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Machbare, wirkungsvolle und erlaubte Sanktionen

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  • Machbare, wirkungsvolle und erlaubte Sanktionen

    Hallo,

    ich bin in der Ausbildung eines sehr sozial eingestellten Großbetriebes mit ca 200 Azubis beschäftigt.

    Eines der größten Probleme ist das pünktliche Abgeben eines brauchbaren Ausbildungsnachweises.

    Dass der Nachweis gesetzlich und vertraglich gefordert ist, wissen die Azubis!
    Dass er Prüfungsvoraussetzung ist, wissen die Azubis!
    In welcher Art wir ihn fordern ( 1 DIN-A4-pdf-Formular pro Woche ausfüllen ) wissen die Azubis!
    Dass der Nachweis am ersten Arbeitstag der Folgewoche abzugeben ist, wissen die Azubis!

    Aber: Es klappt meist nicht!

    Wir führen Gespräche, wir ermahnen, wir mahnen auch schon mal ab, aber alles bleibt meist ohne Wirkung!

    Den Azubis ist zu klar, dass unser Betrieb in der Regel niemanden entlässt, erst recht keinen Azubi!

    Wir stehen nun vor dem Problem geeignete Sanktionen zu finden, die
    -weh tun
    -erlaubt sind
    -umsetzbar sind (ohne das Ausbildungsziel zu gefährden)
    -bei allen Azubis anwendbar sind ( u/ü 18, Kursteilnahme, Blockberufsschule )

    Hat jemand hierzu Ideen?

    Im Voraus vielen Dank!

  • #2
    AW: Machbare, wirkungsvolle und erlaubte Sanktionen

    Hallo Herr Schmid,

    nach meiner Einschätzung kann hier nur an der "Motivatinsschraube" gedreht werden.
    Andere (strafende) Sanktionen sind eher weniger zielführend.

    Versuchen Sie es einmal mit einem "Belohnungssystem", das aus vielerlei Elementen zusammen gesetzt ist.
    Am Ende könnte dabei ein "Ranking" stehen, der bei den Azubis den Ehrgeiz mobilisiert...

    Ich könnte mir z.B. auch vorstellen, dass die Ausbildungsnachweise bewertet werden und dass eine verspätete Abgabe gleich Minuspunkte in der Bewertung einbringt.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich wie wenig motivierend das Anfertigen von Ausbildungsnachweisen sein kann, wenn dann niemand mehr danach fragt. In meinem Fall wurde z.B. nur die Anzahl der Nachweise überprüft aber nicht der Inhalt. Das war dann überhaupt nicht mehr motivierend für mich...

    Also mein Rat: Versuchen Sie einfach kreativ mit diesem Problem umzugehen...

    Viel Erfolg!
    Seelsorger
    Dipl.-Handelslehrer
    Dipl.-Betriebswirt (FH)

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    • #3
      AW: Machbare, wirkungsvolle und erlaubte Sanktionen

      Hallo Herr Schmid,

      wissen die Azubis denn auch, welchen Sinn das fristgerechte Führen der Ausbildungsnachweise hat und welchen Nutzen sie selber davon haben? Kann man beides überhaupt überzeugend vermitteln, oder geht es hier einfach nur noch um einen 'alten Zopf'?

      Aus meiner Sicht können Ausbildungsnachweise ggf. lediglich nachweisen, dass alle nach dem Ausbildungsrahmenplan und dem Rahmenlehrplan geforderten Inhalte überhaupt vermittelt wurden. Aber: Welcher Ausbildungsbetrieb (vielleicht auch welche Berufsschule) kann für sich überhaupt in Anspruch nehmen, alle Inhalte vermittelt zu haben?

      Meine beiden Söhne wurden in Betrieben ausgebildet, in denen das Führen der Ausbildungsnachweise nicht ernst genommen wurde und in denen die Ausbildungsnachweise auch nicht eingefordert wurden. Kurz vor der Prüfung haben meine Söhne das alles nachgeholt, um der formalen Prüfungszulassungsvoraussetzung zu entsprechen: per Copy und Paste ...
      Reinhold Vogt - Verantwortlicher für den OnlineKurs zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung / den Ausbilderschein (nach AEVO)

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      • #4
        AW: Machbare, wirkungsvolle und erlaubte Sanktionen

        Vielen Dank für Ihre Antworten und den Versuch mir bei meinem Problem zu helfen.

        Zu Ihren Fragen / Anmerkungen:

        Am Ende jedes Kurses, Ausbildungsabschnittes oder ähnlichem, bekommen die Azubis eine Beurteilung in neun Kategorien. Diese werden den Azubis auch erläutert und die Einhaltung von Absprachen, wie z.B. das fristgerechte Abgeben der Ausbildungsnachweise fließt mit ein.

        Die Wichtigkeit kennen sie. Wir erklären auch immer die Möglichkeit des "Das haben wir noch nie gelernt" in der Prüfung, und des Nichtbewertens von Fragen / Aufgaben nach Durchsicht der Nachweise durch den Prüfungsausschuss.
        Der Vorsitzende ihres Prüfungsausschusses arbeitet auch bei uns in der Ausbildung und prüft die Nachweise vor Zulassung zur Abschlussprüfung. Auch das wissen sie.
        Wie an meiner Frage erkennbar, ist uns der Ausbildungsnachweis sehr wichtig. Die Abgabe und Richtigkeit wird ständig überprüft, nachgehalten, und das Nachfordern nimmt viel Zeit in Anspruch, die im Sinne der Ausbildung besser genutzt werden könnte.

        Auch auf das vollständige Vermitteln sämtlicher geforderter Lernfelder wird bei uns geachtet und selbst das Gewähren von Urlaub darauf abgestimmt.

        Ich weiß, dass es auch andere Ausbildende gibt, wir haben jedoch das Glück dass dem Betrieb die Ausbildung und das Erreichen des Ausbildungszieles wichtig und teuer ist, und wir uns wirklich voll auf die Ausbildung konzentrieren können.

        Mit freundlichen Grüßen
        Ralf Schmid

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        • #5
          AW: Machbare, wirkungsvolle und erlaubte Sanktionen

          Guten morgen Herr Schmid,

          Sie befinden sich in der Tat in einer schwierigen Situation. Ich teile Ihre Ansicht, dass sie etwas tun müssen, wenn bestimmte Regeln nicht eingehalten werden.

          Ich würde Ihnen empfehlen, ein Schriftstück aufzusetzen und es in einem gemeinsamen Gespräch mit den Azubis besprechen und unterschreiben zu lassen, dass eine Übernahme nach der Ausbildung auch davon abhängt, wie gut und regelmäßig das Berichtsheft geführt wurde. Vergeben Sie auch ruhig Noten dafür. Damit setzen Sie ein Zeichen, wie es beispielsweise bei einer schriftlichen Ermahnung der Fall ist. Ein Fehlverhalten kann auch hier gut angegangen werden, ohne dass es zu rechtlichen Konsequenzen kommt, da eine "Ermahnung" rein arbeitsrechtlich nicht existiert und folglich auch keinen Eintrag in die Personalakte zur Folge hat. Viele Betriebe haben mit der pfiffigen Möglichkeit der schriftlichen "Ermahnung" schon gute Erfolge erzielt :-)

          Was das Berichtsheft angeht: Es gibt leider noch immer viele Betriebe, in denen die Ausbilder und Azubis das Berichtsheft als Last ansehen. Dementsprechend sehen die Berichtshefte auch am Ende der Ausbildung aus.
          ABER: Es gibt sehr viele Unternehmen, die haben einen richtig großen Ausbildungsordner (mit allen wichtigen Themen rund um die Ausbildung), in denen die Azubis sogar Fachberichte und Ähnliches hinzufügen. In meinem Video "Wie führe ich ein richtiges Lehrgespräch?" habe ich beispielsweise der Auszubildenden den Auftrag gegeben, das mit ihr gemeinsam erarbeitete Tafelbild in ihr Berichtsheft zu übernehmen. So ein Vorgehen ist bei vielen guten Ausbildungsbetrieben heute Standard und wird erfolgreich umgesetzt. Gute Berichtshefte beinhalten also sehr viel mehr als nur bloße Tätigkeitsaufzählungen und reine Textwüsten. Als IHK-Prüfungsausschussmitglied im Bereich Einzelhandel erfreue ich mich jedes Mal, wenn gute Ausbildungsunternehmen solche guten Berichtshefte durch die Azubis vorlegen lassen. Das Berichtsheft spiegelt erstaunlicherweise auch sehr oft den Kenntnisstand der Azubis wieder.Vielleicht versuchen Sie ebenfalls, dem Berichtsheft in Ihrem Betrieb einen größeren Stellenwert einzuräumen. Viele Ausbilder/innen in meinen Seminaren sind positiv überrascht, wie gut man ein Berichtsheft in der Praxis aus Sicht des Betriebes und der Azubis nutzen kann.

          Hoffe, meine Vorschläge waren hilfreich für Sie .-)

          Sonnige Grüße aus Kassel

          Marc-Michael Gallus
          (Wirtschaftsjunioren-Ressortleiter "Schule/Arbeitswelt" in Kassel)
          (Stellvertretender Landesvorsitzender des Berufsausbilderverbandes Hessen e.V.)
          Zuletzt geändert von Azubi-Manager; 29.03.2014, 10:07.
          Ausbildung neu denken 4.0
          Nordhessens einziger Seminaranbieter im Bereich der Ausbildereignungsprüfung (IHK Kassel-Marburg) mit 99 % Erfolgsquote seit 2010: "Wir holen jeden Lernenden dort ab, wo er steht"
          http://www.azubi-manager.de/unternehmen/seminare/

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          • #6
            AW: Machbare, wirkungsvolle und erlaubte Sanktionen

            Hallo Herr Schmid,

            vieles wurde von schon angesprochen, dem ich auch nur zustimmen kann.

            Was mir gerade spontan noch eingefallen ist: Wie wäre es, wenn Sie die Auszubildenden selbst "Spielregeln" im Umgang mit den Ausbildungsnachweisen gestalten lassen (warum benötigen wir diese, was haben wir davon, wann werden sie wo abgegeben, was passiert, wenn diese nicht rechtzeitig abgegeben werden), die diese dann unterschreiben und sich damit auch zum Einhalten der Spielregeln committen?
            Ebenso könnten sich die Ausbildungsbeauftragten zusammensetzen und "Spielregeln" im Umgang mit den Ausbildungsnachweisen erarbeiten (wie wichtig sind uns diese, wie sprechen wir sie durch, wann, etc.).
            Dies kann auch auf Flipcharts geschehen, über die sich dann beide Gruppen noch einmal austauschen.

            Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Halten Sie uns hier doch auf dem Laufenden, welche Maßnahmen Sie ergriffen haben.

            Viele Grüße
            Sabine Bleumortier
            Sabine Bleumortier
            ERFOLGREICH AUSBILDEN
            Beratung - Trainings - Vorträge
            www.bleumortier.de

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            • #7
              AW: Machbare, wirkungsvolle und erlaubte Sanktionen

              Hallo Herr Schmidt,

              ich kann ihr Problem gut verstehen,
              bei mir war es ähnlich, nur das ich einfach meinte einmal die Woche müssen die Berichtshefte abgegeben werden.

              Ich habe nun seit ca. 1 Jahr eingeführt das ich für die Berichtsheftabgabe eine Besprechungseinladung schicke, ich lade ca. alle 2 Wochen ein für 1 Stunde zur Berichtsheftabgabe,
              in dieser Stunde nehme ich mir Zeit das die Azubis mich auch antreffen, ich kontrolliere die Berichtshefte sofort und rede auch ein bisschen mit den Azubis über die Einträge im Berichtsheft und generell.
              Wer nicht kam den habe ich mir sofort nach der Stunde geschnappt und gefragt warum er nicht gekommen ist, nach 2-3 Terminen kamen immer alle.

              Eine weitere Alternative die ich von einer Kollegin hörte jedoch noch nicht selbst angewendet habe (da mein Problem ja dann gelöst war) ist,
              bei Nichtabgabe des Berichtshefts vom Azubi eine Präsentation erstellen zu lassen und diese allen Azubis zu präsentieren, z.B. über ein aktuelles Thema in der Berufsschule, oder ein Thema aus der Arbeit, etc.,
              kaum ein Azubi macht das gern, es ist aber dem Ausbildungszweck dienlich, er lernt noch etwas dabei und die anderen Azubis denen er präsentiert auch.

              Ich hoffe Sie können ein paar Tipps daraus für sich übernehmen.

              Gruß,
              Tine.

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              • #8
                Hallo Herr Schmidt,

                ich kann mich noch sehr gut an meine Jugend erinnern in der ich sehr aufsässig und als Lehrling (so hieß das damals noch) wohl nicht zu gebrauchen war.
                Das Problem mit der Jugend als Lebensphase ist oft, dass sie die "Welt" ihrer Eltern und Vorgesetzten auf den Prüfstand stellen.
                Das ist ein natürlicher und im Rahmen der Evolution sinnvoller Prozess, den abzustrafen ihn nicht beendet, sondern eher auf eine andere Ebene verschiebt.

                Sicher sollte man sich als Ausbilder nicht zum "zahnlosen Tiger" machen und die meisten der Ratschläge aus den Antworten auf ihre Frage erscheinen auch mir,
                trotz meiner Rolle als "Advocatus diaboli" durchaus sinnvoll und gut. Ich möchte aber eine Vorgehensweise vorschlagen, die die Motivation der Jugendlichen,
                mitreden zu wollen und ihre Fähigkeiten als Erwachsene zu beweisen, mit einbezieht.

                Wäre es nicht sinnvoll, wenn die Auszubildenden in ihr Berichtsheft auch Verbesserungsvorschläge für beobachtete und erlernte Arbeitsprozesse,
                eigene Beurteilungen von Ausbildungseinheiten und Vorschläge zur Gestaltung von Prozessen als auch Produkten machen könnten?

                Und wäre es nicht sinnvoll wenn diese Vorschläge auf Sinnhaltigkeit und Machbarkeit geprüft, mit einem Feedback und eventuell nötigen Rückfragen versehen,
                über die Ausbilder zurück an die Auszubildenden gehen? Möglicherweise sind einige dieser vorschläge umsetzbar und für den Betrieb sogar wertvoll.
                Mit dem Berichtsheft ist es wie im schlechten Fall mit der Ausbildung. Man lernt nur für die Prüfung und man schreibt das Berichtsheft nur unter Zwang.
                Eine Motivation ist für Jugendliche, für die "nur ihre Arbeit, das Tun lernen und beherrschen" Sinn macht, beim Berichtsheft schwer zu erkennen.
                Wie anders wäre es wenn Jugendliche über das Berichtsheft mit eigenen Beiträgen zum betrieblichen Ganzen, Sinn stiften können.
                Was für eine Motivation!

                Es gibt sicher auch eine Möglichkeit, diese betriebsinternen Inhalte vom IHK-konformen Rest des Berichtsheftes zu trennen.
                Weiter könnte das Berichtsheft vom Pflichtutensil zu einem betrieblichen Ausbildungstagebuch heranwachsen, das bei entsprechender Qualität
                (die Struktur ist schließlich schon durch die Ausbildung selbst gegeben) und redaktioneller Bearbeitung als Erfahrungsbericht für den Beruf und
                die Firma ( vom Auszubildenden?) veröffentlicht werden kann. ( Books-on-demand-Angebote machen eine solche Veröffentlichung möglich)

                Es wäre doch schön, wenn eine Firma in ihren Stellenangeboten auf solch interessante Lektüre verweisen könnte.
                Und die Motivation, sich in die Annalen des Betriebes einzuschreiben ist eine, die dem Geltungsbedürfnis selbstbewusster
                und intelligenter Jugendlicher, die oft "Grenzen austesten", entgegen kommt.
                So könnte die Energie, die Jugendliche oft gegen ihre Autoritäten einsetzen, zum Wohl der Jugendlichen
                und des Betriebes genutzt werden und nicht zuletzt auch die Nerven der Ausbilder schonen.
                Zuletzt geändert von kahalla; 13.11.2017, 12:09.

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