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BIBB Report 1/2017 - Praktikums- und Ausbildungsstellen für Geflüchtete

© goodluz - Fotolia.com

Für die Integration junger Geflüchteter haben betriebliche Praktikums- und Ausbildungsmöglichkeiten einen hohen Stellenwert. In welchem Maße hierfür Kapazitäten in Betrieben zur Verfügung stehen, ist allerdings erst ansatzweise bekannt. Die Ergebnisse einer Betriebsbefragung zeigen nun, inwieweit Klein- und Mittelbetriebe Praktikums- und Ausbildungsplätze für Geflüchtete anbieten. Es zeigt sich u.a., dass hierbei auch Einschätzungen zu den Chancen der Flüchtlingszuwanderung für die deutsche Wirtschaft und der Mangel an (anderen) Interessenten für angebotene Ausbildungsplätze eine Rolle spielen.

Die Ergebnisse der Befragung kleiner und mittlerer Betriebe ausgewählter Berufsbereiche zeigen, dass ein recht kleiner Teil der Betriebe Geflüchtete bereits in ein Praktikums- oder Ausbildungsverhältnis aufgenommen hat. Darüber hinaus sind weitere Betriebe bereit, Geflüchtete beruflich zu qualifizieren und haben hierfür auch Plätze angeboten.

Allerdings wurden diese Angebote, die sich häufiger in etwas größeren Betrieben, in Betrieben des Handwerks, in Betrieben, die die Flüchtlingszuwanderung als Chance für die Wirtschaft begreifen, aber auch in Betrieben mit Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen finden, oft noch nicht in Anspruch genommen. Warum die Angebote noch nicht nachgefragt wurden, ist keine einfach zu beantwortende Frage. Zwar dürften Sprachbarrieren ein häufiger Hinderungsgrund sein (vgl. u.a. DIHK 2016; Geis/Placke/Plünnecke 2016), aber auch die Präferenz mancher jungen Geflüchteten, möglichst schnell eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, etwa um die noch im Herkunftsland lebenden Familienangehörigen finanziell unterstützen zu können (vgl. u.a. Brücker u.a. 2016), dürfte eine Rolle spielen.

Ferner können auch Passungsprobleme zwischen den angebotenen Berufen und den beruflichen Interessen der jungen geflüchteten Menschen vorliegen. Denn wie die vorgestellten Befunde zeigen, bieten Betriebe u.a. dann eher von sich aus Praktikums- und Ausbildungsplätze für Geflüchtete an, wenn (andere) Bewerber und Bewerberinnen fehlen. Das sollte zwar nicht pauschal dahin gehend interpretiert werden, dass Geflüchtete bei Nachfrageproblemen die „Notlösung“ darstellen. Denn die Alternative könnte schließlich auch darin bestehen, dass die betroffenen Betriebe ihr Ausbildungsengagement komplett einstellen. Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass größere Nachfrageprobleme vor allem in Ausbildungsberufen bestehen, die möglicherweise bei ausbildungsinteressierten Geflüchteten ebenso wie bei anderen ausbildungssuchenden jungen Menschen eher als unattraktiv gelten (vgl. u.a. Ulrich 2016; Matthes/Ulrich 2015).

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