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Berufliche Bildung soll attraktiver werden!

Ausbilder und Lehrlinge im Team
© Robert Kneschke - Fotolia.com

Angesichts des demographischen Wandels und der Tendenz, dass immer mehr junge Menschen einen möglichst hohen Bildungsabschluss anstreben, soll die berufliche Bildung attraktiver gestaltet werden.

Dies ist ein Fazit aus dem Fachgespräch am 31.05.2017 des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung über die Situation der beruflichen Bildung. Anlass des Gesprächs waren der Berufsbildungsbericht 2017 der Bundesregierung und Anträge aus den Bundestagsfraktionen zur Reform der beruflichen Bildung.

In dem Fachgespräch des Bundestagsausschusses benannte die Arbeitgeberseite drei Schwerpunkte: Da seien zum einen rund 1,2 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsabschluss; besonders erwähnt wurde, dass in jedem Jahrgang rund 120.000 Schulabgänger den Übergang von Schule zu Ausbildung nicht schafften. In der beruflichen Bildung hält die Arbeitgeberseite es für erforderlich, dass ein Schwerpunkt auf die Stärkung des Lehrernachwuchses und vor dem Hintergrund der Digitalisierungsdebatte auch auf die Qualifizierung der betrieblichen Ausbilder gelegt werde.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), hält es für problematisch, dass es im „fünften Jahr in Folge" Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsstellen gebe und die Zahl der Hauptschüler von 60 auf aktuell 40 Prozent gesunken sei. Vor allem Klein- und Kleinstbetriebe, bräuchten dringend Unterstützung bei der Besetzung von Ausbildungsstellen. Die Möglichkeit der assistierten Ausbildung wurde angesichts vieler förderbedürftiger Jugendlicher als ein wichtiges Instrument genannt, das über 2018 hinaus verlängert werden solle.

Sowohl aus Sicht der Arbeitgeberverbände als auch aus Sicht von Prof Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), sei es um die berufliche Bildung in Deutschland eigentlich ganz gut bestellt, obwohl ihr Image in der Öffentlichkeit eher negativ behaftet sei. Die Tendenz, dass immer mehr junge Menschen einen möglichst hohen Bildungsabschluss anstreben, sei nicht falsch. Es müsse aber deutlich gemacht werden, dass auch mit einer Berufsausbildung Einkommens- und Karrierechancen möglich seien, die mit denen eines akademischen Abschlusses vergleichbar seien.

Die Referentin für Migrationssozialarbeit und Jugendsozialarbeit beim Paritätischen Gesamtverband hält es im Sinn der Integration für wichtig, jungen Flüchtlingen in Deutschland eine berufliche Perspektive zu verschaffen und ihnen den Zugang in das Bildungssystem zu gewähren. Sie warnte allerdings davor, nur Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive zu fördern.

Für die Bundestagsabgeordneten der verschiedenen Parteien war nach Anhörung der Sachverständigen klar, dass im Bildungsbereich noch einiges zu tun sei.

In Zusammenhang mit der Sitzung des Bundestagsausschusses hatte die Redaktion der BIBB-Fachzeitschrift „Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis – BWP“ für ihre neueste Ausgabe Ausschussmitglieder um Statements zu der Frage "Vor welchen Herausforderungen steht die Berufsbildung und welcher bildungspolitische Handlungsbedarf ergibt sich daraus?" gebeten. Hierzu gaben Abgeordnete der im Bundestag vertretenen Parteien Auskunft zu den Themen Attraktivität der dualen Ausbildung, Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt, Integration geflüchteter Menschen, Qualifizierung in der digitalen Wirtschaft und Berufsschulen als dualer Partner. Dieses Interview ist Themenschwerpunkt in der Ausgabe 3 / 2017. Die Statements bieten einen Überblick über unterschiedliche Schwerpunktsetzungen in den parteipolitischen Positionen und Programmen.

 

Weitere Informationen

Pressemeldung des Deutschen Bundestages (hib 343/2017)

Schwerpunktthema BWP 3/2017: Perspektiven für die Berufsbildung - Bildungspolitische Statements der vier im Bundestag vertretenen Parteien