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Die ÜBS nachhaltig gestalten: Ergebnisse einer Umfrage im Ausbau-Handwerk

zwei Stuckateure bei der Arebit
© Stuckateurverband Ausbau und Fassade

Die ÜBS zum nachhaltigen Lernort entwickeln - das ist Ziel vom Modellversuch Q_EN_POLIS. Dies gelingt nur, wenn sich Auszubildende, Teilnehmende und Betriebe in die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung einbringen können. Der Beitrag stellt Ergebnisse einer Online-Befragung im Ausbau-Handwerk dar.

Unser Ziel ist es, Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung zu verankern und dafür die sozialen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen. Dafür wollen wir den Innovationstransfer in unseren Bildungseinrichtungen zum Regelprozess machen und die Lern- und Führungskultur verändern. An diesem Veränderungsprozess werden sämtliche Akteure und Interessensgruppen beteiligt sowie deren Selbstmotivation, die Lernkultur an den Bildungseinrichtungen mit zu fördern und neu zu gestalten, gestärkt. Die künftigen Anforderungen an Fach- und Führungskräfte sind nicht nur technologischer Art, z.B. bzgl. innovativer Energieeffizienztechniken, sondern auch im sozialen Kontext im Team zu kooperieren sowie Teams im Dialog zu führen.

Im Rahmen des Projektes Q_EN_POLIS hat die InterVal GmbH in enger Zusammenarbeit mit der Berufsförderungsgesellschaft des baden-württembergischen Stuckateurhandwerks mbH eine Online-Befragung von Auszubildenden, Teilnehmenden der Meistervorbereitung sowie angehenden AusbaumanagerInnen durchgeführt und ausgewertet. Ziel der Befragung war es, auch die Teilnehmenden der Aus- und Weiterbildung an der Entwicklung unserer Ausbildungsstätte zu einem nachhaltigen Lernort zu beteiligen sowie Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie die Befragten die aktuelle Lehr-Lern-Situation des Kompetenzzentrums für Ausbau und Fassade in Rutesheim und der überbetrieblichen Bildungsstätte Leonberg bewerten und inwiefern sie bereits heute ein Verständnis vom Begriff der Nachhaltigkeit haben.
Die Fragebogenentwicklung erfolgte auf Basis unseres Nachhaltigkeitsleitbildes für die Bildungseinrichtungen, das im Zuge von Q_EN_POLIS und unter Mitwirkung sämtlicher Interessensgruppen in verschiedenen Workshops (Führungskräfte, Ausbilder/innen, Mitarbeiter/innen sowie Unternehmer/innen und Prüfungsausschuss) gemeinsam erarbeitet wurde. Von Mai bis Juli 2017 konnten Interessierte die Befragung ausfüllen.

Die Teilnehmenden der Online-Befragung wurden zunächst zu ihren persönlichen Präferenzen an eine überbetriebliche Ausbildungsstätte bzgl. der Leitbildkriterien befragt.

Insgesamt wurden die Items sehr positiv, mehrheitlich von 70 Prozent der Befragten als sehr wichtig und wichtig bewertet. Die größte Relevanz für die Befragten hat, dass sich Lehrende und Ausbilder auf dem neusten technischen und pädagogischen Stand halten (90 % sehr wichtig und wichtig).
Vergleichsweise weniger relevant: Das Einbringen der eigenen Meinung in die Bildungsstätte als auch die Verwendung digitaler Technik zur Vor- und Nachbereitung (62 % bzw. 54 % sehr wichtig und wichtig).

Im zweiten Teil der Befragung bewerteten die Befragten die aktuelle Situation im Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade Rutesheim und der überbetrieblichen Bildungsstätte Leonberg:

Die Bewertungen zeigen ein differenziertes Bild, für sechs der insgesamt 14 Items hat mehr als die Hälfte der Befragten die Noten 1 und 2 vergeben. Gut benotet wurde der wertschätzende Umgang zwischen den Lehrenden und Lernenden (66,3 % Note 1 u. 2), die Anleitung zum selbständigen Lernen und Arbeiten (64,3 % Note 1 u. 2) und dass sich die Lehrenden und Ausbilder/innen sich auf dem neuesten Wissensstand (64,2 % Note 1 u. 2) halten. Eher schlecht benotet wurden die Anregung für Betriebe bzgl. technischer Neuerung und neuen gesetzlichen Vorgaben (29,5 % Note 4, 5 u. 6) sowie die Verwendung digitaler Technik zur Vor- und Nachbereitung (49,5 % Note 4, 5 u. 6).


Am Ende der Befragung konnten die Teilnehmenden Angaben zu ihren Vorstellungen zu einer nachhaltigen Bildungsstätte ausführen. Die Teilnehmer erwarten von einer nachhaltigen Ausbildungsstätte insbesondere eine praxisnahe Ausbildung:

„Nachhaltige Bildungsstätte soll meiner Meinung bedeuten, dass wir auf spätere Situationen vorbereitet werden und das wir das beigebrachte Wissen lange behalten und auch weiterentwickeln können.“

Die Teilnehmer verbinden mit der Nachhaltigkeit der Bildungsstätte auch die Beachtung ökologischer Aspekte und die Nutzung moderner Ausstattung.

Insgesamt kann das Ergebnis der Befragung als sehr positiv bewertet werden. Es zeigt, dass die gemeinsam erarbeiteten Nachhaltigkeitsbereiche in unserem Leitbild von Auszubildenden, Teilnehmenden der Meistervorbereitung sowie AusbaumanagerInnen maximale Zustimmung erfahren und als persönlich bedeutsam empfunden werden, dass demnach der von uns eingeschlagene Weg und unsere Entwicklungsstrategie in die gemeinsam getragene und verantwortete Richtung gehen. Dass die aktuelle Situation in den Bildungsstätten dem noch nicht in Gänze gerecht wird, zeigt uns den konkreten Entwicklungsbedarf unserer Aus- und Weiterbildung in Richtung Nachhaltigkeit.

Mit dem Projekt Q_EN_POLIS (Qualitätsindikatoren für die Organisationsentwicklung einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte im Ausbaugewerbe des Handwerks), ein vom BIBB aus Mitteln des BMBF geförderter Modellversuch, wollen wir unser Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade in Rutesheim und unsere überbetriebliche Bildungsstätte Leonberg zu einem nachhaltigen Lernort entwickeln. Das Projekt wird von der Berufsförderungsgesellschaft des baden-württembergischen Stuckateurhandwerks mbH geleitet und von der InterVal GmbH, Berlin wissenschaftlich beraten.

Weitere Informationen

www.stuck-komzet.de/q_en_polis