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nicht legitimiertes Fachgespräch in der praktischen AEVO-Prüfung

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  • nicht legitimiertes Fachgespräch in der praktischen AEVO-Prüfung

    In diesem Forum habe ich schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass der praktische Teil der AEVO-Prüfungen von manchen IHK-Prüfungsausschüssen nicht sachgerecht durchgeführt wird. - An dieser Stelle gebe ich ein weiteres Mal ein konkretes und aktuelles Beispiel (Weitere Beispiele liegen vor.); es handelt sich um die eMail-Korrespondenz mit einem Teilnehmer meiner AEVO-Prüfungsvorbereitungsseminare:

    Hinweis: Sie sehen im Folgenden die komplette Korrespondenz. Um zu vermeiden, dass dieser Beitrag als 'raffinierte Werbung' missverstanden werden könnte, konzentrieren Sie sich bitte auf den Teil in fetter Schrift-Darstellung; er bezieht sich auf das nach meiner Meinung überwiegend nicht legitimierte Fachgespräch.

    =

    Hallo Herr Vogt,

    Sie baten um ein Feedback.

    Als Erstes: Ich habe mit 83 % bestanden, sowohl im schriftlichen Teil als auch im praktischen Teil.

    Allerdings hat mich sowohl der schriftliche als auch der der praktische Teil etwas überrascht.

    Hier für Sie zur Info:

    Die schriftliche Prüfung war in ... [Nennung der IHK] in Papierform. Es kamen einige Fragen dran, bei denen ich komplett raten musste. Ich kann nicht beurteilen, ob diese Themen auch auf den Lernkarten standen, denn ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich diese leider nicht alle durchgearbeitet habe. Überraschend fand ich 2 Fragen zur gestreckten Ausbildung, wobei es um prüfungsrelevante Richtlinien ging: Wann welche Prüfung zu machen sei und wann man welche davon wiederholen könne.

    Dann gab es 5 Fragen zu einem Unternehmen mit stark Umweltgefährdenden Mitteln und Auswirkungen dieses Risikos auf Unterweisungen etc. Und das dritte Überraschungsfeld war dann eine Firma mit Teilsitz im Ausland und den damit verbundenen Rechtsansprüchen eines Auszubildenden, sowie zu erfolgende Beantragungen bei offiziellen Stellen und Regelung des Berufsschulunterrichts, wenn ein Azubi einen Teil seiner Ausbildung im Ausland absolviert.

    Von meinem Lehrgespräch waren die Prüfer total begeistert. Hänge Ihnen noch die gebastelte Grafik an, die ich vorbereitet hatte. Waren besonders begeistert, dass ich auf alle möglichen Antworten auf die Frage „Was würden Sie mit dem Geld machen“ vorbereitet war.

    Das ergänzende Fachgespräch war durchwachsen, da ich mich hauptsächlich mit Ihren 32 Fragen und den Lernkarten zu Lernmodellen, Methoden, Gruppendynamik etc. vorbereitet hatte. Allerdings kam dazu keine Frage, sondern alles Mögliche aus dem BBiG, persönliche und fachliche Eignung (Voraussetzungen, Unterschiede Ausbilder, Ausbildender, Ausbildungsbeauftragter, pädagogische Eignung), Betriebsrat, JAV mit Fristen und Voraussetzungen, Zusammenspiel Berufsschule und Ausbildungsstätte, ob Bund oder Land Rahmenlehrpläne heraus gibt, ob ein 25-Jähriger zur Berufsschule muss inkl. Begründung etc.

    Ich hoffe, das war hilfreich für Sie.

    Mit freundlichen Grüßen



    ==
    meine Antwort:
    ==


    Guten Morgen, Frau / Herr ...,

    herzlichen Glückwunsch zur 'Doppel-Zwei'! Ihre drei Medien / Unterlagen gefallen auch mir sehr gut!

    Und danke für Ihre ausführliche Mail.


    Überraschend fand ich 2 Frage zur gestreckten Ausbildung, wobei es um prüfungsrelevante Richtlinien ging. Wann welche Prüfung zu machen sei und wann man welche davon wiederholen könne.

    Hier geht es vermutlich um die ‚gestreckte Abschlussprüfung‘. Darüber hatten wir am ersten Tag gesprochen, und dieses kleine Teilthema ist auch in der Lernkartei vertreten.


    Dann gab es 5 Fragen zu einem Unternehmen mit stark Umweltgefährdenden Mitteln und Auswirkungen dieses Risikos auf Unterweisungen etc.

    Ich vermute, dass es hierbei um das richtige Ausbilderverhalten geht; je nach konkreter Aufgabenstellung will man vermutlich hören, dass der Ausbilder hier ‚situativ richtiges Verhalten‘ (wahrscheinlich konkret: autoritäres Verhalten) zeigen muss. – Diesen Punkt hatten wir im Zusammenhang mit Führungsstilen behandelt, und in unserer Übung mit 'Problemfälle mit Azubis' gibt es den Fall 'Entsorgen von Chemikalien in das WC'.


    Und das dritte Überraschungsfeld war dann eine Firma mit Teilsitz im Ausland und den damit verbundenen Rechtsansprüchen eines Auszubildenden, sowie zu erfolgende Beantragungen bei offiziellen Stellen und Regelung des Berufsschulunterrichts, wenn ein Azubi einen Teil seiner Ausbildung im Ausland absolviert.

    Dieses Teilthema hatten wir nicht besprochen. Es gibt hierzu zwar ein oder zwei Lernkarten, aber aufgrund Ihrer Schilderung vermute ich, dass die Prüfungsaufgabe über das hinausgeht, was in den Karten steht. Deshalb ist diese Info von Ihnen für mich besonders wichtig. – Ich werde mal nachlesen, was das BBiG hierzu konkret sagt.


    sondern alles Mögliche aus dem BBiG, persönliche und fachliche Eignung (Voraussetzungen, Unterschiede Ausbilder, Ausbildender, Ausbildungsbeauftragter, pädagogische Eignung), Betriebsrat, JAV mit Fristen und Voraussetzungen, Zusammenspiel Berufsschule und Ausbildungsstätte, ob Bund oder Land Rahmenlehrpläne heraus gibt, ob ein 25-Jähriger zur Berufsschule muss inkl. Begründung etc.

    Für den Fall, dass Sie durch den praktischen Prüfungsteil gefallen wären, gäbe es bei diesen Fragen die sehr gute Chance für einen erfolgreichen Widerspruch gegen das Prüfungsergebnis; denn es liegt ein erheblicher Formfehler des Prüfungsausschusses vor: Diese Fragen widersprechen der eindeutigen Vorgabe der AEVO. Dort wird der Inhalt des (ergänzenden) Fachgesprächs vorgegeben: „… über die Auswahl und Durchführung“ Ihrer (Präsentation bzw.) Unterweisungsprobe. – Insofern war die Leistung des Prüfungsausschusses ‚mangelhaft‘ ;-) Das meine ich im Übrigen ernst!


    Ich bedanke mich noch einmal für die Mühe, die Sie sich mit dieser umfangreichen Rückmeldung gemacht haben! Nachdem ich von meiner aktuellen 'Seminarreise' zurück bin, werde ich Ihnen am SA ein kleines digitales Danke-schön-Geschenk schicken.

    Beste Grüße, alles Gute!
    Ihr R. Vogt


    =====


    Diese Prüfung wurde mit zweimal 83%-Punkten bewertet; insofern gibt es eigentlich keinen Grund zu 'meckern', abgesehen davon, dass dieser Prüfling u. U. die Chance gehabt hätte, bei ordnungsgemäß durchgeführtem Fachgespräch auch ein 'Sehr gut' zu erreichen.

    Was wäre aber gewesen, wenn dieser Prüfling in der 'Unterweisungsprobe' ('Durchführung einer Ausbildungseinheit') nur etwa 50%-Punkte erreicht hätte? Sein Antwortverhalten auf die unerlaubten Fragen hätte vermutlich dazu geführt, dass dieser Prüfling durchgefallen wäre. Zu Unrecht; denn Prüflinge und die Referenten von AEVO-Prüfungsvorbereitungsseminaren und entsprechende Produkte-Anbieter müssen sich darauf verlassen können, dass sich die AEVO-Prüfungsausschüsse an geltendes Recht halten!

    Leider zeigt auch dieser Fall, dass es noch immer einige AEVO-Prüfungsausschüsse gibt, die nicht "fachlich kompetent" sind! In manchen Fällen führte diese fachliche Inkompetenz zu 'gerade mal bestanden' bzw. zu 'nicht bestanden'. - Ich bin gern bereit, nicht-öffentlich 'Roß und Reiter' zu nennen. Einige der betroffenen IHKs haben meine konstruktiv gemeinte Kritik angenommen und entsprechend reagiert.

    =====

    Mein Vorschlag an das mitlesende BIBB und andere verantwortliche Stellen:

    Die Prüflinge sollten das Recht bekommen, sofort bei Ende der praktischen AEVO-Prüfung eine Kopie des Prüfungsprotokolls zu erhalten. So wird die Chance erhöht, dass sie für den Fall des Widerspruchs bzw. für den Fall der gerichtlichen Klärung das unsachgemäß durchgeführte Prüfungsverfahren beweisen können (das ihnen verbriefte Recht auf Widerspruch und ggf. Klage auch wirkungsvoll nutzen zu können).

    Durch eine solches Prüfungsprotokoll-Kopie entsteht kein zusätzlicher Arbeitsaufwand, ... aber sie erhöht den Druck auf die Prüfungsinstanzen, dafür zu sorgen, dass sie sich an geltendes Recht halten!
    Reinhold Vogt - Sie können Teile meines AEVO-OnlineKurses kostenfrei nutzen

  • #2
    AW: nicht legitimiertes Fachgespräch in der praktischen AEVO-Prüfung

    Ich möchte mal diplomatisch antworten. Derlei danebenliegende Fragen werden leider nicht nur in der AEVO -Prüfungen gestellt, auch in Ausbildungsprüfungen. Ich kann mir solche Prüfer-Fehlleistungen nur dadurch erklären, dass eine gewisse Weiterbildung der Prüfer vernachlässigt wird. Ob durch der Prüfer (keine Zeit zu den Prüferschulungen zu kommen) oder der Kammern (kein entsprechendes Angebot) kann ich nicht beurteilen. Ich meine aber, dass hier ein Eingreifen des Prüfungsausschuß-Vorsitzenden gerechtfertigt wäre, der die Fragestellungen der Mitglieder auf die "richtige Spur" bringt. Ich habe mir das Recht auch schon herausgenommen, als Prüfungsvorsitzender (Ausbildungs-Abschlußprüfung) die Kollegen darauf hinzuweisen, dass während der praktischen Prüfung keine "mündliche Prüfung" stattfindet, oder dass Antworten zu gestellte Fragen nicht gewertet werden können, weil sie Themen oder Schwierigkeiten ausserhalb des Stoffplanes oder Ausbildungsrahmenplanes betreffen.
    Von eine (auch ehrenamtlichen) Prüfer sollte man erwarten können, dass es sich über die Bedingungen, wie die Prüfung ablaufen muss und was Prüfungsgegenstand und Inhalt ist auf dem Laufenden hält, das verlange ich auch von einem Ausbildenden und Ausbilder, ansonsten soll er diese Tätigkeiten niederlegen.
    Hotelmeister,

    freier Dozent und Trainer
    im Gastgewerbe

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    • #3
      AW: nicht legitimiertes Fachgespräch in der praktischen AEVO-Prüfung

      Zitat von guenter.schuster Beitrag anzeigen
      Ich möchte mal diplomatisch antworten. Derlei danebenliegende Fragen werden leider nicht nur in der AEVO -Prüfungen gestellt, auch in Ausbildungsprüfungen. Ich kann mir solche Prüfer-Fehlleistungen nur dadurch erklären, dass eine gewisse Weiterbildung der Prüfer vernachlässigt wird. Ob durch der Prüfer (keine Zeit zu den Prüferschulungen zu kommen) oder der Kammern (kein entsprechendes Angebot) kann ich nicht beurteilen. Ich meine aber, dass hier ein Eingreifen des Prüfungsausschuß-Vorsitzenden gerechtfertigt wäre, der die Fragestellungen der Mitglieder auf die "richtige Spur" bringt. Ich habe mir das Recht auch schon herausgenommen, als Prüfungsvorsitzender (Ausbildungs-Abschlußprüfung) die Kollegen darauf hinzuweisen, dass während der praktischen Prüfung keine "mündliche Prüfung" stattfindet, oder dass Antworten zu gestellte Fragen nicht gewertet werden können, weil sie Themen oder Schwierigkeiten ausserhalb des Stoffplanes oder Ausbildungsrahmenplanes betreffen.
      Von eine (auch ehrenamtlichen) Prüfer sollte man erwarten können, dass es sich über die Bedingungen, wie die Prüfung ablaufen muss und was Prüfungsgegenstand und Inhalt ist auf dem Laufenden hält, das verlange ich auch von einem Ausbildenden und Ausbilder, ansonsten soll er diese Tätigkeiten niederlegen.
      Ich stimme damit ganz und gar überein !
      Zuletzt geändert von Administrator; 15.01.2014, 11:36. Grund: Werbung entfernt

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