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Durchhänger im 2. Lehrjahr

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  • Durchhänger im 2. Lehrjahr

    Moin zusammen!

    Geht das eigentlich nur bei uns so, dass die Auszubildenden im 2. Lehrjahr einen absoluten Durchhänger haben?

    Unsere angehenden Handwerkerlein sind fast alle im 2. Lehrjahr kaum zu unterbieten an Motivation. Die Fehltage schnellen in die Höhe, die Unzufriedenheit steigt. Sie sind kaum zu motivieren an den Vorbereitungen zur Zwischenprüfung teilzunehmen - Zugegeben, die sind samstags, einfach weil alle zu so unterschiedlichen Zeiten reinkommen. "Die Zwischenprüfung zählt ja eh nix..." einer läuft zwischen unseren Azubipraktikanten herum und erzählt, dass er hier nie wieder Ausbildung machen würde, weil er nur ausgebeutet würde und eh alles sch*** sei. Faktisch ist dem nicht wirklich so. Natürlich, die Prüfungsvorbereitungen finden samstags statt, aber auch vergessene Berichtshefte MÜSSEN samstags nachgearbeitet werden (Das ist eine Vereinbarung, die die Auszubildenden selbst entwickelt haben).

    Wir haben ein Belohnungssystem (auch von den Azubis entwickelt), in dem gute Leistungen mit Punkten belohnt werden, Verfehlungen aber Abzug bedeuten. Angefangen von besserem Werkzeug oder schickerer Arbeitskleidung, bis hin zu einem freien Tag oder einen Monat Firmenwagen, können diese Punkte eingelöst werden. Während in den Lehrjahren 1 und 3 überwiegend fleißig Punkte gehamstert werden, stürzt ein großer Teil des 2. Lehrjahres in unendliche Weiten...

    Wir hatten eine Azubi-Baustelle, die sie mit pädagogischer und fachlicher Unterstützung selbst planen, Material bestellen und ausführen durften. Lehrjahr 1 reißt sich den Allerwertesten auf und recherchiert dem Schulstoff voraus um teilnehmen zu können, Lehrjahr 3 steckte in den Prüfungsvorbereitungen und Lehrjahr 2 so: #schnarch.

    Wir planen Azubi-Ausflüge, die etwas berufliche Bildung enthalten (Lieferanten-Werksbesichtigung, Recycling Anlage besichtigt), anschließend Grillen für alle Azubis, oder Go Kart fahren. Lehrjahr 1: #FETT Lehrjahr 3: Geile sch***!!11!!1!!! Lehrjahr 2: echt jetzt? Kann ich nicht stattdessen nen Tag frei haben? Sind wir zu Feierabend wenigstens pünktlich zuhause?

    Ähnlich sah es auch bei den Vorgänger-Jahrgängen aus. Wir haben versucht die Azubis selbst Ideen zur Motivation entwickeln zu lassen, endlose Gespräche geführt...

    Etwas besser wird dann alles im 3. Lehrjahr nach Weihnachten, wenn es auf die Gesellenprüfung zugeht, aber dann fängt auch schon wieder das nächste 2. Lehrjahr an einzuknicken...

    Sagt mir bitte, dass es nicht nur bei uns so geht, oder sagt mir, dass ihr die ultimative Patentlösung gefunden habt


  • #2
    Hallo Roofer,

    ich habe eine Idee, wie man die drei Lehrjahre zusammen bringt...
    Ein Patentrezept ist es nicht, aber auf einen Versuch kommt es an, oder?

    Mische doch die Lehrjahre. Wenn du Gruppen bildest, können die Lehrjahre quasi ihre Erfahrungen austauschen, sich zusammen raufen und die zweiten Lehrjahre vielleicht etwas Aufschwung mitnehmen. Wichtig wäre hier ein Briefing des dritten Lehrjahres, dass sie vermitteln, was wichtig ist und dass man auch im 2.Lehrjahr den Kopf nicht hängen lassen sollte. Vielleicht kann man das mit einem Wettbewerb verbinden. Die Azubis, die die beste Baustelle haben (Vorbereitung, Kosteneffizienz, Endresultat, Herangehensweise...etc.) bekommen (es ist NUR ein Beispiel!!!) eine Woche frei. Aber dies als, wie oben beschrieben, eine lehrjahrgemischte Gruppe.

    Ansonsten wünschte ich mir gerade bei Ihnen Ausbildung zu machen! XD
    Das klingt ja Alles traumhaft!

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    • #3
      Hallo Ausbilderin87,

      vielen Dank, für die Antwort und das Kompliment. Ja, wir legen wirklich sehr viel Wert auf Ausbildung und Ausbildungsqualität!

      Eigentlich sind die drei Lehrjahre immer gemischt, außer in der Schule und ÜLU natürlich . Möglichkeiten für Azubi-Baustellen ergeben sich leider nicht so viele, als dass wir daraus einen Wettbewerb für drei Lehrjahre machen könnten. Die letzte Azubi-Baustelle war ein Aufruf an alle Azubis einen kurzen Ablauf zu schreiben, wie vorzugehen ist. Eingereicht haben einige Azubis aus Lehrjahr 1 und 3. Aus Lehrjahr 2 tatsächlich nur unser "Primus" und selbst der zeigt aktuell ein kleines Motivationstief (für seine Verhältnisse!)
      Auch bei sonstigen Aktivitäten: Projektgruppen, Fortbildungen, auf Baustellen... sind die Lehrjahre immer gemischt. Fest zusammengesetzte Gruppen sind im Alltag, auf verschiedenen Baustellen leider nicht zu realisieren

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      • #4
        Hallo Roofer,

        leider hört man immer öfter, dass Ausbildungsstellen ernst nicht genommen und die Azubis dadurch wirklich als billige Arbeitskräfte "missbraucht" werden, von daher finde ich es gut, dass einige Ausbildungsstätten Azubis nicht nur als "Nummer" sehen...

        Frau hilft, wo Frau kann...

        Gibt es vielleicht die Möglichkeit sowas wie eine Projektwoche zu machen?
        Im Sinne von:
        - ALLE Azubis werden eingesammelt und fahren 1 Woche in ein Seminarzentrum
        - Seminare zu: Motivationsmanagement, Zeitmanagement, Feedbacksimulation und Lehrplangestaltung werden gemacht
        - Abschließend ein Grillfest

        Ich weiß, dass dies ein SEHR teurer Vorschlag ist. Andere wiederum ist ein unmotivierter Azubi auch nicht konstruktiv und eher "hinderlich", da man immer versucht Motivation rein zu bekommen...

        Ich habe selber so eine "Aktion" mitbekommen und muss sagen, dass das doch schon ein anderes positiveres Gefühl vermittelt hat, als "Maßnahmen" am Arbeitsplatz...

        Dagegen spricht aber wirklich der hohe Kostenfaktor.
        Zuletzt geändert von Ausbilderin87; 03.07.2019, 10:18.

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        • #5
          Hallo Roofer,

          da es nach Deinen Aussagen ein beständiges und kein einmaliges Problem ist, das Du beschreibst, wäre es schön, wenn wir Forumsmitglieder wüssten: Welche(r) Beruf(e)? Welche Branche? Wie viele Azubis pro Jahrgang und wie viele Fachkräfte?
          Erst dann kann ich mir ernsthafte Gedanken machen, die über Allgemeinplätze, wie typisch Adolenszenz, mit der ersten Routine kommt auch der Frust, etc. hinausgehen.

          Beste Grüße

          Dauern die Berufe im Handwerk nicht 3,5 Jahre? Also gibt es nicht auch ein viertes Lehrjahr?

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          • #6
            Moin!

            wir bilden in erster Linie Dachdecker (Roofer ) aus, unter ihnen zeigt sich das Problem am gravierendsten. Im aktuellen Ausbildungsjahr haben wir 14 Auszubildende über alle drei Lehrjahre (3/6/5), bei über 100 gewerblichen Mitarbeitern vom Helfer bis zum Meister (ca 10 gewerblich arbeitende Meister). Zusätzlich mich als Lehrkraft und Unterstützung bei jeglichen Problemen, ... .
            Während der Jahrgangsbeste eine vorgezogene Gesellenprüfung nach 2,5Jahren beantragt und 0 Fehltage hat, verteilen sich auf die restlichen 5 Schäfchen über 200 Fehltage allein in diesem Ausbildungsjahr!

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            • #7
              Zitat von Roofer Beitrag anzeigen
              … verteilen sich auf die restlichen 5 Schäfchen über 200 Fehltage allein in diesem Ausbildungsjahr!
              So eine "Bilanz" würde ich nicht als Durchhänger bezeichnen, das ist ein massives Problem. (Ausgenommen natürlich ernsthafte gesundheitliche Probleme, da werden es schnell mal eine Menge an Krankheitstagen.)

              Mit einer Idee zur Motivierung kann ich leider nicht dienen. Ich finde, ihr macht schon viel mehr als normal ist. Respekt, was ihr alles für Eure Azubis auf die Beine stellt! Schade, dass es sich für Euch nur bedingt auszahlt.

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              • #8
                Hallo Roofer,

                vielen Dank für Rand-Informationen.

                200 Fehltage lassen sicherlich auf mangelnde Motivation schließen. (Außer ein oder mehrere Azubis sind tatsächlich vom Dach gefallen.)
                Du schriebst von Eurem Belohnungssystem. Ist dieses System für die Azubis vielleicht nicht transparent genug? Oder nicht attraktiv genug, so dass etliche Azubis ihre Belohnung durch "blau-machen" selbst nehmen? Immer unter der Annahme, dass keine wirklich schweren Krankheiten vorliegen.
                Die jetzigen Problemfälle haben ja an der Entwicklung des Belohnungs- (und nicht zu vergessen auch Bestrafungs-) Systems sicherlich nicht mitgewirkt. Apropos Mitwirkung: Bei 100 Leuten habt ihr doch sicherlich einen Betriebsrat, was sagen der oder die dazu?
                Ich schlage vor, dass sich alle Betroffenen (inkl. BR) demnächst zusammensetzen, um über die Zukunft des Belohnungssystems für Azubis zu befinden. Als Betrieb würde ich mit dem Vorschlag, das System für Azubis abzuschaffen, in die Debatte einsteigen.

                Viel Erfolg


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                • #9
                  Hallo,
                  es war tatsächlich ein längerfristiger Arbeitsunfall dabei, dann sind wir trotzdem noch bei über 150 Tagen, die sich auf 4 Schäfchen verteilen. (Und vom Dach gefallen ist uns zum Glück noch keiner, der nicht gleich hinterher wieder aufgestanden ist!)
                  Das System wurde mit (freiwilligen) Azubis diesen Winter erarbeitet, läuft gerade in einer Testphase und wurde ausführlich in den regelmäßig stattfindenden Azubiversammlungen erklärt und vorgestellt. Es geht in erster Linie um Belohnungen, es gibt aber natürlich auch Minuspunkte, bei grobem Fehlverhalten. Wer wirklich aus Minuspunkten heraus möchte, hat die Möglichkeit dies mit diversen Aufgaben zu erreichen. Wer einfach die Grundregeln des Arbeitslebens einhält, kann sich in ein paar Wochen z.b. mal einen zusätzlichen freien Tag, oder ein Firmenhandy verdienen, ohne sich extrem verausgaben zu müssen. (Es gibt natürlich auch kleinere Prämien, die schneller erreicht werden können. Alle wurden von Azubis vorgeschlagen. An den "Kosten" haben wir natürlich ein wenig interveniert um es in's Verhältnis zu setzen)
                  Das Belohnungssystem steht allerdings in der nächsten Azubiversammlung zur Diskussion. Derzeit ist es weit mehr administrativer Aufwand, als Nutzen.
                  Zuletzt geändert von Roofer; 17.07.2019, 12:42.

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                  • #10
                    Hallo Roofer,

                    vielen Dank für die Erläuterungen.

                    + Zum Start des Belohnungssystems: "Dieser Winter" heißt für mich, dass alle jetzt vorhandenen Azubis mitwirken (konnten). Also auch die des problematischen zweiten Jahrgangs. Die dann folgende Einschränkung "(freiwilligen)" lässt mich aufhorchen: Wie viele des 2. Lehrjahres waren dabei? Das Problem des Akzeptanz bleibt für mich offen.

                    + Auf das Ergebnis der nächsten Azubiversammlung sind wir Forumsmitglieder höchst gespannt. Ich gehe davon aus, dass die Versammlung während der Arbeitszeit stattfindet, und deshalb für alle Azubis verbindlich ist. Ich würde bei Voten der Azubis eine Quote von 75 % vorschlagen.

                    + Der Hinweis auf den administrativen Aufwand bestärkt mich in meinem Vorschlag, das bisherige System zur Disposition zu stellen: Eure Azubis wären ziemlich "bescheuert", wenn sie auf irgendwelche Gratifikationen freiwillig verzichten wollten. Sie sollten aber ihre Konditionen und ggf. Vorbehalte deutlich formulieren.

                    Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

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                    • #11
                      @Roofer:
                      Hält du uns auf dem Laufenden?

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                      • #12
                        Japp, leider ist die Azubiversammlung letzte Woche ausgefallen, da aufgrund von Urlaub und Krankheit nur 3 Leute anwesend gewesen wären. Da macht eine Abstimmung keinen Sinn. Nächste Woche können wir dann alle neuen auch dazu befragen.

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