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Wie wird man Ausbilder/-in und warum bleibt man dabei?

Ausbilder mit Auszubildenden
© goodluz - Fotolia.com

Die Übernahme von Ausbildungstätigkeiten erfolgt in der Regel auf Nachfrage durch Vorgesetzte und wird im besten Fall auch freiwillig übernommen und von den nebenberuflichen Ausbilder/-innen als Ergänzung zu ihren sonstigen Aufgaben begrüßt. Das neue Tätigkeitsfeld, das sie je nach betrieblicher Arbeitsorganisation und ihrer Position im Unternehmen relativ eigenständig gestalten können, wird häufig als Freiraum und letztlich auch Chance zu größerer beruflicher Erfüllung begriffen. Vielfach wurde berichtet, wie es mit eigener Kreativität, Empathie und Lebenserfahrung gelungen ist, interessante neue Aufgabenstellungen für die Auszubildenden zu entwickeln und insbesondere Jugendliche, die bei allen anderen angeeckt sind, erfolgreich zum Ausbildungsabschluss zu begleiten. Nicht unbeträchtlich ist auch die Arbeitsentlastung, die sich je nach Gewerbe unterschiedlich schnell im Zuge der Einarbeitung des Fachkräftenachwuchses ergeben kann und auf die insbesondere die Fachkräfte im Dienstleistungssektor auch zunehmend angewiesen schienen.

Kernaussagen:

1. In der Mehrzahl der Ausbildungsbetriebe gibt es keine formalisierten Verfahren zur Rekrutierung von Ausbilder/-innen. Die Auswahl erfolgt auf informellem Weg.

2. Jenseits der funktionalen Rollen Ausbilder/-in – Auszubildende/-r hat das persönliche, zwischenmenschliche Verhältnis eine hohe Bedeutung. Es ähnelt einer primären Sozialisationsbeziehung (Eltern-Kind) bzw. wird zur Mentor-Mentee-Beziehung ausgestaltet.

3. Die Betreuung von Auszubildenden wird von vielen Fachkräften als Bereicherung ihrer Fachtätigkeit betrachtet. Die Anerkennung durch die Auszubildenden stellt eine wichtige Motivationsquelle und einen Beitrag zur eigenen Arbeitszufriedenheit dar.

4. Verantwortliche Ausbilder/-innen erleben ihren Auftrag wie eine persönliche ‚Haftung‘ für die Auszubildenden und setzen über ihre inner- und überbetrieblichen wie auch privaten Netzwerke vielerlei Hebel in Bewegung, um strukturelle Missstände auszugleichen.

Im Idealfall speist sich die Motivation vor allem aus der Interaktion mit den Auszubildenden selbst: Auszubildenden zum Erfolg zu verhelfen, dabei selbst Neues zu lernen bzw. sein eigenes Wissen aufzufrischen und die junge Generation in der Entwicklung auch als Menschen zu begleiten, wird als persönliche Bereicherung erlebt. Das im günstigen Fall direkte positive Feedback – das ihnen durch Vorgesetzte zu ihrer fachlichen Arbeit häufig wenig zuteil wird – und die Anerkennung seitens der Auszubildenden haben einen wichtigen Anteil an der positiven Einstellung vieler Ausbilder/-innen.

Dass der Umgang mit Auszubildenden einen wesentlichen Anteil an der Arbeitszufriedenheit haben kann, weil dadurch persönliche, freundschaftliche Beziehungen entstehen und man selbst gespiegelt wird, verdeutlicht folgende Aussage eines Sachbearbeiters im Versicherungswesen:

„Diese Ausbildungstätigkeit, die hat mir schon immer sehr gut gefallen, die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten. Ich habe auch gemerkt, dass ich da ganz gut ankomme, ein sehr gutes Feedback bekomme, dass ich überhaupt ein Feedback bekomme. Das ist bei den jungen Leuten eigentlich immer sehr direkt, ja? Man tauscht sich aus, wir führen Zwischengespräche in der Hälfte der Ausbildung, wir führen Abschlussgespräche. Ich beurteile, ich werde aber auch beurteilt. Man bekommt also ein direktes Feedback und kann eins geben. Das hat mir in der Sachbearbeitung zum damaligen Zeitpunkt unter anderem gefehlt, ja? Ich konnte arbeiten ohne Ende, alles wurde als selbstverständlich hingenommen, kein Lob, keine Kritik. Es lief tagein, tagaus immer gleich ab, und das war mir dann irgendwann auch zu eingefahren, und das wollte ich nicht noch 30 Jahre so oder so ähnlich machen. Mich hat das gereizt, und ich habe das also auch bis heute nie bereut, weil das doch eine sehr interessante, abwechslungsreiche Tätigkeit ist. Ich habe, in den siebeneinhalb Jahren, wo ich das hauptberuflich mache, habe ich in meinen Büros insgesamt 90 Azubis gehabt. Und ja, da bestehen auch heute noch zu den meisten, wenn man sich sieht, sehr freundschaftliche, kollegiale Beziehungen und das ist das, was mir da insbesondere auch dran gefällt.“

Das Grundmuster der Rekrutierung über alle Fälle hinweg ist, dass die Fachkraft die Ausbildungsaufgabe übernimmt, weil es einen Bedarf gibt und sie von den Vorgesetzten für geeignet gehalten wird. Sie bezieht ihre Motivation ausschließlich aus der Freude, die ihr diese Arbeit macht bzw. dem Feedback, was sie von den Auszubildenden erhält und verfolgt damit keine weitergehenden Aufstiegsinteressen. Die Gründe, die betriebsseitig für ihre Auswahl gesprochen haben, werden selten explizit genannt. Zumindest sind diese den Befragten selbst nicht bekannt bzw. sie stellen diesbezüglich nur Vermutungen an.