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IT-Berufe werden neu geordnet

© auremar - Fotolia.com

Das BIBB hat im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) und des Ministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) den Modernisierungsbedarf der vier dualen IT-Ausbildungsberufe untersucht. Zentrales Ergebnis ist, dass Anforderungsprofile, Inhalte und innere Struktur der Berufe zu überarbeiten sind.

Die vier dualen IT-Berufe Fachinformatiker/Fachinformatikerin, IT-System-Elektroniker/, IT-System-Elektronikerin, IT-System-Kaufmann/IT-System-Kauffrau und Informatikkaufmann/ Informatikkauffrau stießen bei ihrer Einführung 1997 auf eine große Nachfrage der Wirtschaft, die bis heute ungebrochen ist. Die Zahl der jährlich neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lag in den letzten Jahren bei etwa 15.000, zuletzt steigend auf 16.000. 

Der Ausbildungsberuf Fachinformatiker/-in mit seinen beiden Fachrichtungen hat sich in den letzten Jahren immer mehr zur nachgefragten Kernmarke der IT-Berufe entwickelt, die die tendenziell rückläufigen Zahlen in den drei anderen Berufen überkompensiert. Zwischen 2015 und 2016 sind die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in diesem Beruf noch einmal um 1.000 auf über 12.000 gestiegen.

Seit Einführung der IT-Berufe sind etwa 250.000 IT-Fachkräfte für Hersteller- und Anwenderunternehmen von Produkten und Dienstleistungen der Informations- und Kommunikationstechnologie ausgebildet worden. Gleichwohl stellt die beschleunigte Digitalisierung und Vernetzung aller Produktions-, Verwaltungs- und Konsumtionsprozesse die IT-Berufe vor neue Herausforderungen. Als Querschnittsberufe, die neben der IKT-Branche in allen anderen Wirtschaftsbereichen Verwendung finden, arbeiten sie an den Nahtstellen der digitalen Transformation.

Das BMWi erteilte dem BIBB daher die Weisung zu untersuchen, ob die IT-Berufe angesichts der technologischen und arbeitsorganisatorischen Entwicklungen neu geordnet werden müssen.

Im Abschlussbericht dieser Untersuchung kommt das BIBB zu dem Schluss, dass eine Neuordnung der IT-Berufe geboten ist. Zudem werden folgende Empfehlungen gegeben:

Aktualisierung der Inhalte:

  • Über alle IT-Berufsprofile hinweg muss das Thema IT-Security (Datensicherheit, Verfügbarkeit, Datenintegrität und Datenschutz inklusive rechtlicher Aspekte) deutlich gestärkt werden. Dies betrifft, neben einem für alle (IT-)Berufe vertieften Grundverständnis für Fragen der IT-Sicherheit, je unterschiedliche Ausprägungen in den einzelnen Fachprofilen (z. B. Risikoanalyse, Technische Maßnahmen zum Schutz der Hardware und der Netze/Infrastruktur, Verschlüsselung, Berechtigungen, rechtliche Anforderungen an die IT-Sicherheit, Zertifizierung, Schulung etc.).
    Weitere relevante Themen sind Virtualisierung, Cloud-Computing, Big Data, Mobile Computing, Mobile Devices.
  • Zwei Drittel der IT-Fachkräfte arbeiten in Branchen außerhalb der IKT-Branche u. a. im verarbeitenden Gewerbe. Bezogen auf das Thema Industrie 4.0 sollte darüber nachgedacht werden, produktionsnahe Inhalte („Industriepaket“) wie etwa Robotik, Sensorik, Produktionssteuerung, 3D-Druck, Virtualisierung, Embedded Systems in der Ausbildung zu verankern.
  • Personale und soziale Kompetenzen haben eine hohe Relevanz für die Arbeit von IT-Fachkräften, insbesondere Lernbereitschaft, Eigenverantwortung, Kommunikationsfähigkeit, Problemlösefähigkeit.
  • Die Zufriedenheit mit der betrieblichen Ausbildung in den IT-Berufen ist sehr hoch. Die berufsschulische Ausbildung in den IT-Berufen sollte noch einmal näher beleuchtet werden, da die Ergebnisse dazu deutliche Hinweise geben. Im Fokus sollten dabei der Lehrstoff und die fachliche und methodische Ausbildung der Lehrkräfte stehen. Wichtig wäre auch, die Abstimmung zwischen den Lernorten zu verbessern.

Überarbeitung der Berufsprofile:

  • Die beiden Fachrichtungen des Fachinformatikers (Anwendungsentwicklung bzw. Systemintegration) sind klar voneinander abgegrenzt und nachgefragt. Die Profile haben sich insgesamt bewährt. Aus den Befragungen gibt es Hinweise, diese Profile noch stärker zu trennen.
  • Überschneidungen in den Anforderungen gibt es zwischen dem IT-System-Elektroniker/der IT-Systemelektronikerin und dem/der Fachinformatiker/-in, Fachrichtung Systemintegration. Daraus resultierende Optionen, wie zum Beispiel die Weiterentwicklung des IT-System-Elektronikers durch Integration von Inhalten des Fachinformatikers der Fachrichtung Systemintegration, sind zu diskutieren.
  • Zwischen den beiden kaufmännischen Ausbildungsprofilen IT-Systemkaufmann/-frau und Informatikkaufmann/-frau gibt es große Überschneidungen sowohl bei den Inhalten als auch bei den Tätigkeitsanforderungen der ausgebildeten Fachkräfte. Eine Zusammenlegung der beiden Berufe wäre eine sinnvolle Option.
  • Die Berufsbezeichnungen sollten im Zuge einer Neuordnung noch einmal grundlegend dahingehend überprüft werden, ob sie nicht auch für die Zielgruppe der weiblichen potenziellen Azubis attraktiver gestaltet werden könnte.

Neu-Justierung der Prüfungen:

  • Das Prüfungsinstrument der „Betrieblichen Projektarbeit“ wird insgesamt positiv bewertet, allerdings werden die für die Durchführung der betrieblichen Projektarbeit vorgegebenen Zeiten für nicht praxisgerecht gehalten.
  • Die Einführung einer gestreckten Abschlussprüfung wird von einer Mehrheit der Befragten positiv gesehen.

Das IT-Weiterbildungssystem wird kaum genutzt:

  • Berufliche Weiterbildung genießt einen hohen Stellenwert bei den IT-Fachkräften und den Personalverantwortlichen. Im Gegensatz dazu ist das tatsächliche Weiterbildungsverhalten der IT-Fachkräfte durchaus ausbaufähig. 
  • Das IT-Weiterbildungssystem spielt bei der Weiterbildung in den IT-Berufen nur eine untergeordnete Rolle. In erste Linie werden von den ausgebildeten Fachkräften Zertifikate, insbesondere Herstellerzertifikate zu speziellen Fachthemen erworben. Wichtig wäre es daher, das IT-Weiterbildungssystem nach der Neuordnung der Ausbildungsberufe bedarfsgerecht weiter zu entwickeln.

Bis Sommer 2017 sollen die Eckpunkte für die Neuordnung zwischen den Sozialpartnern vereinbart worden sein.

 

Weitere Informationen

Abschlussbericht zur Voruntersuchung IT-Berufe - Teil A als PDF-Datei

Abschlussbericht zur Voruntersuchung IT-Berufe - Teil B (Anlagen) als PDF-Datei

Weitere Dokumente und Informationen zum Projekt

BIBB-Pressemitteilung zum Abschlussbericht der Voruntersuchung