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Wer gehört alles zur Gruppe des ausbildenden Personals in der betrieblichen Bildung?

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Charakteristisch für die betriebliche Ausbildung ist, dass die Ausführung von Ausbildungstätigkeiten nicht wie in der Berufsschule mit einem Berufsstand verbunden ist, sondern dass es sich um eine Funktion handelt, die im Betrieb auf viele Schultern verteilt ist. Besonders augenfällig ist dieser Tatbestand in kleinen Handwerksbetrieben, in denen Ausbildungs- und Arbeitsprozess nahezu deckungsgleich sind und die schrittweise Einarbeitung und Anleitung von Auszubildenden ein selbstverständlicher Teil der Arbeit ist. Hier haben die Fachkräfte häufig nicht einmal ein Bewusstsein dafür, dass sie ‚ausbilden‘ und der Prozess verläuft relativ ungeplant bzw. folgt den täglichen Arbeitserfordernissen.

Kernaussagen:

1. Hauptberufliche Ausbilder/-innen sind betrieblich eine sehr kleine Minderheit und faktisch nur in Betrieben mit eigener Lehrwerkstatt anzutreffen. Letztere machen nur 4,8 Prozent aller Ausbildungsbetriebe aus.

2. Die in der Ausbilder-Eignungsverordnung beschriebenen Handlungsfelder und Kompetenzen sind selbst in einem Kleinbetrieb so gut wie nie in einer einzelnen Person vereint, sondern verteilen sich auf eine breite Zahl von Beschäftigten. Nicht einzelne „Ausbilder/-innen“ als leicht bestimmbare Zielgruppe bilden aus, sondern der Betrieb als Gesamtgefüge.

3. Die als verantwortlich gemeldeten Personen bei den Kammern stimmen häufig nicht mit den tatsächlich praktisch ausbildenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern überein.

4. Das Gros der Ausbildung wird durch Fachkräfte ohne AEVO, die Ausbildungsaufgaben nebenberuflich erfüllen, bestimmt.

In mittleren bis großen Betrieben kommt es je nach kaufmännisch-verwaltenden oder gewerblich-technischen Ausbildungsgängen zu unterschiedlichen Funktionsdifferenzierungen. Auf der Umsetzungsebene ergibt sich ein komplexes Geflecht von formal zuständigen Vorgesetzten in den verschiedenen Abteilungen einerseits und praktisch ausbildenden Fachkräften in der Lehrwerkstatt sowie an den Arbeitsplätzen andererseits. An oberster Stelle schließlich steht überall die Ausbildungsleitung, die auf der Planungs- und Management-Ebene als Ansprechpartner dient.

Abgesehen von den Stabsstellen der Ausbildungsleitung wurde hauptberufliches Personal im engeren Sinn, das Vollzeit mit der Ausbildung von Auszubildenden befasst ist, nur im gewerblich-technischen Bereich der großen Betriebe mit mehr als 500 Mitarbeiter/-innen angetroffen. In der Ausbildung der kaufmännisch-verwaltenden Berufe der größeren untersuchten Dienstleistungsbereiche (Versicherungskonzern, IT-Unternehmensgruppe, Verwaltungszentrale eines Elektrokonzerns) waren alle Ausbilder/-innen nebenberuflich tätig. Einzelne Sachbearbeiter/-innen in der Hauptverwaltung der Versicherung, die in einem Ausbildungszimmer eingesetzt waren, hatten jedoch recht große Zeitanteile in der Ausbildung, die nahezu hundert Prozent ihrer Arbeit umfassten. Die Auszubildenden wurden hierbei als Ausgleich maßgeblich in die Abarbeitung der Arbeitsaufträge mit einbezogen.

Das Gros der innerbetrieblichen Ausbildungspraxis wurde über alle Branchen und Unternehmen hinweg jedoch von nebenberuflichen Ausbilder/-innen bestimmt, die auch die Mehrzahl der Befragten waren (73 Personen).