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Prozessorientiert ausbilden

Prozessorientiert ausbilden
© Matthias Enter - Fotolia.com

Die fortschreitende Automatisierung von industriellen Produktionsprozessen führt in den Betrieben zu neuen Formen der Arbeitsorganisation. Prozessorientierte Ausbildung soll dazu beitragen, Auszubildende auf diese veränderte Arbeitswelt vorzubereiten.

Prozessorientierung:

Prozessorientierung beschreibt ein bestimmtes Prinzip, die Arbeit in einem Betrieb zu organisieren. Der Gegenbegriff dazu ist funktionsorientiert. Dieses Begriffspaar steht für Ablauf- und Aufbauorganisation. Die zunehmende Automatisierung und damit die Integration verschiedener Bearbeitungsverfahren führen zusammen mit dem Bemühen um schlankere Produktionen vermehrt zu prozessorientierten Arbeitsorganisationen. In solchen Arbeitsprozessen ist häufig ein Team von Fachkräften aus unterschiedlichen Berufen gemeinsam für das Arbeitsergebnis verantwortlich.

Prozessbezug:

Neuere prozessorientierte Ausbildungsordnungen fordern, die Ausbildung prozessbezogen durchzuführen. Dies bedeutet, Ausbildungsbetriebe sollen Fertigkeiten und Kenntnisse aus ihren Arbeitsprozessen herleiten.

Ausbilden in Arbeitsprozessen:

Ausbilden in Arbeitsprozessen bedeutet Ausbildung in der betrieblichen Praxis im Gegensatz zu der in einer Ausbildungswerkstatt. Eine solche Ausbildung ist notwendig immer prozessbezogen. Wie prozessorientiert sie ist, hängt davon ab, wie prozessorientiert der Ausbildungsbetrieb seine Arbeit organisiert.

Prozessorientierte Arbeitsorganisationen fordern von Fachkräften nicht nur neue Kompetenzen, sondern verändern auch deren Vermittlung. Welche Fertigkeiten und Kenntnisse eine Fachkraft benötigt, wird nicht mehr nur durch den Beruf bestimmt, sondern auch durch den Prozess, in dem diese Fachkraft eingesetzt wird. Wechselt eine Fachkraft in einen anderen Prozess müssen teilweise andere Fertigkeiten und Kenntnisse neu erworben werden. Gleiches gilt, wenn die eingesetzte Technik in einem Prozess verändert wird, auch dann kann eine Anpassung an neue Fertigkeiten und Kenntnisse notwendig werden. Dies ist einer der Gründe, warum lebenslanges Lernen immer wichtiger wird. Die Fertigkeiten und Kenntnisse müssen zudem auf dem aktuellen Stand der Technik sein. Eine Vermittlung auf Vorrat, die auf alle möglichen Techniken vorbereitet, ist damit immer weniger sinnvoll, denn Kompetenzen, die nicht aktuell durch die betriebliche Praxis abgefordert werden, sind bereits nach kurzer Zeit veraltet.

Neue, prozessorientierte Ausbildungsordnungen versuchen dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. Sie geben keine bestimmten Techniken und Verfahren mehr vor, sondern geben den Betrieben auf, diese aus ihren eigenen Arbeitsprozessen jeweils aktuell herzuleiten. In der Ausbildung sollen also nur die Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden, die im Betrieb auch tatsächlich Anwendung finden.

Prozessorientierte Ausbildung planen

Die Systematik prozessorientierter Ausbildungsordnungen bedeutet einen Bruch mit bewährten Ausbildungstraditionen.

Abschied von der gemeinsamen Grundbildung

Bisher war es für die gewerbliche Ausbildung in Industrieberufen üblich, allen Auszubildenden eines Berufes die gleichen Grundfertigkeiten zu vermitteln. Dies galt sogar für Berufe eines Berufsfeldes. Mit prozessorientierten Ausbildungsordnungen wird dieser Anspruch fallen gelassen. Wenn die zu vermittelnden Fertigkeiten und Kenntnisse jeweils aktuell aus den betrieblichen Prozessen herzuleiten sind, macht eine breite Vermittlung von Grundfertigkeiten keinen Sinn mehr. Denn alles, was anschließend nicht angewendet und vertieft wird, ist totes Wissen, das zudem meist nach kurzer Zeit vergessen wird oder veraltet ist.

Mit der Ausbildung in Arbeitsprozessen beginnen

An die Stelle der Grundfertigkeiten tritt in den neuen Ausbildungsordnungen das Verständnis für betriebliche Prozesse und die Arbeit in ihnen. Die neuen prozessorientierten Ausbildungsordnungen sehen deshalb auch bereits am Anfang einer Ausbildung den Einsatz in der Praxis, zunächst mit ganz einfachen Aufgaben vor. Die Schwierigkeit der Aufgaben wird dann zunehmend gesteigert.

Neues Denken in der Planung

Die neue Systematik der prozessorientierten Ausbildungsordnungen legt den Betrieben eine grundsätzlich veränderte Planung ihrer Ausbildungen nahe:

  • Keine Vermittlung gemeinsamer Grundfertigkeiten, sondern Einsatz in der Praxis, beginnend mit einfachen Aufgaben
  • Vermittlung spezieller Fertigkeiten und Kenntnisse, die in den Arbeitsprozessen benötigt werden
  • Beauftragung mit komplexen Aufgaben in einem Einsatzbereich im letzten Ausbildungsjahr

Dieses Planungsschema hat vor allem Konsequenzen für die Nutzung von ausgelagerten Ausbildungswerkstätten. Sie werden jetzt nicht mehr für die Vermittlung der Grundfertigkeiten, sondern für die von speziellen Fertigkeiten gebraucht. Dies können dann auch nicht mehr einheitliche Standardlehrgänge sein, sondern sie müssen auf die Anwendung in der Praxis abgestimmt werden. Sinnvoll ist es, kurzen Lehrgangsphasen jeweils längere Anwendungen folgen zu lassen. Ein besonderer Vorteil dieser Ausbildungsorganisation ist, dass Auszubildende, die aus der betrieblichen Praxis heraus einen Lehrgang besuchen, bereits sehr genau wissen, wozu die zu erlernenden Fertigkeiten und Kenntnisse gebraucht werden.