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Interview zum Thema Lern- und Arbeitsaufgaben

mit Dipl.-Päd. Johannes Koch vom Friedrichsdorfer Büro für Bildungsplanung und Reinhold Frenz, Geschäftsführer der ModernLearning GmbH

Die Interviewpartner:

Dipl.-Päd. Johannes Koch
Friedrichsdorfer Büro für Bildungsplanung, Berlin

Das Friedrichsdorfer Büro hat in den 1980iger Jahren maßgeblich die Entwicklung der Leittextausbildung befördert. Heute konzipiert und berät es Unternehmen und Institutionen bei der Entwicklung und Einführung neuer Methoden in die Aus- und Weiterbildung.


Reinhold Frenz
Geschäftsführer ModernLearning GmbH

Die ModernLearning GmbH entwickelt seit 1999 komplexe eLearning-Programme und -Systeme für die berufliche Aus- und Weiterbildung.

Frage:
Herr Koch, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema handlungsorientierte Ausbildung und den Möglichkeiten, diese in der Ausbildungspraxis zu vermitteln. Welchen Stellenwert nehmen Lern- und Arbeitsaufgaben in diesem Kontext ein und wie definieren Sie überhaupt Lern- und Arbeitsaufgaben?

Wenn man in Arbeitsprozessen ausbildet, dann erfolgt das immer notwendig an den in diesem Prozess vorhandenen Arbeitsaufgaben. Diese sind dann automatisch Lernaufgaben, denn an ihnen soll ja auch gelernt werden. Dies ist der Sinn einer Ausbildung. Die entscheidende Frage ist, wie systematisch dies geschehen soll und welche Unterstützung die Auszubildenden erhalten. Für die Systematisierung von Lernaufgaben gibt es unterschiedliche Konzepte. Ich favorisiere das Konzept, die Aufgaben so zu ordnen, dass sich für die Auszubildenden daraus ein sinnvoller Lernweg ergibt. Der Ansatz ist also die Auswahl geeigneter Aufgaben und ihre Ordnung zu einer lernförderlichen Reihenfolge.

Frage:
Herr Frenz, als Kommunikationsexperte und Mediendidaktiker müssen Sie angesichts wenig zur Verfügung stehender Zeit für das Ausbildungspersonal gut visualisierte Wege aufzeigen, mit deren Hilfe Lern- und Arbeitsaufgaben abgebildet werden können. Was ist Ihr didaktischer Ansatz dazu?

Der didaktische Ansatz im Zusammenhang mit Lern- und Arbeitsaufgaben besteht darin, komplexe Arbeitsprozesse in einzelne Arbeitsaufgaben zu unterteilen. Zur Bearbeitung der einzelnen Aufgaben müssen die Auszubildenden zuvor notwendige Fachkenntnisse erwerben. Diese Fachkenntnisse können direkt über das Programm geliefert werden, oder das Programm leitet dazu an, sich diese Informationen aus dem Internet oder anderen Quellen zu beschaffen.

Frage:
Angesichts der immer stärkeren Nutzung netzgestützter Lern- und Arbeitsumgebungen stellt sich das Problem, eine unüberschaubare Vielfalt an Informationen zu strukturieren. Wie arbeiten Sie beide da zusammen?

Die mediale Unterstützung für das Lernen an Aufgaben unterscheidet sich grundsätzlich vom eLearning mit Lektionen. Hier versuchen wir, gemeinsam neue Wege dafür zu finden, Informationen, die für die Bearbeitung einer Aufgabe notwendig sind den Auszubildenden möglichst anschaulich zur Verfügung zu stellen.

Frage:
Herr Koch, was ist eigentlich der Vorteil von sogenannten „Maps“ bei der Erarbeitung von Lern- und Arbeitsaufgaben?

Seit ich überhaupt in der beruflichen Bildung arbeite, ist mir immer wieder aufgefallen, dass sich viele Lernprobleme von Auszubildenden auf das unzureichende Verständnis der fachlichen Bedeutung von Begriffen zurückführen lassen. Bei diesen Maps handelt es sich immer um grafische Symbole, mit denen Zusammenhänge visualisiert werden. Wir arbeiten mit drei verschiedenen Symbolsystemen. Zum einen mit Flussdiagrammen zur Darstellung von Arbeitsabläufen, so wie sie in den Betrieben z. B. in Qualitätshandbüchern verwendet werden. Ein zweites Symbolsystem sind Begriffsnetze, auch als Concept-Maps bezeichnet. Sie stellen die Zusammenhänge von Fachbegriffen dar und sollen den Auszubildenden helfen, selbst solche begrifflichen Strukturen zu entwickeln. Ein drittes Symbolsystem versucht sog. Ziele-Bedingungen-Mittel-Einheiten in der Form von Entscheidungsbäumen darzustellen. Die Arbeitswissenschaft hat herausgefunden, dass Fachwissen bevorzugt in solchen ZBM-Einheiten im Gedächtnis abgespeichert wird. Mit unseren Entscheidungsbäumen wollen wir das Denken in solchen Einheiten bei den Auszubildenden anregen.

Frage:
Herr Frenz, welche Voraussetzungen muss aus Ihrer Sicht eine gut gemachte Bildungssoftware erfüllen?

Sie muss in erster Linie den Anwender dazu anregen, gerne mit der Software zu arbeiten und zu lernen. Dazu gehört ein professionell gestaltetes Erscheinungsbild, eine klare Struktur und die einfache Bedienung. Texte sollten leicht verständlich und didaktisch auf ihre Kernaussage reduziert sein. Längere Texte lieber auf mehrere Blöcke verteilen oder als Zusatzdokumente anbieten. Wichtig ist die mediale Aufbereitung der Inhalte in Form von Grafiken, Fotos, Videos, Animationen oder Simulationen. Das schafft Praxisnähe, spricht unterschiedliche Lerntypen an und fördert den Lernerfolg.

Frage:
Herr Koch, wo finden sich diese Vorzüge in den drei Beispielen wieder, die Sie zusammen mit Herrn Frenz in diesem Zusammenhang erarbeitet haben?

In den hier veröffentlichten drei Beispielen haben wir versucht, die verschiedenen Symbolsysteme für unterschiedliche Einsatzzwecke, z. B. auch für Unterweisungen und für den Berufsschulunterricht nutzbar zu machen.

Frage:
Herr Frenz, Herr Koch, was sind Ihrer Ansicht nach die momentan wichtigsten Aspekte multimedial angelegter Lehr- und Lernmaterialien und wie erfüllen sie die Ansprüche an zukunftsfähiges betriebliches Ausbilden und Lernen?

Die Anforderungen an multimediale Lernmedien hängen natürlich von ihrem Einsatzzweck ab. Für den Einsatz zur Unterstützung des Lernens an Lern- und Arbeitsaufgaben ist entscheidend, dass hier die Medien nie allein wirksam werden können, sondern in ein methodisch-didaktisches Gesamtkonzept eingebunden sein müssen. Der wichtigste Aspekt ist es aus unserer Sicht deshalb, solche Gesamtkonzepte zu entwickeln, mit denen sich die Nutzung aktueller Informationsmöglichkeiten für das Lernen in Arbeitsprozessen fördern lässt und damit die Zukunftsfähigkeit betrieblicher Ausbildung in der Wissensgesellschaft gesichert werden kann.