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Für Sie gelesen: Der Ausbilder als Coach

© Trueffelpix - Fotolia.com

Umfassend qualifiziertes Ausbildungspersonal gilt als Garant für den Ausbildungserfolg in den Betrieben. Dabei wird neben der Vermittlung von Fachwissen zunehmend auch Wert auf die Kommunikationsprozesse in der Ausbildung gelegt. Das nunmehr in der 6. Auflage erschienene Buch „Der Ausbilder als Coach“ ist mittlerweile ein Klassiker in der Fachliteratur für Ausbilder und Ausbilderinnen.

Bei einer erfolgreich absolvierten Berufsausbildung, haben zumeist alle Beteiligten gut gearbeitet. Wenn jedoch ein Auszubildender scheitert, wird dies nicht selten der fehlenden Intelligenz oder Motivation des Auszubildenden zugeschrieben. Häufig sind es jedoch nach Ansicht der Autoren schlicht Lernblockaden, die mit einem entsprechenden Wissen und Handeln überwindbar wären.

Der Ausbilder als Coach entwickelt und fördert bei seinen Auszubildenden konsequent das selbstständige Setzen und Erreichen von Ausbildungszielen. Er hilft, Lernschwierigkeiten zu überwinden, erkennt den Lerntyp des Auszubildenden und kann dementsprechend darauf eingehen. Ein Coach erzählt keine Geschichten, sondern stellt Fragen. Durch diese Fragen entwickelt der Auszubildende eigenständig Ideen, was zu tun ist. Dabei wird deutlich, dass er den Ausbildungsprozess mitgestaltet und die Verantwortung für sein Handeln trägt.

Das Buch „Der Ausbilder als Coach“ ist keine einfache Anleitung zur Neugestaltung der Ausbilderrolle. Genauso wie der Auszubildende später, wird zunächst der Ausbilder einem Coaching unterzogen und sein Denken und Handeln weiterentwickelt. Dazu gehört als erstes eine persönliche Standortbestimmung. Mithilfe eines Fragebogens, der typische Ausbildungssituationen und mögliche Reaktionen darauf skizziert, wird der eigene Ausbildungstyp bestimmt. Dies kann beim Leser durchaus zu AHA-Erlebnissen führen.

Die Autoren unterscheiden vier Ausbilder-Grundtypen:

  1. Den unterweisenden Ausbilder, der dem Auszubildenden stets sagt, was, wie, wann und wo zu tun ist.
  2. Den verkaufenden Ausbilder, der seine Auszubildenden mit vielfältigen Argumenten von der gestellten Aufgabe zu überzeugen versucht.
  3. Den partizipierenden Ausbilder, der Entscheidungen gemeinsam mit dem Auszubildenden trifft.
  4. Den delegierenden Ausbilder, der die Bewältigung der gestellten Aufgaben ganz dem Auszubildenden überlässt und sich auf gelegentliche Kontrollen beschränkt.

Dabei geht es nicht darum, den einen oder anderen Typ zu favorisieren, sondern alle Verhaltensweisen zu beherrschen und bewusst einzusetzen. Der coachende Ausbilder erkennt dabei den Reifegrad und Entwicklungsstand des jeweiligen Auszubildenden und setzt die verschiedenen Ausbildungsstile dementsprechend ein. Die Autoren erläutern die wichtigsten Aufgaben im alltäglichen Ausbilderhandeln dabei immer vor dem Hintergrund des fortlaufenden Coachingprozesses.

Die Themen der Kapitel im Einzelnen:

  • Vom Ausbilder zum Coach
  • Fachwissen anschaulich vermitteln – aber wie?
  • Sich und Auszubildende motivieren
  • Beurteilungen systematisch erstellen und besprechen
  • Beraten und Konflikte managen
  • Coaching-Tipps für Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte

„Der Ausbilder als Coach“ ist ansprechend und praxisnah geschrieben, gleichwohl die sehr saloppe Sprache und allzu bildhaften Vergleiche so manches Mal über das Ziel hinauszuschießen scheinen. „Qualifizieren, ohne zu planen, ist wie Bungee-Jumping ohne Gummiseil.“, ist so ein Beispiel. Wer damit leben kann, erhält ein umfangreiches und praxisnahes Buch, das sehr gut zur Reflexion der eigenen Tätigkeit als Ausbilder und Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit geeignet ist. Übersichtliche Symbole, Checklisten und Übungen helfen beim Arbeiten mit dem Werk. Wer den Ansatz der Autoren ernst nimmt und konsequent umsetzt – denn Coaching-Prozesse benötigen viel Zeit – wird nach der Lektüre mit Sicherheit besser mit seinen Auszubildenden und der eigenen Ausbilderrolle klarkommen.

Weitere Informationen

Der Ausbilder als Coach - Auszubildende motivieren, beurteilen und gezielt fördern
Autoren: Michael Kluge, Andreas Buckert
6. Auflage 2017, 288 Seiten
Verlag: Luchterhand
ISBN: 978-3-472-08959-9

 

Die Autoren sind Ausbildungsprofis. Michael Kluge arbeitet seit mehr als 25 Jahren freiberuflich als Personaltrainer und Coach in der Aus- und Weiterbildung von Ausbildern, Ausbildungsbeauftragten und Auszubildenden. Er hat zahlreiche Publikationen zum Thema Aus- und Weiterbildung veröffentlicht. Andreas Buckert ist in leitender Funktion verantwortlich für Ausbildung und Talentmarketing bei der BP Europa SE in Bochum. Dort hat er Qualifizierungsmodule für Ausbildungsbeauftragte entwickelt. Zudem arbeitet er als systemischer Coach.

Link zum Verlag mit Leseproben