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MIKA-Seminare am AWO Berufsbildungszentrum: "Mein Computer mochte mich nie, jetzt hat er gelernt mit mir zu arbeiten"

18.08.2021 | Christine Kerzel - AWO Berufsbildungszentrum gGmbH

Die Digitalisierungsoffensive „Login statt Lockdown“ des AWO Berufsbildungszentrums (BBZ) besteht aus mehreren Bausteinen, die Strukturen, Methoden und Mitarbeitende zügig fit für die Bildung der Zukunft machen sollen. Dazu zählt auch das BMBF-geförderte Pilotprojekt „Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal“ (MIKA-Seminare). BBZ-Ausbilder Lazaros Kamardas nahm daran teil und berichtet von seinen Erfahrungen.

MIKA-Seminare am AWO Berufsbildungszentrum: "Mein Computer mochte mich nie, jetzt hat er gelernt mit mir zu arbeiten"
Ausbilder Lazaros Kamardas freut sich, dass sein erstes selbst erstelltes Padlet zum Thema „Metallbearbeitung“ viel positive Resonanz erfährt – auch von der Projektleiterin in der AWO Berufsbildungszentrum gGmbH Jill Backs.

Dreizehn Wochen geballtes Wissen für Ausbilder/innen verbergen sich hinter den MIKA-Seminaren. Seit kurzem zählt der Themenkomplex „Digitalisierte Arbeitswelt“ zu den Standardberufsbildpositionen. MIKA-Seminare sollen die Medien- und IT-Kompetenz von Ausbilder/innen aller Gewerke niedrigschwellig erweitern und digitale Lehr-Lernprozesse stärker in der beruflichen Bildung verankern. 

Das Pilotprojekt wurde ab März 2021 am Düsseldorfer AWO Berufsbildungszentrum unter der Leitung von Isabelle Schlender und Jill Backs praktisch durchgeführt. Ursprünglich war die Weiterbildung als Blended-Learning-Format mit Präsenzveranstaltungen geplant. Die Corona-Pandemie machte diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und so wurde eine Online-Variante des Weiterbildungsprogramms aufgelegt, bei dem sich Webinare und Projektarbeit in sieben Lernblöcken abwechselten.

23 Mitarbeiter/innen nahmen an den MIKA-Seminaren im BBZ teil. Einer davon ist Ausbilder Lazaros Kamardas. Er arbeitet mit ehemaligen Förderschüler/innen, die im Rahmen einer geförderten Maßnahme Schritt für Schritt an die berufliche Ausbildungsreife herangeführt werden. Theorie und Praxis ergänzen sich und als gelernter Maler und Lackierer bringt Kamardas viel handwerkliche Erfahrung und Expertise mit. Was seine IT-Kompetenz angeht, zählte er sich bislang nicht zu den digitalaffinen Kollegen und Kolleginnen des Berufsbildungszentrums und berichtet: „Der Facebook-Account unserer Teilnehmer/innen ist oft besser gepflegt als ihr Lebenslauf. Die Jugendlichen sind ständig im Netz unterwegs, aber was damit zusammenhängt wissen sie nicht. Sehr interessant fand ich zum Beispiel, die Grundlagen des Urheberrechts kennenzulernen und was das beim Verwenden von Bildern und Videos eigentlich bedeutet. Dieses Know-how kann ich jetzt vermitteln.“

„Das Ziel der MIKA-Seminare war, verschiedene digitale Tools kennenzulernen und diese dann in einem selbst erstellten Padlet – einer Art digitalen Pinnwand – anzuwenden. Ich bin ein visueller Typ und es liegt mir, Inhalte bildlich und spielerisch zu vermitteln. Jetzt aber nicht mehr nur mit Stift und Papier, sondern auch online. Manche Tools waren einfacher zu meistern als andere. Interaktive Slideshows zu erstellen ist simpel und man bekommt schnell beeindruckende Resultate – das motiviert natürlich. Virtuell gemeinsam zu brainstormen kommt bei den Jugendlichen auch gut an. Das Untertiteln von Videos hingegen fand ich schwierig. Teilweise gab es Tools mit viel Anleitungstext auf Englisch und für eine tiefere Beschäftigung damit fehlt im Arbeitsalltag oft die Zeit.“

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Sieben Lernbausteine absolvierten die 23 Teilnehmenden im Projekt „Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal“ (MIKA). Am Ende steht die Präsentation der Projektarbeit – am BBZ ist das eine Padlet-Lerneinheit für den eigenen Fachbereich.

„Ein eher trocknes Thema wie Arbeitssicherheit jetzt online bildlich darstellen zu können und mit digitalen Bilderrätseln aufzupeppen, ist klasse“, berichtet Lazaros Kamardas weiter. „Ein Highlight bei MIKA war auch, ein Lernvideo zum Umgang mit Arbeitsmitteln selbst zu erstellen. Das Video konnte ich gemeinsam mit meinen Teilnehmer/innen erarbeiten, die mit Feuereifer bei der Sache waren. Da hat man schon gemerkt, dass sich die Jugendlichen gerne mit digitalen Formaten beschäftigen und auf diesem Weg nochmal ganz anders erreicht werden können. Ob ich alles anwenden werde, was ich gelernt habe? Einige Unterrichtsthemen eignen sich zum Digitalisieren und ich habe das auch vor. Doch als Handwerker liegt der Fokus nach wie vor stark auf der Praxis. Für den nächsten Lockdown bin ich aber auf jeden Fall gut gerüstet.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „Mein Computer mochte mich nie, jetzt hat er gelernt mit mir zu arbeiten“.

Auch Projektleiterin Jill Backs zieht eine positive Bilanz: „Anfangs habe ich eng mit Lazaros zusammengearbeitet, um den Einstieg zu meistern. Doch nach kurzer Zeit und den ersten Erfolgserlebnissen mit diversen digitalen Medien hatte er sich eingearbeitet und sein Padlet eigenständig fertiggestellt. Einer unserer Ausbilder für die Berufsausbildung im Bereich Holz hat nach dem Abschluss der MIKA-Seminare vor, für alle Maschinen Lernvideos zu erstellen, die die Auszubildenden in der Werkstatt über QR-Codes aufrufen können. So einen großen Lernfortschritt in kurzer Zeit zu sehen – da geht mir als Projektleiterin das Herz auf …“.

Weitere Informationen

Seminarkonzept "Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal (MIKA)"

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