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Maßnahmen zur Systematisierung

Kommunikation und Kooperation organisieren

Lernen im Betrieb ist vor allem dann erfolgreich, wenn Auszubildende in ein Netz persönlicher Beziehungen eingebunden sind. Sie arbeiten nicht nur mit erfahrenen Fachkräften zusammen, sondern sie reden auch mit ihnen, erfahren Arbeitshaltungen und übernehmen so die Betriebskultur. Wie sich Auszubildende in einem Arbeitsbereich angenommen fühlen, ist wesentlich für den Ausbildungserfolg. Auch wenn es im Betrieb keine hauptberuflichen Ausbilder gibt, lässt sich die Kommunikation und Kooperation systematisch verbessern. Dafür lassen sich drei Bereiche unterscheiden:

  • Die Lernkultur im Unternehmen
    Lernen von Auszubildenden lässt sich besonders gut anleiten, wenn es im Unternehmen insgesamt eine entwickelte Lernkultur gibt. Werden regelmäßig Probleme mit Mitarbeitern besprochen? Werden Mitarbeiter an der Lösung von Problemen beteiligt? Gibt es Qualitätszirkel? In solche Maßnahmen können Auszubildende nicht nur erfolgreich eingebunden werden, sie können auch selbst, z. B. durch Rechercheaufträge zu den Ergebnissen beitragen.
  • Anleitung und Betreuung
    Unabhängig von der Betriebsgröße müssen für zwei Aufgaben bestimmte Personen fest benannt werden. Eine Person ist für die Ausbildung insgesamt verantwortlich. Sie entscheidet, wo Auszubildende wie lange eingesetzt werden oder an welchen Projekten sie mitarbeiten, sie beobachtet die Lernfortschritte und hält den Kontakt zur Berufsschule. Vor allem aber ist diese Person als Ansprechpartner für die Auszubildenden erreichbar.
    Eine zweite Person übernimmt die Anleitung für bestimmte Aufgaben. Diese Person muss sicherstellen, dass sich Auszubildende alle notwendigen Fachkenntnisse für die Ausführung einer Aufgabe erarbeiten, Gefährdungen für die Auszubildenden und andere ausschließen und schließlich auch die Arbeitsergebnisse auswerten.
  • Austausch mit anderen Auszubildenden
    Sehr viel können Auszubildende voneinander lernen. Insbesondere bei Schwierigkeiten können andere Auszubildende oft besser helfen, als erfahrene Fachkräfte. In Arbeitsprozessen werden Auszubildende zumeist einzeln eingesetzt, dort fehlt dann der Kontakt zu anderen Auszubildenden. Dieser Mangel lässt sich durch regelmäßige Treffen von Auszubildenden eines Betriebes ausgleichen. Effizient werden solche Treffen, wenn Auszubildende lernen, diese auch selbst ergebnisorientiert zu moderieren.

Aufgaben auswählen und zu Lernaufgaben aufbereiten

Arbeitsaufgaben sind das zentrale Element für jedes Lernen in Arbeitsprozessen. Die Auswahl und Aufbereitung von Arbeitsaufgaben für die Ausbildung ist entscheidend für den Ausbildungserfolg. Für die Aufbereitung von Arbeits- zu Lernaufgaben gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Drei Vorgehensweisen werden hier vorgestellt:

Ausbilden mit Lernaufgaben

Informationsbasis schaffen

Wann immer möglich, sollen Auszubildende sich selbst Informationen für die Bearbeitung einer Aufgabe erarbeiten. Dies setzt voraus, dass solche Informationen vorhanden und für die Ausbildung im Arbeitsprozess verfügbar sind. Will man nicht jedes Mal geeignete Unterlagen neu zusammensuchen, kann man ein einheitliches System vorgeben, in dem Informationen gesammelt werden. Dies kann für jede Aufgabe ein Ordner mit Unterlagen sein, oder eine Datenbank im Intranet. An dieser Sammlung von Unterlagen lassen sich gut Auszubildende beteiligen.

Prozessverständnis fördern

In einer prozessorientierten Arbeitsorganisation sind alle Arbeitstätigkeiten Prozessen zugeordnet und werden durch diese bestimmt. Sollen Auszubildende ihre Rolle und die Bedeutung bestimmter Arbeitstätigkeiten verstehen, müssen sie zuvor den Prozess insgesamt verstanden haben. Für die Ausbildung in Arbeitsprozessen wird deshalb empfohlen, jeweils mit einer Prozesserkundung zu beginnen. Dies lässt sich mit einem Erkundungsleitfaden anleiten. Ein Beispiel für einen solchen Leitfaden wird hier vorgestellt.

Vorbereitung anleiten

Bevor Auszubildende mit der Bearbeitung einer Aufgabe beginnen können, müssen sie eine Vorstellung darüber haben, wie sie vorgehen wollen. Nach der Methode der vollständigen Handlung geschieht dies in drei Schritten. In einem ersten Schritt erarbeiten sich Auszubildende notwendige Fachkenntnisse. Im zweiten Schritt erstellen sie einen Arbeitsplan. Im dritten Schritt besprechen sie ihren Arbeitsplan mit einer Fachkraft.

Für die Vorbereitung nutzen die Auszubildenden die bereits angelegte Informationsbasis (Ansatz 3). Dabei sollen Auszubildende auch überprüfen, ob die gesammelten Unterlagen noch aktuell sind und sie ggf. gegen neue austauschen.

Ein besonderer Vorteil der Ausbildung in Arbeitsprozessen besteht darin, dass Auszubildende die Bearbeitung einer Aufgabe beobachten und beschreiben können, bevor sie selbst mit der Ausführung beginnen. Solche Beobachtungen sollten fester Bestandteil der Vorbereitung sein.

Durchführung betreuen

Die Betreuung der Ausführung erfolgt üblicherweise durch die Fachkraft, die diese Aufgabe regelmäßig ausführt. Die Betreuung erfüllt drei Funktionen: Zum einen muss sichergestellt werden, dass bei der Bearbeitung keine Fehler geschehen, die sich nicht korrigieren lassen. Zum zweiten geht es darum, Schäden und Gefährdungen zu verhindern. Eine dritte Funktion ist, Auszubildende sich nicht sich selbst zu überlassen. Einerseits sollen Auszubildende neue Aufgaben möglichst selbstständig bearbeiten, andererseits müssen sie bei Unsicherheiten jemanden fragen können.

Nachbereitung sicherstellen

Für den dauerhaften Lernerfolg ist die Nachbereitung mindestens so wichtig wie Vorbereitung und Durchführung. Sie trägt entscheidend dazu bei, Handlungspläne sicher im Gedächtnis abzuspeichern. Umso bedenklicher ist, wenn gerade beim Lernen im Arbeitsprozess die Nachbereitung oft vernachlässigt wird, weil die Aufgabe an sich erledigt ist. Umso wichtiger ist, für eine systematische Ausbildung genau festzulegen, worin eine Nachbereitung bestehen soll, wie sie durchzuführen ist und wem dafür die Verantwortung übertragen wird.

Die Nachbereitung sollte vier Aktivitäten vorsehen:

  • Eine Nachbereitung muss immer mit der Selbstkontrolle des Arbeitsergebnisses beginnen.
  • Die Auszubildenden dokumentieren ihre Abweichungen vom vorher erstellten Arbeitsplan. Selten werden Arbeitspläne so ausgeführt, wie vorher gedacht. In der aktuellen Situation sieht vieles anders aus.
  • Geht es bei den ersten beiden Aktivitäten vor allem um die Dokumentation von Fakten, zielt die dritte Aktivität auf die subjektive Bewertung. Was war besonders schwierig? Worauf bin ich besonders stolz? Was würde ich beim nächsten Mal anders machen? Worin will ich noch besser werden?
  • Zur Nachbereitung gehört unverzichtbar das Auswertungsgespräch mit einer Fachkraft oder jemandem, der für die Ausbildung verantwortlich ist. Dabei sollte es nicht darum gehen, Auszubildenden nur ihre Fehler vorzuhalten, sondern gemeinsam das weitere Lernen zu planen.

Wie für die Ausbildung im Arbeitsprozess insgesamt gilt ganz besonders für die Nachbereitung, je intensiver Auszubildende sich auf das Nachbereitungsgespräch vorbereiten müssen, desto geringer ist der von den Fachkräften dafür benötigte Zeitaufwand.

Elektronische Medien einsetzen

Elektronische Netze sind heute in Betrieben überall verfügbar und machen damit auch den arbeitsplatznahen Einsatz elektronischer Medien für die Ausbildung möglich. Insbesondere zur Vorbereitung auf die Bearbeitung von Aufgaben lassen sich elektronische Medien lernfördern einsetzen und damit gleichzeitig ausbildende Fachkräfte wirkungsvoll entlasten.