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Für eine moderne Ausbildung in der Landwirtschaft

Landwirtschaftsprojekte bei Tagung der Bildungsstättenleiter/-innen vorgestellt

20.05.2021

Im Projekt „DiTRiGesund“ werden digitale Lernmittel für eine moderne überbetriebliche Ausbildung von Landwirt/-innen entwickelt. Einige davon wurden bei der digitalen Tagung der Leiter/-innen der Lehr- und Versuchsanstalten für Tierhaltung präsentiert. Auch das Projekt „SilA“ wurde kurz vorgestellt.

Für eine moderne Ausbildung in der Landwirtschaft

Die Leiter/-innen der Lehr- und Versuchsanstalten für Tierhaltung tauschen sich regelmäßig über Neuigkeiten, Entwicklungen und Herausforderungen in der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) der landwirtschaftlichen Fachkräfte aus. Bei der Tagung am 10. Mai 2021 erhielt das Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung die Gelegenheit, die Teilnehmenden über bestehende Fördermöglichkeiten sowie die im Sonderprogramm geförderten landwirtschaftlichen Projekte „DiTRiGesund“ und „SilA“ zu informieren.

Die Tagung der Leiter/-innen der Lehr- und Versuchsanstalten für Tierhaltung ist ein etabliertes Austausch- und Transferformat, das für die landwirtschaftlichen Projekte des Sonderprogramms eine wichtige Rolle spielt. Auf der Tagung können sie nahezu alle landwirtschaftlichen überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) erreichen und ihre Projektergebnisse vorstellen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, Impulse in die anderen ÜBS hineinzutragen. Außerdem erhalten die Projekte Anregungen durch die anderen Akteure und können gemeinsam über Herausforderungen in der ÜBA diskutieren.

Digitale Lernmittel im Projekt „DiTRiGesund“

Projektleiter Helmut Konrad stellte einige digitale Lernmittel vor, die im Projekt „DiTRiGesund“ geplant und entwickelt werden: Aktuell produziert das Projektteam beispielsweise eine Videoreihe zur Anleitung von Auszubildenden. „Ausbildungsvideos werden im Unterricht zum Erklären eingesetzt – quasi als betreutes Schauen – und erlauben nach dem Unterricht wiederholtes Schauen zum selbständigen Lernen und Vertiefen“, erklärte Konrad die Idee dahinter.

Geplant sind vier Videoformate, in denen Vorgänge, Anwendungen und/oder Techniken in unterschiedlicher Intensität visualisiert werden:

  • Der Microclip zeigt praktische Inhalte direkt im Unterricht; zur Vorbereitung der praktischen Übungseinheit (ca. 60 Sek.)
  • Der Quicktipp stellt einen Sachverhalt, eine praktische Anwendung oder eine Technik anschaulich und detailreich mit Schauspieler/-innen, Off-Sprecher/-innen und Einblendungen (Grafiken, Animationen) dar. (ca. 2-4 Min.)
  • 2D- und 3D-Animationen erklären komplexe Vorgänge, die man nicht filmen kann oder die zu aufwendig und zeitintensiv zu filmen wären. (2 bis 3 Min.)
  • Die Minidoku erklärt einen langen oder mehrere zusammenhängende Sachverhalte oder Anwendungen. Wie der Quicktipp ist auch die Minidoku alleinstehend und hat Musik, Off-Sprecher/-innen und animierte Erklärungen. (bis 7 Min.)

Als Schauspieler/-innen fungieren die Projektmitarbeitenden. Das erste Video zum Thema „Kälbertränke“ – ein Quicktipp – ist bereits finalisiert und soll den anderen ÜBS bald zur Verfügung gestellt werden. Zur Bewerbung der Reihe wurde außerdem ein Poster erstellt.

Das Projektteam entwickelt des Weiteren eine App zum Thema „Rationsplanung Milchvieh“. In der Anwendung können Auszubildende mit Futtermitteln experimentieren. Die Auswirkungen ihrer Futterauswahl und -mischung werden visualisiert, sodass die Auszubildenden ein direktes Feedback erhalten. Die App kann vorerst online über PC, Smartphone oder Tablet bedient werden. Später soll sie auch offline nutzbar sein. Auch eine Lernplattform soll im Projekt zum Einsatz kommen. Hierbei befindet sich das Projektteam aktuell in Absprachen mit Berufsschulen und anderen Partnern. Denn das Projektteam möchte, wenn möglich, auf ein bereits vorhandenes und von den Auszubildenden genutztes System zurückgreifen, um Synergien zu nutzen und eine Neuproduktion zu vermeiden.

Transfer in andere ÜBS

Helmut Konrad stellte außerdem vor, wie die Projektergebnisse zukünftig transferiert werden sollen: Das Projekt plant in einem ersten Schritt seine Ergebnisse innerhalb des Bildungszentrum Almesbach und der landwirtschaftlichen Bildungszentren zu verbreiten. In einem zweiten Schritt sollen weitere Akteure (z.B. Prüfungsausschüsse, Berufsbildungsausschuss, Lehrkräfte, Verbände) vom Projekt profitieren. Ein Ziel wäre u.a. zu bewirken, dass digitale Themen in die Prüfungen aufgenommen werden, damit diese in den Prüfungen auch abgebildet und abgefragt werden.

Zu den landwirtschaftlichen Projekten im Sonderprogramm gehört seit dem 1. April 2021 auch das Projekt „Simulationsgestütztes und immersives Lernen (SilA)“ des Versuchs- und Bildungszentrums Landwirtschaft Haus Düsse der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Dr. Arne Dahlhoff, Leiter des Versuchs- und Bildungszentrums, gab einen ersten Einblick in das Projektvorhaben. Im Projekt wird ein Demonstrator gebaut, an dem Auszubildenden digital und ohne Tierkontakt üben, Kälber zu enthornen und nicht-überlebensfähige Schweine zu töten.

Die Idee für den Demonstrator kam dem Projektteam durch den Fachbereich Maler und Lackierer des Handwerksbildungszentrums Brackwede, der einen Farbspritzsimulator auf der Fachtagung des Sonderprogramms im Juni 2019 vorstellte. Damit ist „SilA“ ein gelungenes Beispiel dafür, wie ein Simulationskonzept im Handwerk auf einen anderen Ausbildungsbereich übertragen wurde – und davon inspiriert ein neues Produkt für die überbetriebliche Ausbildung in der Landwirtschaft entwickelt werden konnte.

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