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Virtuelles Lernen wird in der überbetrieblichen Ausbildung Realität

„ProMech-I“ präsentiert VR-Lernanwendung beim „Tag der ausbildenden Fachkraft“

04.08.2022 | Ralf Marohn

Mit dem Projekt „ProMech-I“ möchte das saz u. a. Virtual Reality (VR) in die überbetriebliche Ausbildung der Mechatroniker/-innen integrieren. Am „Tag der ausbildenden Fachkraft“ stellte das Projektteam Ausbildungsbetrieben die entwickelte VR-Lernanwendung und deren zukünftigen Einsatz vor.

Zum Ende des Ausbildungsjahres 2021/2022 hat das saz – Schweriner Aus- und Weiterbildungszentrum e.V. den traditionellen „Tag der ausbildenden Fachkraft“ durchgeführt. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam einen Blick auf die industrielle Berufsausbildung in der Region Westmecklenburg zu werfen, die Herausforderungen zu erkennen und daraus Schlussfolgerungen für die weitere Ausgestaltung der Lernortkooperation abzuleiten. Zudem erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in den aktuellen Stand der im Projekt „ProMech-I“ entwickelten VR-Lernanwendung für die überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) der Mechatroniker/-innen.

Der Einladung in das saz folgten 49 Teilnehmende aus Ausbildungsbetrieben, dem Regionalen Beruflichen Bildungszentrum der Landeshauptstadt Schwerin, der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin und dem saz als überbetriebliche Bildungsstätte. 

Zu Beginn der Veranstaltung wurden die Teilnehmenden über die qualitative und quantitative Entwicklung der ÜBA und die derzeitige Situation des saz als dritter Lernort informiert. Die IHK zu Schwerin stellte im Anschluss die Ergebnisse der Frühjahrsprüfungen 2022 vor. Dabei wurde deutlich, dass bei der Umsetzung der Ausbildungskonzepte die Individualisierung aufgrund der Lernvoraussetzungen der Auszubildenden eine immer wichtigere Rolle spielen wird, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Diese Anforderung wird das Projekt „ProMech-I“ bei der konzeptionellen Überarbeitung der ÜBA-Angebote noch stärker berücksichtigen.
 

Ein Ausbilder führt vor den Teilnehmenden der Veranstaltung die Bearbeitung einer Aufgabe mithilfe von Controllern und einer VR-Brille aus. Die Teilnehmen können sein Vorgehen per Bildschirmübertragung mitverfolgen.
Vorstellen des VR-Trainingssystems

Anschließend präsentierte das Projektteam von „ProMech-I“ Ergebnisse aus der Projektarbeit und informierte im Speziellen über die Implementierung von VR in die ÜBA. Den Ausbildungsbetrieben wurde in diesem Zusammenhang das Teilvorhaben der Entwicklung und Implementierung des VR-Trainingssystems „Komplettierung und Inbetriebnahme eines mechatronischen Systems“ erläutert. Mit ihm sollen Auszubildende zukünftig in der virtuellen Realität ein mechatronisches System komplettieren und in Betrieb nehmen. Die Bearbeitung erfolgt in unterschiedlichen Niveaustufen. Das VR-Trainingssystem protokolliert und bewertet dabei die Tätigkeit der bzw. des Auszubildenden hinsichtlich verschiedener Kriterien und hilft damit den Lernfortschritt transparent für Lernende und Lehrende abzubilden.

Nach der theoretischen Einführung „entführte“ das Team die Teilnehmenden in die virtuelle Lernwelt. Die Teilnehmenden an der Veranstaltung schauten dabei einem Ausbilder in der VR über die Schulter und beobachteten die Bearbeitung der Aufgabe mit Hilfe der Controller. Einige Teilnehmende nutzten im Anschluss selbst die Möglichkeit, in die neue virtuelle Lernwelt einzutauchen und das mechatronische System zu komplettieren. Dabei lobten sie die Realitätstreue. 

Ein Teilnehmender der Veranstaltung testet das Virtual Reality System. Dabei trägt er eine VR-Brille auf dem Kopf und testet die VR-Anwendung mit Controllern. Neben ihm steht ein Ausbilder, der die Testung per Bildschirmübertragung verfolgt.
Ausprobieren des VR-Trainingssystems

Im Anschluss wurden in einer angeregten Diskussion der Nutzen und die Möglichkeiten, aber auch die Herausforderungen beim Einsatz von VR diskutiert. Es wurde gemeinsam herausgearbeitet, dass VR ein digitales Medium ist, welches gezielt zur Unterstützung bei der Erreichung des Lernziels eingesetzt werden kann. Der Einsatz muss aber durch das Ausbildungspersonal begleitet werden. Die Beschaffung einer solchen Lernanwendung, und der entsprechenden Hardware, von Betrieben mit wenigen Auszubildenden wird aus ökonomischen Gründen eher kritisch gesehen. Aus diesem Grund ist der Einsatz in der ÜBA oder an der Berufsschule sinnvoll. Die Unternehmen zeigten sich aber gegenüber neuen hybriden Angeboten aufgeschlossen. 

Das Team von „ProMech-I“ wird in den kommenden Monaten das VR-Trainingssystem weiter erproben und im neuen Ausbildungsjahr in die ÜBA integrieren. Auch ist die Entwicklung eines E-Learning-Angebotes (unter Nutzung des VR-Trainingssystems) geplant, mit dem auch außerhalb des saz gelernt werden kann.