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Duale Berufsausbildung genießt hohes Ansehen bei Betrieben – Aufwand der Rekrutierung von Auszubildenden steigt

Ergebnisse einer qualitativen Studie zur Attraktivität der dualen Berufsausbildung in Verbindung mit der Funktion betrieblichen Ausbildungspersonals

Bäcker
© Ikonoklast_Fotografie / Thinkstock

Die duale Berufsausbildung nach Berufsbildungsgesetz bzw. Handwerksordnung hat in Deutschland eine lange Tradition und genießt weltweit hohes Ansehen. Sie ermöglicht vielen Jugendlichen einen qualifizierten Einstieg in das Beschäftigungssystem und bietet Betrieben die Möglichkeit, ihren Fachkräftebedarf zu sichern und damit ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Die Qualität und Attraktivität der betrieblichen Berufsausbildung wird durch qualifiziertes Ausbildungspersonal gewährleistet, das in der Lage ist, die Ausbildung sach-, anwendungs- und adressatenbezogen im jeweiligen betrieblichen Kontext als spannende Herausforderung für die Auszubildenden zu gestalten. Foraus.de führte Ende 2014 eine qualitative empirische Studie zur Attraktivität der dualen Berufsausbildung in Verbindung mit der Funktion betrieblichen Ausbildungspersonals durch. Dazu wurden 30 leitfadengestützte Experteninterviews in insgesamt 30 ausbildungsberechtigten Betrieben unterschiedlicher Betriebsgrößenklassen und aus verschiedenen Branchen geführt.

Ziel der Studie war es, herauszufinden, was die Attraktivität der dualen Berufsausbildung für die Betriebe ausmacht. Vielfältige quantitative Studien zu diesem Thema legen den Fokus auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Berufsausbildung im dualen System. Der thematische Schwerpunkt der vorliegenden Studie sollte darauf liegen, welche Aspekte neben der ökonomischen Sicht für die Betriebe bei der Entscheidung für die duale Berufsausbildung eine Rolle spielen. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf das Ausbildungspersonal gelegt. Um einen umfassenden Einblick in die Erfahrungswelt der Unternehmen zu erhalten, wurden ausbildende und nichtausbildende Betriebe interviewt. Die Studie wurde im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung von „aproxima - Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung Weimar mbH“ durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Einstellungen und Erfahrungen der Betriebe mit der dualen Berufsausbildung von verschiedenen Faktoren abhängen. Ein wesentlicher Faktor scheint allein schon die Tatsache zu sein, dass sich Unternehmen dazu entschieden haben, sich in der dualen Berufsausbildung aktiv zu engagieren bzw. davon Abstand zu nehmen. Ausbildende Unternehmen schreiben der dualen Berufsausbildung einen hohen Stellenwert zu. Sie sehen neben dem betrieblichen Eigennutzen (Nachwuchssicherung, langfristige Bindung von Mitarbeitern und Verjüngung der Belegschaft, Implementation neuer Ideen im Unternehmen) auch viel stärker als nicht ausbildende Betriebe die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den jungen Generationen und der Volkswirtschaft, deren Zukunftsperspektive vom Fachkräftenachwuchs wesentlich abhängt.

Darüber hinaus betonen die ausbildenden Unternehmen die große Bedeutung der Ausbilderinnen und Ausbilder im Betrieb. Sie werden als geachtete Mitarbeiter und Autoritätspersonen im positiven Sinne beschrieben. Ausbilderinnen und Ausbilder leisten einen strategischen Beitrag für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens. Hervorgehoben wird in diesem Zusammenhang besonders die wichtige Rolle der Ausbilder für Nachwuchssicherung und Qualifikation der Mitarbeiter. Dem gegenüber erbringen die Auszubildenden nicht sofort, sondern vor allem im zweiten und dritten Ausbildungsjahr, wenn sie schon über entsprechende fachliche Grundlagen verfügen, durch ihre Arbeit einen direkten wirtschaftlichen Nutzen. Nichtausbildende Betriebe bezweifeln generell, dass Auszubildende im Rahmen der Ausbildung einen monetären Gewinn erarbeiten.

Durch ihre Tätigkeit fördern die Ausbilderinnen und Ausbilder die Attraktivität der dualen Berufsausbildung. Das geschieht vor allem durch ihr Wirken als Ansprechpartner für die Jugendlichen und die Kontaktpflege mit Schulen.
Die Attraktivität der dualen Berufsausbildung wird aus gesellschaftlicher Perspektive grundsätzlich positiv beurteilt, da sind sich ausbildende und nichtausbildende Betriebe nahezu einig. Vor allem im internationalen Vergleich sei das deutsche System wegweisend. Innerhalb der deutschen Gesellschaft genießt aber der Facharbeiterberuf ein eingeschränktes Ansehen. Insbesondere nichtausbildende Betriebe beklagen, dass in der öffentlichen medialen Kommunikation mehr Freizeitkultur als Arbeitskultur dargestellt würde, was den Fokus junger Menschen von einer positiven Wertung der Facharbeiterkarriere ablenkt. Facharbeiterberufe genießen gegenüber Studienabschlüssen in der Öffentlichkeit eine geringere Wertschätzung. Auch wenn dies branchenabhängig sei, ist ein genereller abfallender Meinungstrend zu erkennen. Das beeinträchtige die Nachfrage nach Facharbeiterausbildungen unter den Jugendlichen. Verbesserte Berufseinstiegschancen könnten die Attraktivität der Facharbeiterberufe wieder erhöhen.

Dabei spielen die Ausbildungsvergütung und die später zu erwartende Facharbeiterentlohnung eine wesentliche Rolle. Das ist Konsens zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Unternehmen. Letztere fühlen sich dadurch in ihren Möglichkeiten, dual auszubilden, eingeschränkt. Sie unterliegen hier im Konkurrenzkampf um gute Bewerber den großen Unternehmen, weil sie beim Vergütungsniveau nach eigenen Einschätzungen nicht mithalten können. In dieser Frage wirkt sich auch ein nicht unwesentlicher Einfluss der Eltern auf die jugendlichen Bewerber aus. Sie beeinflussen die Berufswahl ihrer Kinder, indem sie verstärkt auf Berufe hinweisen, in denen gute Ausbildungsentgelte und später gute Facharbeiterlöhne zu erwarten sind. Somit hat sich auch die Erwartungshaltung der Jugendlichen an die Ausbildung und den späteren Beruf verändert.

Ausbildende und nichtausbildende Betriebe sind sich weitestgehend darin einig, dass der Aufwand der Bewerbersuche gestiegen ist. Zum einen sanken nach ihrer Ansicht in den letzten Jahren die Bewerberzahlen und auch die Qualität der Bewerber. Angemerkt werden von ausbildenden und nichtausbildenden Unternehmen auch die motivationalen und fachlichen Defizite junger Bewerber. Für die teilweise umfassenden Probleme besonders in Deutsch und Mathematik wird das Schulsystem in die Verantwortung genommen. Auch das schreckt nichtausbildende Betriebe ab, zukünftig auszubilden.

In erster Linie argumentieren die Gesprächspartner aus den nichtausbildenden Unternehmen mit den für sie betriebswirtschaftlich nicht vertretbaren direkten und indirekten Ausbildungskosten. Sie seien der Hauptgrund, nicht auszubilden. Das korreliert mit der Betriebsgröße. Je kleiner die Betriebe, desto häufiger wurde dieses Argument genannt. Es wird flankiert durch Argumente fehlender personeller Ressourcen zur Betreuung von Auszubildenden, fehlender Möglichkeiten, den Ausbildungskanon abdecken zu können und der Feststellung, dass den jungen Menschen nach der Ausbildung keine berufliche Perspektive geboten werden kann.

Nichtausbildende Unternehmen würden motiviert auszubilden, wenn eine kritische Unternehmensgröße und Belegschaftsgröße erreicht ist, wirtschaftliche Prosperität langfristig einsetzt, die Ausbildungsentgelte den betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst sind und die berufsschulische Ausbildung auf die berufsrelevanten Themen fokussiert und die Lehrlinge somit mehr Ausbildungszeiten im Unternehmen absolvieren würden.