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Teil 2: Gelingendes Zusammenwirken verschiedener Lernorte in der Praxis

Ausbilder mit zwei Auszubildenden
© auremar - fotolia.com

Zwischen den einzelnen Lernorten bestehen unterschiedliche systemspezifische Rahmenbedingungen und Ziele, die es bei einer erfolgreichen Kooperation zu berücksichtigen gilt. Während die betriebliche Ausbildung von betriebswirtschaftlichen Erwägungen und den Rahmenbedingungen des Fertigungsprozesses geprägt ist, stehen in der Berufsschule der berufstheoretische Teil der Ausbildung sowie die Vermittlung allgemeiner Lerninhalte und die Reflexion über Arbeit und Beruf im Mittelpunkt. Deshalb sind sinnvolle Kooperationsbeziehungen zu etablieren. Der Aufbau einer nachhaltig angelegten Kooperation ist ein längerfristiger und schrittweiser Prozess, der viel Eigeninitiative, Fingerspitzengefühl und Geduld der Akteure voraussetzt.

Folgende Leitfragen sollten im Vorfeld abgeklärt werden:

  • Wer sind die Lernortpartner des Betriebes und welche Aufgaben übernehmen sie?
  • Gibt es in dem Betrieb Vereinbarungen dazu, wie die Zusammenarbeit der Lernorte gestaltet wird?
  • Wird die Zusammenarbeit zwischen den Lernorten regelmäßig auf den Prüfstand gestellt und verbessert?
Zwei Männer bei einer Besprechung
© auremar - Fotolia.com

Für die Initiierung der Lernortkooperation schlägt der ehemalige BIBB-Präsident Hermann Schmidt ein Vorgehen in drei Schritten vor:1

1. Gegenseitige Information über die Ausbildungsplanung und -durchführung

Dazu zählen zu Beginn der Austausch schriftlicher Informationen und die Einrichtung eines Verteilers, möglicherweise auch per E-Mail oder Cloud, der Planungen für alle Kooperationspartner verfügbar macht. Zusätzlich sollten regelmäßige Treffen der Ausbildungsbeteiligten eingerichtet werden, bei denen im persönlichen Kontakt Probleme und Ideen, Erfahrungen und Maßnahmen ausgetauscht werden. Sie können die Basis für eine weitergehende Vertiefung der Kooperation schaffen.

2. Gemeinsame Planung der Ausbildung

Eine Parallelität der Ausbildung zwischen Berufsschule und Betrieb ist zwar in der Regel nicht realisierbar, wohl aber eine Arbeitsteilung. Ist ein Betrieb allein nicht in der Lage, die in der Ausbildungsordnung eines bestimmten Berufes genannten Ziele und Inhalte vollständig zu vermitteln, muss er die von ihm selbst nicht zu leistenden Ausbildungsinhalte nach dem BBiG in einer externen Einrichtung vermitteln lassen2. Das kann eine überbetriebliche Ausbildungsstätte, aber auch eine Berufsschule sein. Durch eine gemeinsam geplante, arbeitsteilige Ausbildung kann auch die Berufsschule in einem bestimmten Umfang Ausbildungsabschnitte des betrieblichen Ausbildungsplans übernehmen. Beispiele hierfür sind die Einführung in die Datenverarbeitung, Büroorganisation, Buchhaltung oder auch die Schulung in der Smart Factory.

3. Zusammenarbeit in der Durchführung der Ausbildung

Auf der höchsten Stufe der Lernortkooperation zwischen Betrieb und Berufsschule planen die Partner gemeinsam alle Phasen der Berufsausbildung, von der Auswahl der Bewerber bis zum Abschluss der Kammerprüfung. Dazu gehören neben der inhaltlichen und methodischen Abstimmung sowie der Planung der Ausbildungsthemen die gemeinsame Weiterbildung für Ausbilder und Lehrer und die Durchführung gemeinsamer lernortübergreifender Vorhaben und Projekte.

Wenn der Handlungsbedarf zwischen den Kooperationspartnern festgestellt ist, sollten

  • Schwerpunkte für die Lernortkooperation gesetzt,
  • der Stand der Lernortkooperation festgestellt und Entscheidungen vorbereitet sowie
  • Maßnahmen geplant und umgesetzt werden.

Die Schwerpunkte können je nach Branche, betrieblichen Voraussetzungen und Gestaltung der Ausbildungsorganisation variieren. Konstitutiv für eine erfolgreiche Lernortkooperation sind gemeinsame Arbeitstreffen (heute auch in virtuellen Räumen möglich), eine wiederkehrende Praxisbegleitung und -beratung, möglichst ein Kooperationsvertrag und Austauschstrategien mit Blick auf die Planung der Kommunikation.

Kommunikation in der Lernortkooperation (Handreichung)

„Q³ – Qualitätszirkel zur Entwicklung eines gemeinsamen Qualitätsbewusstseins sowie Erarbeitung von Qualitätsstandards zwischen allen Akteuren der beruflichen Bildung“

Die Handreichung wurde im Rahmen der BIBB-Modellversuche „Qualitätsentwicklung und -sicherung in der beruflichen Bildung“ erarbeitet. Sie enthält einzelne Bausteine, die einen Orientierungsrahmen bieten, um das kontinuierliche Zusammenwirken der Lernorte zu gewährleisten. Dazu zählen z. B. ein Kooperationsvertrag, ein Kommunikationsplan, eine Kontaktdatenliste, eine Lernfeldplanung und eine Notenübersicht bis hin zu einer Checkliste zur Verankerung der Lernortkooperation in der Aufgabenbeschreibung eines Ausbilders.

Weitere Informationen und Download der Handreichung

Lernortkooperation mit der Berufsschule

Beispiel: Karl-Arnold-Schule in Biberach

Lernortkooperation ist ein fester Bestandteil der Berufsausbildung der Karl-Arnold-Schule in Biberach und hat schon seit 1996 Tradition. Sie wird gefestigt durch persönliche Gesprächsanlässe mit den Ausbilderinnen und Ausbildern in den Betrieben, die zu jährlichen Ausbildernachmittagen oder Abschlussveranstaltungen eines LOK-Projekts stattfinden. Gemeinsam besuchte Seminare, die Mitarbeit in den Prüfungsausschüssen und die Teilnahme am Ausbilderarbeitskreis bieten weitere Gelegenheit, sich über einzelne Auszubildende wie auch über die Planung gemeinsamer Unterrichtsvorhaben auszutauschen.

Die Karl-Arnold-Schule in Biberach informiert auf ihrer Internetseite über ihre Projektplanung und formuliert ihre Ziele in Bezug auf die Lernortkooperation. Weiterhin finden Sie hier auch eine Checkliste für die Planung und Umsetzung von lernortübergreifenden Projekten.

KAS: Lernortkooperation

KAS Logo

Aktive Lernortkooperation findet in der Durchführung von gemeinsamen Projekten statt. Während der Ausbildung werden Werkstücke als Ausbildungsprojekte in allen beteiligten Ausbildungsbetrieben gefertigt, um lehrplanbezogene Lerninhalte zu erarbeiten. Unterricht und Ausbildung werden dabei aufeinander abgestimmt. In der Berufsschule werden die theoretischen Grundlagen vermittelt und anschließend im Betrieb praktisch angewandt.

Verbundausbildung – eine Lösung für kleine und mittelständische Unternehmen

Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche ist die Verbundausbildung eine Lösung, wenn sich im eigenen Betrieb die Anforderung einer modernen Berufsausbildung nicht vollständig abbilden lassen.

Jobstarter. Gemeinsam ausbilden: die Verbundausbildung

Anschubunterstützung – das ist die vorrangige Dienstleistung, die JOBSTARTER-Projekte im Bereich Verbundausbildung anbieten. Weitergehende Information, Praxisbeispiele sowie Checklisten und Dokumente finden Sie unter folgendem Link: www.jobstarter.de/de/verbundausbildung-80.php.

Verbundausbildung - vier Modelle für die Zukunft (PDF 4,4 MB) JOBSTARTER PRAXIS Band 6 2011, 162 Seiten

Cover Verbundausbildung

Das Rad nicht neu erfinden

Um das Anbahnen von Ausbildungsverbünden zu erleichtern, hat sich beispielsweise in Berlin eine sogenannte „Verbundberatung“ etabliert. Der „Verein zur Förderung der beruflichen Bildung Berlin e. V.“ (vfbb) unterstützt Unternehmen bei der Suche nach Verbundpartnern, bei der Vertragsgestaltung, bei der Initiierung der Ausbildung und auftretenden Problemen sowie bei der Beantragung von Fördermitteln. Über ein eigenes Netzwerk hilft der Verein den Betrieben bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden und auch bei der Lösung von Krisensituationen innerhalb der Ausbildung. Initiatoren und Mitglieder dieses Vereins sind die Industrie- und Handelskammer zu Berlin, die Handwerkskammer Berlin, der Verband der Freien Berufe in Berlin e. V. (VfB) und die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e. V. (UVB).

Beratung zur Verbundausbildung (IHK Berlin)

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen können oft nicht ausbilden, weil Ihnen die Voraussetzungen fehlen. Im Rahmen einer Verbundausbildung können sie dennoch selbst Fachkräfte qualifizieren.

www.ihk-berlin.de/verbundausbildung

Startbild zum Video "Beratung zur Verbundausbildung"

Das „Telgter Modell“

Wie erfolgreich es sein kann, die Berufsausbildung und die Kooperation mit Schulen und anderen Unternehmen in den Mittelpunkt des Unternehmensleitbilds zu stellen, zeigt das Beispiel des Maschinenbauunternehmens Münstermann GmbH & Co KG in Telgte-Westbeveren. Es initiierte im Jahr 2008 zusammen mit acht weiteren Unternehmen in Kooperation mit einer Hauptschule sowie mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung der Stadt das sogenannte „Telgter Modell“. Mittlerweile sind alle weiterführenden Schulen und Grundschulen Telgtes sowie über 90 Unternehmen aktive Kooperationspartner.

Ursprünglich wurde das Kooperationsmodell entwickelt, um motivierte Ausbildungsbewerber zu gewinnen. Ziel ist es, Schülern die Möglichkeit zu bieten, vor der Berufswahl möglichst viele Berufe kennenzulernen und Kontakte zu Firmen aufzubauen. In diesem Rahmen bieten Betriebe Lehrgänge und Aktionen für die Unterrichtsgestaltung bereits in der Grundschule an. Die Aktionen finden sowohl in der Schule als auch in den Unternehmen statt. Auch die Eltern werden miteinbezogen und informiert.

Die Institutionalisierung der Lernortkooperation zwischen Münstermann und den Schulen bezieht im Ausbildungsprozess die lokalen bzw. regionalen Berufsschulen sowie die überbetrieblichen Lehrwerkstätten des Handwerks ein. Dies ist u. a. ein Anlass für die Lehrkräfte an den Schulen, mit den Unternehmen in Kontakt zu treten und damit eine praktische Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft zu ermöglichen.

Inspiriert von der Idee des Telgter Modells leitete die Bezirksregierung Münster im Jahr 2010 das WSP-Informationsportal (WSP = Wirtschaft und Schule als Partner) ab. Das Telgter Modell ist also sogar zum „Exportschlager“ geworden. Viele Kommunen und Gemeinden über den Regierungsbezirk Münster hinaus haben zwischenzeitlich ein Netzwerk zwischen Schule und Wirtschaft vor Ort aufgebaut.

Telgter Modell

Informationsplattform des „Telgter Modells“ - dem Telgter Netzwerk zwischen Schule und Wirtschaft

www.telgter-modell.de

Screenshot Telgter Modell

Lernortübergreifende Ausbildungsprojekte am Beispiel eines Erkundungsauftrages

Besonders zu Beginn der Ausbildung bzw. zur Einarbeitung in neue Arbeitsbereiche bietet sich als lernortübergreifendes Projekt ein sogenannter Erkundungsauftrag an.

Der kooperative Erkundungsauftrag ist ein spezieller Lern- und Arbeitsauftrag, der von den Auszubildenden das selbstständige Erfassen, Dokumentieren, Bewerten und Präsentieren von Gegenständen, Prozessen oder Vorgängen der beruflichen bzw. betrieblichen Realität abverlangt. Geschäfts-, Produktions- oder Ausbildungsprozesse stehen dabei im Mittelpunkt. Die Erkundung hilft, berufliche Handlungen besser zu verstehen und dient als Grundlage für die Entwicklung weiterer Lernarrangements.

Selbstständig Lernen und Arbeiten - Der kooperative Erkundungsauftrag (Handreichung)

Ziel der Handreichung ist es, schulische und betriebliche Ausbildung besser aufeinander abzustimmen. Der Schwerpunkt bei Erkundungen liegt auf der Selbsttätigkeit der Auszubildenden. Entwickelt wurde die Handreichung im Rahmen des Modellversuchs „Q3 – Qualitätszirkel zur Entwicklung eines gemeinsamen Qualitätsbewusstseins sowie Erarbeitung von Qualitätsstandards zwischen allen Akteuren der beruflichen Bildung“.

Weitere Informationen und Download der Handreichung

Lernortübergreifende Erkundungsaufträge in der Logistik
Beispiel: Logistics Moers GmbH

Das Unternehmen Logistics Moers GmbH mit Sitz in Moers (Niederrhein) steht für ein Format der Lernortkooperation, das u. a. auf Erkundungsaufträgen basiert. Die Auszubildenden entwickeln gemeinsam mit dem Ausbildungsverantwortlichen Aufträge, die die kostenbezogene Erkundung von alternativ zur Lkw-Logistik möglichen Verbringungsformen von Gütern betrifft: die logistischen Optionen der Schiene, von Wasser sowie Luftfracht werden erforscht und beziffert. Dabei kooperieren die Auszubildenden mit entsprechenden Partnerfirmen der Logistik. Der Duisburger Hafen bzw. die dort befindlichen Binnenschiffbetreiber, der Düsseldorfer Flughafen sowie die großen Bahnhöfe in Duisburg und Düsseldorf unterstützen den Ausbildungsansatz, andere Verbringungsformen des Güterverkehrs genauer unter die Lupe zu nehmen. Durch von den Ausbildern vorbereitete Betriebserkundungen der Azubis wächst das Wissen um die Besonderheiten des Flug-, Schienen- und Schifftransportes. Solche Betriebsbesuche reichern den Ausbildungsalltag an und schärfen betriebswirtschaftliches Denken.

Der Schwerpunkt dieses Erkundungsauftrags liegt auf der Selbsttätigkeit der Auszubildenden. Sie sollen eigenständig Lernziele formulieren, Arbeitsschritte festlegen, organisatorische Aufgaben verteilen und Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Lehrende bzw. Ausbildende nehmen hierbei die Rolle von Lernberatern ein, die die Erkundungsschritte der Lernenden begleiten und bei Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Der virtuelle Lernort – vernetzt kooperieren und kollaborieren

BLok - Online-Berichtsheft zur Stärkung der Lernortkooperation

Lernortkooperation findet durch den Einsatz von digitalen Medien und die Entwicklung von vernetzten Lernsoftwares und -plattformen inzwischen auch in der virtuellen Welt statt.
Ein Beispiel ist der auf Web-2.0-Technologien basierende Online-Ausbildungsnachweis. Die Plattform ist im Rahmen eines Projekts mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union entstanden. Betrieben wird das Ausbildungsportal inzwischen vom „BPS Bildungsportal Sachsen GmbH“.

„BLok - Das Online-Berichtsheft”

Das Angebot ist deutschlandweit und für alle Ausbildungsberufe verfügbar. Ausbildungsunternehmen erhalten Informationen und können sich anmelden unter:

www.online-ausbildungsnachweis.de

BLok Logo

BLok ist ein Online-Ausbildungsnachweis für duale Ausbildungsberufe. Auszubildende, Ausbilder und Berufsschullehrer können das Berichtsheft im Internet gemeinsam nutzen. Die digitale Form der internetbasierten Software erfüllt gleich mehrere Funktionen, die das Zusammenwirken der Ausbildungsakteure fördern:

  • Auszubildende nutzen BLok zur Online-Führung ihres Ausbildungsnachweises. Sie können die aktuellen oder vergangenen Wochen erfassen und diese dann zur Einsicht für die Ausbilder freigeben.
  • Betriebliche Ausbilder und Berufsschullehrer können die Erstellung der Ausbildungsnachweise ihrer Auszubildenden online verfolgen. Gibt ein Auszubildender eine Woche frei, so erhalten sie eine Nachricht und können zu Einträgen ggf. ein Feedback geben.
  • Am Ende der Ausbildung können die Azubis die Ausbildungsnachweise online an die Kammern für die Zulassung zur Prüfung übertragen.

Für die Auszubildenden ist die Nutzung des internetbasierten Berichtsheftes sehr komfortabel, weil die Software u. a. die geleisteten Wochenstunden automatisch berechnet. Sie können zusätzliche Dokumente anfügen und sich über die Kommentar- und Nachrichtenfunktion mit dem Ausbilder sowie Berufsschullehrer austauschen. Der reale Ausbildungsverlauf kann mit dem idealtypischen, sachlich und zeitlich gegliederten Ausbildungsrahmenplan abgeglichen werden. Eine Controlling-Funktion überprüft die Vollständigkeit und erinnert den Auszubildenden bei nicht erfolgter Berichtsheftführung.

Die Vorteile für die Ausbildungsverantwortlichen bestehen besonders darin, dass die Nachweise jederzeit und ortsunabhängig verfügbar und einsehbar sind. BLok ermöglicht es dem Ausbilder, den Azubis Rückmeldungen zu geben, die sich auf die Potenziale und Defizite im Ausbildungsverlauf beziehen. Die Kommentarfunktion verbessert die Kommunikation und Kooperation mit den Berufsschullehrern und überbetrieblichen Ausbildern.

Durch die Integration der Ausbildungsordnungen ist der Ausbildungsfortschritt der Auszubildenden übersichtlich und transparent dargestellt und den Azubis wird die Möglichkeit einer reflexiven Auseinandersetzung mit den inhaltlichen Strukturen geboten. Gerade für kleinere Unternehmen bedeutet BLok eine Unterstützung der Ausbildungsorganisation.

Video: Lernortkooperation - Netzwerke für die Ausbildung schaffen und pflegen

Lernortkooperation – ein Ausblick

Die Bedeutung von Lernortkooperationen wird weiter zunehmen. Denn die abnehmenden Ausbildungszahlen machen es nicht nur notwendig, dass Unternehmen und Berufsschulen bei der Rekrutierung des Fachkräftenachwuchses kooperieren. Mit der fortschreitenden Digitalisierung und den wachsenden Anforderungen an Aus- und Weiterbildung nehmen notwendigerweise auch die Berührungspunkte der unterschiedlichen Lernorte weiter zu. In allen Berufen gewinnen IT- und Medienkompetenzen an Bedeutung – eine Herausforderung, der sich die Betriebe und die Berufsschulen gleichermaßen stellen müssen. Dies kann aber nur in enger Abstimmung mit den übrigen Lernorten gelingen, indem sie sich mit ihren besonderen Stärken gegenseitig ergänzen.

Digitale Lernwerkzeuge eröffnen zudem neue Möglichkeiten der Kollaboration und des Informationsaustausches, der Dokumentation von Lernabschnitten sowie von Wissensmanagement der Lernenden und Ausbildenden über die verschiedenen Lernorte hinweg.

Eine Lernortkooperation, die nach außen positiv sichtbar ist, ist außerdem ein Element zur Steigerung der Attraktivität von dualer Ausbildung. Am Telgter Modell wird deutlich, dass die Lernortkooperation weit über die gemeinsamen Aktivitäten der Schulen und Betriebe hinausgeht und nicht nur die Ausbildungsfähigkeit der Betriebe verbessert, sondern sich auch positiv auf das Image der beteiligten Betriebe auswirkt.

Entscheidend für eine erfolgreiche Lernortkooperation ist, dass sie von allen Akteuren gewollt und getragen wird. Lernortkooperation setzt finanzielles und zeitliches Engagement der beteiligten Akteure voraus. Um sie im betrieblichen Ausbildungsalltag realisieren zu können, muss sie in die Zeitplanung der Ausbildenden mit aufgenommen werden. Dies sollte sich schon in den Stellenbeschreibungen für die Ausbildenden niederschlagen.

Dem Austausch zwischen Lehrenden und Auszubildenden, den persönlichen Kontakten, gemeinsamen Aktivitäten in Arbeitskreisen und Prüfungsausschüssen sowie der Teilnahme an Weiterbildungen und Ausbildertagungen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Dieser Lernbaustein will den beteiligten Akteuren Mut machen, über den eigenen Tellerrand zu schauen und eventuell gemeinsam mit der Berufsschule oder mit Partnern in anderen Betrieben der eigenen Ausbildung durch das Ausprobieren von gemeinsamen Kooperationsprojekten neue Impulse zu geben.

  • 1 Schmidt, Hermann: 3.2.1 Kooperation der Lernorte im dualen System der Berufsausbildung. In: Ausbilder-Handbuch 108. Erg.-Lfg. – Mai 2009, S. 8 ff.
  • 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG § 27 Abs. 2) Eignung der Ausbildungsstätte. unter: https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__27.html (abgerufen am 27.09.2017).