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Lernen mit Begriffsnetzen

Grafik Ausbildung
© XtravaganT - Fotolia.com

Mit Begriffsnetzen kann das Lernen in der Ausbildung verbessert werden. Dazu wird zunächst erklärt, was Begriffsnetze überhaupt sind und wie sie das Lernen fördern können. Anschließend werden Beispiele zum Einsatz in der Berufsausbildung vorgestellt und wichtige Hinweise zur Sicherstellung der Lernwirksamkeit von Begriffsnetzen gegeben.

Als erstes sind Begriffsnetze ein Werkzeug, um Zusammenhänge grafisch darzustellen. Bei diesem Werkzeug geht es um die Zusammenhänge von Begriffen.


I. Einsatz von Begriffsnetzen

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Begriffsnetze haben eine zentrale Bedeutung für das menschliche Denken, weil Begriffe ihre Bedeutung häufig erst durch die Verbindung zu anderen Begriffen erhalten. Der Begriff „Möbelstück“ erhält dann einen Sinn, wenn er mit den Begriffen „Tisch“, „Stuhl“ oder „Schrank“ verbunden werden kann. 

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Begriffsnetze bestehen deshalb immer aus mindestens zwei Begriffen, die durch ihre Beziehung zueinander verknüpft werden. Diese Beziehung wird auch als Relation bezeichnet. Die Relation zwischen „Tisch“ und „Möbelstück“ wäre beispielsweise „ist ein“. 

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Begriffsnetze weisen aber nicht nur den einzelnen Begriffen ihre jeweilige Bedeutung zu, sie geben gleichzeitig auch eine Übersicht über Zusammenhänge. Ganz entscheidend für die Nützlichkeit von Begriffsnetzen ist, dass sie nicht alle möglichen Zusammenhänge zeigen, sondern nur die, die für eine bestimmte Fragestellung relevant sind. Begriffsnetze müssen dazu immer einen bestimmten Fokus haben. 

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Für die Ausbildung sind Begriffsnetze interessant, weil sie als besonders „gehirngerecht“ gelten. Psychologen haben schon länger vermutet, dass auch unser Gehirn mit Begriffsnetzen arbeitet. Mit neueren Untersuchungsverfahren der Neurophysiologie konnte gezeigt werden, dass unser Gehirn beim Lernen Begriffe in Netzwerken speichert und bei Problemlöseprozessen auf diese Netze zurückgreift. Dies bedeutet, dass die Fähigkeit, Probleme erfolgreich zu lösen, auch davon abhängt, wie dafür notwendige Begriffe im Gehirn miteinander verbunden sind. Lernen mit Begriffsnetzen ist ein Weg, die Vernetzung von Begriffen im Gehirn gezielt zu fördern. 

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Hier sind alle bisherigen Überlegungen, was Begriffsnetze sind, und warum sie das Lernen in der Ausbildung fördern können, in einem Begriffsnetz zusammengefasst.

Falls Sie jetzt spontan den Wunsch verspüren, diese Darstellung noch zu verbessern, dann ist dies genau der Effekt, der durch Begriffsnetze erreicht werden soll. Was genau passiert ist, Sie vergleichen die Struktur, die Sie zu den Begriffen in Ihrem Kopf haben, mit der auf Ihrem Bildschirm. Bei diesem Vergleich passen Sie entweder das Bild auf dem Bildschirm der Struktur in ihrem Kopf an, oder sie verändern die Struktur in ihrem Kopf. Meist passiert beides gleichzeitig, und sie optimieren die Struktur in Ihrem Kopf. Das ist Lernen und auch bereits die ganze Theorie, warum Begriffsnetze das Lernen fördern können. 

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Andere Bezeichnungen für Begriffsnetze

Für "Begriffsnetze“ werden im allgemeinen Sprachgebrauch auch noch zwei weitere Bezeichnungen benutzt. Eine lautet „Semantisches Netz“. Semantik ist die Lehre von der Bedeutung von Zeichen und Sprache. Die Bezeichnung weist darauf hin, dass es um die Bedeutungen von Begriffen geht. Semantische Netze werden häufig auch als Grundlage für verbesserte Suchtechniken im Internet genutzt.

Die zweite gebräuchliche Bezeichnung ist „Concept Map“. Concept Map ist die englische Bezeichnung, die das Thema sehr passend benennt. Denn Concept lässt sich am besten mit Idee übersetzen, Maps sind Landkarten, eine Concept Map ist also eine Ideen-Landkarte.

Mind Map auf einem Tablet Computer
© Andrey Popov - Fotolia.com

Andere Maps

Begriffsnetze sind eine mögliche Form, Zusammenhänge grafisch darzustellen, aber nicht die einzig mögliche. Eine beeindruckende Übersicht über viele andere Formen, die meist für spezielle Anwendungen entwickelt worden sind, finden Sie unter www.visual-literacy.org/periodic_table/periodic_table.html.

Bei den Begriffsnetzen handelt es sich um eine sehr offene Darstellungsform, die sich für viele unterschiedliche Themenbereiche einsetzen lässt. Deshalb wird sie hier für den Einsatz in der Ausbildung empfohlen. Es ist aber durchaus möglich, dass in einem speziellen beruflichen Kontext eine andere Darstellungsform geeigneter ist.

Auf zwei andere Formen möchte ich hier trotzdem hinweisen. Einmal auf Mind Maps, weil ich vermute, dass sie diese Form kennen. Mind Maps sind auch ein sehr nützliches grafisches Werkzeug. Sie eignen sich aber vor allem um zu zergliedern, weniger gut um Zusammenhänge darzustellen. 

Beispiel Prozessmaps
Beispiel für eine Process Map nach dem System der ereignisgesteuerten Prozessketten
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Ganz sicher kennen Sie auch Process Maps, aber eher unter der Bezeichnung „Flussdiagramm“. Sie werden genutzt, um Arbeitsprozesse darzustellen.

Mind-Maps und Process-Maps sollte man nicht als Konkurrenz zu Concept-Maps ansehen. Richtig eingesetzt können sie sich sehr sinnvoll ergänzen.

Geschichte

Wenn Sie die von mir empfohlene Literatur lesen oder auch intensiver im Internet recherchieren, werden Ihnen ganz sicher die beiden Namen begegnen, die Sie in den beiden folgenden Maps sehen. Ein Kurs zu Begriffsnetzen wäre unvollständig ohne den Hinweis auf diese beiden verdienstvollen Erziehungswissenschaftler.

Sie können jedoch Begriffsnetze durchaus erfolgreich einsetzen, ohne die Namen Ausubel oder Novak nur einmal gehört zu haben. Deswegen bleibt es bei diesen beiden Seiten. Wenn Sie mehr wissen wollen, finden Sie Vieles dazu in der von mir empfohlenen Literatur.

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II. Arbeitsformen und –Abläufe

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Die wichtigste Entscheidung ist, ob Sie Begriffsnetze für die Einzel- oder Gruppenarbeit nutzen wollen. Wenn Sie nur einzelne Auszubildende haben, ist Ihnen diese Entscheidung abgenommen.

Bilden Sie Gruppen aus, dann empfehle ich, Begriffsnetze durch Gruppen erstellen zu lassen. Die Auszubildenden müssen sich dabei auf eine gemeinsame Darstellung einigen und lernen in dieser Diskussion sehr intensiv.

Das Begriffsnetz zeigt Ihnen, mit welchen Medien gearbeitet werden kann. Welche Vorteile der PC für die Einzelarbeit hat, wird später begründet. Für die Gruppenarbeit wird – zumindest für die Einführung – die Pinnwand empfohlen. Nur damit lässt sich die gemeinsame Erstellung wirklich als Prozess organisieren.

Tipp:
Wenn Sie auch die Pfeile auf Kärtchen malen, dann sind Sie besonders flexibel und sparen das Packpapier.
 

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Arbeitsablauf für die Erstellung eines Begriffsnetzes

Sie sehen einen Vorschlag, mit welchen Arbeitsschritten sich ein Begriffsnetz erstellen lässt. Besonders am Anfang sollten Sie auf die Einhaltung dieser Reihenfolge, insbesondere auf das Sammeln und Auswählen vor dem Ordnen der Begriffe, achten. (Bei dieser Darstellung habe ich mich anregen lassen durch: Building a Concept Map)

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Richtungen für die Anordnung der Begriffe

In der Literatur finden Sie unterschiedliche Auffassungen darüber, wie ein Begriffsnetz aufgebaut werden soll. Meine Meinung dazu ist, die Erstellung von Begriffsnetzen nicht durch zu viele Regeln zu verkomplizieren. Ich versuche, den üblichen Sehgewohnheiten zu folgen. Danach empfiehlt es sich, hierarchische Ordnungen und Aufzählungen von oben nach unten und Abläufe von links nach rechts anzuordnen.

Vielleicht haben Sie auch bemerkt, dass ich mit Begriffsnetzen einfache Sätze bilde und die Beziehungen zwischen den Begriffen entsprechend formuliere. Man kann das auch viel formeller machen, wie Sie auf einigen der im Internet gezeigten Beispiele sehen werden. Besonders wenn es um hierarchische Darstellungen zum Generalisieren und Spezifizieren geht, werden bevorzugt Relationen wie „ist Teil von“ oder „wird unterteilt in“ eingesetzt.

Probieren Sie einfach aus, was für Ihren Anwendungsbereich passt, und womit Ihre Auszubildenden am besten zurecht kommen.

III. Begriffsnetze in der Ausbildung einsetzen

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Alle Untersuchungen zum Einsatz von Begriffsnetzen im Bildungsbereich bestätigen den Nutzen dieses Werkzeugs. Umso mehr erstaunt, wie wenige Begriffsnetze bisher in der betrieblichen Ausbildung eingesetzt werden, zumal gerade hier die richtige Benutzung von Fachbegriffen besonders wichtig ist.

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Einsatz von Begriffsnetzen zur Vorbereitung

Vorbereiten können sich Ausbilderinnen und Ausbilder mit Begriffsnetzen vor allem selbst. Auch wenn sich Auszubildende anschließend ihr Begriffsnetz selbst erarbeiten sollen, sollte man sich selbst zuvor eins erstellt haben. Hingewiesen wird an dieser Stelle auf die Möglichkeit, mit Begriffsnetzen das Vorwissen von Auszubildenden zu erfragen. 

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Durchführung der Ausbildung mit Begriffsnetzen

Grundsätzlich lassen sich Begriffsnetze sowohl in Einzel- als auch in Gruppenarbeit erstellen. Wenn man Gruppen ausbildet, sollte man Gruppenarbeit bevorzugen, weil durch die Diskussionen der Auszubildenden untereinander wichtige Lernimpulse entstehen. 

Hierzu noch zwei grundsätzliche Bemerkungen:

  • Es kommt nicht auf ein perfektes Endprodukt an, sondern auf den Lernprozess bei der Erstellung. Begriffsnetze sind nie fertig.
  • Wenn Sie Begriffsnetze einführen wollen, dann macht dies nur Sinn, wenn Sie dieses Instrument immer wieder einsetzen. Sonst ist der Aufwand zu hoch. Unrealistisch wäre auch die Erwartung, es würde reichen, den Auszubildenden die Erstellung von Begriffsnetzen einmal zu zeigen und sie würden es dann ganz von selbst nutzen. Sie werden die Nutzung nur erreichen, wenn Sie sie immer wieder einfordern und mit den Auszubildenden gemeinsam nachbereiten. 
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Nachbereitung mit Begriffsnetzen

Lernprozesse sind umso nachhaltiger, je intensiver die Reflexion danach ist. Begriffsnetze eignen sich hervorragend, solche Nachüberlegungen anzuleiten, sei es für einzelne Aufgaben, größere Aufträge oder ganze Betriebseinsätze.

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Begriffsnetze gemeinsam erarbeiten

Das Erstellen von Begriffsnetzen ist nicht besonders schwer, viel leichter jedenfalls als das Lesen von technischen Zeichnungen oder Schaltplänen. Dennoch sollte man Schwierigkeit und Komplexität nur langsam steigern.

Hier wird vorgeschlagen, zunächst ein Begriffsnetz mit Auszubildenden gemeinsam zu erarbeiten. Dies lässt sich besonders gut mit einer Pinnwand durchführen oder mit PC und Beamer.

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Auszubildende selbst erarbeiten lassen mit steigender Schwierigkeit

Wenn Auszubildende das Grundprinzip verstanden haben, kann man sie gut die nächsten Schritte allein ausführen lassen. Man sieht dann, wie gut sie mit den Aufgaben zurecht kommen und wo ihre Schwierigkeiten liegen. 

Zwei Beispiele für einfache Begriffsnetze

Am einfachsten sind für den Anfang einzelne Aufzählungen. Hierzu finden Sie anschließend ein Beispiel aus der Metall- und eins aus der kaufmännischen Ausbildung.

Ich empfehle, die Anweisungen für die Erstellung der Begriffsnetze schriftlich zu formulieren. Das zwingt dazu genau anzugeben, was man von den Auszubildenden erwartet.

 

Beispiel 1: Ausbildung Metall

Anleitung: Unterscheidung von Arten und Formen von Stiften für das Fügen von Bauteilen

Bei der Ausführung von Montagearbeiten werden Sie für die Verbindung von Bauteilen immer wieder Stiftverbindungen einsetzen müssen. Dazu müssen Sie die unterschiedlichen Stiftarten unterscheiden und ihren jeweiligen Einsatzzwecken zuordnen können.

Erstellen Sie deshalb ein Begriffsnetz mit den verschiedenen Funktionen von Stiftverbindungen und ordnen sie diesen jeweils zu, welche Stiftform dafür bevorzugt eingesetzt wird. Nennen Sie auch, was die einzelnen Stiftformen in dieser Verbindung jeweils leisten.

 

Beispiel 2: Kaufmännische Ausbildung

Anleitung: Unterschiedliche Möglichkeiten der Überweisung im Zahlungsverkehr

Überweisungen sind die wichtigste Form des Zahlungsverkehrs in einem Unternehmen. Es ist deshalb wichtig, dass Sie die verschiedenen Überweisungsformen kennen und nach Einsatzzweck und Nutzen unterscheiden können.

Erstellen Sie deshalb ein Begriffsnetz mit den unterschiedlichen Unterweisungsformen. Zeigen Sie, worin sich die Formen unterscheiden, wann, bzw. aus welchem Grund sie eingesetzt werden und welche Vorteile jeweils mit der speziellen Form erreicht werden sollen.

Map Beispiel 1
Map Beispiel 1
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Map Beispiel 2
Map Beispiel 2
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IV. Begriffsnetze am PC erstellen

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Wenn man PC-Arbeitsplätze zur Verfügung hat, spricht alles dafür, diese auch für die Erstellung von Begriffsnetzen zu nutzen. Selbst an einer Pinnwand lassen sich Begriffe und Relationen nicht so leicht verschieben, wie auf dem Bildschirm.

Mit einem Beamer oder einem großen Monitor lässt sich auch eine Gruppenarbeit sinnvoll am Computer realisieren. Und seit es das leistungsfähige Programm „Cmap“ kostenlos gibt, ist auch das letzte Hindernis für die Nutzung von PCs entfallen. 

V. Anleitungen zur Erstellung von Begriffsnetzen

Person zeichnet Mind Map
© Andrey Popov - Fotolia.com

Besonders gut eignen sich Begriffsnetze, um Auszubildende anzuleiten, sich selbständig einen bestimmten fachlichen Zusammenhang aus einem Fachbuch zu erarbeiten. 

Zwei Beispiele

Zwei Beispiele zeigen, wie sich dafür Anleitungen formulieren lassen, und wie ein entsprechendes Begriffsnetz aussehen kann.

 

Beispiel 3: Metallausbildung

Anleitung: Unterscheidung verschiedener Verbindungsarten

In Ihrer Ausbildung sollen Sie lernen, unterschiedliche Montagearbeiten auszuführen. Dabei geht es darum, Bauteile miteinander zu verbinden. Sie sollen dazu die grundlegenden Verbindungsarten kennen und richtig benennen können.

Erarbeiten Sie sich dazu aus Ihrem Fachbuch in einem Begriffsnetz die unterschiedlichen Verbindungsarten. Berücksichtigen Sie dabei vor allem die jeweilige Art der Kraftübertragung. Nennen Sie zu den einzelnen Verbindungsarten typische Anwendungen.

 

Beispiel 4: Kaufmännische Ausbildung

Anleitung: Rechtliche Möglichkeiten bei Lieferverzug

Sie sind als Auszubildender z. Z. in der Waren-Annahme eingesetzt. Zu Ihren Aufgaben gehört es, den Wareneingang zu kontrollieren. Was müssen Sie prüfen, wenn eine Warenlieferung nicht wie erwartet eintrifft, und was müssen Sie veranlassen, um das Unternehmen vor Schaden zu bewahren?

Erarbeiten Sie dazu aus Ihrem Fachbuch ein Begriffsnetz. Zeigen Sie auf, unter welchen Voraussetzungen das Unternehmen Schadenersatz verlangen oder vom Kaufvertrag zurücktreten kann. Klären Sie auch, wann eine Mahnung an den Verkäufer notwendig ist und was bei einer Fristsetzung beachtet werden muss.

Map Beispiel 3
Map Beispiel 3
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Map Beispiel 4
Map Beispiel 4
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Aus einem Fachbegriff eine Arbeitsanweisung herausarbeiten

Im beruflichen Alltag werden oft umfangreiche Arbeitsabläufe mit einem Begriff zusammengefasst. Die erfahrene Fachkraft weiß dann, was sie zu tun hat, ein Auszubildender oft nicht. Ein Beispiel für eine solche in einem Begriff verkürzte Arbeitsanweisung ist das parallele Anreißen, das nicht nur in der Metallausbildung oft gefordert wird.

Beispiel

Eine Anleitung zur Erstellung eines Begriffsnetzes lässt sich so formulieren:

Beispiel 5: Metallausbildung

Anleitung: Paralleles Anreißen eines Werkstücks

In einer Unterweisung haben Sie gerade gelernt, wie man ein Werkstück parallel anreißt. Zeigen Sie in einem Begriffsnetz, worauf es beim parallel Anreißen besonders ankommt und wie Sie sicherstellen, dass der Anriß wirklich parallel ist. 

Map Beispiel 5
Map Beispiel 5
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Herausarbeiten von Arbeitsregeln

Fachlich richtiges Arbeiten lässt sich meist in der Form von Regeln formulieren. Der Vorteil von Regeln ist, dass sie sich leichter behalten lassen. Allerdings setzt die Arbeit nach Regeln voraus, dass der Sachverhalt selbst vollständig verstanden worden ist. Dieses Verständnis lässt sich mit einem Begriffsnetz sicherstellen. 

Beispiel

Gezeigt wird hier wieder ein Beispiel aus der Metallausbildung und wieder geht es um Stiftverbindungen.

Beispiel 6: Metallausbildung

Anleitung: Lagesicherung von Bauteilen durch Passstifte

In Ihrer nächsten Montagearbeit sollen Sie (nach der vorliegenden Zeichnung) zwei Bauteile mit einer Schraubverbindung kraftschlüssig verbinden und zusätzlich durch zwei Passstifte formschlüssig sichern. Zeigen Sie in einem Begriffsnetz, warum hier zwei Fügeverbindungen notwendig sind und in welcher Reihenfolge sie ausgeführt werden müssen. Beachten Sie dabei vor allem, wann Sie die Bohrung für die Passstifte ausführen müssen.

Formulieren Sie anschließend eine möglichst einfache Arbeitsregel für die fachlich richtige Vorgehensweise. 

Map Beispiel 6
Map Beispiel 6
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Vier Personen zeichnen Mind Map auf Papier
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Wie umfangreich sollen Begriffsnetze sein?

Wie die Beispiele 3 und 4 zeigen, können Begriffsnetze schnell sehr umfangreich und damit auch unübersichtlich werden. Damit stellt sich die Frage, wie umfangreich sollen Begriffsnetze überhaupt sein?

Eine natürliche Grenze ist durch das jeweilige Medium gegeben. Ein Begriffsnetz muss auf eine Seite oder eine Bildschirmansicht passen, und die Schrift muss dabei noch lesbar sein. Das beantwortet aber die Frage nur zum Teil. Fragen wir deshalb, wie viele Begriffe sollte ein Begriffsnetz enthalten? Leider gibt es darauf keine eindeutige Antwort. Wer von einem Thema wie dem Verbinden von Werkstücken bisher nichts gehört hat, wird durch die Darstellung im Beispiel 3 wahrscheinlich eher abgeschreckt. Ein Fachmann oder eine Fachfrau werden jedoch wahrscheinlich schnell bekritteln, was noch alles fehlt. Es gibt deshalb nur eine Antwort: Entscheidend ist nicht das Begriffsnetz auf dem Blatt Papier oder auf dem Bildschirm, sondern das, was durch den Prozess der Erstellung in den Köpfen der Auszubildenden entstanden ist. Schließlich geht es hier darum, Lernen zu fördern. Es kommt deshalb nicht darauf an, wie umfangreich ein Begriffsnetz ist, sondern wie es gelingt, Auszubildende so lange und so intensiv mit der Erstellung eines Begriffsnetzes zu beschäftigen, bis sich eine stabile Begriffsstruktur in ihren Gehirnen abbildet.

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Erstellung von Begriffsnetzen in Gruppen

Eine intensive Beschäftigung mit Begriffen und ihren Relationen lässt sich durch die Erarbeitung von Begriffsnetzen in Gruppen erreichen. Dies gilt allerdings nur dann, wenn sich alle an dem Diskussionsprozess aktiv beteiligen.

Dies ist der Grund, warum es riskant ist, wenn man mit einer größeren Gruppe von Auszubildenden mit Laptop und Beamer gemeinsam ein Begriffsnetz entwickelt. Hierbei besteht immer die Gefahr, dass der Ausbilder oder die Ausbilderin mit den drei Besten allein arbeitet, während der Rest das Geschehen mehr oder weniger passiv bis desinteressiert mit verfolgt. Begriffsnetze fördern nur dann das Lernen, wenn sie von jedem Auszubildenden, und gerade auch von den Schwächeren, selbst konstruiert werden. Dies methodisch sicherzustellen, darauf kommt es an. Wird ein Begriffsnetz nicht selbst konstruiert, wird nicht nur keine stabile kognitive Struktur im Gehirn aufgebaut, wahrscheinlich wird durch die Informationsverdichtung stattdessen das ohnehin herrschende Denkchaos eher noch verschlimmert. Dies gilt aber für Lernen in Gruppen generell: Es ist nur dann hilfreich, wenn dabei nicht die einen den anderen die Denkarbeit abnehmen. Leider lernen, wie oft behauptet, die Schwächeren keineswegs immer von den Stärkeren, viel öfter werden sie zusätzlich entmutigt.

Das letzte Begriffsnetz zeigt deshalb einen Vorschlag, wie sich die Arbeit mit Begriffsnetzen in Gruppen methodisch sinnvoll organisieren lässt.