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Reden ist Gold

Ausbilder spricht mit zwei Auszubildenden
© industrieblick - Fotolia.com

Eine neue Studie zeigt, warum so viele Ausbildungsverträge zwischen Jugendlichen und Betrieben vorzeitig gelöst werden und was man dagegen tun kann. Fast ein Viertel aller beruflichen Ausbildungsverträge wird jedes Jahr vorzeitig gelöst. Einer der Hauptgründe dafür sind Konflikte, die oftmals auf eine mangelnde oder misslungene Kommunikation zwischen Auszubildenden und Betrieben zurückzuführen sind.

Dies zeigt eine Studie des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) an der Georg-August-Universität Göttingen, die von der Vodafone Stiftung gefördert wurde. Die Studie hatte das Ziel, die Ursachen für vorzeitige Vertragslösungen in der Berufsausbildung zu ergründen und befragte dafür Ausbildungsbegleiter, also externe Vermittler, die Jugendliche und Betriebe beraten.

Im Ergebnis führen vor allem drei große Herausforderungen zu Problemen, die nach Einschätzung der Ausbildungsbegleiter immer wieder zu vorzeitigen Vertragslösungen führen.

In Kleinbetrieben kommen viele Risiken zusammen
Klein- und Kleinstbetriebe, die fast die Hälfte aller Ausbildungsplätze stellen, stehen oft unter hohem wirtschaftlichem Druck und haben wenige Ressourcen, um eine Ausbildung zu gestalten. Der Betrieb wird dann oft für den Auszubildenden kaum als Lernort, sondern vor allem als Arbeitsort erlebt, an dem sie sich völlig den Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen des Betriebes unterordnen müssen, so die Beobachtung der Ausbildungsbegleiter. Zudem gebe es oft eine strenge Hierarchie und der Ausbilder sei zugleich der Betriebsleiter. Dies würde die Auszubildenden zusätzlich hemmen, ihre Interessen deutlich zu machen, und eine sachliche Kommunikation bei Konflikten werde erschwert.

Für die Jugendlichen ist die Ausbildung eine große Umstellung in einem schwierigen Alter
Die Ausbildungszeit ist für die meisten Jugendlichen eine Phase der Rollenfindung, als Erwachsene und Arbeitnehmer. Neue Verhaltensanforderungen überfordern viele und das Risiko einer Vertragslösung steigt, wenn Azubis sich schwer damit tun, sich in die betrieblichen Regularien des Arbeitsalltags, wie Pünktlichkeit, Umgang mit Arbeitsschutz, Einhaltung von bürokratischen Abläufen, z.B. Krankmeldungen, einzugliedern.

Mangelnde Kommunikation führt zum Eindruck mangelnder Wertschätzung
Für erfolgreiche Ausbildungsverhältnisse, die von Respekt und Vertrauen geprägt sind, ist ein beidseitiger offener Meinungs- und Interessensaustausch wichtig. Die Erfahrung der Ausbildungsbegleiter zeigt, dass Ausbildungsverhältnisse eher scheitern, wenn in einem Betrieb keine „Gesprächskultur“ gepflegt wird. In diesen Fällen haben die Auszubildenden keine klaren Ansprechpartner und es werden keine regelmäßigen Anleitungs- und Feedbackgespräche geführt. Sie nehmen einen Mangel an Kommunikation dann als fehlenden kollegialen Respekt und als Ausdruck der eigenen Machtlosigkeit wahr. Da eben dieser innerbetrieblichen Kommunikation eine Schlüsselrolle zukommt, um Konflikte von vornherein zu entschärfen, empfehlen die befragten Ausbildungsbegleiter genau dort anzusetzen. Hierfür empfehlen sie unter anderem eine praxisnähere Berufsorientierung, die Bündelung externer Beratungsangebote für Auszubildende und Betriebe sowie eine verstärkte Unterstützung und Weiterbildung des betrieblichen Ausbildungspersonals.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung der Vodafone Stiftung mit Zusammenfassung der Studienergebnisse zum kostenlosen Download