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Drei Fragen an... Thomas Murauer, Projektleiter „ARUB“, und Markus Schilaski, Projektmitarbeiter

Im Projekt „ARUB“ wird die überbetriebliche Ausbildung in ausgewählten bauwirtschaftlichen Berufen mit digitalen Technologien angereichert. Im Fokus steht dabei Augmented Reality (AR). Thomas Murauer und Markus Schilaski schildern im Gespräch unter anderem, welche Vorteile AR für die Ausbildung hat.

Drei Fragen an... Thomas Murauer, Projektleiter „ARUB“, und Markus Schilaski, Projektmitarbeiter
Markus Schilaski (links) und Thomas Murauer (rechts) sprechen im Interview darüber, wie man Augmented Reality (AR) in der überbetrieblichen Ausbildung in der Bauwirtschaft einsetzen kann.

Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung: Das Projekt „ARUB“ fokussiert sich auf den Einsatz von AR in bestimmten Berufen der Bauwirtschaft und der dazugehörigen überbetrieblichen Ausbildung. Wieso haben Sie sich für AR entschieden? Welchen Nutzen versprechen Sie sich davon?

Thomas Murauer: Bereits seit vielen Jahren arbeiten wir in den unterschiedlichsten Projekten, wobei sich zum Beispiel auch sehr viele mit Digitalisierung im Allgemeinen und BIM im Besonderen beschäftigt haben. Für uns stellt AR aber eine ganz neue Ebene in der Anwendung dar, da wir dadurch sehr gut und erstmalig das „Haptische“ mit dem „Digitalen“ verbinden können. Wir wollen die Möglichkeiten in der überbetrieblichen Ausbildung um eine weitere sehr konkrete Anwendung ausbauen. Als Nebeneffekt erhoffen wir uns von der AR-Technologie in Verbindung mit dem Remote-Assistenten auch neue Erkenntnisse für die Verbesserung in den Abläufen der Baubetriebe zu gewinnen.

Markus Schilaski: Mit der AR-Technologie erhalten Auszubildende eine digitale Unterstützung, die sie dazu befähigt, Abläufe und Prozesse noch besser zu verstehen. Während sie ein Werkstück erstellen, erhalten die Auszubildenden verschiedene Hilfestellungen digital eingeblendet − zum Beispiel einen Link zu einer Website, ein PDF oder auch ein digitales Messinstrument wie ein Lot. Die Ausbilderinnen und Ausbilder können außerdem mit AR-Brille oder Tablet direkt dabei sein und sofort erläutern, wenn es Probleme gibt. Ausbilder/-innen und Auszubildende können so die aktuellen Ausbildungsaufgaben im Sinne des handlungsorientierten Lernens gemeinsam erläutern und anschließend überprüfen.

AR ermöglicht uns, das Handwerkliche mit digitalen Elementen sinnvoll zu ergänzen.

Thomas Murauer, Projektleiter

Thomas Murauer: AR ermöglicht unter anderem einen ein Soll-Ist-Vergleich. Das „Ist“ ist das, was die Auszubildenden mit ihren Händen mauern und das „Soll“ ist das, wie es sein soll. Das ist zum Beispiel durch eine CAD-Zeichnung vorgegeben. Mit der AR-Technologie wird das Ganze objektiv miteinander verglichen. Dies ermöglicht uns, das Handwerkliche mit digitalen Elementen sinnvoll zu ergänzen.

Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung: Der Fachkräftemangel trifft auch die Baubranche. Inwiefern können die Auszubildenden vom Einsatz digitaler Technologien profitieren und wie kann dadurch insgesamt die Ausbildung in der Bauwirtschaft für junge Menschen attraktiver werden?

Markus Schilaski: Aktuell sind Pläne bzw. Zeichnungen in 2D auf Papier noch die Regel, so dass wir mit unserer Vorgehensweise einen Blick in das zukünftige Arbeiten und auch schon grundlegende Erfahrungen darin ermöglichen. Die digital dokumentierten Ergebnisse können zum Beispiel auch in Berufsschulen verwertet werden. So werden Theorie und Praxis miteinander verbunden und Zusammenhänge erstmals an konkreten, praktischen Beispielen erkennbar.

Der mögliche Abgleich des physischen Werkstücks mit einem digitalen Scan verdeutlicht zudem den geringen Spielraum in der Umsetzung. Mit einer Schablone, die digital über das Werkstück gesetzt wird, kann genau darstellt werden, wie exakt die Auszubildenden gearbeitet haben. Dadurch entstehen neue Anforderungen an die Auszubildenden, die dem Bauhandwerk ein ganz anderes Ansehen verleihen können. Die zukünftigen Fachkräfte werden besser ausgebildet. Darin liegt ein riesiges Potenzial, die Bauwirtschaft wieder attraktiver zu gestalten und die Qualität in der Ausführung zu erhöhen.

Die Digitalisierung muss die überbetriebliche Ausbildung ergänzen, nicht ersetzen. Das ist das Entscheidende.

Thomas Murauer, Projektleiter

Thomas Murauer: Auch die Didaktik und Methodik verändert sich durch die Anwendung der digitalen Technologien. Wir erhalten neuen Möglichkeiten − weg vom Frontalunterricht. So gehen wir zum Beispiel gemeinsam mit der Technischen Hochschule Köln das Thema „Gamification“ an. Mit digitalen Elementen kann die Attraktivität der Ausbildung gesteigert werden. Dennoch: Die Digitalisierung muss die überbetriebliche Ausbildung ergänzen, nicht ersetzen. Das ist das Entscheidende. Das Praktische muss im Vordergrund bleiben.

Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung: Die AR-Technologie ist nicht nur für die Auszubildenden neu. Auch die Ausbilder/-innen müssen den Umgang damit erlernen und vor allem erfahren, wie sie AR in der ÜBA gewinnbringend einsetzen können. Wie bereiten Sie die Ausbilder/-innen in Ihrer ÜBS auf diese neue Aufgabe vor?

Markus Schilaski: Damit unsere Ausbilder/-innen optimal mitwirken können, lassen wir sie zunächst an den Entwicklungen teilhaben. In Workshops erläutern wir den aktuellen Stand und diskutieren die weiteren Möglichkeiten. Wir erarbeiten gemeinsam die jeweiligen Mehrwerte für alle Beteiligten, und wenn alles ausreichend vorbereitet ist, erarbeiten wir, unter Berücksichtigung der individuellen Kenntnisstände, weiterführende Workshops

Thomas Murauer: Zunächst einmal geht es darum, die eigenen Ausbilderinnen und Ausbilder an die Technologie heranzuführen und die Einsatzmöglichkeiten möglichst konkret zu beschreiben. Die im Projekt arbeitenden Kollegen verfügen bereits über sehr gute Kenntnisse in der überbetrieblichen Ausbildung und nun möchten wir die restlichen Ausbilderinnen und Ausbilder „mitnehmen“.

Unser Ziel ist es, eine hohe Akzeptanz zu schaffen und das Interesse der Ausbilderinnen und Ausbilder zu wecken. Für uns gilt daher der Leitsatz „Je konkreter der Einsatz beschreiben ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Nutzung“. Dazu arbeiten wir eine exemplarische Lernaufgabe auf. Für diese beschreiben wir, an welcher Stelle welche digitale Technologie einsetzt werden kann. Es werden also keine speziellen oder neuen Übungsaufgaben entstehen, sondern die standardmäßigen Übungsaufgaben an den 3D-Modellen werden um digitale Technologien ergänzt. Diese digitalen Technologien müssen aber nicht zwingend eingesetzt werden. Das Vorgehen wird schließlich in einem Leitfaden beschrieben, den wir den Ausbilderinnen und Ausbildern zur Verfügung stellen. Das Projektteam unterstützt sie dann auch bei Bedarf in der Umsetzung.

Wenn die Ausbilderinnen und Ausbilder schließlich von der Technologie begeistert sind, konkrete Einsatzmöglichkeiten und Alternativen kennen, wir sie dahingehend geschult und qualifiziert haben, werden wir in einer 2. Phase auch die Auszubildenden mitnehmen können. Das sie begeistert aus der ÜBA rausgehen, ist das, was wir uns wünschen.

Sonderprogramm ÜBS-Digitalisierung: Vielen Dank für das Gespräch!

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