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MINT Nachwuchsbarometer 2017: Weiterhin besorgniserregende Situation an Berufsschulen und bei Nachwuchskräften

Frau mit Clipboard vor einer Maschine
© WavebreakMediaMicro - Fotolia.de

Die jährlich erscheinende Studie "MINT Nachwuchsbarometer“ erforscht individuelle Motivationen und gesellschaftliche Entwicklungen bei MINT-Studiengängen und -Berufen. Vorliegende Datenquellen werden umfassend ausgewertet und systematisch in einer Metastudie zusammengeführt. Der Bericht wird seit 2014 gemeinsam von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung herausgegeben und vom Forschungsinstitut Dialogik gGmbH erstellt.

MINT-Lehramt: Weiterhin Nachwuchsprobleme, insbesondere an Berufsschulen

Das MINT Nachwuchsbarometer 2017 geht davon aus, dass ein Ende des Lehrermangels in den MINT-Fächern in den folgenden Jahren nicht zu erwarten ist. Besonders stark ausgeprägt ist der Studie nach der Rückgang der Nachwuchslehrkräfte in Berufsschulen. Vor allem im Fach Technik, aber auch in Informatik und Biologie / Biotechnik setzte sich der alarmierende Abwärtstrend der letzten fünf Jahre fort.

Berufliche Ausbildung: Mangel an MINT-Nachwuchskräften

Die Zahl der beruflichen Ausbildungsverhältnisse in Deutschland ist der Studie nach insgesamt rückläufig. In MINT-Berufen sank sie zwischen 2003 und 2014 um 8,8 Prozent auf rund 199.000. Die Anzahl der neu abgeschlossenen Verträge in Informatikberufen sei relativ stabil, es müssten aber mit Blick auf die zukünftigen Bedarfe an IT-Fachkräften deutlich mehr Jugendliche für eine Ausbildung in diesem Bereich gewonnen werden. Der Frauenanteil bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in MINT-Berufen sei zwar weiterhin niedrig, er variiere aber innerhalb der MINT-Berufe stark – so ständen 4 Prozent in Berufen der Umwelttechnik 63 Prozent in der Medizintechnik gegenüber.

Infografik Mint Nachwuchsbarometer
zum Vergrößern klickenQuelle: Mint Nachwuchsbarometer 2017,
Hrsg. acatech und Körber-Stiftung,
BITKOM 2015

Mit Blick auf die digitale Transformation der Arbeits- und Lebenswelten werden die Ergebnisse der Studie umso bedeutender eingeschätzt, als es schon jetzt nicht genug MINT-Lehrkräfte gebe, die Schülerinnen und Schüler „digital mündig“ machen können. Hierunter sei ein breiter Kanon an Wissen und Kompetenzen zu verstehen, der es ermögliche, sachkundig und verantwortungsvoll mit den neuen Technologien umzugehen und die Chancen des digitalen Wandels nutzen zu können, ohne die Risiken aus dem Blick zu verlieren.

In Deutschland erwerben Schülerinnen und Schüler ihr digitales Knowhow jedoch weitgehend in der Freizeit. Sie liegen bei den digitalen Kompetenzen im internationalen Vergleich auf dem sechsten Platz von 18 Ländern.

An weiterführenden Schulen seien die Lehrinhalte überwiegend auf Internet-Recherchen (81 Prozent) und die Bedienung von Programmen (73 Prozent) ausgerichtet. Technische Grundlagen (36 Prozent) oder das Programmieren einer Website (26 Prozent) würden seltener vermittelt.
Nur jeder fünfte wurde im Studium auf den Einsatz digitaler Medien im Unterricht vorbereitet, dahingehend weitergebildet hätten sich im Schuljahr 2015/2016 knapp über 50 Prozent.

Die Autoren der Studie sprechen sich für eine bessere Qualifizierung der Lehrkräfte aus, insbesondere hinsichtlich der Umsetzung im Schulunterricht, sowie für eine bessere IT-Ausstattung. Außerdem sollten Angebote zur Talent- und Motivationsförderung, insbesondere mit außerschulischen Initiativen, gefördert werden.

Weitere Informationen

Pressemeldung vom 22.06.2017

MINT Nachwuchsbarometer 2017 (Download als PDF)

Kurzversion des Mint Nachwuchsbarometers