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Strategien und Chancen für Berufsschulen

Das BIBB sichtet Berufsschulkonzepte im bundesweiten Vergleich

Jugendliche und Lehrer in der Berufsschule
© industrieblick - Fotolia.com

Die duale Berufsausbildung steht vor vielfältigen Herausforderungen: Demografischer Wandel, zunehmende Digitalisierung, der anhaltende Trend zu höheren Schulabschlüssen und eine wachsende Heterogenität der Auszubildenden waren Anlass für das Bundesinstitut für Berufsbildung, eine Sichtung der aktuellen Situation zum Lernort Berufsschule und der unterschiedlichen Herangehensweisen in den Bundesländern vorzunehmen.

Insbesondere die Rekrutierung und Aus- und Weiterbildung des Lehrpersonals sowie die Notwendigkeit einer intensiven Lernortkooperation zwischen Betrieb und Berufsschule zeigten sich als besonders wichtige Bereiche.

Die Untersuchung beruht auf vorhandenen Daten, Literaturrecherchen, Sekundäranalysen und Fallstudien mit Expertinnen- und Experteninterviews aus Kultusministerien und Berufsschulen. Sieben Berufe wurden exemplarisch für die genauere Betrachtung der Beschulungssituation ausgewählt: Maurer/-in, Konstruktionsmechaniker/-in, Verfahrensmechaniker/-in für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Fachinformatiker/-in, Hotelkaufmann/-frau, Revierjäger/-in und Modist/-in. Für diese Berufe wurden die Schülerzahlen nachgezeichnet, die Gestaltung des berufsbezogenen Unterrichts betrachtet sowie mögliche Formen einer Lernortkooperation ermittelt. Die Ergebnisse zeigen:

  • Der Rückgang der Schülerzahlen hat bereits zu Schließungen von Klassen und Berufsschulen geführt. Die Zahl dieser Schulen ist von 2006/2007 bis 2014/2015 um rund 6,6% auf 1.552 gesunken, die Zahl der Klassen um über 8.000 (9,7%) auf rund 75.200. Die Folge ist, dass je nach Ausbildungsgang eine wohnortnahe Beschulung zunehmend schwieriger wird. Insbesondere Berufsschulstandorte in Ostdeutschland sind hiervon betroffen.
  • Auch die verstärkte Differenzierung innerhalb von Ausbildungsberufen hat Folgen: Es wird zunehmend schwieriger, eine Beschulung nach Fachrichtungen im letzten Ausbildungsabschnitt zu gewährleisten.
  • Die sehr unterschiedliche Zusammensetzung der Berufsschulklassen, sei es mit Blick auf die schulische Vorbildung der Schüler/-innen, die unterschiedlichen Branchen sowie die unterschiedlichen Betriebsgrößen, in denen die Jugendlichen ausgebildet werden, stellt für die Berufsschulen eine zunehmende Herausforderung dar.

Da sich die Situation in den Bundesländern aufgrund regionaler Unterschiede, der Besonderheiten in einzelnen Ausbildungsberufen sowie der unterschiedlichen Organisation des Berufsschulunterrichts unterscheidet, kann es pauschale Lösungsansätze nicht geben. Aus der BIBB-Untersuchung lässt sich aber übergreifend festhalten:

  • Ein enger Kontakt und eine gute Kooperation zwischen Betrieb und Berufsschule sind von entscheidender Bedeutung, um die Unterrichtsqualität durch aktuelle und realitätsnahe Aufgabenstellungen zu verbessern. Gerade vor dem Hintergrund der dynamischen technologischen Entwicklung in der Wirtschaft spielt die Lernortkooperation eine bedeutende Rolle.
  • Alle Länder stehen vor der Aufgabe, für einen qualitativ hochwertigen Unterricht entsprechendes Personal zu rekrutieren und dieses fachspezifisch und realitätsnah aus- und weiterzubilden. Insbesondere die Rekrutierung in gewerblich-technischen Berufen erweist sich als schwierig. Hier könnten, so die BIBB-Analyse, länderübergreifende Beschulungskonzepte hilfreich sein, um fachspezifischen Unterricht zu gewährleisten. Gleichzeitig gilt es, das Lehramt an Berufsschulen wieder attraktiver zu machen, Qualifizierungsbedarfe zu decken und den Personalmangel zu lindern.
  • Weitere Lösungsoptionen könnten möglicherweise die Gestaltung standortübergreifender Schulentwicklungsplanung, die Schaffung von Informations- und Kommunikationsstrukturen, moderne E-Learning-Angebote, die Einrichtung jahrgangsübergreifender Fachklassen und die Entwicklung individualisierter Unterrichtskonzepte sein.

Weitere Informationen

Berufsschule im dualen System – Daten, Strukturen, Konzepte
(Wissenschaftliche Diskussionspapiere, Heft-Nr. 185)

BIBB-Pressemitteilung vom 17.08.2017

BLBS begrüßt die Ergebnisse des BIBB-Diskussionspapiers