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Kanzlerin Merkel im Gespräch mit Auszubildenden

13.11.2020

Die Bundeskanzlerin hat an junge Leute appelliert, auch unter besonderen Bedingungen in Corona-Zeiten auf eine berufliche Ausbildung zu setzen. "Für mich ist eine Berufsausbildung gleichwertig mit einem Studium", erklärte Merkel bei einem virtuellen Bürgerdialog mit Auszubildenden und Ausbildern. Themen waren der aktuelle Ausbildungsalltag in Betrieb und Berufsschule.

Kanzlerin Merkel im Gespräch mit Auszubildenden

Gleich zu Beginn macht die Kanzlerin deutlich, warum ihr der Dialog mit den Auszubildenden so wichtig ist. Das Corona-Virus verlange allen eine Menge ab. Aber den Lehrlingen umso mehr. "Sie sind in einer entscheidenden Phase ihres Lebens, gucken auf ihre Zukunft und darauf, was sie gerade lernen oder eben nicht lernen", betont Merkel mit Blick auf Einschränkungen in den Firmen und den Berufsschulen. Und die jungen Leute, die im Moment eine Ausbildungsstelle suchen, hätten es wegen der Unsicherheit durch die Pandemie im Moment noch schwerer.

Austausch mit "Generation Corona"

Anlass genug für die Bundeskanzlerin, sich eineinhalb Stunden für einen Austausch mit Auszubildenden und Ausbildern Zeit zu nehmen – virtuell. Ihr fehle es, sich wie normalerweise mit vielen Menschen treffen zu können. Umso mehr gebe ihr der digitale Dialog die Chance, das wichtige Gespräch mit der "Generation Corona" zu führen, die "gerade etwas Außergewöhnliches erlebt".

Auszubildende berichten über Zeit im Homeoffice

Einer der 18 Auszubildenden ist Markus Hanswin aus dem nordrhein-westfälischen Langenfeld. Er erlernt den Beruf des Technischen Systemplaners - und berichtet der Kanzlerin von seiner regelmäßigen Arbeit im Homeoffice, mit dem er viele Vorteile verbindet. "Da fallen alleine morgens und abends je 40 Minuten Fahrtzeit weg".

Bevor er im Sommer seine Ausbildung begonnen hatte, war er einige Semester für ein Ingenieurstudium eingeschrieben. Schnell fand er heraus, dass er lieber etwas Praktisches machen wollte. Die Kanzlerin zeigt Respekt für diese Entscheidung. Für sie seien berufliche und akademische Bildung gleichwertig. Nicht jeder müsse studieren. Es sei wichtig, zu erkennen, dass man andere Fähigkeiten habe.             

Keine Kurzarbeit für Auszubildende

Sohra Amiri ist angehende Speditionskauffrau bei einer Fluggesellschaft. Die 22-Jährige im dritten Lehrjahr erzählt von Kurzarbeit in dem Unternehmen. Angesichts der Corona bedingten Krise der Luftfahrtbranche fragt die Kanzlerin besorgt nach: "Sie bekommen aber Ihre volle Ausbildungsvergütung"? Sohra stellt klar, dass die Auszubildenden von der Kurzarbeit ausgenommen sind. Schließlich möchte Merkel von ihr wissen, ob sie denn im Moment auch die Berufsschule besuche. Hierzu berichtet Sohra, dass sie digitalen Unterricht habe, "damit wir für die Abschlussprüfungen nicht gefährdet sind". Die Ansteckungsgefahr sei beim Homeschooling geringer.

Digitalisierung der Berufsschulen

Mehrfach wird während des Dialoges deutlich, dass Berufsschulen derzeit teilweise auch auf Hybridunterricht setzen, also die Kombination von Präsenz- und digitalem Lernen. Im Frühjahr mussten die Berufsschulen komplett schließen und nach Möglichkeit auf digitalen Unterricht umstellen. Das habe nicht immer perfekt geklappt, so die Erfahrung der Auszubildenden. Dieses Bild deckt sich mit den Eindrücken einiger Ausbilder, die auch bei dem virtuellen Dialog vertreten sind. Die Auszubildenden seien in der Regel trotz Corona-Krise sehr engagiert. In den Berufsschulen sei die Situation aber auch mit Blick auf die Digitalisierung schwierig.    

Die Kanzlerin räumt ein, "dass wir da ein bisschen hinterherhinken". Es gebe aber den Digitalpakt Schule, der unter anderem Lehrer mit Tablets ausstatte. Deutschland wolle ein modernes Land sein. Deshalb "müssen wir da mehr machen".

Sorge um Abschlussprüfung

Abdul-Mobin Alizada plagen andere Sorgen. Der 22-jährige ist vor fünf Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen und steht nun kurz vor dem Ausbildungsabschluss als Elektroniker. Er befürchtet, dass aufgrund der Pandemie seine entscheidende Prüfung im Dezember nicht stattfinden kann. Für ihn findet Angela Merkel beruhigende Worte: "Man wird sie ja nicht hängen lassen". Sie sei überzeugt, dass er seinen Abschluss machen könne. Und ist beeindruckt von den sehr guten Deutschkenntnissen, die sich Abdul-Mobin in kurzer Zeit und mit großem Fleiß angeeignet hat.

Eine andere Auszubildende berichtet von vielen, zunächst erfolglosen Bewerbungen um eine Lehrstelle. Leider habe sie von den Unternehmen nicht den Grund für die Absagen mitgeteilt bekommen. Die Kanzlerin rät ihr, nicht nur bei sich die Ursache zu suchen. Manche Betriebe könnten in der aktuellen Krise gerade keine neuen Ausbildungsverträge abschließen. Umso wichtiger sei es, dass die Unternehmen wenigstens eine Antwort schickten, um damit den jungen Leuten die Verunsicherung zu nehmen.

Generationenübergreifender Dialog entscheidend

Bei dem Gespräch der jungen Leute mit der Kanzlerin geht es nicht nur um das Thema Ausbildung. Die Auszubildenden interessiert auch die Haltung der Kanzlerin zu den Zukunftschancen ihrer Generation. Merkel gibt ihnen den Rat,  in unserer Gesellschaft nichts für selbstverständlich zu halten. Die Corona-Pandemie zeige deutlich, dass man sich immer wieder gegen Naturkatastrophen wappnen müsse.

Auch für mehr Klimaschutz müssten alle umdenken, vor allem die ältere Generation. Und mit Blick auf Corona seien es jetzt die Jüngeren, die das Risiko der Älteren im Blick haben sollten. Wichtig sei ein generationenübergreifender Dialog. Was aber die generellen Zukunftschancen angeht, mache sie sich keine Sorgen. "Deutschland kann auf Sie bauen", so die Kanzlerin zu den Auszubildenden.

Weitere Informationen

Das Video ist in der Mediathek der Bundeskanzlerin abrufbar: https://www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/mediathek/die-kanzlerin-ueber-die-aussergewoehnliche-zeit-fuer-junge-leute-1810982!mediathek.