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AEVO-Prüfung: Formulierung von Feinlernzielen

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  • AEVO-Prüfung: Formulierung von Feinlernzielen

    Die Lernziel-Idee geht auf Robert F. Mager zurück. Entweder schon er selbst oder andere Pädagogik-Profis haben definiert, was ein operationalisiertes Feinlernziel ist.

    Die Einteilung in Richt-, Grob- und Feinlernziel führt zwangsläufig dazu, dass es auch innerhalb dieser drei Lernzielarten und deshalb auch beim Feinlernziel unterschiedliche Präzisierungsgrade geben muss, s. Grafik.

    =

    In welcher allgemein anerkannten Literaturquelle wird verlangt, dass ein gültiges Feinlernziel unbedingt alle drei der folgenden Bestandteile aufweisen MUSS?
    1. Beschreibung eines beobachtbaren (und damit messbaren) Verhaltens des Lernenden, das er nach Abschluss des Lernprozesses zeigen soll. Hierfür müssen geeignete Verben verwendet werden. Nicht geeignet sind zum Beispiel ‘wissen’ und ‘kennen’.
    2. Bedingungen, unter denen dieses Verhalten des Lernenden gezeigt werden soll. Solche Bedingungen können zum Beispiel sein: “innerhalb von zehn Minuten” oder “unter Zuhilfenahme des Gesetzestextes”.'
    3. Bewertungsraster und -maßstab, nach dem entschieden werden kann, ob der Lernende das Lernziel erreicht hat und inwieweit. Ein Bewertungsmaßstab kann zum Beispiel sein: “acht der zehn Kriterien nennen”

    Hintergrund meiner Frage:

    Ein Teilnehmer meines AEVO-Prüfungsvorbereitungsseminares hatte bei seiner Unterrichtssimulation (Lehrgespräch) innerhalb des praktischen Prüfungsteils das Feinlernziel so formuliert: “… wird die versicherten Gefahren in der Teilkaskoversicherung aufzählen und erklären können.” – Diese Art von Feinlernzielformulierung habe ich seit etwa 30 Jahren in meinen AEVO-Seminaren unterrichtet und als einwandfrei bezeichnet. Und mit dieser Art von Feinlernzielen hatten sehr viele meiner Seminarteilnehmer in der praktischen AEVO-Prüfung auch die Note "SEHR GUT" erreicht.

    Jetzt gibt es einen IHK-Prüfungsausschuss, der das oben genannte Lernziel als unzureichend bemängelt ("nicht messbar") und deshalb einen erheblichen Punktabzug vorgenommen hat.

    Deshalb meine Frage: In welcher allgemein anerkannten Literaturquelle wird verlangt, dass ein gültiges Feinlernziel unbedingt (mindestens zwei oder sogar) alle drei der folgenden Bestandteile aufweisen MUSS?

    =

    Weitere Details zur Lernziel-Idee: https://www.aevo-lernkartei.de/lernziele
    Lernziele werden primär in Richtlernziele, Groblernziele und Feinlernziele unterteilt, sekundär nach Lernzielbereichen: kognitiv, affektiv, psychomotorisch
    Reinhold Vogt - Sie können Teile meines AEVO-OnlineKurses kostenfrei nutzen

  • #2
    Sehr geehrter memoPower,

    ich kann das Urteil des Prüfungsausschusses voll nachvollziehen, denn

    “… wird die versicherten Gefahren in der Teilkaskoversicherung aufzählen und erklären können.”

    sind erstmal nicht ein sondern zwei Lernziele und dann noch auf unterschiedlichen Niveau (Bloomsche Taxonomie bzw. Deutscher Bildungsrat):
    - aufzählen = Reproduktion
    - erklären = nicht Reproduktion, sondern mindestens Reorganisation

    zweitens fehlt für ein Feinlernziel auf der Ebene der Reproduktion die Angabe des zu reproduzierenden Wissens und der Maßstab dafür, wann das Lernziel als erreicht gelten soll,

    für das "erklären" fehlt drittens vieles: Soll a) erklärt werden, warum bestimmte Sachverhalte in der TK ausgeschlossen sind (Politik der Versicherer)? Oder soll b) erläutert werden, was z. B. ein Wildschaden ist bzw. nicht? c) ... d) ? Ich will nicht weiter in die Einzelheiten der Branche einstiegen. Was aber weiterhin fehlt ist auf jeden Fall die Angabe, wann das Lernziel erreicht worden ist - oder eben nicht.

    Wenn überhaupt, handelt es sich um zwei vage formulierte Groblernziele.

    Wenn diese Anforderungen an Lernziele in den letzten 30 Jahren nicht erfüllt worden sind, herzlichen Glückwunsch an den Dozenten. In unserer Kammer wäre das o. g. "Fein-Lernziel" immer wie oben beschrieben beanstandet worden.

    Beste Grüße

    Kommentar


    • #3
      Danke, Herr Passe-Tietjen, für Ihre ausführliche Antwort.

      Ich akzeptiere, dass Sie und zum Beispiel auch der von mir erwähnte Prüfungsausschuss eine andere Auffassung dazu haben, was ein operationalisiertes Fernlernziel ist.

      Es wäre jedoch hilfreich, wenn Sie eine allgemein anerkannte Quelle nennen könnten, die sich nicht nur in einer wohlfeilen Definition erschöpft, sondern auch eindeutige Beispiele hierzu nennt. (Das war übrigens der Grund meines obigen Posts: "In welcher allgemein anerkannten Literaturquelle ….")

      Aus dieser Quelle sollte unzweifelhaft hervorgehen, dass und warum solch fachlich weit gespreizte Lernziele wie die folgenden zwei ausdrücklich Grob-Lernziele sein sollen:
      • "Personen- und Schadenversicherungsprodukte für Privatkunden beschreiben" (§ 4 Abs. 1 Nr. 4 b AO Kaufmann / Kauffrau für Versicherung und Finanzen)
      • "die versicherten Gefahren in der Teilkaskoversicherung aufzählen und erklären" (Lernziel, das in der genannten praktischen AEVO-Prüfung erarbeitet wurde)
      Beide Lernziele gehören zum selben fachlichen Inhaltsbereich; das zweite Lernziel stellt aber unzweifelhaft eine erhebliche Verfeinerung des ersten Lernziels dar!

      Um die Bandbreite von Lernzielen zu veranschaulichen, gibt es auf meiner zitierten Webseite folgende Grafik:
      lernzieleinteilung.png?w=876&ssl=1.png

      Andererseits müsste aus dieser Literaturquelle auch hervorgehen, weshalb folgende Lernziele die Voraussetzungen für Feinlernziele hinsichtlich der Beschreibung eines beobachtbaren Endverhaltens und des Bewertungsmaßstabs erfüllen:
      • Das Ziel und die Bedeutung von GGVSEB und ADR kennen
      • Maßnahmen oder Vorkehrungen kennen, um Missbrauch gefährlicher Güter zu minimieren
      • wissen, für welche Transporte GGVSEB und ADR anzuwenden sind
      • wissen, aus welchen Teilen sich GGVSEB und ADR zusammensetzen

      Diese vier Lernziele werden in einer DIHK-Unterlage als Feinlernziele bezeichnet ...

      Die noch immer von mir gesuchte allgemein anerkannte Quelle könnte von der IHK-/HwK-Organisation als Beurteilungs-Maßstab für die Qualität von Feinlernzielen ausdrücklich genannt werden. Sie könnte dann für alle Beteiligten gelten, also
      • für die gesamte IHK-/HwK-Organisation
      • für die Dozenten in AEVO-Vorbereitungsseminaren, die Autoren von AEVO-Büchern und AEVO-Onlinekursen
      • für alle AEVO-Prüflinge

      Dass die AEVO-Prüfungsausschüsse recht unterschiedlich in ihrer Qualität und unterschiedlich "rechtskonform" prüfen, ist mir leidlich bekannt: Ich habe in den letzten Jahren nicht nur mehrere Fachaufsichtsbeschwerden gegen AEVO-Prüfungen in IHKs und einer HwK (erfolgreich) eingelegt, sondern zahlreiche unglaubliche Fälle nachprüfbar dokumentiert.
      Zuletzt geändert von memoPower.de; 12.11.2019, 08:34.
      Reinhold Vogt - Sie können Teile meines AEVO-OnlineKurses kostenfrei nutzen

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      • #4
        Sehr geehrter memoPower,

        vielen Dank für die aufklärende Antwort.

        Die Bitte um Hergabe eines endgültigen Glossars (Quelle), was denn nun ein „richtiges“ Feinlernziel sei, kenne ich auch aus meinen diversen durchgeführten Ausbilder*innen-Seminaren (… am besten gleich als Tabellenbuch).

        Ich habe dieser Bitte nicht entsprochen, weil spätestens seit Robinsohn (1967) die Formulierung von Lernzielen einen diskursiven Prozess darstellt, der nicht nur begründet, sondern auch nachvollziehbar sein muss. D. h. dass z. B. ein Feinlernziel im Kontext der Ausbildungsordnung, des betrieblichen Zusammenhangs und unter Berücksichtigung des/der Auszubildenden fachwissenschaftlich hergeleitet werden muss. (Vgl. hierzu auch Quelle Nr. 2: Wirtschaftsdidaktik, von Euler/Hahn, 2004; spez. S. 117 bis 148)

        Geschieht dies nicht, kann ein Dritter (wie z. B. eine Prüferin) über die Sinnhaftigkeit und Gültigkeit eines Feinlernzieles nur spekulieren. (Wie in dem von ihnen zitierten Beispiel: wissen, aus welchen Teilen sich GGVSEB und ADR zusammensetzen – eine Antwort könnte sein: aus den Buchstaben A, B, D, E, G, R, S und V = 100 % richtige Antwort ).

        Angehende Ausbilder*innen müssen also die Kompetenz erwerben, Lernziele in o. g. Sinne herzuleiten. Dazu sollen sie Regeln kennen und anwenden, was wiederum einen bestimmten Kenntnisvorrat voraussetzt, wie Lernzielarten, Taxonomien etc.
        In einer Prüfung sollen sie dann nachweisen, dass sie diese Kompetenz auch anwenden können.

        Das setzt wiederum voraus, dass angehende Ausbilder*innen sich mit ihrer Ausbildungsordnung auseinandersetzen und erkennen, welchen Grad an Konkretion z. B. das dort aufgeführte Berufsbild besitzt:
        Ihr Beispiel: "Personen- und Schadenversicherungsprodukte für Privatkunden beschreiben" aus der AO Versicherungskaufleute zeigt deutlich, dass es sich in keinem Fall um Feinlernziele handeln kann. (vgl. hierzu auch Quelle 3: Handbuch Berufliche Aus- und Weiterbildung, von Küppers, Leuthold, Pütz; 2001, spez. S. 302 bis 308) sondern dass dieser Zielhorizont erst zu Feinlernzielen in einer konkreten Ausbildungs-Situation heruntergebrochen werden muss. Welche Feinlernziele dann zum Gegenstand einer Ausbildungseinheit werden, entscheidet der/die Ausbilder*in. (Ob z. B. die Krankenhauszusatzversicherung mit Chef-Arzt-Privileg in ihren Details beschrieben werden können soll oder nicht.) Feinlernziele könnten dann sein:
        • wissen, dass es eine Krankenhauszusatzversicherung gibt, und dass es sich um ein Personenversicherungsprodukt handelt;
        • wissen, dass es N verschiedene Tarife gibt und zwar Tarif A, B, C, …
        • wissen, dass in Tarif A die Leistungen A, B, C …. enthalten sind, nicht aber Z1 und Z2;
        • wissen, dass Leistung B (des Tarif A) xxx und yyy und zzz beinhaltet;
        • wissen, dass in Tarif B die Leistungen F, G, H …. enthalten sind;
        • wissen, dass Leistung G (des Tarif B) äää und üüü beinhaltet, nicht aber kkk;
        • usw. usw.
        Die genannten Lernziele wären erreicht, wenn 90 % der Details der Personenversicherung „Krankenhauszusatzversicherung“ korrekt beschrieben werden.

        Diese exemplarische Auflistung zeigt auch, dass das von ihnen genannte zweite Beispiel zu den Versicherungskaufleuten "die versicherten Gefahren in der Teilkaskoversicherung aufzählen und erklären" auch nicht auf Feinlernzielebene liegen kann, weil zu unkonkret.

        Die Wissenschaft des beruflichen Lernens gibt genügend Parameter an, in denen eine didaktische Entscheidung (z. B. auch Flechsig/Haller 1975), wie Lernziele zu formulieren, stattzufinden hat. AEVO-Prüfungsausschüsse haben sich an diese Vorgaben zu halten: Sie müssen prüfen, ob der gewählte theoretische Rahmen korrekt angewendet wurde: Ob die Feinlernziele nachvollziehbar hergeleitet wurden und ob sie für die Ausbildungssituation passen.
        Ob sie dann fein genug sind, zeigt die einfache Frage: Geht es auch konkreter? Was bei: „wissen, aus welchen Teilen sich GGVSEB und ADR zusammensetzen“ der Fall ist. (Ich erspare mir die fachlich korrekte Differenzierung.) (Eselsbrücke: Wenn Fragewörter wie: Was, welches etc. in Feinlernzielformulierungen vorkommen, liegt i. d. R. kein optimales Feinlernziel vor.)

        Fazit:
        Die Kompetenz „Lernziele formulieren können“ lässt sich nicht mit Unterricht auf den (kognitiven) Lernziel-Ebenen 1 oder 2 (Bloom 1972) erreichen. Ich habe in meinen Kursen immer versucht, die Ebene 3 Anwenden zu überschreiten und die Ebenen 4 oder 5 (Analyse bzw. Synthese) zu realisieren. Nicht immer, und nicht bei jeder oder jedem mit Erfolg. Aber dennoch erfolgreich.

        Nicht ein Glossar zum Abhaken ist das Ziel einer modernen Ausbilder*innenqualifizierung, sondern eine theoriegeleitete didaktische Entscheidungskompetenz.

        Beste Grüße

        Kommentar


        • #5
          Guten Tag, Herr Passe-Tietjen,

          Zitat: Ihr Beispiel: "Personen- und Schadenversicherungsprodukte für Privatkunden beschreiben" aus der AO Versicherungskaufleute zeigt deutlich, dass es sich in keinem Fall um Feinlernziele handeln kann.

          Hier stimmen wir überein; natürlich handelt es sich hierbei nicht um ein Feinlernziel: Alle im Ausbildungsrahmenplan aufgezählten Lernziele stellen bekanntlich Groblernziele dar. - Ich hatte als Quelle für dieses Lernziel ausdrücklich die betreffende Fundstelle der Ausbildungsordnung genannt.

          =

          Zitat: sondern dass dieser Zielhorizont erst zu Feinlernzielen in einer konkreten Ausbildungs-Situation heruntergebrochen werden muss.

          Auch hierzu stimme ich Ihnen zu! Genau deshalb hatte ich die Frage gestellt, "warum solch fachlich weit gespreizte Lernziele wie die folgenden zwei ausdrücklich Grob-Lernziele sein sollen".

          Das zweite genannte Lernziel ist unzweifelhaft heruntergebrochen und deutlich verfeinert: "die versicherten Gefahren in der Teilkaskoversicherung aufzählen und erklären". Deshalb ist dieses Lernziel für mich eben kein Groblernziel mehr!

          =

          Zitat: Feinlernziele könnten dann sein: wissen, dass es eine Krankenhauszusatzversicherung gibt, und dass es sich um ein Personenversicherungsprodukt handelt;

          Diese Aussage sowie Ihre unmittelbar folgenden Aufzählungen wundern mich: Nach meinem bisherigen Wissensstand kann es sich bei Formulierungen mit dem Verb "wissen" niemals um Feinlernziele handeln. - Feinlernziele müssen zumindest ein beobachtbares / überprüfbares Endverhalten beschreiben, ggf. darüber hinaus auch die Nennung von Bedingungen und des Bewertungsmaßstabs.

          Wenn man das im Lernziel gewählte Verb bei der Lernziel-Erfolgskontrolle in die Befehlsform setzt, kann man feststellen, ob eine Beobachtung und Prüfbarkeit überhaupt möglich sind: "Zählen Sie bitte auf …", "Beschreiben Sie bitte …", "Unterscheiden Sie bitte …", "Bewerten Sie bitte …", aber eben nicht: "Wissen Sie bitte …"

          Unter "wissen" kann man alles Mögliche verstehen; "wissen" ist eben nicht konkret (Duden-Synonyme für konkret: greifbar, deutlich, eindeutig, exakt, genau, klar, unmissverständlich, unzweideutig, prägnant, präzise)
          .
          "Eindeutige Formulierung: nennen, erklären, beschreiben, anwenden, ausführen, zuordnen, vergleichen, zusammenfassen
          Nicht eindeutige Formulierung: wissen, verstehen, kennen, glauben, vertraut sein mit, interessiert sein an, informiert sein"

          Quelle: TU Dresden


          Sofern TeilnehmerInnen meiner AEVO-Vorbereitungsseminare in ihren Konzepten ein "Feinlernziel" mit dem Verb "wissen" formulieren würden, würde ich ihnen zu verstehen geben, dass sie leider noch immer nicht "wissen", was man unter "Beschreibung eines beobachtbaren Endverhaltens" versteht.

          =

          In Ihrem Post vom 11.11.2019 hatten Sie geschrieben: "zweitens fehlt für ein Feinlernziel auf der Ebene der Reproduktion die Angabe des zu reproduzierenden Wissens und der Maßstab dafür, wann das Lernziel als erreicht gelten soll"

          Wo gibt es denn bei der von Ihnen ausdrücklich als Feinlernziel bezeichneten Formulierung "wissen, dass es eine Krankenhauszusatzversicherung gibt, und dass es sich um ein Personenversicherungsprodukt handelt" den von Ihnen ausdrücklich geforderten "Maßstab, wann das Lernziel als erreicht gelten soll"?

          =

          Zitat: Die genannten Lernziele wären erreicht, wenn 90 % der Details der Personenversicherung „Krankenhauszusatzversicherung“ korrekt beschrieben werden.

          Wenn 90% als erforderlich gelten sollen, warum integrieren Sie denn diese Anforderung nicht in Ihr oben genanntes Lernziel? Ein Feinlernziel soll doch möglichst konkret sein!

          Mich hätte interessiert, wie Sie bei Ihrer gewählten 'Feinlernziel'-Formulierung den 90%-Maßstab unterbringen wollen, etwa so: "… soll zu 90% wissen, dass es eine Krankenhauszusatzversicherung gibt"?

          =

          Zitat: Ob sie (die Feinlernziele) dann fein genug sind, zeigt die einfache Frage: Geht es auch konkreter?

          Sind Sie ernsthaft der Überzeugung, dass Ihr "Feinlernziel"-Beispiel "wissen, dass es eine Krankenhauszusatzversicherung gibt, und dass es sich um ein Personenversicherungsprodukt handelt" bestmöglich konkret formuliert ist?

          Feinlernziele können auch dadurch zusätzlich konkretisiert werden, dass sie die Bedingungen beinhalten, unter denen das erwünschte Verhalten gezeigt werden soll, zum Beispiel "innerhalb von drei Minuten", "unter Zuhilfenahme des §-Textes", "auch in Stress-Situationen".

          Sollte dann - bezogen auf Ihren Vorschlag - das "Feinlernziel" vielleicht so formuliert werden: "… soll innerhalb von drei Minuten und zu 90% wissen, dass es eine Krankenhauszusatzversicherung gibt"?

          =

          Zitat: Diese exemplarische Auflistung zeigt auch, dass das von ihnen genannte zweite Beispiel zu den Versicherungskaufleuten "die versicherten Gefahren in der Teilkaskoversicherung aufzählen und erklären" auch nicht auf Feinlernzielebene liegen kann, weil zu unkonkret.

          Ihre Schlussfolgerung kann ich beim besten Willen noch immer nicht nachvollziehen.

          =

          Zitate:
          • Nicht ein Glossar zum Abhaken ist das Ziel einer modernen Ausbilder*innenqualifizierung, sondern eine theoriegeleitete didaktische Entscheidungskompetenz.
          • weil die Formulierung von Lernzielen einen diskursiven Prozess darstellt, … fachwissenschaftlich hergeleitet werden muss
          Ein Ausbilder, zum Beispiel ein Einzelunternehmer mit einem einzigen Azubi, sollte zwar auch nach meiner Meinung in der Lage sein, ein 'sauberes' Feinlernziel zu formulieren, aber ohne dass er deswegen in einen diskursiven Prozess einsteigen müsste. (gegoogelte Übersetzung: "ein Problem diskursiv angehen" = "in ausführlichen Diskussionen, Erörterungen methodisch vorgehend")

          AusbilderInnen wollen nach meinen Erfahrungen die AEVO-Prüfung bei der IHK oder bei der HwK bestehen, aber nicht stunden- oder sogar tagelang innerhalb eines pädagogischen Hochschulseminars das Problem richtiger Feinlernziel-Formulierungen "fachwissenschaftlich diskursiv" behandeln.

          =

          Zitat: Die Bitte um Hergabe eines endgültigen Glossars (Quelle), was denn nun ein „richtiges“ Feinlernziel sei, kenne ich auch aus meinen diversen durchgeführten Ausbilder*innen-Seminaren … Ich habe dieser Bitte nicht entsprochen

          Das kann ich jetzt gut nachvollziehen; in meinem Ausbilderseminaren hatte ich eine solche Unsicherheit bislang allerdings nicht erlebt.

          = = =

          Aus unserer kontroversen Diskussion ergeben sich übrigens folgende Erkenntnisse bzw. Fragen:
          • Ein bestimmtes, aber wichtiges Detail aus dem AEVO-Prüfungsinhalt wird in zahlreichen IHKs als richtig angesehen. Aber es gibt mindestens eine IHK-Prüfungskommission, in der Sie mitarbeiten oder mitgearbeitet haben, die denselben Inhalt jahrelang als falsch bewertet bzw. bewertet hat.
            .
          • Hängt die Richtigkeit dieses Inhaltes also davon ab, bei welcher IHK der betreffende Inhalt geprüft wird?
            .
          • Welche Inhalte sollen die AEVO-Prüflinge denn nun als 'richtig' lernen? - Sollen die bundesweit arbeitenden AEVO-Dozenten und Anbieter von AEVO-Onlinekursen 'unterschiedlich richtige' Inhalte vermitteln - je nachdem, bei welcher IHK sich deren Kurs-TeilnehmerInnen prüfen lassen?
            .
          • Solange 'falsch' ausgebildete Kurs-TeilnehmerInnen nur in den IHKs geprüft wurden, in denen dieses Falsche in der Prüfung als richtig bewertet wurde, fielen solche 'Inzucht-Probleme' kaum auf.
            .
          • Aber seit Jahren gibt es immer wieder Fälle, in denen diese Probleme bekannt wurden / bekannt gemacht wurden. - Welche Stelle innerhalb der IHK-Organisation müsste eigentlich aktiv werden?
            .
          • Weil sich mehrere IHKs jahrelang sogar nicht einmal an die zwingenden Vorgaben der AEVO hielten, habe ich - als bundesweit arbeitender AEVO-Dozent und Anbieter der AEVO-Lernkartei sowie bundesweit agierender Anbieter eines AEVO-Onlinekurses - innerhalb dieses Forums mehrfach auf die Probleme hingewiesen. (Auf unmittelbare Hinweis an die betreffenden IHKs hatte sich meist sowieso nichts getan.) - In einigen Fällen habe ich nur durch Einreichen von Fachaufsichtsbeschwerden etwas erreichen können.
          = = =

          Alles Gute
          Ihr Reinhold Vogt
          Zuletzt geändert von memoPower.de; 19.11.2019, 04:34.
          Reinhold Vogt - Sie können Teile meines AEVO-OnlineKurses kostenfrei nutzen

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          • #6
            Guten Tag Herr Vogt,

            es freut mich, dass unser Diskurs inzwischen zu Formulierungen wohlfeiner Lernziele führt, der den Leser*innen sicherlich gefällt.

            Es verwundert mich, dass Sie nicht erkennen (wollen), dass meine Auflistung
            • wissen, dass es eine Krankenhauszusatzversicherung gibt, und dass es sich um ein Personenversicherungsprodukt handelt;
            • wissen, dass es N verschiedene Tarife gibt und zwar Tarif A, B, C, …
            • wissen, dass in Tarif A die Leistungen A, B, C …. enthalten sind, nicht aber Z1 und Z2;
            • wissen, dass Leistung B (des Tarif A) xxx und yyy und zzz beinhaltet;
            • wissen, dass in Tarif B die Leistungen F, G, H …. enthalten sind;
            • wissen, dass Leistung G (des Tarif B) äää und üüü beinhaltet, nicht aber kkk;
            • usw. usw.
            Die genannten Lernziele wären erreicht, wenn 90 % der Details der Personenversicherung „Krankenhauszusatzversicherung“ korrekt beschrieben werden.

            sehrwohl einen Maßstab der Erreichung enthält und somit überprüfbar ist. (100 Prozent wären wegen der Faktenfülle sicherlich nicht angemessen. - Über diese didaktische Entscheidung (100 Prozent oder weniger) kann man sicherlich unterschiedlicher Auffassung sein, die aber für einen schriftlichen Entwurf nicht prüfungsrelevant sein kann.)
            Wenn ein AEVO-Prüfungsausschuss also hier zu einem negativen Ergebnis käme, wäre ich doch sehr verwundert.

            Die Frage der „Bedingungen“ wäre unter einem Kapitel Lernerfolgskontrolle eines Unterweisungsentwurfs zu erläutern.

            Hinsichtlich des ersten o. g. Feinlernlernziels stellen Sie die Frage, „ob ich (PT) der Überzeugung sei, dass es bestmöglich konkret formuliert sei.“ Hier bin ich gespannt auf ihre verbesserte Formulierung.


            In Bezug auf ihre abschließenden Fragen bzw. Erkenntnisse bin ich etwas ratlos:

            „Ein bestimmtes, aber wichtiges Detail aus dem AEVO-Prüfungsinhalt wird in zahlreichen IHKs als richtig angesehen. Aber es gibt mindestens eine IHK-Prüfungskommission, in der Sie mitarbeiten oder mitgearbeitet haben, die denselben Inhalt jahrelang als falsch bewertet bzw. bewertet hat.“

            Ich weiß nicht, wie Sie zu dieser Aussage kommen. IHKs prüfen nicht, sondern Prüfungsausschüsse und das im Rahmen einer bundeseinheitlichen Prüfung. Falsch bewertet entspricht nicht den Ergebnissen der Forschung zu Prüfungen, die von Personen abgenommen werden. Richtig wäre unterschiedlich

            „Hängt die Richtigkeit dieses Inhaltes also davon ab, bei welcher IHK der betreffende Inhalt geprüft wird?“

            Was richtig oder falsch ist, entscheidet bei Fakten die Fachwissenschaft. Wenn Sie aber nun didaktische Entscheidungen betrachten, müssen Sie den diskursiven Prozesscharakter dieser Entscheidungen berücksichtigen. (Eine begründete Entscheidung mag in meinen Augen falsch sein, wenn aber die Begründungen stimmen ….)

            „Welche Inhalte sollen die AEVO-Prüflinge denn nun als 'richtig' lernen? - Sollen die bundesweit arbeitenden AEVO-Dozenten und Anbieter von AEVO-Onlinekursen 'unterschiedlich richtige' Inhalte vermitteln - je nachdem, bei welcher IHK sich deren Kurs-TeilnehmerInnen prüfen lassen?“

            Die Teilnehmer*innen von AEVO-Kursen sollen lernen, didaktische Entscheidungen zu treffen, einschließlich derer Begründungszusammenhänge.

            „Solange 'falsch' ausgebildete Kurs-TeilnehmerInnen nur in den IHKs geprüft wurden, in denen dieses Falsche in der Prüfung als richtig bewertet wurde, fielen solche 'Inzucht-Probleme' kaum auf.“

            Das ist -entschuldigen Sie- absoluter Unsinn.

            „Aber seit Jahren gibt es immer wieder Fälle, in denen diese Probleme bekannt wurden / bekannt gemacht wurden. - Welche Stelle innerhalb der IHK-Organisation müsste eigentlich aktiv werden?“

            In der Kammer, in der ich zuletzt als Prüfer tätig war, haben wir ein QM-System für Prüfungen eingeführt. Vorher hatten wir regelmäßige Treffen aller sieben AEVO-Prüfungsausschüsse.

            „Weil sich mehrere IHKs jahrelang sogar nicht einmal an die zwingenden Vorgaben der AEVO hielten, habe ich - als bundesweit arbeitender AEVO-Dozent und Anbieter der AEVO-Lernkartei sowie bundesweit agierender Anbieter eines AEVO-Onlinekurses - innerhalb dieses Forums mehrfach auf die Probleme hingewiesen. (Auf unmittelbare Hinweis an die betreffenden IHKs hatte sich meist sowieso nichts getan.) - In einigen Fällen habe ich nur durch Einreichen von Fachaufsichtsbeschwerden etwas erreichen können.“

            Ich kenne keine IHK, die sich nicht an die Vorgaben der AEVO gehalten hat und damit gegen geltendes Recht verstoßen hätte.
            Ich kenne auch nicht ihren On-Line-Kurs und dessen Kummerkasten.
            Ich kenne aber auch Beschwerden von Prüflingen, die nicht bestanden hatten und deren Beschwerdebasis wahlweise banal entweder die Unkenntnis der geforderten Leistungen oder schlicht Unvermögen war. (oder aber auch nicht korrekte Hinweise aus dem Vorbereitungsseminar)

            Beste Grüße
            Zuletzt geändert von helmut.passe-tietjen; 21.11.2019, 15:39.

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