X
Logo

Berufliches Bildungspersonal für nachhaltige Entwicklung qualifizieren

Module, Medien und Lernformate aus dem Projekt FOENAKO

Verkäuferin sortiert Obstkisten
© REWE

Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung verlangt auch im Einzelhandel eine Qualifizierung des Bildungspersonals. Im Überblick werden acht Module sowie Lehr-/Lernmaterialien vorgestellt, die eine Umsetzung auch in digitalen Lernformaten ermöglichen.

Das Bildungspersonal ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Förderung nachhaltigen Denkens und Handelns in der Berufsausbildung. Im Projekt FOENAKO-Einzelhandel wird daher ein ganzheitliches und handlungsorientiertes Konzept für die Bildungspersonalqualifizierung entwickelt und erprobt (FOENAKO = Foerderung von Nachhaltigkeitskompetenz für Auszubildende und für das Bildungspersonal in der dualen Berufsausbildung). Dieses soll es Ausbildenden und Lehrkräften ermöglichen,

  • handlungsorientiertes Lehren und Lernen in der dualen Ausbildung kompetenz- und lernergebnisorientiert erfolgreich umzusetzen und
  • integriert das berufsbezogene Denken und Handeln für eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

Zielsetzung war von vornherein eine Modularisierung des Qualifizierungsangebotes. Der Aufbau des Curriculums sowie die bereitgestellten Lehr- und Lernmaterialien wurden entsprechend der Aufgabenstruktur vorgenommen, die das Bildungspersonal typischerweise wahrnehmen muss, um Nachhaltigkeitskompetenzen am Lernort Betrieb bzw. im Unterricht der Berufsschule für ausgewählte Berufe und Bildungsgänge erfolgreich implementieren zu können.

Insgesamt umfasst das FOENAKO-Toolset „Bildungspersonalqualifizierung“ acht Qualifizierungsmodule:

Kern-Qualifizierungsmodule für das Berufsbildungspersonal

Q-Modul 1: Erwerb von Nachhaltigkeitskompetenzen in dualen Ausbildungsberufen verankern - vom Ausbildungsbetrieb und Ausbildungsberuf zur Kompetenzförderung zum nachhaltigen Denken und Handeln

Q-Modul 2: Nachhaltigkeitsförderung in schulischen Jahresplänen und betrieblichen Ausbildungsplänen integrieren - von Ordnungsmitteln für die Ausbildung (Rahmenlehrpläne, Ausbildungsordnungen) zu didaktischen Jahresplänen bzw. betrieblichen Ausbildungsplänen

Q-Modul 3: Lernsituationen mit Lern- und Arbeitsaufgaben zu Nachhaltigkeitsfragen planen und dokumentieren - aus Ordnungsmitteln abgeleitete Handlungssituationen, die einen Kompetenzerwerb im Prozess der vollständigen Handlung ermöglichen

Q-Modul 4: Lern- und Ausbildungsmethoden auswählen und planvoll einsetzen - mit besonderer Eignung zur Förderung von Nachhaltigkeitskompetenzen

Q-Modul 5: Digitale Medien "Nachhaltigkeitsbildung" entwickeln und nutzen (Lernvideos, Social Media etc.) - integrierte Mediennutzung in Lehr-/Lernarrangements

Q-Modul 6: Lehr-/Lernarrangements zur Nachhaltigkeitsbildung in der dualen Berufsausbildung realisieren - Einsatzplanung, Methoden/Medien und Lernergebnisse dokumentieren

Q-Modul 7: Kompetenzen/Lernergebnisse feststellen, messen und bewerten - Kompetenzbilanz "Nachhaltigkeit", Kriterien für nachhaltige Handlungsprodukte, Feststellungs- und Bewertungsverfahren

Q-Modul 8: Gesamt-Evaluation durchführen und Transferpotenziale erschließen - Kontinuierliche Weiterentwicklung und Transferförderung

Bereits fertig gestellt und erprobt sind die Qualifizierungsmodule 1 – 3 (vgl. www.handle-nachhaltig.de/). Die Module 4 – 6 sind aktuell in der Erprobung und werden bis Ende des Jahres 2017 fertig gestellt sein. Die restlichen Module sollen dann im Jahr 2018 erstellt, erprobt und für die Öffentlichkeit dokumentiert werden.

Zu berücksichtigen war bei der Planungsarbeit zur Bildungspersonalqualifizierung insbesondere, in welchen Prozessen die Lehrkräfte bzw. Ausbildenden aktiv sein werden, um Nachhaltigkeitskompetenzen zu fördern (beispielsweise Planung und Durchführung von Lehr-/Lernarrangements in Schule und Betrieb, integrierte Nutzung digitaler Medien, Kompetenzfeststellung etc.). Damit wird deutlich, dass in jedem Fall ein handlungs- und lernergebnisorientierter Ansatz auch für die Bildungspersonalqualifizierung verfolgt wird.

Einen ersten inhaltlichen Einblick in diese Qualifizierungsmodule gibt die folgende Zusammenstellung:

Modul 1 „Erwerb von Nachhaltigkeitskompetenzen in dualen Ausbildungsberufen verankern - vom Ausbildungsbetrieb und Ausbildungsberuf zur Kompetenzförderung zum nachhaltigen Denken und Handeln“: Im Qualifizierungsmodul 1 erfahren die teilnehmenden Ausbilder und Lehrkräfte zunächst, welche Herausforderungen sich für den Ausbildungsbetrieb und dem Ausbildungsberuf unter Nachhaltigkeitsaspekten stellen. Insbesondere wesentliche Handlungsprinzipien der Nachhaltigkeit sowie Nachhaltigkeitsinstrumente, die in dem ausgewählten Ausbildungsberuf (im Beispielfall für Berufe im Einzelhandel) wesentlich sind, werden daraufhin durch die Teilnehmenden identifiziert und daraufhin geprüft, wie diese in der dualen Ausbildung Berücksichtigung finden sollten.

Modul 2 „Nachhaltigkeitsförderung in schulischen Jahresplänen und betrieblichen Ausbildungspläne verankern“: Im Qualifizierungsmodul 2 analysieren die Teilnehmenden - ausgehend von den lernfeldstrukturierten Lehrplänen sowie den Ausbildungsordnungen - die Lernfelder im Hinblick auf notwendige Nachhaltigkeitsdimensionen sowie die Kapitel der Ausbildungsordnungen auf Nachhaltigkeits-Herausforderungen. Daraufhin werden Entscheidungen für mögliche Integrationen getroffen. Ergebnis sind ergänzte didaktische Jahresplanungen sowie betriebliche Ausbildungspläne, die für das schulische und betriebliche Lernen Nachhaltigkeitsdimensionen integrativ einbeziehen.

Modul 3 „Lernsituationen mit Lern- und Arbeitsaufgaben zu Nachhaltigkeitsfragen planen und dokumentieren - aus Ordnungsmitteln abgeleitete Handlungssituationen, die einen Kompetenzerwerb im Prozess der vollständigen Handlung ermöglichen“: Kernzielsetzung dieses 3. Moduls ist es, das Bildungspersonal zu befähigen, Lernsituationen mit Lern- und Arbeitsaufgaben zu Nachhaltigkeitsfragen zu planen und zu dokumentieren. Ausgehend von einer komplexen Situationsbeschreibung und daraus abgeleiteten Lern- und Arbeitsaufträgen können dann an verschiedenen Lernorten gemeinsame Handlungsprodukte (Lernergebnisse) realisiert werden. Im Rahmen von FOENAKO wird dabei die integrierte Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie, Gesundheit und Soziales sowie weitere Dimensionen wie etwa Globalisierung eingefordert.

Modul 4 „Lern- und Ausbildungsmethoden auswählen und planvoll einsetzen -
mit besonderer Eignung zur Förderung von Nachhaltigkeitskompetenzen“:

Modul 4 stellt dem Bildungspersonal eine Auswahl bewährter Methoden (insbesondere zur Unterstützung von selbstorganisierten und kooperativen Lernprozessen) vor und beschreibt anhand von Beispielen, wie sie in die Ausbildungspraxis zur Unterstützung der Kompetenzentwicklung (zur Förderung nachhaltigen Denkens und Handelns) umgesetzt werden können.

Modul 5 „Digitale Medien „Nachhaltigkeitsbildung“ entwickeln und nutzen (Lernvideos, Social Media etc.) - integrierte Mediennutzung in Lehr-/Lernarrangements“: Lernen für Nachhaltigkeit im Projekt FOEKONA legt auch einen besonderen Aspekt auf die Potenziale des Lernens mit digitalen Medien. Damit wird dem Trend Rechnung getragen, dass Lernen vielfach von print-basierten und didaktisch vorgeplanten Lernweisen hin zu Bildschirm-basiertem bzw. mobilem Lernen übergeht, das auch Interaktionen (kooperatives bzw. kollaboratives Lernen) und Selbstlernen ermöglicht.
Qualifizierungsmodul 5 zeigt Möglichkeiten und Praxisbeispiele für den Einsatz digitaler Medien in der beruflichen Ausbildung (hier auf Aspekte der Nachhaltigkeitskompetenz bezogen). Erworben werden Kompetenzen zur Entwicklung, Einsatz und Auswahl von digitalen Lehr-/Lernmaterialien wie zum Beispiel Lernvideos, Guided Tours, Web-basierte Lernszenarien, Gamification und weitere OER-Materialien.

Modul 6 „Lehr-/Lernarrangements zur Nachhaltigkeitsbildung in der dualen Berufsausbildung realisieren“: Auf Basis entwickelter Lernsituationen sollen im Rahmen dieses Qualifizierungsmoduls die notwendige Einsatzplanung durch das Bildungspersonal konkretisiert werden. Im Hinblick auf die erwarteten Lernergebnisse (Handlungsprodukte), die einzusetzenden (vorzubereitenden) Methoden und Medien.
wird aufgezeigt, wie die erarbeiteten Handlungsprodukte durch die Auszubildenden (Lernergebnisse) in geeigneter Weise dokumentiert werden. Außerdem werden ausgewählte Lernmedien dokumentiert und Instrumente zur Evaluation der eingesetzten Lernsituationen bereitgestellt und angewandt.

Modul 7 „Kompetenzen/Lernergebnisse feststellen, messen und bewerten“:
Qualifizierungsmodul 7 bietet ein Verfahren sowie ein Tool, mit dem sich Kompetenzen durch Selbst- und Fremdeinschätzung reflektieren lassen. Außerdem wird ein differenzierter Kriterienkatalog zur Kompetenzmessung erarbeitet und beispielhaft angewendet. Schließlich werden Möglichkeiten zur Leistungsbewertung erörtert.

Modul 8 „Gesamt-Evaluation durchführen und Transferpotenziale erschließen – Kontinuierliche Weiterentwicklung und Transferförderung“: Im Qualifizierungsbaustein 8 kann die Fähigkeit erworben werden, Evaluationen kompetent durchzuführen (Evaluation der Lernsituationen, der durchgeführten Lehr-/Lernarrangements, etc.). Unter Verwendung des FOENAKO-Toolsets soll dabei auch erarbeitet werden, wie sich die Ausbildung für weitere Berufe (um)gestalten lässt (insbesondere auch im Hinblick auf eine integrierte Förderung von Nachhaltigkeitskompetenzen). Darüber hinaus Aufbau eines Netzwerks aus Berufskollegs, Ausbildungsbetrieben und weiteren Multiplikatoren in der Region, um eine gesteuerte Verbreitung und Weiterentwicklung der Ergebnisse zu erreichen.

Alle entwickelten und erprobten Module dieses FOENAKO-Toolsets folgen einem gemeinsamen methodisch-didaktischen Konzept:

  • Ein Intro-Video: es erläutert in jedem Modul die Zielsetzungen/angestrebten Kompetenzen, die empfohlene Vorgehensweise (Lernwegempfehlung) sowie die dazu bereitgestellten Lehr-/Lernmaterialien.
  • Konfrontationsaufgaben/Handlungsaufträge: Bezogen auf die Modulinhalte und Modulziele sind Handlungsaufträge für das Bildungspersonal formuliert, die möglichst im Team bearbeitet und gelöst werden.
  • Ein Erklärvideo: zeigt das Verfahren und Beispiellösungen auf, die in dem Qualifizierungsmodul schrittweise erarbeitet werden.
  • Leitfaden: wird zu jedem Modul zum Download angeboten, um Anregungen zum Verfahren der Aufgabenbearbeitung zu geben.
  • Dokumentvorlagen / Arbeitshilfen (ggf. auch digitale Tools): Ergänzende Arbeitshilfen können beispielsweise Checklisten, Kriterienkataloge zur Qualitätsprüfung und Qualitätssicherung oder weitergehende Informationsmaterialien, Mediensammlungen, Linklisten etc. sein.

Die Nutzung dieses abgestimmten Toolsets der FOENAKO-Bildungspersonal-Qualifizierung ermöglicht eine Durchführung unterschiedlicher Lernformate. Neben einer reinen Präsenz-Qualifizierung sind sowohl eine rein virtuelle Lehr-/Lernorganisation als auch eine Blended-Learning-Lösung denkbar.

Infografik "Blended-Learning-Format für die Berufsqualifizierung"
© FOENAKO/Tiemeyer

Ein möglicher Ablauf der Fortbildung nach dem Konzept des Blended Learning kann sich wie folgt ergeben:

  • Virtueller Kick-Off oder lokaler Einstieg in Lernsituationen
  • Aufgaben- bzw. Lernsituations- (Fall-)bearbeitung auf Distanz (Konfrontation und Information) mit Hilfe des Konfrontationsmaterials und des Informationsmaterials auf der Lernplattform
  • Teilaufgaben der Lernsituations- (Fall-) bearbeitung (Exploration, Disputation, Evaluation) in Präsenz
  • Konstruktion in Präsenz- und Distanzform, d.h. Entwicklung und Evaluation von Handlungsprodukten.

Im Überblick wird der Einsatz der bereitgestellten Materialien (Konfrontations- und Informationsmaterialien) in der folgenden Abbildung deutlich:

Infografik "Lernsituationseinsatz in Blended-Learning-Umgebungen"
© FOENAKO/Tiemeyer

Letztlich lassen sich die Module zu einem ganzheitlichen MOOC-Kurs zusammenfassen und im Rahmen virtueller Akademien anbieten. So kann zeitnah und effizient eine große Zielgruppe erreicht und ein umfassender nachhaltiger Transfer gesichert werden.

Weitere Informationen

Webseite: www.handle-nachhaltig.de
Youtube-Channel „Handle-nachhaltig“