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Ausbildereignungsprüfung – Recht auf Aushändigung einer Kopie des Prüfungsprotokolls?

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  • Ausbildereignungsprüfung – Recht auf Aushändigung einer Kopie des Prüfungsprotokolls?

    In diesem Forum wird immer wieder einmal das Stichwort < Prüfungsprotokoll > angesprochen, insbesondere dann, wenn der Prüfling die AEVO-Prüfung nicht bestanden hat.

    Offensichtlich noch nicht behandelt wurde hier die Frage, ob der Prüfling das Recht hat, eine Kopie des Prüfungsprotokolls zu erhalten, also nicht nur das Recht auf Einsicht ins Prüfungsprotokoll.

    Aufgrund eines aktuellen Falls schlage ich folgende Argumentation vor, mit der betroffene Prüflinge darauf bestehen können, eine Kopie des Prüfungsprotokolls zu erhalten.
    1. Für einen Prüfling bedeutet es Stress, wenn er überhaupt Einsicht ins Prüfungsprotokoll verlangt und dann - unter Aufsicht eines IHK-Mitarbeiters in den Räumen der IHK - versucht, die Rechtmäßigkeit des Prüfungsprotokolls einzuschätzen. Unter diesem Stress ist eine gute Einschätzung kaum möglich.
    2. Ein Prüfling ist wegen fehlender Kenntnisse / Erfahrung zudem kaum in der Lage, die Rechtmäßigkeit der Aussagen im Prüfungsprotokoll zu bewerten.

    In einem konkreten Fall ging es um folgende drei Details:
    • Im Prüfungsprotokoll war festgehalten, dass das Lernziel "nicht eindeutig (messbar)" gewesen sei. (Hierfür gab es einen erheblichen Punkteabzug.) - Der Prüfling wird eine solche Aussage kaum widerlegen können, da er sich mit dieser Materie lediglich im Zusammenhang mit seiner eigenen Vorbereitung auf den 'AdA-Schein' beschäftigt hat. Demgegenüber ist ein Dozent, der Seminare zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung durchführt, eher in der Lage, die Aussage zum angeblich falsch formulierten Lernziel zu widerlegen.
    • Das Prüfungsprotokoll war wegen weitgehend unleserlicher Handschrift nicht geeignet, den Prüfungsablauf auch nur oberflächlich nachzuvollziehen. - Dass dieser Umstand einen Formfehler darstellt, der allein schon ausreicht, um erfolgreich einen Widerspruch gegen das Prüfungsergebnis zu begründen, wird ein Prüfling kaum wissen.
    • Aus dem Prüfungsprotokoll war erkennbar, dass der erste Teil der mündlichen Prüfung (hier die 'Durchführung einer Ausbildungssituation' / umgangssprachlich 'Unterweisung') mit 60%, das anschließende Fachgespräch jedoch nur mit 40% gewichtet wurde. - Weil die AEVO diese ungleiche Gewichtung nicht vorsieht, liegt auch zu diesem Aspekt ein Formfehler vor. Das wird ein Prüfling kaum wissen.
    ==

    Bei solchen Überlegungen muss es sich nicht um Prinzipienreiterei oder Rechthaberei handeln: Hier werden lediglich die eindeutig belegbare Unzulänglichkeiten der Prüfung aufgezeigt, die für einen Widerspruch zwingend erforderlich sind. - Aufgrund der vom Prüfling empfundenen 'weichen Fakten' zur Bewertung seiner Prüfungungsleistungen (Ermessensspielraum der Prüfer / Interpretationsmöglichkeiten zur Prüfungsleistung) kann er eh keinen Widerspruch begründen ... (Die fachliche Qualität der Prüfer-Leistungen kann ein Prüfling im Normalfall sowieso nicht beurteilen.)

    ==

    Kleine Sammlung von Foren-Beiträgen zum selben Thema:

    - Widerspruch IHK-Prüfer Befangenheit, siehe https://www.foraus.de/forum/forum/au...r-befangenheit

    - rechtliche Grundlagen Bewertung AEVO-Prüfung, siehe https://www.foraus.de/forum/forum/qu...o-pr%C3%BCfung

    - Protokoll-Einsicht nur bei / nach Widerspruch?, siehe https://www.foraus.de/forum/forum/pi...ch-widerspruch

    - vorbildliches IHK-Prüfungsverhalten, siehe https://www.foraus.de/forum/forum/pi...fungsverhalten
    Zuletzt geändert von memoPower.de; 21.08.2019, 07:56.
    Reinhold Vogt - Sie können Teile meines AEVO-OnlineKurses kostenfrei nutzen

  • #2
    Guten Abend memopower.de,

    die von Dir genannten "drei Details" zeigen doch deutlich, dass die Einsichtnahme in das Protokoll erfolgreich war. Oder warst Du selber einer der Prüfer?

    Mit dem aus der Einsichtnahme gewonnenen Wissen hat der Widerspruch des Prüflings doch Erfolg.

    Aus diesem Vorfall die Konsequenz zu ziehen, dass allgemeine Prüfungsrecht zu überarbeiten, halte ich für überzogen.

    Beste Grüße

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    • #3
      • Ich bin kein IHK-Prüfer, sondern der Dozent des betreffenden AEVO-Prüfungsvorbereitungsseminars.
      • Die betreffende IHK war nach einigem Hin und Her schließlich bereit, dem Prüfling das Protokoll zur Verfügung zu stellen. Der Prüfling selbst hatte mit dem Protokoll überhaupt nichts anfangen können. Er schien eher zu resignieren, weil er keinen Hinweis darin fand, seinen Widerspruch zu begründen, abgesehen davon, dass die meisten Passagen überhaupt nicht lesbar sind.
      • Ich habe im obigen Beitrag keine Rechtsänderung gefordert, obwohl ich sie für sinnvoll halte. Dann würde sich das Gezerre um die Herausgabe einer Kopie des Prüfungsprotokolls künftig (möglicherweise) erübrigen … sofern sich die 'zuständigen Stellen' dann an diese Rechtsnorm überhaupt halten.
      • Auf meiner Webseite https://www.aevo-lernkartei.de/bei-d...-durchgefallen schildere ich noch einen ähnlichen Fall, der sich vor einigen Jahren ergeben hatte und in dem es der Prüfling nicht geschafft hatte, eine Kopie des Prüfungsprotokolls zu erhalten. Es war ihm jedoch gestattet gewesen, das Prüfungsprotokoll gemeinsam mit seiner Dozentin (aus dem Ausbilderseminar) innerhalb der IHK-Räume einzusehen. – Ich, als ggf. mit betroffener Dozent, hätte keine Lust, für die Fahrtzeiten und den 'Besuch' bei der IHK mindestens einen halben Tag Zeit aufzuwenden. Ich wäre auch nicht bereit, nur vor Ort ins Protokoll zu 'schauen' und es dann nicht auch im eigenen Büro in Ruhe analysieren zu können: So einfach ist das eben nicht!
      • Mein obiger Foren-Beitrag könnte es meinen Dozenten-Kollegen ermöglichen, ihre betroffenen Seminar-Teilnehmer darin zu unterstützen, künftig mit stichhaltiger Begründung das Protokoll bei solchen IHKs einzufordern, die sich stur stellen! - Über die Sturheit und das rechtswidrige Verhalten einiger(!) 'zuständiger Stellen' können Sie sich hier informieren: https://www.aevo-lernkartei.de/kritik-an-aevo-pruefungen
      Zuletzt geändert von memoPower.de; 23.08.2019, 07:37. Grund: Kernaussage zum Thema durch Fettschrift hervorgehoben
      Reinhold Vogt - Sie können Teile meines AEVO-OnlineKurses kostenfrei nutzen

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      • #4
        Guten Abend memopower.de,

        ich war Jahrzehnte Dozent in Ausbilder*innenSeminaren verschiedenster Organisationen und auch etliche Jahre Prüfer in einem der Ausbilderprüfungsausschüsse der IHK. (kurzzeitig auch Handwerkskammer)

        Als Prüfer musste ich z. B. erleben, dass einer "meiner Schüler" in der Prüfung sagten, "das wäre nicht behandelt worden", was meine vier Mitprüfer*innen zu intensiven Nachfragen in der nach der Prüfung stattfindenen Noten-Diskussion anregte.

        Als Dozent habe ich "meinen Schüler*innen" immer angeboten, als Gutachter in Prozessen vorm Verwaltungsgericht unentgeltlich zu erscheinen. ( konkret: z. B. als eine Landwirtschaftskammer die IHK-Prüfung nicht anerkennen wollte.) Alle Anfragen sind positiv für meine Schüler*innen verlaufen.

        Ich bin aber der Meinung, dass ein/e Ausbilder*in in der Lage sein sollte, bei erkennbaren Rechtsverstößen selbstständig tätig zu werden. (Dies war immer ein Lernziel meiner Ausbilder*innen-Seminare.) Sonst kann sie/er die Interessen seiner Auszubildenden auch nicht anständig vertreten. Das ist aber eine wesentliche Qualifikation unserer zukünftigen Ausbilder*innen.
        Der Nachweis dieser Qualifikation beginnt spätestens bei der AEVO-Prüfung.

        PS. Wir (die Gemeinschaft der AEVO-Prüfungsausschüsse der IHK) haben Dozent*innen von Trägern, deren Absolvent*innen wiederholt ein hohes Risiko des Nichtbestehens aufwiesen, zu Hospitationen der AEVO-Prüfung eingeladen. U. a. damit die "Schuld" nicht immer beim Prüfungsausschuss der IHK lag , was sogar in den Vorbereitungskursen dieser Dozent*innen behauptet wurde.

        - Natürlich hat der/die Teinehmer*in das Prüfungsergebnis selbst zu verantworten - siehe oben.

        Beste Grüße


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