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Durch kooperatives Lernen die Nachhaltigkeit im Einzelhandel fördern

Verkäuferin und Verkäufer
© Burlingham - Fotolia.com

Im Projekt FOENAKO entwickelt und erprobt das Bildungspersonal lernortkooperative Lehr-/Lernarrangements zur Förderung nachhaltigen Denkens und Handelns bei Auszubildenden in kaufmännischen Berufen. Handlungs- und kompetenzorientierte Lernsituationen werden als wesentliche Planungsgrundlage angesehen.

Zur Förderung umfassender beruflicher Handlungskompetenzen ist in der dualen Berufsausbildung ein kooperatives Lernen in Lernsituationen (= situiertes Lernen) erfolgversprechend. Die Entwicklung und Vereinbarung kompetenzorientierter Lernsituationen bzw. die damit verbundenen Lern- und Arbeitsaufträge stellen heute eine wichtige abgestimmte Planungsgrundlage und Orientierung für das Bildungspersonal (Lehrkräfte, Ausbilder/-innen) dar. Sie ermöglichen es, insbesondere auch Lehr-/Lernarrangements im Rahmen einer Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung gemeinsam erfolgreich zu organisieren und durchzuführen sowie einen ganzheitlichen Kompetenzerwerb im Prozess der vollständigen Handlung zu verankern.

Um Kompetenzentwicklungs- und Diagnoseprozesse im Rahmen der dualen Berufsausbildung effizient zu gestalten, werden Lernsituationen im Bildungspersonal-Team (zusammengesetzt aus beruflichen Lehrkräften und beteiligten Ausbildern) entwickelt und lernortkooperativ eingesetzt. Ausgehend von einer komplexen Situationsbeschreibung und daraus abgeleiteten Lern- und Arbeitsaufträgen werden an verschiedenen Lernorten gemeinsame Handlungsprodukte (Lernergebnisse) realisiert, so dass am Ende eine differenzierte Diagnose und Kompetenzbilanzierung möglich ist. Im Rahmen von FOENAKO ist dabei die integrierte Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie, Gesundheit und Soziales sowie weitere Dimensionen wie etwa Globalisierung eingefordert.

Entwicklungsphase der ausgewählten Lernsituation und Vereinbarungen

Für Lehrkräfte und Ausbilder/-innen stellt die Entwicklung geeigneter Lernsituationen eine besondere Herausforderung dar. Das Bildungspersonal ist daher zu befähigen, kompetenzorientierte Lernsituationen zu entwickeln, die es ermöglichen,

  • ausgehend von einer komplexen, praxisnahen Situationsbeschreibung und
  • daraus abgeleiteten Lern- und Arbeitsaufträgen
  • in kooperativen Lehr-/Lernarrangements gemeinsame Handlungsprodukte (Lernergebnisse)
    zu realisieren.

Dabei wird gerade im Rahmen dualer Berufsausbildung auch angestrebt, die Durchführung der Lehr-/Lernprozesse nach dem Prozess der vollständigen Handlung zu organisieren und möglichst auch verschiedene Lernorte an der Entwicklung und Umsetzung zu beteiligen. Deshalb sollte die Entwicklungsarbeit im Team geleistet werden, um so einen abgestimmten und gemeinsam akzeptierten Rahmen für alle an der Ausbildung beteiligten Akteure zu gewährleisten.

Die Positionierung im Projekt FOENAKO:

Kompetenzorientierte Lernsituationen sind aus Ordnungsmitteln sowie der beruflichen Wirklichkeit abgeleitete Handlungssituationen. Sie sollen einen ganzheitlichen Kompetenzerwerb durch das Bearbeiten und Lösen von Aufgaben im Prozess der vollständigen Handlung ermöglichen und dienen als Planungswerkzeug für die Umsetzung von beruflichen Lehr-/Lernarrangements.

Ausgangspunkt für die Entwicklung ist die Entscheidung, welches Thema Gegenstand der Lernsituationsplanung sein soll und wie diese praktisch in Lernortkooperation bearbeitet werden kann.
Ausgehend von den lernfeldstrukturierten Lehrplänen sowie den Ausbildungsordnungen werden

  • die Lernfelder der Lehrpläne im Hinblick auf notwendige Nachhaltigkeitsdimensionen sowie
  • die Kapitel der Ausbildungsordnungen auf Nachhaltigkeits-Herausforderungen hin analysiert

Darauf folgen Entscheidungen für mögliche Integrationen sowie Abstimmungen zur Umsetzung in Lernortkooperation.

Bezüglich der Abstimmungen wurden im Vorfeld typische Beteiligungsmöglichkeiten der betrieblichen Partner im Projekt FOENAKO angeboten und im Projektverlauf – je nach Problemstellung der Lernsituation und dem gewählten methodisch-didaktischen Vorgehen – unterschiedlich realisiert:

  • Unterrichtsmaterialien aus der betrieblichen Praxis zur Verfügung stellen, z.B. interne Mitarbeiterzeitung „Turn green“ (Saturn)
  • Interviews mit Führungskräften / Fachkräften / Experten / direkt Betroffenen
  • Analyse von Green Building (REWE Flammuth)
  • Wettbewerbsbeitrag für die Nachhaltigkeitsmesse des Unternehmens
  • Social Media und Nachhaltigkeit
  • Aufklärungsgespräche vor Ort: zum Beispiel Besuch und Befragung eines „NH-Botschafters“ (REWE), Filme/Videos erstellen durch Azubis
  • Unternehmensbesuche – Supermarkt, Logistik, Lieferanten
  • Gemeinsame Begutachtung von Arbeitsergebnissen
  • Lernsituationen auf Praxistauglichkeit prüfen
  • Materialien zur Rückverfolgbarkeit von Produkten (Unternehmenswebsite) bereitstellen

Teilschritte zur Generierung und Dokumentation einer lernortübergreifenden FOENAKO-Lernsituation

Für die stufenweise Entwicklung und Dokumentation einer kompetenzorientierten Lernsituation durchlaufen die Entwicklerteams im Regelfall die folgenden fünf Prozessschritte:

  • Prozessschritt 1: Lernsituationen sind im Rahmen der didaktischen Jahresplanung bzw. des jeweiligen Lernfeldes festzulegen und die Einordnung ist entsprechend zu dokumentieren (unter Abstimmung mit betrieblichen Ausbildungsplänen).
  • Prozessschritt 2: Ausgangs-/Handlungssituationen sind unter Beachtung der ausgewählten Inhalte, der möglichen Nachhaltigkeitsfokussierung (nachhaltiges Wirtschaften, nachhaltiges Denken und Handeln) sowie der angestrebten Kompetenzen zu beschreiben.
  • Prozessschritt 3: Aufgaben / Arbeits- bzw. Projektaufträge, die von den Auszubildenden zu bearbeiten sind, sind unter „Rückgriff“ auf das Konstrukt der vollständigen Handlung zu formulieren. Dabei erfolgt dann eine konkrete Prüfung, an welchem Lernort diese Aufgaben/Arbeits- und Projektaufträge zweckmäßigerweise bearbeitet werden können.
  • Prozessschritt 4: Handlungsprodukte (mögliche Lernergebnisse) sind mit Bezug auf die formulierten Aufgaben / Arbeits- bzw. Projektaufträgen zuzuordnen und zu skizzieren.
  • Prozessschritt 5: Kompetenzerwartungen müssen (unter Beachtung der fachlichen Inhalte sowie der Zielsetzungen einer Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung) präzisiert werden.

Ein Beispielergebnis für die Prozessschritte 3 und 4 zeigt die folgende Tabelle:

Phasen 

Lernsituation: Unternehmensleitbild nachhaltig ausrichten und strategische Unternehmensziele vereinbaren

(Handlungsphasen und Handlungsprodukte – orientiert am Prozess der vollständigen Handlung)

 [1]

Informieren/Wahrnehmen

Informieren Sie sich zum Leitbild Ihres Ausbildungsunternehmens und recherchieren Sie ergänzend Good Practice Lösungen für Unternehmensleitbilder von Unternehmen, die im gleichen Geschäftsfeld tätig sind wie Ihr Ausbildungsbetrieb.

     Handlungsprodukte
Sammeln Sie wichtige Dokumente aus Ihrem Unternehmen
(Erkundung im eigenen Unternehmen), die Grundaussagen enthalten, wie sich das Unternehmen am Markt gegenüber den Kunden präsentieren möchte!
Übersichtsliste zu den gesammelten Dokumenten
Recherchieren Sie im Internet nach Leitbildern von Einzelhandelsunternehmen, die mit Ihrem Ausbildungsunternehmen vergleichbar sind! Übersicht zu den Unternehmen
  Nehmen Sie Ihr Unternehmen im Vergleich zu dem Leitbild eines weiteren Unternehmens und erstellen Sie eine vergleichende Übersicht nach folgenden Kriterien: Wirtschaftlichkeitsorientierung, ökologische Ausrichtung, soziale Ausrichtung, gesellschaftliche Verantwortung Vergleichende Darstellung
 [2]

Planung

Analysieren Sie die ausgewählten Leitbilder unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und entwickeln Sie darauf bezogen einen strategischen Zielkatalog!

Analysieren Sie das Leitbild des ausgewählten Unternehmens und leiten Sie daraus konkrete Zielformulierungen ab! Mindmap der Zielsetzungen
Systematisieren Sie Zielsetzungen nach einem vorgegebenen Cluster (nach Balanced Scorecard) Zielkatalog (nach der Balanced Scorecard)
Formulieren Sie ein beispielhaftes Leitbild! Muster eines Leitbildes für ein Einzelhandelsunternehmen
[3]

Entscheiden

Stellen Sie das formulierte (optimierte) Leitbild und die dazu formulierten strategischen Zielsetzungen in einer Präsentation vor!

Erstellen Sie eine Präsentation zu dem entwickelten Leitbild und halten Sie diese in der Gesamtgruppe! Präsentation des Leitbildes
Nehmen Sie den erarbeiteten Zielkatalog, gewichten Sie die Ziele und stellen Sie Ihre Zielentscheidungen dar! Präsentation des gewichteten Zielkataloges
 [4]

Durchführung

Mit Betriebsbezug: Führen sie eine Betriebsanalyse durch, indem Sie erkunden, inwiefern das formulierte Leitbild tatsächlich „gelebt“ wird!

Bereiten Sie die Betriebserkundung vor, indem Sie einen Beobachtungsbogen entwickeln! Beobachtungsbogen
Bereiten Sie ein Interview mit dem Leiter des „Supermarktes“ vor! Interviewleitfaden
 [5]

Kontrolle

Werten Sie die Ergebnisse der Betriebserkundung aus, und diskutieren Sie diese in der Gruppe!

  Erstellen Sie eine Auswertungsübersicht zu den Ergebnissen der Betriebserkundung!! Stärken-/Schwächenübersicht / ggf. Risiken/Chancen
[6]

Auswertung

Bewerten Sie den Prozess zur Lösung und das Ergebnis des Arbeitsauftrages!

Bewerten Sie das eigene Vorgehen (Feedbackrunde)! Dokumentation der Feedbackdaten
Vergleichen/beurteilen Sie die Ergebnisse der verschiedenen Gruppen (z. B. mit Hilfe des Lösungsraumes) Kriterielle Bewertung der Gruppenergebnisse (Handlungsprodukte)

 

Die Tabelle macht deutlich, dass die Lernorte für die Durchführung der projektförmigen Lernsituation einen differenzierten und unterschiedlichen Beitrag leisten können.

Lehr-/Lernarrangements zur Nachhaltigkeitsbildung in der dualen Berufsausbildung realisieren

Auf Basis entwickelter und dokumentierter Lernsituationen erfolgt dann die notwendige Einsatzplanung und Durchführung in lernortkooperativen Lehr-/Lernarrangements durch das Bildungspersonal.
Die Idee „Lernen in lernortkooperativen Lehr-/Lernarrangements“ soll einen ganzheitlichen Kompetenzerwerb

  • durch das Bearbeiten und Lösen von Aufgaben an verschiedenen Lernorten (Lern-/Arbeitsaufträgen zu Lernsituationen)
  • im Prozess der vollständigen (Lern- und Arbeits-) Handlung
  • in authentischen Handlungssituationen (der beruflichen Wirklichkeit)

ermöglichen.

Im Hinblick auf die erwarteten Lernergebnisse (Handlungsprodukte), die einzusetzenden (vorzubereitenden) Methoden und Medien wird aufgezeigt, wie die erarbeiteten Handlungsprodukte durch die Auszubildenden (Lernergebnisse) in geeigneter Weise dokumentiert werden. Außerdem werden ausgewählte Lernmedien dokumentiert und Instrumente zur Evaluation der eingesetzten Lernsituationen bereitgestellt und angewandt.

Eine Zusammenfassung zeigt die Abbildung „Nachhaltigkeitsförderung in lernortkooperativen Lehr-/Lernarrangements umsetzen– FOENAKO-Konzepte“:

Abbildung „Nachhaltigkeitsförderung in lernortkooperativen Lehr-/Lernarrangements umsetzen– FOENAKO-Konzepte“

Weitere Informationen

Webseite: www.handle-nachhaltig.de
Youtube-Channel „Handle-nachhaltig“