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Diebstahl im Betrieb - Azubis unter Verdacht

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  • Diebstahl im Betrieb - Azubis unter Verdacht

    Hallo,

    da ich schon lange hier als stiller Mitleser unterwegs bin und bisher immer eine Antwort auf meine Fragen gefunden habe, möchte ich mich heute einmal direkt an die Mitglieder mit einem Problem in unserem Betrieb wenden.

    Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin Ausbildungsmeister und seit sieben Jahren in einem größeren Kfz-Betrieb beschäftigt und betreue aktuell 16 Auszubildende. Wie wohl jeder Ausbilder hatte ich schon mit einigen Härtefällen zu kämpfen, doch im aktuellen Fall weiß ich nicht, wie ich weiter vorgehen soll und erhoffe mir daher eure Hilfe.

    Seit Oktober 2016 kommt es regelmäßig zu Diebstählen aus unserem Lager, bei denen vorwiegend kleinere Teile (Öl-und Kraftstofffilter, Zündkerzen usw.) entwendet werden. Der Verdacht richtet sich nun gegen einen der Azubis, da diese die einzigen sind, die sich neben den Lageristen dort täglich aufhalten. Die ausgelernten Mechaniker scheiden insofern aus, da die Teileausgabe direkt in der Werkstatt stattfindet und diese demnach keinen Grund haben, das Lager zu betreten.

    Wir möchten natürlich niemanden vorschnell verdächtigen, aber die Umstände deuten schon recht eindeutig in Richtung eines Azubis. Wie gesagt, die Mechaniker halten sich dort nie auf und die Lageristen sind beide über 20 Jahre im Betrieb und haben sich noch nie etwas zuschulden kommenlassen.

    Aufgeflogen ist das Ganze, da wir bei der Auftragserstellung für eine Reparatur/Inspektion direkt die vorrätigen Teile im Lager abfragen und daran unsere Terminvergabe ausrichten. Nun kam es immer wieder vor, dass die Teile als lagernd ausgezeichnet waren und man anschließend ein leeres Fach vorgefunden hat. Daraufhin wurden die Lageristen angewiesen, zweimal wöchentlich diese Teile zu kontrollieren und den Bestand nochmals schriftlich zu dokumentieren.

    Dadurch konnten wir die Diebstahlzeiträume ziemlich genau eingrenzen und durch einen Abgleich mit den Personaldaten herausfinden, dass drei der Azubis für die Taten in Frage kommen.

    Da durch die Diebstähle nicht nur finanzieller Schaden entstanden ist, sondern auch einige sehr gute Kunden durch das Nichteinhalten von Terminen verärgert worden ist die Vorgabe von meinem Chef ziemlich eindeutig. Der Dieb soll gefunden und fristlos gekündigt werden.

    Wie würdet ihr an meiner Stelle nun vorgehen?

    Ich wollte mit jedem Mitarbeiter ein Einzelgespräch führen und fragen, ob etwas aufgefallen ist, habe dabei aber Bedenken, dass der Dieb seine Taten einstellt und nie gefunden wird. Videoüberwachung oder das Einschalten eines Detektivs scheiden ebenso aus.
    Wäre über jegliche Art von Hilfe sehr dankbar.

    Liebe Grüße

    Sven

  • #2
    Hallo Seven,
    ich habe viele Jahre Seminare zum Thema Personaldiebstahl durchgeführt ("www.schlaueralsderklauer.de"; Tel.-Nr. ist nicht mehr aktuell, bin vor einigen Wochen umgezogen). Wenn nur drei Leute für die Tat in Frage kommen, ist es besser, erst ein Gruppengespräch durchzuführen mit zwei oder drei Beobachtern, die die Körpersprache, Mimik, Gestik und andere Veränderungen wie Augenzugangshinweise, schwitzen, etc. beobachten. Alle drei werden mit den Vorwürfen konfrontiert mit der Information, daß konkrete Hinweise vorliegen, aber den Leuten Gelegenheit gegeben werden soll, darüber zu sprechen. Erst dann folgt ein Einzelgespräch, weil sich der Täter sehr wahrscheinlich in der Gruppe anders verhalten wird. Zwei Leute werden ihre Unschuld beteuern; einer muss lügen. Das kann man sehen. Deshalb braucht es zwei Zeugen. Im Einzelgespräch dann wird der Mitarbeiter damit konfrontiert, daß konkrete Hinweise gegen ihn vorliegen. Es geht dann darum, den Mitarbeiter sofort zu entlassen durch einen Aufhebungsvertrag, der unter Zeugen unterschrieben wird, weil für eine fristlose Entlassung tatsächlich absolut wasserdichte Hinweise und Tatsachen nötig sind, die hier in diesem Fall ja nicht vorliegen. Denn wenn der Mitarbeiter dies weiß, kann er gegen eine fristlose Entlassung klagen und kriegt vielleicht sogar noch eine Abfindung. Deshalb Aufhebungsvertrag. ABER: wenn es irgendwie geht, versucht ein Schuldanerkenntnis von ihm zu bekommen. Die Alternative wäre, die Waren alle zurückzubringen oder den Gegenwert zu erstatten. Das wärs erstmal. In jeden Fall: die ganze Angelegenheit öffentlich machen. Liebe Grüße von Andreas D.

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    • #3
      Hallo Sven,

      solche Diebstähle sind schon heftig, hat sich die Sache mittlerweile aufgeklärt?

      So ein Problem hatten wir zum Glück noch nicht. Im Moment versuchen wir gegen die zunehmende Verschmutzung der Gemeinschaftsräume im Betrieb vorzugehen. Da ist es auch schwer, die "Schuldigen" auszumachen. Ist das in anderen Betrieben auch so, dass Papier nicht mehr aufgehoben bzw. einfach auf den Boden geworfen wird, in den Küchen überall Abfälle und schmutziges Geschirr steht usw.

      Viele Grüße
      Ausbilder75

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      • #4
        Zitat von Ausbilder75 Beitrag anzeigen
        Hallo Sven,

        solche Diebstähle sind schon heftig, hat sich die Sache mittlerweile aufgeklärt?

        So ein Problem hatten wir zum Glück noch nicht. Im Moment versuchen wir gegen die zunehmende Verschmutzung der Gemeinschaftsräume im Betrieb vorzugehen. Da ist es auch schwer, die "Schuldigen" auszumachen. Ist das in anderen Betrieben auch so, dass Papier nicht mehr aufgehoben bzw. einfach auf den Boden geworfen wird, in den Küchen überall Abfälle und schmutziges Geschirr steht usw.

        Viele Grüße
        Ausbilder75
        Das kennt man aber war das nicht schon ansatzweise imme so? Also wir haben damals in unseren Betrieb den Aufräumdienst eingeführt, wo die Auszubildenden rotierend für die Sauberkeit der AS zuständig waren. Auf diese Weise kann man zumindest ansatzweise für ein Verständnis sorgen. Ansonsten liegt es wohl individuell an der Fantasie des Ausbilders disziplinarisch erziehungstechnisch durchzugreifen

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        • #5
          Hallo,

          vielen Dank für eure Antworten und bitte entschuldigt meine späte Rückmeldung. Ich musste mich kurz nach meinem Beitrag hier einer ungeplanten Operation unterziehen und bin erst letzte Woche wieder in den Dienst eingestiegen.

          Leider kann ich keine uneingeschränkte Erfolgsmeldung geben, da die Diebstähle in der Zwischenzeit zwar aufgehört haben, der Dieb konnte bisher aber nicht überführt werden.

          Wir sind nach der Methode von Andreas D. vorgegangen und sind uns mittlerweile auch sicher, wer der Dieb ist, können es ihm aber nicht nachweisen. Es wurde sogar ein Gespräch im Beisein seiner Erziehungsberechtigten geführt, die aber von Anfang an klarstellten, dass sie keinen Aufhebungsvertag unterzeichnen werden. Auf die Androhung einer fristlosen Kündigung, bzw. von zivilrechtlichen Schritten haben wir verzichtet, um keinen Anfechtungsgrund für den Aufhebungsvertrag zu liefern, falls dieser trotzdem noch Zustandekommen sollte.

          Da es aus organisatorischen Gründen nicht möglich ist, den Lehrligen komplett den Zutritt zum Lager zu verbieten haben wir uns nun folgendermaßen beholfen: Für jeden Tag ist ein Azubi eingeteilt, der Zutritt zum Lager hat – sollten einmal mehrere benötigt werden, ist dies vorher mit dem Vorgesetzen abzuklären.

          Wird jemand ohne Zutrittsberechtigung im Lager erwischt, so ist unverzüglich der Vorgesetzte zu informieren und es wird eine Abmahnung ausgesprochen. Gleichzeitig werden laufend die Bestände der Waren geprüft, aber seit wir die oben genannten Maßnahmen ergriffen haben, ist es zu keinem Diebstahl mehr gekommen.

          Insgesamt für meinen Chef und mich eine recht unbefriedigende Situation, denn der Dieb bleibt weiter unter uns und muss wohl bis zur bestandenen Gesellenprüfung durchgezogen werden und verursacht dabei für alle beteiligten Parteien einen Mehraufwand.

          Vielen Dank nochmal für die Antworten.

          Beste Grüße

          Sven

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          • #6
            Hallo Sven,

            ich wünsche dir vorab eine gute Besserung und gute Genesung, ich hoffe es war nichts wildes!

            Schade, dass euch die Hände gebunden sind, aber das ist leider oft der Fall. Zum Glück wird wenigstens kein Diebstahl mehr begangen und das ist ein Erfolg, wenn auch nur ein kleiner,
            Eure Idee mit dem Lager finde ich übrigens gut. So lernen die Azubis auch eine gewisse Eigenverantwortung zu übernehmen und auf die Sachen acht zu geben.

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