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Drei Fragen an... Ronny Donath (Bereichsleiter Projekte) und Hardy Farin (Projektkoordinator „DInA-Elektro“)

Digitalisierung, Energiewende und Nachhaltigkeit verändern die Anforderungen an die Elektroniker/-innen der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. Das Elektrobildungs- und Technologiezentrum Dresden plant die überbetriebliche Ausbildung an die digitalen Herausforderungen anzupassen.

Drei Fragen an... Ronny Donath (Bereichsleiter Projekte) und Hardy Farin (Projektkoordinator „DInA-Elektro“)

Das Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung spricht mit Ronny Donath, Bereichsleiter Projekte und Hardy Farin, Projektkoordinator im Projekt „DInA-Elektro“.

Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung: Entwicklungen im Bereich Energiewende und Nachhaltigkeit verändern die Arbeitsprozesse des Elektrohandwerks grundlegend. Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie dadurch für die überbetriebliche Ausbildung?

Ronny Donath: Neue Technologien und technische Trends vor dem Hintergrund der Digitalisierung, der Energiewende und der Nachhaltigkeit in die betriebliche Aus- und Weiterbildung zu integrieren, ist eine große Herausforderung.  Das betrifft die Gebäudesystemintegration, die Elektromobilität, die Miniaturisierung sowie die Digitalisierung von Arbeits- und Geschäftsprozessen. Sie sollen und müssen Eingang in die Kurse finden – das ist auch das Anliegen des „DInA-Elektro“-Projekts.

Die Digitalisierung bietet die große Chance, Innovationen in den Kursen der überbetrieblichen Ausbildung zu verankern. Wenn ich daran denke, wie man mit den digitalen Medien Informationen medial aufbereiten kann, Lernplattformen und E-Learning-Tools nutzen kann ebenso wie Augmented Reality- und Virtual Reality-Tools, dann sehe ich viel Potenzial zur Modernisierung des Lehr- und Lernprozesses.

Digitalisierung ist ein sehr dynamisches Feld und bringt in sehr kurzer Zeit Innovationen hervor.

Hardy Farin

Hardy Farin: Digitalisierung ist ein sehr dynamisches Feld und bringt in sehr kurzer Zeit Innovationen hervor. Daher können auch die Kurskonzepte nicht von Dauer sein. Die, die jetzt für die nächsten zwei bis drei Jahre gut sind, können in den darauffolgenden Jahren schon wieder überarbeitungsbedürftig werden. Das sollte man im Auge behalten. Man sollte sich nicht auf dem Vorhandenen ausruhen, sondern muss die Anschlussstellen erkennen und sich Möglichkeiten schaffen, für die Nachhaltigkeit in der Zukunft darauf aufzubauen.

Ronny Donath: Die Nachhaltigkeit sicherzustellen, ist bei vielen Projekten eine Herausforderung. Es ist nicht leicht, Kurskonzepte zu erarbeiten und zu entwickeln, die dauerhaft im Haus verankert werden. Und da sind wir von Anfang an den Weg gegangen, im Austausch mit dem Zentralverband der deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), die Novellierung der Ausbildungsberufe im Elektrohandwerk im Blick zu halten.

Es ist eine große Chance, die Lösung, die wir im Projekt entwickeln wollen im Sinne der Novellierung einzuordnen und dauerhaft im Elektrohandwerk zu etablieren. Das umzusetzen und das Zusammenspiel moderner, digitaler Medien in der beruflichen Ausbildung auszuprobieren ist auch das Spannende in dem Projekt.

Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung: Das Projekt „DInA-Elektro“ plant, sechs Ausbildungskurse für den Ausbildungsberuf Elektroniker/-in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik zu modernisieren. Was sind hierzu die ersten Schritte?

Ronny Donath: Zu Projektbeginn im September letzten Jahres haben wir die Meilensteinplanung darauf ausgelegt, dass wir die ersten sechs bis acht Monate eine Analysephase durchlaufen. Wir wollten wissen, was unsere Handwerksfirmen antreibt: Was sind die technischen Trends? Wie verändern sich die Arbeits- und Geschäftsprozesse? Welche Bedürfnisse haben Betriebe hinsichtlich des Einsatzes von digitalen Medien und Geräten in der Berufsausbildung? Was sind die Schwerpunktthemen, die in die novellierten Kurse Eingang finden müssen? Der erste Schritt war eine Literaturanalyse, mit der wir den aktuellen wissenschaftlichen Stand gesichtet und bewertet haben, während wir parallel versucht haben, die Trends zu identifizieren. In der zweiten Phase sind wir dazu übergegangen, die Betriebe im Elektrohandwerk nach ihren Meinungen zu befragen: Welche neuen Top-Themen, aber auch technische Aspekte, müssen stärker in der Ausbildung berücksichtigt werden? Wir haben auch die Multiplikatoren – die betrieblichen und überbetrieblichen Ausbildenden – befragt. Und wir haben Fachexperten aus den Hochschulen eingebunden, um die neuen technischen Trends sowie die Themen und Medien zu bewerten, die wir hier in unserem Haus einführen wollen. Bis Ende Mai wurde die Ergebnislage ausgewertet, auf deren Basis Empfehlungen und Zielvorgaben für die Erneuerung der sechs Kurse entwickelt werden. Die Analysephase war ein mühseliger Weg, aber ich halte sie für absolut notwendig, um eine vernünftige Basis aufzubauen und neue Kursinhalte aufstellen zu können.

Hardy Farin: Wir möchten, dass unsere Ausbildungen später positiv in die Praxis rückwirken. Deshalb analysieren wir die Arbeit und die in den Handwerksbetrieben eingesetzte Technik. Wir erfüllen unseren Bildungsauftrag, indem wir junge Leute befähigen, Arbeit und Technik im Berufsleben zu vereinbaren.

Zu den allgemeinen Trends in Bezug Arbeit und Technik haben wir eine multimediale Analyse durch eine externe Firma in Auftrag gegeben. Durch sie konnten wir eindeutig die zunehmende Verplanung und den Verbau von digital arbeitenden Baugruppen in der Energie- und Gebäudetechnik feststellen. Aber auch auf bestehende Skepsis durch „Verkomplizierung ohne erkennbaren Mehrwert“ wurden wir aufmerksam. Deshalb wollen wir auch Ausschau nach Lösungen halten, die nicht nur die Ausbildung in Form eines Unterrichtsmittels unterstützen, sondern vielleicht sogar noch vom AZBI später einmal als Handwerkszeug genutzt werden können.

Eine scharfe Unterscheidung zwischen Arbeit und Prozess kann ich hier nicht treffen, da mitunter ein Informationswunsch der während der Arbeit erst entsteht nur dann erfüllt werden kann, wenn der Arbeitsprozess selbst bereits in hohem Masse digitalisiert ist.

Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung: Im Projekt ist neben dem Einsatz digitaler Medien der Rückgriff auf das Konzept des Mikrolernens (Micro-Learning) für die Anpassung der Ausbildungsinhalte zentral. Welchen Mehrwert erhoffen Sie sich durch dieses Lehr- und Lernkonzept?

Ronny Donath: Das ist für uns auch eine spannende Frage, weil wir dieses Konzept in dieser Form erstmals ausprobieren. Ziel ist es, über kurze Lernsequenzen und Lernnuggets neues Wissen auch mit digitalen Medien in die Kurse zu integrieren – über E-Learning und Videoclips, die man auf einer digitalen Lernplattform bereitstellt, bis hin zu VR- und AR-Sequenzen oder Gamification-Ansätzen.

Mit medialen Wissensbausteinen kann die örtliche und zeitliche Flexibilität verbessert und erhöht werden.

Ronny Donath

Mit medialen Wissensbausteinen kann die örtliche und zeitliche Flexibilität verbessert und erhöht werden. Durch den Einsatz digitaler Medien im Unterricht kann das mediale Wissen auch zur Vor- und Nachbereitung über Lernplattformen zur Verfügung gestellt werden. Und das wird für uns das Spannende, wie das in der Praxis ausgestaltet werden könnte.

Hardy Farin: Aus den Gesprächen mit unseren Ausbildenden kommt noch ein anderer Aspekt zum Tragen. Die Vorbildung in den Klassen ist sehr unterschiedlich. Generell ist jeder Kurs ein auf das individuelle Lernniveau zugeschnittener Kurs. Und dafür brauchen die Ausbildenden flexibel einsetzbare kleine Bausteine, die sie variabel schieben können und an die unterschiedlichen Lernfähigkeiten und Voraussetzungen der einzelnen Klassen anpassen können.

Mit den digitalen Medien können die Ausbildenden auch kleine Punkte einbringen, die auffrischen und die Aufmerksamkeit erhöhen. Es kann ein spielerischer Ansatz sein, der einen kleinen Lernerfolg schafft, um die Ausbildungsmotivation zu erhöhen. Darin sehe ich einen großen Mehrwert.

Die Ausbilder sind doch diejenigen, die in den Kursen bereits Erfahrungen gesammelt haben. Damit sind ihnen die Wissenslücken oder auch die Verständnisschwierigkeiten weitestgehend bekannt. Von ihnen erhoffen wir uns weitere Anregungen für den Einsatz von kleinen (kurzzeitigen) digitalen Ausbildungshelfern in den „Problembereichen“. (Videos, kleine Simulationen, eventuell auch AR-Unterstützung, etc.)

Ronny Donath: Wir haben zunehmend mit heterogenen Zielgruppen in der Ausbildung zu kämpfen. Das Ausbildungsniveau ist sehr unterschiedlich. Abiturientinnen und Abiturienten machen ebenso wie Haupt- und Mittelschülerinnen und -schüler eine Ausbildung – das sind verschiedene Voraussetzungen, die mitgebracht werden. Über Microlearning-Ansätze kann man eine Möglichkeit finden, alle Auszubildenden auf ein einheitliches Niveau zu bringen und die Vor- und Nachbereitung solcher Kurse zu verbessern. Das ist sicherlich auch ein ganz wichtiger Aspekt.

Herzlichen Dank für das Interview!