Tätigkeitsbereiche lässt vielfältige Adaptionsmöglichkeiten zu, um das Modul auf die spezifischen Belange und Anforderungen der jeweiligen Lerngruppen anzupassen und zu aktualisieren.

Für die Konzeption der Aufgaben wird auf die Expertise und die Erfahrung der Ausbildungsbetriebe sowie der Schulen zurückgegriffen. So wurden in einem ersten Schritt im Rahmen eines Workshops und mit Hilfe von betrieblichen Interviews Ideen für nachhaltigkeitsbezogene Problemstellungen in der betrieblichen Praxis gesammelt, aus denen anschließend computerbasierte Lernaufgaben konzipiert wurden. Um diese zunächst mit Auszubildenden unterschiedlicher Betriebszugehörigkeit zu erproben, wurden Teilmodule im Unterricht von Industriekaufleuten und Kaufleuten für Spedition und Logistikdienstleistung an Berufsschulen eingesetzt. Auf Grundlage des Feedbacks von Auszubildenden, Lehrpersonen sowie Ausbildungsexperten aus Betrieben wurden die Aufgaben anschließend weiterentwickelt.

Die Erfahrungen bestätigen, dass die Entwicklung und Erprobung authentischer Lernsituationen, die der Komplexität der Inhaltsbereiche gerecht werden, von einem fachbezogenen wie auch fachdidaktischen Feedback von Ausbildungsexpertisen und Lehrenden profitiert und auf diese Weise wertvolle Hinweise für Optimierungsmöglichkeiten in die Fertigstellung des Lern- und Assessmentmoduls einfließen können. Als besonders anspruchsvoll erwies sich die Modellierung von Situationen und Aufgaben im Bereich sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit, während Fragen der ökonomischen Nachhaltigkeit bereits zum festen Bestandteil der Ausbildungsinhalte gehören. Die Auseinandersetzung mit Fragen sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit erfordert allerdings diskursive Elemente, die Lern- und Assessmentmodule auf technologiegestützten Plattformen vor besondere Herausforderungen stellen. Eine weitere Herausforderung stellt das Eingehen auf das Vorwissen der Auszubildenden dar. Da Nachhaltigkeitsfragen für die Auszubildenden bisher, wenn überhaupt, dann eher im privaten Bereich über Medien, in Gesprächen im Freundes- und Familienkreis erörtert wurden, stellt die Passung zum Vorwissen und die Modellierung eines angemessenen Anforderungsniveaus eine besondere Herausforderung dar. Auf berufsschulischer Seite zeigt sich bisher nur eine marginale Thematisierung von Nachhaltigkeitsaspekten und auf betrieblicher Seite eine hohe Heterogenität in Bezug auf die Verankerung von Nachhaltigkeitsthemen.

Mit der Pilotierung einer Vorversion der Aufgaben konnten zudem die Reaktion der Auszubildenden unter motivationaler und lerntheoretischer Perspektive sowie die technische Umsetzung kritisch reflektiert werden. Dabei bestätigt sich, dass textbasierte und audiovisuelle Medien in einem ausgewogenen Verhältnis und einer angemessenen Sequenzierung zu integrieren sind, um die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Außerdem wurde deutlich, dass eine stärkere Verknüpfung von selbstorganisierten IT-basierten und ausbilder- bzw. lehrergesteuerten Phasen wünschenswert ist.

Insofern lieferte diese erste Erprobung an verschiedenen Schulen und Klassen wichtige Hinweise für die im Februar anstehende Finalisierung des Lern- und Assessmentmoduls und für dessen breiten Einsatz im Frühjahr im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen mit betrieblichen Ausbilderinnen und Ausbildern sowie mit Lehrkräften.

InnoLA ist ein vom BIBB aus Mitteln des BMBF geförderter Modellversuch im Rahmen des Förderschwerpunkts „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015-2019“.

Weitere Informationen

www.uni-goettingen.de/InnoLA