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Nachhaltig(keit) ausbilden in der Milchwirtschaft – der Modellversuch NaMiTec

06.12.2021 | Mareike Beer, Universität Osnabrück

Im von BIBB geförderten Modellversuch NaMiTec hat die LUFA Nord-West in Oldenburg gemeinsam mit Ausbildungsunternehmen, der Universität Osnabrück und dem Fraunhofer-Institut UMSICHT Lehrmaterialien für den Beruf Milchtechnologe/-in entwickelt, um Nachhaltigkeit in die Ausbildung zu integrieren.

Nachhaltig(keit) ausbilden in der Milchwirtschaft – der Modellversuch NaMiTec

Knapp 4.000 junge Menschen starten jährlich ihre Ausbildung in der Landwirtschaft, nur knapp 250 davon erlernen den Ausbildungsberuf Milchtechnologe/-in – diese Ausbildung gehört somit zu den eher „kleinen Berufen“. Doch genau hier wird aktuell modellhaft eine Innovation erprobt. Im Modellversuch NaMiTec geht es um die Frage, wie das Zukunftsthema Nachhaltigkeit in der Ausbildung vermittelt werden kann.

Federführender Koordinator ist Dr. Helmut Steinkamp, Leiter des Instituts für Lebensmittelqualität bei der LUFA Nord-West in Oldenburg. Die LUFA-Nord West ist die zuständige Stelle für die Ausbildung der Milchtechnologinnen und Milchtechnologen in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens, in Niedersachen und in Bremen. Die Auszubildenden nehmen hier am Berufsschulunterricht im Blockform sowie an den überbetrieblichen Lehrgängen im Milchwirtschaftlichen Bildungszentrum der LUFA teil. Als Projektpartner sind die Universität Osnabrück mit dem Fachgebiet Berufs- und Wirtschaftspädagogik am Lehrstuhl von Prof. Dr. Dietmar Frommberger und das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen am Modellversuch NaMiTec beteiligt.

In NaMiTec wurden sechs Modulhefte entwickelt, mit denen Nachhaltigkeit in der Ausbildung aufgegriffen und thematisiert werden kann. Fünf Module richten sich an die Auszubildenden, das sechste Modul ist als Ausbilderheft angelegt.

In den Modulen werden wesentliche Fragen der Facharbeit in den Molkereien aufgegriffen und mit Inhalten hinterlegt. Beispielsweise sind dies Fragen wie:

  • Getränkekarton, PET-Flasche, Glaspfandflasche - welche Verpackung ist die beste für Trinkmilch?
  • Wie können im Produktionsprozess Ressourcen eingespart werden?
  • Was hat mein Unternehmen davon, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen?
  • Was hat betriebliche Mitbestimmung mit Nachhaltigkeit zu tun?

Nachhaltigkeit wird dabei nicht als ein zusätzliches Thema verstanden, sondern als etwas, das die Betriebe und Unternehmen in der Milchwirtschaft bereits stark beschäftigt. Das betrifft die Produktionsketten, die operativen Arbeitsprozesse und die Berufsausbildung sowie die Zusammenarbeit der Molkereien mit ihren Zulieferern und Kunden. Nachhaltigkeit umfasst den gesamten Produktionszyklus einschließlich der vor- und nachgelagerten Prozesse der Milcherzeugung (Stichworte: Tierwohl und faire Milchpreise), der Milchverarbeitung und Produktion von Molkereiprodukten (z.B. schonender Umgang mit Ressourcen) sowie die Absatzmärkte und das Marketing (Label, Siegel, transparente Lieferketten etc.) einschließlich der Kundenbindung und der Verantwortung gegenüber Verbrauchern und Gesellschaft.

Die Module umfassen darum die Vermittlung von Basiswissen in puncto Nachhaltigkeit, die Themen Verpackungen, Ressourcen und betriebliche Mitbestimmung sowie das Thema Nachhaltigkeit und Verantwortung in der Unternehmenskommunikation.

Viele Unternehmen aus der Milchbranche überprüfen ihre Prozesse bereits regelmäßig auf ihre Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft und verfolgen eigene Nachhaltigkeitsstrategien.

Diese Unternehmen erwarten von ihren Beschäftigten oft ein erhöhtes ökologisches Bewusstsein und nachhaltigkeitskompetentes berufliches Handeln. Aber auch die Ansprüche von Beschäftigten sind vermehrt mit Erwartungen an ein umwelt- und sozialverträgliches Wirtschaften verbunden und werden von den Mitarbeitenden an die Betriebe herangetragen. Nicht zuletzt sind hier die Forderungen und Ideen der jungen „Fridays for Future“-Bewegung zu nennen. Aktivitäten der nachhaltigen Entwicklung in Unternehmen sind somit nicht als betriebliche Zusatzleistung zu verstehen, sondern stehen mit den unternehmerischen Geschäftsmodellen und den Kerngeschäftsprozessen in engem Zusammenhang. Zugleich trägt das Thema mehr denn je dazu bei, die Attraktivität der beruflichen Bildung für die jungen Menschen zu erhöhen.

Praxisnahe Ausbildungsmaterialien wie die NaMiTec-Module tragen dazu bei, dass sich nicht jeder Betrieb alleine auf den Weg machen muss. Sie bieten zudem Anknüpfungsmöglichkeiten auch für andere Branchen und andere grüne Berufe.

Team NaMiTec
v.l.: Dr. Helmut Steinkamp, Pia Wachenfeld, Arne Oltmanns, Ina Lange (alle LUFA Nord-West)

Weitere Informationen

Die Modulhefte stehen kostenfrei zum Download zur Verfügung unter www.lufa-nord-west.de//index.cfm/article/2150.html?source=pareto

Mehr über den Modellversuch NaMiTec kann man auf der Webseite der LUFA Nord-West erfahren. Ansprechpartnerin ist Ina Lange, Leiterin der Lehrmolkerei der LUFA.

Der Modellversuch „NaMiTec“ wurde im Rahmen des Modellversuchsförderschwerpunktes „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015-2019 vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Website: www.bbne.de