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Die Moderationsmethode

Moderationsmethode
© contrastwerkstatt - Fotolia.com

Eine Gruppe von Auszubildenden wird moderierend angeleitet. Der Ausbilder ist dabei für die Wege zu Lern- und Arbeitszielen der Gruppe verantwortlich. Er ist nicht mehr „leitender Ausbilder“, sondern begleitet die Gruppe bei ihren eigenen Lernprozessen.

Wenn Sie Ihre Ausbildungsgruppe moderierend anleiten wollen, dann sind sie nicht mehr der "leitende Ausbilder", sondern derjenige, der für die Wege zu Lern- und Arbeitszielen einer Gruppe verantwortlich ist.

-Sie sind nicht verantwortlich für den Inhalt, haben aber eine Leitungsfunktion.
- Sie halten sich in Ihrer Meinung zum Thema zurück.
- Sie planen und begleiten die Gruppe in deren eigenen Lernprozessen.

Sie gestalten mit Hilfe der Instrumentarien der Moderationsmethode!

Woher kommt diese Methode und wie lässt sie sich in der Ausbildung einsetzen?

Die Methode wird schon lange in der betrieblichen Praxis bei Teamsitzungen, Workshops und Konferenzen eingesetzt, insbesondere dann, wenn es um Planungen, Problemlösungsprozesse und Besprechungen geht. Somit kann man davon auszugehen, dass die Auszubildenden in ihrem weiteren beruflichen Lebensweg immer wieder mit dieser Methode konfrontiert werden.

Auszubildende lernen, sich aktiv und zielgerichtet mit anderen an Prozessen zu beteiligen.

Die Methode ist damit ein spezifisches Instrument, durch das die Zusammenarbeit und die Kommunikation in Gruppen ergebnisorientiert gestaltet werden kann.

 

In welchen thematischen Zusammenhängen kann man die Moderationsmethode einsetzen?

  • bei der Erarbeitung von Projektaufgaben
  • bei Fragen der Gruppenkommunikation
  • bei der Problemlösungssuche
  • beim Vermitteln der Methode selbst
  • bei Besprechungen mit Kollegen oder aber mit der Ausbildungsgruppe

Wann ist die Methode nicht geeignet?

Bei der Vermittlung von Fachwissen. Hier würde der Moderator klar gegen seine Rolle verstoßen müssen.

Was kann ich mit der Moderationsmethode in meiner Ausbildungsgruppe verbessern?

Sie ist ein Instrumentarium zur Verbesserung bei:

  • Prozessen der Meinungsbildung,
  • Prozessen der Entscheidungsfindung,
  • der Gruppenkoordination und -kommunikation.

Denn sie

  • visualisiert Diskussionsinhalte,
  • hilft Gruppenkommunikation zu strukturieren,
  • hilft bei der Bewertung von Ergebnissen und deren Umsetzung.

Die Sitzordnung

- Der Raum sollte groß genug sein, damit sich die Gruppe frei bewegen kann und genügend Tafeln und Pinnwände aufgestellt werden können.
- Der Raum braucht Platz für viele Stühle und zwei bis drei Tische.
- Die Stühle für die Gruppe sollten im Halbkreis aufgestellt sein.

Grundelemente der Moderationsmethode

Zunächst wird diese Methode verstanden als ein Instrumentarium zur Verbesserung bei Prozessen der Meinungsbildung, Entscheidungsfindung und Kooperation in einer Gruppe. Der Moderator selbst plant und begleitet dabei diese Gruppenprozesse.

Die Hauptaufgabe des Moderators besteht in der Strukturierung, Systematisierung und Visualisierung dieser Prozesse. Dabei ist die gewählte Fragetechnik das wichtigste Handwerkszeug für den Moderator, um richtige Impulse für die Gruppendiskussion zu geben.

Im Wesentlichen stehen ihm hierbei drei Typen von Fragen zur Verfügung: Sammelfragen, Bearbeitungsfragen und Transparenzfragen.

  • Sammelfragen
    Mit Sammelfragen kann man alle zum Thema gehörenden Aspekte, Ideen und Lösungsmöglichkeiten erarbeiten.
  • Bearbeitungsfragen
    Mit Bearbeitungsfragen kann man Lösungswege zur Bewältigung eines Problem finden.
  • Tranzparenzfragen
    Mit dieser Form der Fragen sollen Meinungen und Positionen der Gruppenmitglieder dargelegt werden.

Praxis

In einer Ausbildungsgruppe klappt eine Projektaufgabe nicht. Sie wollen mit dieser Gruppe gemeinsam erarbeiten, woran das liegen könnte.

Wie kann ich dieses Thema mit der Moderationsmethode umsetzten?

Zunächst muss man um die Handwerkszeuge der Moderationsmethode wissen:
Niemand ist ein erfahrener Moderator von Beginn an. Sie werden im Laufe der Zeit einen kontinuierlichen Lernprozess erfahren und Ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Daher an dieser Stelle nur eine kurze Übersicht zu den wichtigsten Hilfsmitteln bei der Moderation.

Gut geplant ist halb gewonnen!

Flipchart

Neben den Stellwänden kann man ein Flipchart verwenden. Sie brauchen ausreichend Packpapier, Stecknadeln, Klebepunkte, Filzstifte in mehreren Farben sowie farbige Karten in unterschiedlichen Formen. Diese und andere Materialien findet man in sogenannten Moderatorenkoffern.

Moderatorenkoffer

Wenn Sie über keinen Moderatorenkoffer verfügen, kann man sich auch mit anderen Materialien helfen oder diese selber vorbereiten (Kärtchen zurechtschneiden). Benutzen Sie dicke Filzstifte für Überschriften. Schreiben Sie z.B.  in schwarz und heben Sie Wichtiges farbig hervor. Viereckige Karten können gliedern, ovale ergänzen. Zusätzlich können Sie Streifen und Kreise verwenden.

Pinnwand

Sammeln Sie auch ruhig Zeitungen und Zeitschriften. Aus diesen kann man gut Fotos und Schlagworte herausschneiden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Visualisierung
© Syda Productions - Fotolia.com

Warum soll man eigentlich Themen oder Fragen visualisieren?

Visualisierung unterstützt Wahrnehmungsprozesse in der Gruppenkommunikation.
Man erreicht damit eine einheitliche Ausgangsbasis für alle weiteren Arbeitsphasen.
Nur wichtige Punkte werden festgehalten – unwichtige kann man "wegpinnen".

Man kann in der Abschussphase leichter ein Protokoll erstellen.

 

Struktur entwickeln

Wenn Sie diese Voraussetzungen geschaffen haben, sollten Sie zunächst für das Seminar eine Struktur entwickeln. Diese Struktur teil sich in drei Phasen ein:

  1. Orientierungsphase
    Einstieg
  2. Arbeitsphase
    Themensammlung
    Bearbeitung der Themen
    Planung der Maßnahmen
  3. Abschlussphase
    Abschluss 

Fragetechnik

Wie gestalte ich aber nun selbst den Moderationsprozess ohne

  • eine eigene Meinung in die Gruppe zu tragen?
  • Ergebnisse vorwegzunehmen?

Das wichtigste Instrument der Moderationsmethode neben dem Raum und den Materialien zur Unterstützung der Visualisierung ist die Fragetechnik des Moderators bzw. der Moderatorin.

Bleiben wir beim Beispiel: "Das Gruppenprojekt klappt nicht!"
Der Formulierung der Frage ist entscheidend für das Feedback aus der Gruppe. Hier sind zwei Beispiele:

Geschlossene Suggestivfrage:
"Kann es sein, dass Probleme in eurer Gruppe das Projektergebnis verhindern?"
- keine Impulse für eine Gruppendiskussion

Offene Frage:
"Woran könnte es liegen, dass das Projekt kaum Ergebnisse liefert?"
- Impulse an die Gruppe regen die Diskussion an

Moderationstechniken

Bleiben wir bei unserem Beispiel der mangelhaften Projektarbeit. Die erste Fragestellung in der Orientierungsphase könnte lauten: "Was erwarten wir von diesem Seminar?"

Um diese Frage mit der Gruppe zu erarbeiten, stehen Ihnen verschiedene Moderationstechniken zur Verfügung. Hier drei der wichtigsten Techniken: 

1. Zurufabfrage

Die Teilnehmenden äußern Ihre Meinung oder Ihre Wünsche zu diesem Thema durch Zuruf. Der Moderator bzw. die Moderatorin schreibt direkt alles an die Pinnwand oder auf Karten. Danach kann man die Karten gemeinsam ordnen. Diese Technik ist dann sinnvoll, wenn man sehr schnell ein Meinungsbild erhalten möchte. Diese Form ist allerdings nicht anonym und birgt die Gefahr, dass sich einige nicht beteiligen.

2. Punktetechnik

Sie geben eine Frage vor, z.B.: Wie sehr bin ich vom Thema betroffen?

Sie verteilen zunächst Klebepunkte an die Teilnehmenden, malen ein Barometer an die Pinnwand und geben dann eine Frage vor. Danach bitten Sie jeden, nach vorne zu gehen und zu "punkten". Sie können mit dieser Methode "Stimmungen" abfragen oder aber die Tendenzen in der Gruppe feststellen, wenn Sie beispielsweise mehrere Themen vorgeben.
Auch Rangfolgen von Themen kann man mit dieser Technik feststellen. 

3. Kartenabfrage

Sie teilen an die Gruppe Karten aus. Wie viele, das entscheiden Sie im Vorfeld. Nun kann jeder sein Thema bzw. seine Wünsche auf diese Karten schreiben. Sie sammeln diese dann ein und sortieren gemeinsam mit der Gruppe die Karten.

Mit dieser Technik kann man hauptsächlich Ideen sichern sowie Schwerpunkte ermitteln und strukturieren. Der entscheidende Nachteil ist die umfangreiche Zeit, die diese Technik in Anspruch nimmt.

Zurück zu unserem Beispiel

Hat man das Problem strukturiert und neue Fragen oder grundsätzliche Probleme formuliert, kann der Moderator die Fragestellungen, insbesondere bei Bearbeitungsfragen, dann in Kleingruppen erarbeiten lassen. Der Erfolg solcher Kleingruppenarbeit hängt jedoch wesentlich davon ab, wie präzise und konkret die Arbeitsanweisungen des Moderators formuliert sind. Er gibt bei der Arbeit in Kleingruppen ein Schema vor und legt eine Bearbeitungszeit fest. Die Ergebnisse aus den Gruppen werden dann von einem oder zwei Gruppenmitgliedern im Plenum präsentiert.

Ein solches vorgegebenes Schema könnte folgendermaßen aussehen:

Bei der Kartenabfrage ist als ein Begriff "Informationsmangel" herausgekommen. Die Gruppe wird in drei Kleingruppen aufgeteilt. Jede dieser Kleingruppen erhält nun ein einheitliches Schema für die Diskussion und eine halbe Stunde Bearbeitungszeit. Die Gruppenergebnisse sind dann später im Plenum gut vergleichbar. Allerdings muss die Aufgabenstellung so gestaltet sein, dass sie auch Ergebnisse liefern kann.

Ergebnisse einer Moderation

In der Regel stehen am Ende einer Moderation keine konkreten Ergebnisse, sondern eine Reihe von anstehenden Aufgaben oder Problemen, die nun aber differenziert ausgearbeitet sind und vor allem von allen Beteiligten getragen werden. Ein weiteres Ergebnis können aber auch Arbeitsaufträge, Regeln oder Empfehlungen sein.

Ergebnisse der Moderation können auch in einen Tätigkeitskatalog münden. In diesem werden alle Aktivitäten der Gruppe, die im Rahmen der Moderation erarbeitet wurden, aufgeschrieben. 

Abschlussbemerkung

Stellen Sie sich vor einer Moderation immer folgende Fragen:

  • Wer ist meine Zielgruppe?
  • Was wollen die einzelnen Auszubildenden?
  • Welche Probleme können auftreten?
  • Was soll / kann nach der Moderation geschehen?
  • Welche Bedingungen stehen bereits fest?
  • Haben die Auszubildenden Erfahrungen mit der Moderationsmethode?